Archiv für die Kategorie 'Hauptreise'

„Durchs Lößgebiet“

139 Kilometer, 735 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Frühstück gibt es in der Nudelstube gegenüber dem Hotel. Leider war keine Baotze oder etwas anderes zu finden und ich kann langsam keine Nudeln zum Frühstück mehr sehen, aber mit ein paar Keksen als Nahrungsergänzung bin ich zwar nicht auf dem gesündesten Trip, aber es reicht dann doch für einen halben Tag, auch wenn der sehr anstrengend ist.
Und das wird der heutige Tag, denn es geht gleich nach Dingxi gut bergan. Glücklicherweise wird es kein heißer Sonnentag und der ab und zu fallende leichte Nieselregen macht das Fahren sehr angenehm. In leichten Schwingungen zieht sich die Straße die Lößberge hinauf und führt oben auf einem Lößberg entlang. Links und rechts geht es mehr oder weniger steil tief nach unten. Jeder Zentimeter des wertvollen Bodens wird genutzt und die Berge sind von unten bis oben terrassiert.
Von oben hat man einen grandiosen Blick auf die nächsten Berghänge, die parallel zu unserem Berg verlaufen. Über Jahrmillionen hinweg hat der Wind den Staub aus der Taklamakan  und der Wüste Gobi abgetragen und dieser hat sich hier in mehreren hundert Meter dicken Schichten abgelagert. Der Regen hat tiefe Schluchten in die Hänge gespült und die Flüsse haben sich tief eingefressen. Obwohl das Grundwasser sehr tief liegt und die Region nicht sehr regenreich ist, ist der Boden durch seine kapillare Struktur sehr fruchtbar. Hier wird das wenige Wasser nach oben gedrückt, kommt aber nicht zur Verdunstung und so brauchen die Böden hier nicht bewässert zu werden.
Nach einer schönen langen Abfahrt haben wir uns in Longxi unser Mittag gut verdient und es gibt wieder einmal Nudelsuppe, wenigstens mit ein paar Salaten und scharf eingelegtem Gemüse dazu. Das Personal ist wieder einmal von unserem Restaurantbesuch begeistert und wir müssen noch eine Fotosession über uns ergehen lassen.
Nach dem essen geht es dann durch malerische kleine Dörfer, ich nenne sie die „Dörfer der alten Männer“, da überall alte und sehr alte Männer auf der Straße sitzen und Karten spielen, Rauchen, sich unterhalten oder einfach so in die bunte Welt sehen. Welche Wandlungen und Wendungen in der Geschichte dieses Landes haben sie miterlebt und blicken nun auf uns, die wir wie Außerirdische daherkommen.
Noch einmal geht es einen Pass hinauf und links und rechts auf den Feldern wird Getreide geerntet und auf großen Dreschplätzen zusammen gefahren und dort sind Männer und Frauen dabei, die Spreu vom Weizen zu trennen. Teilweise wird das Getreide auf der Straße ausgebreitet und die Fahrzeuge dreschen die Samen aus, dann wird das Getreide nach oben geworfen und der Wind macht die mühselige Trennarbeit. Etwas weiter gibt es richtig große Plätze, auf denen die Bauern aus einem Dorf gemeinschaftlich herumwuseln und die ausgedroschenen Garben zu großen Heuhaufen stapeln.
Am späten Nachmittag führt dann die Straße immer am Grunde einer aus Löß und Steinen gespülten Wand entlang, die sich bis zu 200 Meter nach oben zieht und mitunter sogar über uns wölbt. In wenigen Jahren wird es hier nicht mehr so angenehm durch die Landschaft gehen, denn die Vorarbeiten für ein gigantisches Autobahnprojekt laufen, überall werden Tunnel gebohrt und es wird durch die schöne grüne Landschaft planiert.
Recht müde erreichen wir unser einfaches Hotel in Luomen, es dauert eine Weile bis ich es endlich geschafft habe, alle Zimmer mit Handtüchern und Toilettenpapier auszustatten, aber dafür ist das Essen im Hotelrestaurant mehr als reichlich und bäuerlich gut. Wir lassen uns eine lokale Spezialität aufschwatzen, ein Gericht mit Mais und Kartoffeln und dann kommt ein großer Teller mit Pellkartoffeln und gekochtem Mai oben auf gestapelt, alle mussten darüber herzlich lachen und geschmeckt hat es auch.
Nach der Essorgie müssen wir uns noch einmal in der Halle versammeln und ein großes Foto schießen lassen für das Hotel, vielleicht werden im nächsten Jahr hier entlang unserer Route überall unsere Fotos in den Lokalen und Hotels hängen, vielleicht habe ich ja die Möglichkeit, dies im nächsten Jahr zu prüfen.
Und wieder einmal gelingt mir gleich am Morgen eine Aufnahme von einem UFO.

