Archiv für das Tag 'Akona'

von Tom Krech

Das einzige, was wir vom Unwetter mitbekommen haben, das halb Griechenland mit Schneemassen lahm gelegt hat, war ein leichtes Rollen des Schiffes. Am Morgen jedoch ist der Himmel glasklar, das Wasser stahlblau und die Sicht wunderbar. An der KĂŒste zeichnen sich die Dörfer am Ufer deutlich ab und die Berge, auch die nicht so hohen sind wie mit Puderzucker bestĂ€ubt, mit Schnee bedeckt.
Das FrĂŒhstĂŒck auf unserer Superfast-FĂ€hre ist lausig, dafĂŒr wird die Stimmung besser je nĂ€her wir der griechischen KĂŒste kommen. Gegen Mittag sehen wir dann endlich den Hafen von Akona und beobachten das Anlanden vom sonnigen Oberdeck. Wir begeben uns von Bord und haben den nĂ€chsten Foto- und Fernsehtermin mit dem griechischen Fernsehen. Langsam wird es Zeit, auf die RĂ€der zu kommen, Vorschußlorbeeren haben wir inzwischen genug gesammelt. Auch Yorgos, unser griechischer FĂŒhrer, hat uns am Hafen getroffen und erzĂ€hlt uns von 30 cm Schnee in Athen und das der Rest unserer Teilnehmer massiv verspĂ€tet eintreffen wird, da der Verkehr komplett zusammengebrochen war und auch der Flughafen geschlossen ist.

Der Bus windet sich durch wunderschöne Landschaft, ĂŒberall liegen kleine Ortschaften und verstreute HĂ€user, Olivenhaine und Obstplantagen. Mandarinen und Zitronen leuchten an den BĂ€umen. Auf Athen zu wird es immer frischer und es liegt Schnee, nicht nur ein dĂŒnner Hauch, sondern eine richtig dicke Schneedecke, so etwas soll Athen seit Jahren nicht mehr gesehen haben. Hubert, unser Österreicher war mit einer anderen FĂ€hre gekommen und dann 65 Kilometer geradelt, denn ein öffentliches Verkehrsmittel gab es heute Morgen nicht mehr. Wir sammeln ihn dann an der letzten Mautstation vor Athen ein und Hubert ist auch ganz froh, in den warmen Bus steigen zu können.

Inzwischen sind Athens Straßen einigermaßen gerĂ€umt und wir erreichen gegen 17 Uhr das Hotel. Athen ist nicht unbedingt eine Schönheit, die Straßen sind eng und erscheinen durch den Schneematsch noch grauer, als sie wohl wirklich sind. Überall stapelt sich MĂŒll und der Verkehr ist recht dicht, aber ich denke, die historischen PlĂ€tze, die wir morgen besichtigen wollen, machen dies alles wieder wett. Bei der Einfahrt hatten wir einen entfernten Blick auf die Akropolis werfen können, die aber noch zu weit weg war, um einen Eindruck zu gewinnen.

Viel Zeit bleibt im Hotel nicht mehr bis zum Abendessen, gerade einmal genug, um alle Taschen auszurĂ€umen und im Zimmer ein Chaos zu hinterlassen. Damit unser Bus vor dem Hotel parken konnte, hatten wir einen griechischen PKW einfach ein paar Meter nach vorne getragen. Die Taverne, in die uns Yorgos von Gnosis Reisen, unserer griechischen Partneragentur, fĂŒhrt, ist klein und urgemĂŒtlich. Ein leichter Weißwein wird sofort aufgetischt und es kommen Salate mit SchafskĂ€se, eine Art Spinat, Auberginen und Grillfleisch, dazu frisches Brot und Olivenöl. Alles erstaunlich lecker und hat nichts mit dem zu tun, was „der Grieche“ in Berlin auf den Tisch bringt. Das Essen zieht sich in die LĂ€nge, Krug um Krug des Weines wird geleert und die Stimmung steigt noch einmal, als dann die beiden Berliner Andre und Heike mit 24 Stunden VerspĂ€tung eintreffen. Die beiden hatten am Vortage schon einmal im Flieger gesessen, der dann keine Starterlaubnis bekommen hat und auch am nĂ€chsten Tag gab es noch einmal eine heftige VerspĂ€tung und ich bin froh, dass ich die Anreise mit dem Bus gemacht habe und einfach noch etwas Zeit blieb, mich nach dem Stress der letzten Wochen in Berlin zu erholen und mental auf das Kommende vorzubereiten. Zuweilen ist der Landweg eben doch schneller als ein Flug. Bis Mitternacht fließt noch viel Wein unsere Kehlen hinunter und dann wanken wir ins nahe Hotel zurĂŒck, wo ich dann mein AusrĂŒstungschaos einfach nur beiseite schiebe und in traumlosen Tiefschlaf falle.

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