Bericht von Tom Krech
Langsam merke ich, dass die Tour ihrem Ende entgegen geht, denn jeder Ruhetag ist mehr als willkommen, egal wie anstrengend oder relaxt die letzten Tage auf dem Rad waren. Das späte Frühstück und drei Kaffee bringen mich einigermaßen auf Trab und ich freue mich auf das Kloster am Südberg.
Nichts gewohnt als Radfahren quälen wir uns langsam zu Fuß den Berg hinauf. Wie eine Festung thront dieses kleine Kloster hier über dem Tal und wartet auf unsere Besichtigung.
Der Wutaishan ist einer von fünf heiligen buddhistischen Bergen in China und von denen der nördlichste, fast nur einen Katzensprung von Beijing entfernt. Eigentlich reicht die Geschichte wieder zurück bis ins 6. Jahrhundert, aber viel von den ursprünglichen Bauten hat die antibuddhistischen Pogrome der Tang Dynastie, die geschmacklosen Renovierungen der Qing Dynastie und die Zerstörungen der Kulturrevolution nicht überstanden.
Auf halber Höhe über dem dunstigen Tal erwarten uns dicke Gemäuer und mehr oder weniger restaurierte Tempel. Schon der Eingangsbereich ist unüblich, es geht nicht durch die zentrale Achse in den Tempel, sondern durch einen langen finsteren Tunnel von links. Zusätzlich zu den vier Wächterfiguren schrecken zwei weitere dunkle Gestalten böse Geister und feindlich gesinnte Eindringlinge ab. Im ersten Hof findet sich dann eine Stupa, die eher nach Tibet gehört als in die Nähe von Beijing, aber der Wutaishan ist auch ein heiliger Berg für die Tibeter und so finden sich auch hier Zeugnisse für die tantrische Spezialrichtung des Buddhismus, was eine Erläuterung der einzelnen Tempel und Figuren nicht unbedingt erleichtert. Eine Stunde lang bahnen wir uns den Weg durch die engen Höfe und kleinen Tempel der Anlage und bestaunen die Buddhas und Boddhisattvas, dann haben wir unser Pflichtprogramm für heute beendet.
Wie hat sich doch dieses kleine Städtchen in den letzten 7 Jahren verändert, als ich 2001 das letzte Mal hier war, war Wutaishan ein kleines Dorf mit einer Straße voller winziger Restaurants und ein paar kleinen Guesthäusern und nur einem Hotel. Nur wenige Gäste kamen, hauptsächlich Pilgerer. Heute führt eine breite Straße an mehr als 10 großen Hotels vorbei und der Tourismus mit chinesischen Touristen boomt. Trotzdem finden sich immer noch die Pilgerer hier und auch einige Tibeter sind auf den Straßen zu sehen, die sich ihren Aufenthalt damit finanzieren, Modeschmuck und auf Leopard getrimmte Kaninchenfelle zu verhökern oder in den Restaurants tibetische Lieder zu singen.
Eigentlich wollte ich dann noch einige Tempel mehr erkunden, aber nachdem ich meine Wäsche erledigt und einen kleinen Mittagsschlaf gemacht habe, bleibe ich dann in einem chinesischen Krimi stecken und lese weiter bis es Zeit zum Abendessen ist und dann bleiben mir noch 20 Seiten um herauszufinden, wer denn nun der Mörder war.
Das Abendessen verläuft sich in kleinen Gruppen und ist deshalb sehr angenehm und ich bin mehr als angetan von der Atmosphäre im neuen Wutaisahn.
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“Durch Nebelschwaden in die heiligen Bergen“
117 Kilometer, 1382 Höhenmeter
Bericht von Tom Krech
Ich fühle mich so frisch wie dieser Morgen nach dem Regen, werde also heute wieder auf mein Fahrrad steigen, auch wenn uns eine lange und nicht einfache Etappe erwartet. Morgens ist das heiße Wasser aus beiden Wasserhähnen noch nicht ganz so heiß, sondern hast genau Duschtemperatur und auch das Frühstück im Hotel ist nicht schlecht. Zu unserer Überraschung hatte es gestern Abend unter anderem Kartoffelpuffer gegeben und davon habe ich dann gleich zum Frühstück noch einmal welche ordern lassen.