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106 Kilometer, 937 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Bei trübem Wetter geht es aus der Stadt heraus und da der gelbe Fluss einen Schwenk nach Norden macht und wir weiter nach Osten fahren, müssen wir erst einmal auf der belebten schmalen Straße aus dem Talkessel heraus klettern.
Welch ein Glück, dass heute die Sonne nicht strahlt, denn die Strecke ist schmutzig und staubig und hunderte von kleinen Transportern und Bussen quälen sich den Berg laut hupend hinauf. Bei heißem Wetter wäre es eine Tortur geworden, die staubige stressige Straße zu fahren.
In einem kleinen Dorf stauen sich dutzende von kleinen Traktoren mit Hängern, beladen mit Gemüse und Melonen. Auf dem Dorfplatz ist die zentrale Aufkaufstelle, es wird gewogen, verkauft und in größere Fahrzeuge umgeladen, ein Gewimmel wie auf einem Ameisenhaufen.
Hinter Lanzhou beginnt auch das Lößplateau. Von Plateau haben wir noch nicht viel gemerkt, aber rundherum besteht alles nur noch aus gelber Erde und diese wird auch zum Häuser und Höfe bauen verwendet. Die Felder an den Bergen sind terrassiert und alles ist sauber und ordentlich bestellt. Tiefe Canyons haben selbst kleine Bäche in der Regenzeit in die gelbe Erde gefressen und in den bis zu 50 Meter tiefen Gräben werden sofort kleine Felder angelegt.
Und überall auf den Feldern wird gearbeitet, Gemüse wird gehackt, große Kübel, deren Inhalt mächtig nach Sch…. Stinkt, werden ausgekippt und verteilt und es wird Getreide geerntet. Auf den kleinen Feldern können kaum Maschinen eingesetzt werden  und so passiert alles per Hand. Mit der Sichel wird ein Bund Getreide geschnitten, dann zu einer Garbe zusammen gebunden und dann zum Trocknen aufgestellt.
Mittag essen wir in einer kleinen Kneipe mit kalten Nudeln und kalten Getränken, dann geht es weiter durch kleine Dörfer bis nach Dingxi, ein kleiner Ort mit einem recht modernen Zentrum und recht gutem Hotel. Nur ist es etwas schwierig ein Restaurant zu finden, aber dieses ist dann richtig gut, auch wenn nur die ersten 10 Flaschen Bier gekühlt sind.
Im Hotel muss ich die Klimaanlage abstellen, da der ganze Raum vibriert und kann leider in eigenem Saft gebadet nicht richtig gut schlafen.

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Bericht von Tom Krech

Für ein 4-Sterne–Hotel ist das Frühstück lausig und es gibt kaum noch freie Plätze im Lokal, eigentlich hatte ich mich mal wieder auf einen schönen Kaffee gefreut, aber in dem Trubel und dem Riesenansturm auf das Buffet, kann ich gerade einmal eine lauwarme Tasse dünnen Gebräus ergattern. Zum Glück habe ich noch etwas Joghurt, eine Melone und ein Päckchen Instant Kaffee auf dem Zimmer für ein zweites kleines Frühstück.
Mit dem Bus geht es dann zum Gelben Fluss. Es gibt hier ein modernes Denkmal für die Wiege der Zivilisation, der Gelbe Fluss als die Mutter der Nation. Das Denkmal ist eigentlich nur interessant wegen des chinesischen Trubels drumherum. Hunderte von chinesischen Ausflüglern tummeln sich hier und wir organisieren ein großes Gruppenfoto. Die chinesischen Fotografen sind superschnell und haben drei Minuten später schon die ersten Abzüge von den Bildern in der Hand, Computer und Drucker stehen gleich 5 Meter weiter.
In dem Parkstreifen am Gelben Fluss herrscht buntes Alltagsleben für die Rentner der Stadt, es wird getanzt und gesungen, ein älteres Duo spielt schauderhaft klassische, europäische Musik auf Akkordeon und Geige, eine Tai-Chi Lehrerin gibt älteren Damen Unterricht im Schwertkampf und viele Chinesen führen ihre Hunde spazieren. An jeder Ecke gibt es etwas Neues zu sehen und zu bestaunen.
Mit einer klapprigen Drahtseilbahn fahren wir über den Fluss den Berg am anderen Ufer hinauf in Richtung der weißen Pagode. Ein interessanter Bau, da ein tibetischer Stupa mit einer chinesischen Pagode kombiniert ist. Auch hier gibt es viel buntes Leben und eine hervorragende Sicht über die Stadt.
Noch vor ein paar Jahren war Lanzhou in der Liste der zehn schmutzigsten Städte der Welt in vorderer Position. Trotz der vielen Industriebetriebe am Ortseingang haben wir davon nicht viel gemerkt. Von oben sieht man schon eine große Dunstglocke über der Stadt hängen.
Über steile Treppenstufen geht es dann an ein paar neu errichteten „alten“ Tempeln wieder hinunter zum Fluss und über eine Fußgängerbrücke wieder in die Stadt zurück.
Die Einkaufsmeile Zhangye Lu hat alles zu bieten an Markengeschäften, was das chinesische Herz mit Geld begehrt, doch in der Hitze des Tages ist nicht viel Betrieb und die Verkäufer langweilen sich in den großen modernen Geschäften.
Ich pilgere dann lieber durch ein paar tibetische Läden in der Nähe des Hotels und kaufe ein paar Andenken und Mitbringsel für zu Hause und ziehe mich dann zu einem späten Mittagsschlaf zurück.
Abends gehen wir dann in ein koreanisches Restaurant mit einem Grillofen in der Mitte des Tisches. Verschiedenes Fleisch, Fisch, Gemüse und Seafood bestellen wir und für einige zum Kosten Hundebraten aufgeschnitten. Leider nicht sehr gut und gerade aus der Gefriertruhe geholt, aber eigentlich ist ja der Winter die Jahreszeit für Hundefleisch, aber für die meisten geht es ja nur darum, einmal davon probiert zu haben.

