20.02.2008
18.02.2008 Ancona-Patras
Eintrag von Volker Häring
Schnee! Das Fernsehen zeigt rutschende Autos, weiße Straßen, Schneeberge am Straßenrand. Der Ort: Athen. Aus dem Panoramafenster der Schiffsdisko, am Morgen Treffpunkt der aussteigewilligen Passagiere, gibt den Blick frei auf blaues Meer, strahlenden Sonnenschein und zerklüftete Inseln. Nur die leicht gezuckerten Bergspitzen erinnern an den Wintereinbruch in Griechenland, pünktlich zu unserer Ankunft. Noch ist uns angenehm warm und auch der Schnee kann uns nicht schrecken. „Zu einer außergewöhnlichen Reise gehört auch außergewöhnliches Wetter!“ wirft Richard ein, der neben mir sitzt und über die schweren Trucks auf der Ladefläche sinnierend auf das blaue Meer blickt.
Die Anreise hätte passender nicht sein können. Warum sollten wir es ausgerechnet auf dem Weg nach Athen eilig haben, um uns danach 170 Tage Zeit für den Weg nach Peking zu nehmen?! 48 Stunden sind die meisten von uns jetzt unterwegs, knapp 40 Stunden sind vergangen, seit wir uns in Freiburg getroffen haben. Eine Anreise mit Muße, Zeit, uns an den Gedanken zu gewöhnen, nun ein halbes Jahr unterwegs zu sein. Ancona war wenig spektakulär, eine typische mediterrane Hafenstadt mit verwinkelten Gassen, in Braun- und Orangetönen gestrichene Häusern und ein paar mäßig interessanten Kirchen. Das Schiff ist funktional, mit einfachen Mitteln auf stilvoll getrimmt und kultiviert das Selbstbewusstsein, dass schnellste Schiff auf der Route Ancona-Patras zu sein. Das Restaurant-Personal rümpft ein wenig die Nase, als wir getrennt zahlen wollen, nicht umsonst heißt getrennte Rechnung auf Griechisch „Rechnung auf Deutsch“. Auch bei uns kommt der Vorschlag auf, auch schon in Griechenland eine Gruppenkasse einzurichten und alle gemeinsamen Ausgaben daraus zu bestreiten. Ab der Türkei war dies sowieso geplant. Gestern Abend haben Tom und ich uns noch ein letztes Hefeweizen in der Disko gegönnt und vergeblich versucht, unsere Blogeinträge über das eigentlich vorhandene W-Lan-Netz zu schicken. Neben uns feiert eine Gruppe französischer Schülerinnen, dass die Lehrerin schon ins Bett gegangen ist. Aus den Lautsprechern dröhnt Funk aus den späten 1970ern. Griechische Männer Mitte 50 starren auf die Schülerinnen, die Schülerinnen auf eine kleine Gruppe gleichaltriger Jungen und ich auf den Bildschirm meines Notebooks, in der Hoffnung, doch noch Zugang zum Internet zu bekommen. Als sich um halb eins immer noch nichts rührt, geben wir auf und ziehen uns in unser Zimmer zurück. Die Kabine ist, um es positiv auszudrücken, zweckmäßig und eigentlich auf vier Personen ausgelegt. Platz für Gepäck für 175 Tage ist da eigentlich nicht, und wir sind froh, sie uns nur zu zweit zu teilen. Die Betten wirken nach 30 Stunden ohne Schlaf äußerst bequem, nur die Klimaanlage bläst einen kalten Orkan durch die Kabine. Das Thermostat bietet die Einstellungsmöglichkeiten eiskalt und fast eiskalt, ungeachtet der einladend rot schimmernden Skala am rechten Ende. So weht die ganze Nacht ein kalter Wind durch die Kabine, dem die dünnen Decken nur bedingt gewachsen sind und lüftet uns unangenehm durch. Toms Schuhe können die konstante Lüftung jedoch gut gebrauchen und landen zwecks Verbesserung des Raumklimas auf dem Gang.