Draußen ist es nicht so heiß und stickig, wie in den Tagen zuvor, die Wolken hängen tief und es nieselt ab und zu. Das ideale Wetter um einen langen Pass nach oben zu fahren, zumal dieser heute nicht asphaltiert ist. Wir haben uns für diese Variante entschieden, da uns die Abkürzung über den Berg gute 30 Kilometer spart.
Die Piste ist gut zu fahren und wenig buckelig und es gibt nahezu keine Autos, auch wenn der Grund dafür ist, dass die Straße oben mit einem Erdhügel für Fahrzeuge versperrt ist, so dass unsere beiden Busfahrer umkehren und außen herum fahren müssen. Wir schrauben uns den kleinen Weg nach oben und die Nebelschwaden werden dichter, stellenweise kann man nicht weiter als 10 Meter sehen. Aus den Nebelschwaden heraus tauchen kleine festungsartige Dörfer auf. Große, aus Flusssteinen gebaute Mauern säumen die Straße und obenauf thronen wuchtige alte Häuser. Eine dünne Gasse mit einer Treppe führt ins Dorf und wir machen eine kleine Erkundung und werden schon nach 5 Minuten von den Kindern und Alten des Dorfes begleitet. Im Gegensatz zu anderen Gegenden sieht es recht ordentlich auf den Höfen aus. Gackernde Hühner laufen herum und rund um die Tenne, einem kleinen gestampften Platz, liegen wuchtige Mühlsteine und überall hat man Sonnenblumen gepflanzt.
Oben am Pass machen wir eine Pause im Nebel mit Bananen, Keksen und Obst und dann geht es wieder ins Tal hinunter. Die Berge sind eine Wetterscheide und so reißt sofort der Nebel auf und wir haben einen schönen Blick über das bewaldete Tal. Unter uns und an den Bergen gegenüber hängen noch Nebelbänke und verzaubern die Landschaft.
Unten im Tal haben wir dann den Asphalt zurück und biegen auf die Hauptstraße in Richtung Wutaishan. Volker hat heute ganz vorne fahrend schon das Mittagessen organisiert und an einer kleinen Kreuzung wartet dann schon eine große Nudelsuppe auf uns, zum Nachtisch gönnen wir uns einen Kaffee, den wir seit einigen Tagen immer im Gepäck haben und eigentlich ist die Stimmung eher nach einem Mittagsschläfchen, als nach weiteren Kilometern. Trotzdem schwingen wir uns wieder aufs Rad und es geht weiter leicht bergauf und es trennen uns noch jede Menge Kilometer vom Ziel.
Wieder einmal leistet der MP3 Player gute Dienste, gerade wenn es einmal nicht so schnell vorwärts geht, dann treibt mich die Musik gut voran und nach einer Weile sind wir alle sieben Leute, die wir heute die Schlussgruppe bilden, musikalisch verdrahtet und jeder fährt in seinem Takt. Selbst in den kleinen Pausen, die wir uns gönnen, stehen wir noch tanzend auf der Straße.
Wutaishan liegt auf gut 1600 Höhenmetern und so wird es angenehm kühl, als wir am frühen Abend die letzten Kilometer bis ins Dorf hinter uns bringen. Obwohl ich hier schon mehrfach war, erkenn ich die Gegend kaum wieder. Früher war Wutaishan ein mickriges Dorf mit ein paar Guesthäusern, heute säumen mittelgroße Hotels die breite Straße. War es vor 6 Jahren noch ein Problem ein ordentliches Restaurant zu finden, gibt es jetzt eine ganze Zeile von gut aussehenden Lokalen.