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“Radfahrer aller Länder vereinigt euch!“

118 Kilometer, 242 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Schon gestern sind die Fahrzeuge der französischen Paris-Beijing Gruppe in Tianzhu, also einen Ort vor Yongdeng, gesehen worden. Wir sollten die Equipe also wohl heute treffen.
Nach einem Frühstück mit Baotze und Hun-Dun-Suppe geht es frisch gestärkt in den angenehm kühlen Morgen. In den morgendlichen Straßen der kleinen Stadt brummt der Verkehr, jeder muss irgendwo hin und alle verstopfen mit Traktor, Bus oder Fahrrad die Straßen. Vor dem Ort ein großes Fort mit massiven Lehmmauern, dieses ist aber nich zu besichtigen, denn am Eingangstor prangt das Emblem der chinesischen Volksbefreiungsarmee und Soldaten stehen Posten.
Auch heute haben wir einen leichten Wind von hinten und es geht den ganzen Tag leicht bergab in Richtung Lanzhou. Nach ein paar Kilometern treffen wir dann noch nicht auf die Franzosen, aber trotzdem auf alte Bekannte, Siggitas und ein paar seiner Radfreunde aus Litauen und Polen. Die „Baltic Cyclists“ sind zwei Tage vor uns in Griechenland aufgebrochen, allerdings in Olympia und wir haben sie erstmals in Georgien getroffen, dann wieder in Aserbaidschan und auf der Fähre nach Turkmenistan. Ich fahre ein paar Kilometer mit Siggitas zusammen und wir sprechen über die nächsten großen Touren in den nächsten Jahren.
Etwas später tauchen dann auch die Radfahrer in den roten Trikots auf und es werden immer mehr und mehr. Überall rote Radfahrer, auf der Straße, in den Büschen rechts und links beim Pullern, auf den Feldern mit Fotoapparaten, am nächsten Getränkestand. Leider sind die meisten nicht zu einer Konversation aufgelegt, vielleicht weil einige kein Englisch verstehen, andere reagieren nicht einmal auf ein freundliches „Bonjour“ und „Comment ca va?“ und irgendwann lasse ich es dann auch bleiben. Lediglich mit zwei oder drei Leuten komme ich kurz ins Gespräch.
Mittags wird es in dem Talkessel richtig heiß und wir finden nach 60 Kilometern eine Nudelstube mit großer Kühltruhe. Leider bekomme ich einen Anruf aus Lanzhou, dass die beiden Schweizer Pässe wegen der Visaverlängerung schon am frühen Nachmittag im Hotel sein sollen und so schwinge ich mich mit Rene schnell wieder aufs Rad und wir legen die letzten 50 Kilometer im Eilzugtempo zurück.
Wieder überholen wir den riesigen Pulk der Franzosen, die inzwischen einen schweren Unfall hatten. Einer der Fahrer ist in den betonierten Straßengraben gefallen und muss ins Krankenhaus.
Bevor es in den Stadtverkehr geht, überqueren wir den Gelben Fluss, der träge und schmutzigbraun seinen Weg durch die Stadt nimmt. Der Großstadtverkehr ist chaotisch, dicht und schnell, aber wir kommen ganz gut durch und sind dann halb vier im Hotel. Rene fährt sofort mit einem örtlichen Reiseleiter ins PSB, das Büro der Ausländerpolizei, wegen der Verlängerung der Visa und ich versuche die Zimmerschlüssel zu bekommen. Dies zieht sich hier über mehr als eine Stunde hin, da die Rezeption einmal total überlastet ist und zum anderen sehr bürokratisch arbeitet. Kurz bevor die Gruppe eintrifft ist es jedoch geschafft und auf dem Parkplatz vor dem Hotel treffen wir noch einmal alte Bekannte, die beiden Frankfurter, mit denen wir zusammen die kasachisch-chinesische Grenze überquert haben, wohnen auch ganz in der Nähe und haben uns ankommen sehen.
Zum Abendessen gehen wir ein paar Kilometer weiter in ein kleines Gässchen mit den verschiedensten Essständen, wo es Gegrilltes, Gebackenes und Gekochtes in allen Variationen gibt. Leider ist der Abend im Hotel nicht erquicklich, da direkt unter meinem Zimmer die Karaoke Bar ist und die Chinesen dort bis nach Mitternacht schön laut und falsch singen.

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„Am Rande von Tibet“

177 Kilometer, 1300 Höhenmeter, 2930 Meter Passhöhe

Bericht von Tom Krech

Halb neun sind wir nach dem Frühstück wieder auf der Straße und radeln den Bergen entgegen. Schon von Anfang an geht es ganz leicht bergauf. Am Rande der Vorstadt von Wuwei werden wir in dicke Staubwolken eingehüllt. Linkerhand ist ein Panzerübungsplatz und mit hoher Geschwindigkeit und riesiger Staubfahne ziehen dort vielleicht fünf Panzer ihre Runden.
Ein paar Kilometer vor der Stadt liegt der Weiße Stupa. Kurz überlegen einige von uns, ob wir den Umweg fahren und radeln dann doch die zwei Kilometer abwärts. Am Eingang angekommen stellen wir fest, dass es sich gar nicht um einen einzelnen Stupa handelt, sondern um ein ganzes Feld mit über 50 Stupas. Ich bin etwas erstaunt dies hier zu sehen, denn eigentlich gehören solche Bauwerke eher nach Tibet, als hier nach China. Zwei Arbeiterinnen bestätigen auch, dass es sich um eine tibetisch-buddhistische Anlage handelt und deshalb müssen sie hier auch in den tibetischen Klamotten herumlaufen. Ob das Kloster nebenan noch in Betrieb ist oder nur, wie der Wegweiser beschreibt, eine Ausstellung beherbergt, finden wir nicht mehr heraus, da wir wieder weiter müssen, aber von tibetischen Mönchen haben wir in der ganzen Anlage erst einmal nichts gesehen.
Bis zum Mittag erscheint der Weg dann recht mühselig, es geht leicht bergauf, aber nur so leicht, dass man es kaum sehen kann, jedoch die Geschwindigkeit deutlich niedriger wird. Man hat das Gefühl, kaum voran zu kommen.
Nach 60 Kilometern gibt es dann die übliche mittägliche Portion Nudeln, die für den Pass reichen muss. Danach geht es dann auf einer schönen, gut ausgebauten Straße nach oben. Wieder einmal haben wir Glück, der Wind hilft und schiebt uns sanft den Berg hinauf. Erst als wir satt über 200 Metern sind, wird die Straße steiler und die Landschaft flacher und immer grüner. Links und rechts der Straße gibt es kleine Dörfer mit rechtwinkligen Höfen und Lehmgebäuden, alles sieht nicht mehr sehr chinesisch  aus und der kleine Junge, mit dem wir unsere Lychees teilen hat ein rundes Gesicht und eine große Nase und ist ein Tibeter. Leider bekommen wir keine Yaks zu sehen, die hier schon weiden könnten, dafür finden sich links und rechts der Straße blühende Rapsfelder, die die ganze Landschaft golden verzaubern.
Natürlich zieht die Rapsblüte auch fahrende Imker an, die links und rechts der Straße ihre Bienenstöcke aufbauen und einige Leute bekommen die eher üble Laune der fleißigen Tierchen zu spüren, die sich in Massen auf die Radfahrer stürzen. Einige bekommen gleich mehrere Stiche ab, aber die kleine Gruppe mit der ich hinterher zottele, bleibt dagegen völlig unbehelligt.
Gegen halb fünf erreichen wir dann die Passhöhe, die ein paar Meter niedriger als erwartet ist, da wir auf der neuen Straße fahren konnten. Oben am Pass ist dann wieder die Nähe Tibets zu spüren, es gibt einen glockenförmigen Stupa und einen Gebetshaufen mit Steinen und tibetischen Gebetsfähnchen. Auch wir pilgern zu dem Haufen und legen einen Stein mit dem Wunsch nach einer guten Vollendung unserer Tour auf dem Haufen ab.
Dann geht es wieder den Berg hinab in ein weites Tal mit vielen Rapsfeldern. Inzwischen spüren wir die vielen Kilometer in den Beinen und bleiben deshalb auf der Autobahn und lassen uns bis nach Yongdeng vom Rückenwind treiben. In Yongdeng ist das Hotel schnell gefunden, leider ist der Fahrstuhl kaputt und so heißt es Koffer nach oben tragen.
In dem kleinen Städtchen ist es wieder einmal gar nicht so einfach ein passendes Lokal für unsere hungrige Meute zu finden und dann dauert es eine Weile bis die Küche unsere Gerichte herbeizaubert. Dafür ist dann aber das Resultat wie immer ein Hochgenuss und wieder einmal bleibt mein Vorsatz, mich nicht zu überfressen, ein Vorsatz, den ich mir für den nächsten Tag aufheben muss.