Leider alles wieder einmal mehr Schein als sein, denn obwohl die ersten Radler schon zwei Stunden hier sind, gibt es immer noch ein paar Leute ohne Zimmer und auch Wasser gibt es keins. Zum Glück lösen sich diese Probleme gerade bei der Ankunft der kleinen Schlussgruppe und so stört es nicht, dass wir nur eine halbe Stunde bis zum Abendessen haben.
Ein kleines Lokal an der Straße hat ein recht ordentliches Angebot, auch gibt es einige Gerichte mit lokalen Wildkräutern und Pilzen. Da wir morgen einen Ruhetag haben, sitzen wir noch recht lange im Lokal und schwatzen über die letzten Tage, die noch vor uns liegen.
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Tags: Wutaishan
“Krank im Bus III“  Â
50 Kilometer
Leider wache ich noch zerschlagener auf, als ich ins Bett gegangen bin, aber der Vormittag, den die anderen hier am Zangshan mit einem Halbtagesausflug verbringen, tut mir mit noch ein paar Stunden Schlaf ganz gut.
Im Bus habe ich dann schon wieder Lust zum Lesen und gegen Abend fühle ich mich recht ordentlich. In Yuxian Wenquan bekommen wir nette Zimmer, allerdings kommt aus beiden Wasserhähnen heißes Quellwasser, dies sei hier schon immer so gewesen und es ist schon eine klempnertechnische Meisterleistung, ein Hotel nur mit heißem Wasser auszustatten, auch die Toilette wird mit heißem Wasser gespült.
Zu einer Dusche kommt man hier also nur, wenn man die größtmögliche Entfernung von Duschkopf zum Körper herstellt, auch wenn danach natürlich das gesamte Badezimmer geflutet ist.
Das Abendessen ist üppig und bäuerlich und ich esse auch einmal wieder ein wenig und bin optimistisch, dass ich morgen wieder aufs Rad steige. Abends realisiere ich, dass heute der erste Tag ist, an dem ich kein einziges Foto produziert habe.
Tags: Yuxian Wenquan
„Krank im Bus II“
120 Kilometer
Bericht von Tom Krech
Auch heute steige ich wieder auf den Bus und bin ganz froh dem Dreck draußen auf der Straße zu entgehen und wenigstens ab und zu noch ein wenig schlafen zu können.
Natürlich bin ich nicht in der Lage und in der Laune heute viel zu schreiben, zwei Leute unserer Truppe sind falsch abgebogen, aber wir konnten sie schnell wieder finden und im abendlichen Hotel in Zangshan ist nichts vorbereitet, die Zimmer sind noch besetzt und müssen noch gereinigt werden, was sich nicht unbedingt positiv auf die Gruppenstimmung auswirkt.
Ich verzichte noch einmal aufs Abendbrot und lege mich zeitig ins Bett, mit der Hoffnung, dass es mir morgen besser geht.
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Tags: Zangshan
„Krank im Bus I“
95 Kilometer
Bericht von Tom Krech
Am Morgen fühle ich mich zwar etwas besser und mache sogar Yoga, aber danach bin ich erschöpft, wie nach einer 150 Kilometer Etappe, deshalb beschließe ich auf den Bus zu steigen und tue das dann auch.
Viel gibt es dann auch von mir an diesem Tag nicht zu berichten, denn ich verbringe den Tag damit im Bus zu schlafen und zu fiebern, organisiere das Mittagessen und das Abendessen in Hengshan.
Hier mache ich noch einen kurzen Ausflug ins Zentrum auf der Suche nach einem funktionierenden Bankautomaten und finde auch einen und mir gelingen noch einige schöne Bilder vom bunten Treiben auf dem zentralen Platz der Stadt, wo sich die Hälfte der Bevölkerung zu treffen scheint.
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Tags: Hengshan
Bericht von Tom Krech
Ein Ruhetag und ich habe mich schrecklich erkältet, da ich bei laufender Klimaanlage eingeschlafen und mitten in der Nacht frierend aufgewacht bin. Alles tut mir weh und ich schleppe mich mit Kopfschmerzen ins nächste Kaffee mit Internetanschluss und erledige die wichtigsten Arbeiten und kann mich mit starkem Kaffee gerade so wach halten.