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71 Kilometer, 180 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Wieder einmal gibt es kein Frühstück im Hotel und ich bin superglücklich, denn gegenüber gibt es eine richtige Pekinger Frühstückskneipe, vor der Tür ein Ofen mit gestapelten Dämpfsieben und Baotze und im Laden selbst gibt es noch leckere Hun-Dun-Suppe, eine Brühe mit kleinen gefüllten Teigtaschen. Dies ist in der Kombination die beste Nahrung für einen anstrengenden Fahrradtag, den wir heute aber gar nicht haben werden, denn bis Wuwei sind es nur 70 Kilometer ohne nennenswerte Erhebung.
Beim bepacken der Räder hier in der kleinen Stadt Yongchang werden wir von allen bestaunt und es sammelt sich ein großer Menschenauflauf um uns herum an und als wir dann losfahren wollen ist es recht schwierig, aus dem großen Menschenpulk wieder heraus zu kommen.
Die Kilometer fliegen bei dem leichten Rückenwind nur so dahin. Leider ist die Große Mauer irgendwo in die Berge abgebogen und heute nicht mehr von der Straße zu sehen.
In den kleinen Dörfern gibt es kleine Läden mit Kühltruhen, die wir bei kleinen Päuschen plündern und so kommen wir dann nicht sehr angestrengt gegen 13 Uhr in Wuwei an. Auch das Hotel im Zentrum der Stadt ist schnell gefunden. Wir werfen nur schnell unser Gepäck ins Hotelzimmer und ziehen gleich wieder los in ein richtig gutes Lokal.
Wieder einmal probieren wir uns an einem ganzen Fisch, diesmal sogar süß-sauer, aber die Panierung fiel etwas dick aus. Dafür waren die Rippchen, ebenfalls paniert, allerdings in Puffreis, wirklich richtig gut. Nach dem Essen sind alle richtig müde und die Nachmittagssonne ballert bei 38 Grad ohne Gnade, so dass ich mich zu einer Stunde Schlaf ins gut gekühlte Zimmer zurückziehe.
Am Abend werfen wir uns dann ins Getümmel der Fußgängerzone. Ganz Wuwei scheint hier auf den Beinen zu sein und sich zu vergnügen. Die Bänke sind besetzt mit munter plaudernden Rentnern oder ganzen Familien, am Brunnenrand sitzen Liebespärchen und halten schüchtern Händchen.
Während in der Hauptstraße große Kaufhäuser und Ketten dominieren, gibt es in den kleinen Gässchen tausend kleiner Verkaufsbuden mit Hüten oder Klamotten oder Schuhen. In einer Gasse am Rand, eher eine Gasse des Elends, sind Hunde, Hühner, Zwergkaninchen und anderes Hausgetier in engen Käfigen eingesperrt und warten auf einen neuen Besitzer. Für eine kleine Töle mit Rasse im Blut will der Verkäufer 300 €, die Promenadenmischung daneben geht für einen zehntel des Preises über den Tisch.
Auf dem Markt gibt es Trockenfrüchte und Rosinen in allen Variationen und Qualitäten. Um die Ecke dann Fleisch in allen Variationen, Schweinebraten und Grillstände mit Rind und Lamm machen eine ganze Zeile hier im Viertel aus. Gut gerüstet mit Trockenfrüchten, Lychees, einem halben Hähnchen und einer großen Tüte mit Kartoffelchips ziehen Monika, Eckhardt und ich dann in einen Biergarten auf der Hauptstraße ein. Leider ist das Bier nicht richtig kalt, aber wir sehen trotzdem noch staunend dem bunten quirligen Leben um uns herum noch mehr als zwei Stunden zu, bevor es Zeit wird zurück zum Hotel zu gehen, denn morgen liegt wieder einmal eine harte Etappe vor uns.

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„Entlang der großen Mauer“

170 Kilometer, 1041 Höhenmeter, Passhöhe 2575 Meter

Bericht von Tom Krech

Heute erwartet uns wieder einmal ein Monstertag mit langer Strecke und vielen Höhenmetern und am Morgen sieht es windig aus und der Wind bläst leicht aus der falschen Richtung, nämlich aus Osten. Deshalb ist es aus der Stadt heraus dann doch recht anstrengend und wir fahren eng in der Gruppe zusammen.
Dafür ist es landschaftlich sehr schön, so viele grüne Äcker, Bäume und Felder hatten wir seit Aserbaidschan nicht mehr. Gerade werden die Wassermelonen reif und an der Straße befindet sich alle 100 Meter ein Verkaufsstand. Und immer noch begleiten uns hohe Berge, im Hintergrund noch ein Ausläufer des Qilin-Gebirges, und alle Gipfel sind noch mit Schnee und Eis bedeckt. Das Tollste jedoch ist die Große Mauer, von der ab und zu ein längeres oder kürzeres Stück und alle 500 Meter ein Wachturm fast direkt neben der Straße stehen. Es ist nicht die Mauer, wie wir sie alle von den Bildern aus Lehrbüchern oder aus Dokumentarfilmen kennen, sondern nur ein zwei oder drei, manchmal vier Meter hoher Lehmhaufen, der sich neben der Straße herzieht und sehr oft unterbrochen ist. Beeindruckend ist hier vor allem, dass das Bauwerk kein Ende nehmen will und wir uns vorstellen, dass dieser Wall mehr oder weniger direkt bis Beijing verläuft.
Nach 60 Kilometern im Gegenwind erreichen wir dann Shandan, ein kleines Städtchen mit viel Verkehr und schmutziger Industrie, und essen in einer Nudelstube eine große Schüssel Nudeln, es ist zwar noch nicht ganz Mittagszeit, aber uns stehen noch knapp 1000 Meter Anstieg bevor.
Der geht aber ganz langsam vor sich und nach dem Mittag hat sich der Wind auch ausgetobt und wir kommen jetzt etwas zügiger vorwärts. 20 Kilometer fahren wir dann noch einmal auf der Autobahn, da die kleine Straße hier zu viele große Löcher hat. Immer weiter führt auch die Große Mauer auf der anderen Seite der Autobahn nach oben, an manchen Stellen ist wirklich nicht mehr viel als ein niedriger Lehmwall übrig und manchmal verschwindet auch dieser für einen oder zwei Kilometer, bis dann ein neuer Lehmwallabschnitt beginnt.
In der Weite des Hochplateaus, wir haben uns schon wieder bis auf weit über 2000 Meter hochgeschraubt, gibt es erst nach 30 Kilometern wieder ein kleines Dorf, wo wir noch einmal eine Kühltruhe mit Eistee finden. Danach wird der Abstieg etwas steiler, aber die Straße macht einen Bogen nach Osten und nun bläst uns der Wind die letzten 200 Höhenmeter praktisch hinauf.
Oben an dem flachen Pass in 2557 Meter Höhe gab es in der Qing Dynasty ein Fort, aber hier lassen die quadratisch angeordneten Lehmrestmauern nur noch so ungefähr erkennen, wie die Anlage aussah.
Oben wartet noch einmal der Bus mit Wasser zum Nachtanken und dann geht es in einer rauschenden Abfahrt in eine grüne Ebene, in der weiter unten dann viele kleine Dörfer mit kleinen quadratischen Höfen liegen, die allesamt aus Lehm und Lehmziegeln gebaut worden sind.
In der Abendsonne ist es wunderschön durch die kleinen Straßendörfer zu fahren, auch wenn der Wind wieder einmal gedreht hat und es nun nicht mehr ganz so schnell dem Ziel entgegen geht. Doch gegen halb acht rollen wir dann in das Städtchen Yongchang ein und nach einer kurzen Dusche wird es etwas schwierig ein Restaurant zu finden. Da hier viele Leute der Hui Minorität wohnen, das sind ethnische Chinesen, die aber keine Buddhisten, sondern Moslems sind, und die Hui sind zwar bekannt für ihre Nudeln, aber uns steht abends der Sinn doch eher nach Reis und im Wok gebratenen Gerichten. Doch nach 20 Minuten finden wir noch ein kleines Restaurant und ein etwas größerer Laden ist gleich nebenan. Der große Laden ist fast leer und der kleine fast voll, aber ich will doch lieber in das kleine Restaurant und es lohnt sich dann auch, denn das Essen ist vorzüglich. Wir bekommen einige gute Hausmachergerichte und essen dazu Baotze, die gefüllten Dampfnudeln. Die Restaurantbesatzung organisiert dann noch einen Fotografen und wir müssen uns mit allen Köchen und Bedienungen vor einem großen Poster im Laden ablichten lassen, was wir ja auch gerne tun. Danach heißt es an einem langen Tag nur noch zurück ins Hotel und auf schnellstem Wege ins Bett.