Nach einem Schläfchen fühle ich mich nur wenig besser und beschließe, wenigstens einen kleinen Spaziergang durchs Städtchen zu machen. Die Hauptstraßen der Stadt sind alle vorbildlich renoviert und in den zahlreichen Familienresidenzen gibt es Cafes, Läden und Hotels und der Autoverkehr ist vor die Stadtmauern verbannt worden. Biegt man in die Seitenstraßen ein, hat man nicht mehr den Eindruck in einer der wichtigsten chinesischen Touristenzentren zu sein. Hier herrschen in den Höfen noch der Verfall und das Chaos. In den kommunistischen Zeiten wurden in den ehemals geräumigen Höfen kleine Ziegelhütten gebaut, um mehr Leuten Platz zu bieten und in jedem freien Winkel lagern die Bewohner Steine, Holz und Kohle für den nächsten Winter oder aber alte Möbel, die sich inzwischen zu Müll verwandelt haben. Nur die Tore und die Geisterwände, manche reich geschmückt oder mit Ornamenten verziert, zeugen von dem ehemaligen Reichtum und Prunk. In den engen Höfen sitzen die alten Leute und spielen Karten und auf den Straßen tragen Großväter und Großmütter ihre Enkel spazieren oder es bilden sich kleine Gruppe von schwatzenden Rentnern.
Da ich mich zunehmend schlechter fühle, verzichte ich auf einen Spaziergang auf der Stadtmauer und kehre ins Hotel zurück und verziehe mich mit zwei Aspirin in mein Bett und lasse sogar das Abendessen aus und hoffe, dass meine Erkältung bis morgen wieder abgeklungen ist.
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42 Kilometer, 106 Höhenmeter
Bericht von Tom Krech
Da wir heute nur eine kurze Strecke vor uns haben ziehen wir erst eine halbe Stunde später als gewöhnlich los. Wegen des Staubes habe ich gleich ein altes T-Shirt ausgepackt, doch es ist viel besser als gestern. Die ersten Kilometer geht es noch auf der Bundesstraße entlang und dann biegen wir auf die Nebenstraße ein, um zum Shuanglin Si, einem alten buddhistischen Tempel, zu kommen. Der Tempel, jahrelang in Vergessenheit geraten, beherbergt wunderschöne Buddhafiguren aus der Song, Yuan und Ming Dynastie. Auch die Gebäude sind noch nicht „tot“ renoviert und der Eisstand bietet gute Sorten Gefrorenes gegen die Hitze des Tages.
Bis Pingyao ist es dann nur noch ein Katzensprung. Pingyao ist eine der wenigen Städte in China mit einer durchgängig erhaltenen Stadtmauer und wurde in den letzten 10 Jahren für den Tourismus entdeckt und von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Inzwischen sind deshalb viele Straßen stilvoll renoviert und es gibt zahllose Restaurants und Hotels in alten Familienresidenzen.
Noch heute bekommt man einen Eindruck davon, dass diese Stadt in den letzten Dynastien eines der wichtigsten Handels- und Finanzzentren Chinas war und sehr reiche Familien hier wohnten. Auch unser Hotel liegt in einer solchen alten Familienresidenz und die Zimmer sind in zwei Etagen um die drei Höfe angeordnet. Zwar sind die Zimmer winzig, aber in altem chinesischem Stil gehalten, also gibt es kein Bett, sondern einen riesigen Kang und ich bedauere wieder einmal hier allein mein Zimmer beziehen zu müssen.
Unseren Mittag machen wir noch im Hotel und dann lösen wir die Gruppe auf. In den touristischen Straßen sprechen die meisten Händler einigermaßen Englisch und es gibt zweisprachige Speisekarten und so kann die Gruppe heute gut ohne Reiseleiter auskommen.