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Bericht von Tom Krech

Leider hat das Frühstück nicht die vier Sterne, wie das Hotel, vor allem kann man den Kaffee nur vom Tee unterscheiden, weil ‘ka-fei’ auf der Kanne steht, aber es finden sich dann doch noch ein zwei leckere Sachen auf dem Buffettisch für mich.
Am Morgen ist schon viel Leben in den Straßen, hunderte von Chinesen wälzen sich durch die Hauptstraßen mit vielen modernen Geschäften und Läden, erst das Viertel um den Großen Buddha von Zhangye ist etwas ruhiger und beschaulicher. Hier ist die Altstadt wieder renoviert worden, auch wenn renovieren auf Chinesisch heißt, abreißen und wieder neu aufbauen, aber die Renovierung liegt auch schon wieder ein paar Jahre zurück und so sehen die im traditionellen Stil gehaltenen Häuser nicht zu neu aus. Im Zentrum des Stadtviertels steht auf einem großen Platz ein großer Stupa, etwas unüblich für den Buddhismus in China. Dieses Bauwerk deutet darauf hin, dass es nur ein kleiner Sprung bis nach Tibet oder besser gesagt bis in Gebiete ist, die von Tibetern, Hui und Han-Chinesen gemeinsam bewohnt werden.
Im letzten Jahr habe ich von hier den Weg in die Berge genommen und schon nach 100 Kilometern kommt ein hoher Pass und dahinter stehen tibetische Zelte und langzottelige Yaks weiden auf dem Hochplateau.
Um die Ecke gibt es kleine Läden mit Souvenirs und Andenken, antiker und meist pseudo-antiker Pröhl wird hier angeboten. In einem kleine Shop diskutiere ich mit einem Verkäufer über das Alter einer schönen Guanyin-Figur, er behauptet sie sei noch Qing-Zeit, ich behaupte, sie sei modern, denn ich habe den gleichen Guss, nur eben nicht auf „alt gemacht“ zu Hause in Berlin auf dem Schrank.
Leider sind der große Buddha und das Gebäude um ihn herum eingerüstet und werden renoviert. Seit letztem Jahr hat sich nicht viel verändert und so wird das Gerüst wohl noch eine Weile stehen bleiben.
Eingezwängt in eine große Halle liegt hier ein 35 Meter langer Schlafender Buddha, wobei der Ausdruck schlafend falsch ist, denn diese Buddhaposition zeigt den historischen Buddha beim Eintritt ins Nirwana. Im Halbdunkel unter dem Baugerüst lässt sich die einzigartige Farbenpracht und Monumentalität der Skulptur nur erahnen.
Einen besseren Eindruck von buddhistischer Malerei und Skulpturkunst bekommen wir in den kleinen Tempeln rund um den Haupttempel. In den hinteren Tempelchen ist ein Museum untergebracht, welches zeigt, wie solche riesigen Buddhafiguren gemacht worden sind, mit einem Holzgerüst, auf das dann mehrere Lehm-Stroh-Gemisch-Schichten aufgetragen werden. Zum Schluss werden die Details aufgespachtelt und dann wird alles kunstvoll bemalt. Bis heute gibt es in China viele Spezialisten, die diese Technik beherrschen und Buddhafiguren in allen Größen und Variationen für den Tempelgebrauch herstellen.
Nach dem Besuch beim Schlafenden Buddha ziehen wir in einen kleinen Teeladen an der Hauptstraße ein, den ich gestern Abend auf dem Heimweg gefunden habe. Innerhalb der nächsten drei Stunden verkosten wir viele verschiedene Sorten Tees. Die Auswahl ist nicht schlecht und wir beginnen mit einer preiswerten und einer teuren Sorte Long Jing, Drachenbrunnentee aus Hangzhou, dann gibt es zwei verschieden Jasmintees. Weiter geht es mit einem Bi Luo Chun, einem weißen Tee aus Fujian mit sehr mildem Aroma.
Der Hammer ist ein grüner Tee aus Sichuan, Qing Shan Lü Shui, Klarer Berg klares Wasser, nur absolut kleinste Blatttriebe, der sehr stark ist und viele Bitterstoffe enthält. Allen gefällt der Lan Gui Ren, ein mit Ginseng verfeinerter Wolong Tee und den Abschluss bildet ein hochwertiger Te Guan Jin, Gunpowder-Tee, ebenfalls halbfermentiert und sehr aromatisch, einer meiner Lieblingstees.
Danach dauert es eine Weile bis alle in der Gruppe ein paar Tees zum mitnehmen ausgewählt haben und es geht dann fast direkt zum Abendessen, das wir wieder einmal mit der Teilgruppe einnehmen, die gerade auch in Zhangye eingetroffen ist. Es ist gar nicht so einfach ein Lokal zu finden, in welches 32 Personen hineinpassen, aber wir verteilen uns auf drei Tische zu 12 Personen und dann kann auch ich gut bestellen und 13 verschieden Gerichte für jeden Tisch ordern. Ein entsprechend ausgiebiges Mahl wird es dann auch und ich schaffe kaum noch den Weg über die Straße bis zum Hotelzimmer.

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90 Kilometer, 202 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Heute haben wir kein Frühstück im Hotel und wir gehen in einen kleinen Nudel-Laden die Straße hinunter. Heute also dann erstmals die richtige chinesische Variante und die kommt auch bei den meisten recht gut an.
Gegen halb zehn rollen wir dann aus dem Städtchen, heute haben wir bloß 90 Kilometer zu fahren und machen deswegen keine Hektik.
Wieder geht es heute flach durch Maisfelder, Getreidefelder und Pappelhaine. An den Rändern der Felder wird Hanf angebaut und manchmal fährt man direkt in eine dezente Marihuana Duftwolke hinein. 10 Kilometer vor Linze hängt sich ein junger Chinese mit klapprigem Rad an uns und fährt bis in die Stadt mit. Er kann ein wenig Englisch und hat Spaß daran, sich ein wenig auszuprobieren. Im Ort zeigt es uns dann ein schickes Restaurant. Da wir es bis Zhangye nicht mehr weit haben, wollen wir hier richtig gut essen und am Abend kann dann jeder für sich alleine etwas suchen und finden.
Das Restaurant ist richtig gut und selbst für mich gibt es ab und zu einmal wieder ein paar Gerichte, die ich noch nicht kenne.
Nach dem Essen ist es schwierig mit dickem vollem Bauch wieder in die Gänge zu kommen, aber eine gute Stunde später sind wir dann in Zhangye und sehen einem weiteren Ruhetag entgegen. Der beginnt eigentlich schon am Nachmittag, denn ich schlendere mit Eckhardt einmal die Hauptstraße entlang bis zum schönen Glockenturm im Zentrum der Stadt und dann gehen wir in ein Cafe mit Plüschsofas und trinken Kaffee und ich esse noch eine große Portion Eis mit Früchten.
Auf dem Rückweg kommen wir an einem kleinen Teeladen vorbei und ich mache einen Termin für den nächsten Tag. Das Angebot an grünen Tees und Wolong Tees in den Gläsern an der Wand sieht recht gut aus und so könnte ich morgen mit meinen Leuten hier eine Teeverkostung machen. Während ich dies mit der Chefin bespreche trinken wir schon einen starken Aufguss Drachenbrunnen und meine Müdigkeit ist wie weggeblasen. Leider bleibt sie das auch bis in den frühen Morgen, so dass ich die halbe Nacht noch am Computer sitze und schreibe.