Ich gönne mir einen Nachmittagsschlaf und pilgere dann ein wenig durch die Hauptstraße auf der Suche nach ein paar schönen Buddhas für mein Berliner Zuhause. Leider gibt es viel zu viele schöne Figuren und nach einer halben Stunde befinden sich schon drei Figuren in meinem Besitz und zieren nun die Fensterbank meines Hotelzimmers.
Am Abend werde ich von Rosemarie zu einer Flasche Wein eingeladen, aus der dann zwei werden und wir sitzen die ganze Zeit an einem schönen Tisch an der Haupteinkaufsstraße in der Fußgängerzone und beobachten das bunte Treiben der chinesischen Touristen bis spät in die Nacht.
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Tags: Pingyao
„Schwarzer Dreck und dreckiges Bier“
138 Kilometer, 961 Höhenmeter
Bericht von Tom Krech
Vor dem Frühstück und nach dem Frühstück nervt die Hotelbesatzung wieder wegen der Pässe und einige unserer Fahrer sind genervt, da zwei der Karten, die wir am Beijinger Flughafen brauchen werden, verschwunden sind und auch nicht mehr auftauchen.
Das kostet uns natürlich auch wieder eine halbe Stunde, zumal auch der Frühstücksservice ziemlich langsam vonstatten ging.
Das Wetter ist trotzdem noch angenehm frisch und wir kommen trotz der leichten Steigung gut vorwärts, schnell sind die ersten 30 Kilometer gefahren und wir stoppen für unsere erste Bananenpause. Inzwischen sind unsere Fahrer richtig fit und besorgen Getränke und richtige kalorienhaltige Kekse, die ich zu Hause keines Blickes würdigen würde.
Nach ein paar Kilometern staubiger Baustelle geht es in einem schönen Tal bis zum Pass und dann hört leider die schöne Landschaft auf, denn wir kommen nun ins Hauptkohleabbaugebiet Chinas. Im Tal gibt es viel schmutzige Industrie und riesige Koksereien. Nach einer halben Stunde nimmt dann der Körper auch langsam die dunkle, schmutzig, graue Farbe der Umgebung an. Hunderte von LKWs wirbeln den Dreck an den Straßenrändern auf, und das ganze Tal ist eine ökologische Katastrophe. Grüne Farbe gibt es hier praktisch nicht mehr. Auch die Wohnsiedlungen für die Arbeiter, sozialistischer Plattenbau, sehen katastrophal aus und schon Neubauten werden gar nicht mehr gestrichen, da der schmutziggraue Kohlenstaub sofort alles überlagert.
Bis zum Abend wühlen wir uns durch den dichten Verkehr und es wird erst besser, als wir die Bundesstraße erreichen, hier können die LKWs dann wenigstens keinen Dreck mehr aufwirbeln.
Wenigstens enden wir heute in einem luxuriösen Hotel und heute bekommt unser „dreckiges Bier“ wirklich einen tieferen Sinn. Mit wirklich tiefschwarzen Gesichtern stehen wir vorm Hotel und spülen uns den Staub aus den trockenen Kehlen. Mit dem Staub auf der Haut wird es dann etwas schwieriger, da ein Flügel im Hotel kein warmes Wasser hat und nach der kalten Dusche sehen die Handtücher so aus wie die Umgebung des heutigen Tages.
Die Küche des Restaurants ist recht gut und es gibt einige raffinierte Gerichte mit Wildkräutern, die hoffentlich nicht aus der näheren Umgebung stammen. Auch die Fleischesser kommen mit einigen schönen Hammelstücken auf ihre Kosten.
Im Hotel gibt es schnelles Internet und so kann ich bis kurz nach Mitternacht meinen Blog aktualisieren, bevor ich ins Bett falle. Doch die Ruhe ist nur von kurzer Dauer, da es unzählige Mücken im Zimmer gibt. Unerklärlich ist mir, wie die Biester überhaupt ins Zimmer gekommen sind und sie scheinen auch noch resistent gegen mein Mückenmittel zu sein und so ist an einen erholsamen Schlaf nicht zu denken.
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Tags: Jiexiu
126 Kilometer, 1135 Höhenmeter
Bericht von Tom Krech
Nach einem mäßigen Frühstück starten wir in einen warmen Tag. Die Straße führt uns noch ein paar Kilometer im tiefen Tal des Gelben Flusses entlang. Weit unten zieht sich der gelbbraune Strom dahin, der im Moment relativ wenig Wasser führt. Im Talgrunde stehen Arbeitercamps, die hier Sand gewinnen, der dann in schweren LKWs abtransportiert wird.
Dann führt uns die Straße nach Osten in ein kleineres Nebental. Wieder ist die Aussicht in den tief eingeschnittenen Canyon so grandios wie am Vortage.
An der Straße liegen wieder sehr viele bewohnte Lösshöhlen und wir nehmen gerne eine Einladung zu einer Tasse Tee an und dürfen uns auch in der Höhle umsehen. Die Höhle hier ist sehr groß und im Zentrum steht wieder der beheizbare Kang, das Bett und im hinteren Teil des Raumes befinden sich ein großer Herd und einige Schränke und ein langer Tisch zur Zubereitung des Essens. In der Höhle ist es angenehm kühl, während draußen schon über 30 Grad sind. Die kleine Familie erzählt auch, dass es im Winter angenehm warm sei.
Irgendwann haben wir heute den höchsten Punkt erreicht, aber danach will es in dem weiten Tal nicht richtig abwärts gehen. Die Straße führt am Rande des Tales entlang und nimmt jeden Hügel mit und es dauert ewig, bis wir die nächste Ortschaft, Yaoqi, erreichen. Wenigstens gibt es dann leckere Gerichte zum Mittag und seit langem endlich wieder einmal keine Nudeln, sondern viel Gemüse, Tofu und ein wenig Fleisch.
So gestärkt sollte es dann viel besser vorwärts gehen, aber mit vollem Bauch müssen wir erst einmal 300 Höhenmeter hinauf und die Straße ist nicht die beste. Mein Po macht seit zwei Tagen auch ein paar Probleme, seit ich mit der vom Regen nassen Radhose gefahren bin und ich brauche heute Abend wohl eine große Portion Penatencreme um morgen auf allen Backen wieder fit zu sein.
Endlich erscheinen dann am frühen Abend die ersten Vorboten der kleinen Stadt. Die Dörfer werden dichter und auch der Verkehr und wir holpern über die löcherige Umgehungsstraße. Das Hotel ist schnell gefunden, leider haben wir wieder einmal den dritten und den vierten Stock ohne Fahrstuhl und bis zum Abendessen bleibt nur wenig Zeit für eine warme Dusche, um den Staub des Tages vom Körper zu spülen.
Das Abendessen nehmen wir der Bequemlichkeit halber gleich im Restaurant nebenan ein, nicht grandios, aber doch auch nicht schlecht. Leider ist nach der ersten Runde der Vorrat an kaltem Bier erschöpft und draußen sind schon alle Läden dabei, die Rollläden runter zu klappen.
Der abendliche Spaziergang zeigt nur noch ein ruhiges Zentrum eines kleinen Örtchens ohne größeren Charme. Außer ein paar Lebensmittelläden ist alles schon geschlossen und ich kann meinen Teilnehmern den Wunsch nach einer Bar oder einem Internetcafe nicht erfüllen, von einer erholsamen Massage ganz zu schweigen.
Zurück im Hotel geht mir der Sicherheitsbeauftragte der Polizei auf den Geist. Ich soll überprüfen, ob alle auf ihren Zimmern sind, wegen der Sicherheit und ich habe Mühe, den Typen wieder los zu werden. Kaum ist dies geschafft, sucht er Doro, die Reiseleiterin der zweiten Gruppe, auf und das Spiel beginnt von neuem. Erst gegen 11 Uhr gibt er entnervt von unserer Weigerung, in nächtlicher Stunde noch einmal alle Zimmer abzuklappern, auf und verschwindet und für mich wird es wieder einmal eine zu kurze Nacht, da ich mich noch eine halbe Stunde an den Computer setze.