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„Begegnungen am Ende der Wüste“

152 Kilometer, 406 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Das Frühstücksbuffet im 5-Sterne Hotel ist mehr als gigantisch, verschiedenste Salate, Eier in allen Variationen, Frische Nudeln, Gebratenes und Gekochtes…alles nur Erdenkliche, was die chinesische Frühstücksküche so hergibt. Aus diesem Grunde beschließen wir heute gleich eine verspätete Abfahrt, um dies alles noch ein wenig länger genießen zu können.
Gegen 9.15 Uhr rollen wir dann aus der Stadt und uns erwartet heute nicht gleich wieder die Wüste, sondern es geht durch größere Dörfer und muntere Straßenstädtchen. Obwohl das Frühstück so gigantisch war, sehe ich ein wenig neidisch auf die Straßenstände und die dampfenden Türme mit Baotze und die Buden mit Nudeln, wir sind jetzt fast einen Monat in China und wir sollten endlich einmal auch auf der Straße frühstücken.
Nach 30 Kilometern machen wir noch eine Rast und schlachten meine Geburtstagstorte und alle sind erstaunt, dass die Torte trotz ihres chemisch-plastischen Aussehens doch recht gut schmeckt. Mit der Energie der Buttercreme können wir uns dann wieder in die Wüste stürzen, die gleich hinter der nächsten Kurve beginnt. Aber wir haben den Wind heute auf unserer Seite und so wird es eher ein Flug durch die Steppe.
Kurz vor dem nächsten Ort kommt uns ein Mann entgegen mit einem Wagen und einer weißen Kiste, sieht aus wie ein chinesischer Eisverkäufer, hat aber eine Outdoor-Markenhose an, trägt einen Bart und hat eine für chinesische Verhältnisse viel zu große Nase. Christoph kommt mit dem Karren aus Beijing und ist zu Fuß in Richtung Deutschland unterwegs.
Monate hat er von Beijing hierher gebraucht und zwei Jahre wird er noch bis in die Heimat unterwegs sein. Von uns hat er schon gehört, die Litauer haben ihm erzählt, dass noch jede Menge andere Radler unterwegs sind und auch die Franzosen hat er schon getroffen. Christoph hat in Beijing Fotografie studiert und will nun natürlich den Weg nach Hause für seinen Beruf nutzen. Wir machen ein paar Gruppenfotos und dann müssen wir in verschieden Richtungen weiter, uns erwarten noch gute 80 Kilometer heute und Christoph legt ca. 30 bis 35 Kilometer pro Tag zurück.
Kurz darauf erreichen wir Qingshui, die nächste Oase und einzige Möglichkeit heute Mittag zu essen. Ein kleines Restaurant ist schnell gefunden und es gibt für alle eine Schale mit Nudeln, nach der Fressorgie im Hotel und der Torte hat sowieso kaum jemand großen Hunger.
Nach dem Mittag wird das Wetter noch besser, es ist leicht bedeckt und die Sonne brennt nicht mehr so heiß und der Rückenwind ist uns geblieben und so geht es dann wieder ein letztes Mal in die Wüste hinein. Auch die Chinesen von vor drei Tagen sind wieder unterwegs und deren Begleitteam hat uns schon erwartet und so gibt es auch hier eine große Fotoorgie und ich muss ein langes Interview für deren Berichterstattung geben. Ein paar Kilometer radeln wir mit der chinesischen Gruppe zusammen, dann trifft diese sich bei ihrem nächsten Treffpunkt und wir ziehen vorbei.
Weiter im Flug geht es dann auch die letzten Kilometer und dann beginnen die Felder und Baumreihen und es heißt dann endlich Abschied von der Wüste, die uns nun lange genug begleitet hat und ich denke wir haben alle Variationen und Varianten kennen gelernt.
An der nächsten Kreuzung zweigen wir dann nach links in Richtung Gaotai ab und erreichen eine halbe Stunde später das Hotel in der belebten Kleinstadt. Heute haben wir ein normales chinesisches Kleinstadthotel und das heißt natürlich, dass man mehr Zeit mit der Regulierung der Dusche verbringt, als unter der Dusche. Nach 5 Minuten habe ich die Nase voll und dusche doch kalt.
Etwas weiter weg vom Hotel gibt es eine Straße mit Tischen im Freien und verschiedenen Essständen und ich versorge meine Gruppe mit verschiedenen Sachen vom Grill, gebratenem Gemüse, geräuchertem Schweinefleisch und jeder bekommt noch eine Schüssel mit Jiaotze-Suppe. Bei einem fruchtigen Guo-Pi (Fruchtbier) sitzen wir dann noch eine ganze Weile in dem Trubel, der erst nach 22 Uhr seinen Höhepunkt erreicht. Dann sind alle Plätze restlos besetzt und wir räumen unsere Tische für hungrige Chinesen.

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