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Tags: Xixian
 “Schluchten um den Gelben Fluss“
132 Kilometer, 639 Höhenmeter
Bericht von Tom Krech
Endlich haben wir heute unsere Yoga-Tradition fortgesetzt und so starten wir schon 20 Minuten vor dem Frühstück in den Tag und kommen dann viel besser gelaunt und gründlich gedehnt in den Saal.
Nach dem Nieseltag gestern haben wir heute die Sonne wieder zurück, aber zum Glück nicht ganz so heiß und schweißtreibend, wie noch vor zwei Tagen. Die kleine Stadt ist größer als gedacht und wider erwartend akzeptiert der Bankautomat meine Karte und spuckt sogar Geld aus.
Aus der Stadt geht es ein wunderschönes Tal hinauf. An den Wänden im Löss gibt es noch mehr Höhlen, als an den Vortagen, von denen die meisten noch bewohnt sind. Vorne befindet sich sehr oft eine gemauerte Fassade mit Tür und Fenster und es gibt auch Varianten aus Holz. Ein Blick hinter die Tür und man ahnt nicht mehr, dass man in einer Lehmhöhle sitzt. Entweder ist alles verputzt und mit Zeitungspapier beklebt, als Tapetenersatz, oder aber in einigen Höhlenrestaurants findet man sogar eine richtig schöne Aufmachung mit weißem Putz und hellem Holz.
Am Anfang gibt es kaum Dörfer, aber viele Tabakfelder, etwas Mais und violett blühende Felder mit Salbei, ein schöner Kontrast. Später werden die Felder weniger und wir fahren bis zum Pass durch richtig schönen Wald.
Mittag machen wir in einem kleinen Restaurant an der Straße, wie immer mit einer Nudelsuppe, heute mit viel Gemüse und etwas Tofu und wenig Fleisch, endlich mal eine andere Version als sonst.
Volker muss neben Doro und Peter auch auf den Bus umsteigen, es scheint ein Virus umzugehen und Anke gleitet bei der Einfahrt ins Restaurant auf dem Rollsplitt aus und ramponiert sich ein wenig das Knie. So haben wir heute eine recht hohe Busquote, vor allem sind nun zwei von drei Reiseleitern ausgefallen, wenigstens geht es Doro am Abend besser.
Die „restlichen“ Fahrer kommen aber in den Genuss einer grandiosen Landschaft. Im Tal fließt eigentlich nur ein kleiner Bach, aber der hat sich in Jahrmillionen sehr tief in den Löss- und Buntsandstein hineingefressen und einen imposanten, gigantischen Canyon geschaffen.
Links neben der Straße ragt die Wand steil nach oben und rechts geht es auch noch einmal 50 Meter hinab und unten plätschert auf zerklüfteten Terrassen das Bächlein dem Gelben Fluss entgegen.
Hinter jeder Kurve wird es steiler und imposanter, bis sich das Tal öffnet und den Blick auf den Gelben Fluss freigibt. Auch dieser liegt in einem noch größeren Canyon, den wir am morgigen Tag entlang fahren werden. Heute bleiben wir in dem Ort gleich an der Brücke über den Fluss, Hukoupubu. Bekannt ist die Gegend für den zweitgrößten Wasserfall Chinas. Nach einem schnellen Check-in im Hotel, schicke ich Doro mit beiden Gruppen zum Wasserfall, der ein paar Kilometer entfernt ist und kümmere mich um ein Lokal mit einem guten Abendessen, in das wir dann um 8 Uhr einfallen. Der Wasserfall war wohl nicht so gigantisch wie die Victoriafälle, aber so ist der Konsens, es wäre auch schade gewesen, nicht hinzufahren.
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Tags: Hukoupubu