Archiv für die Kategorie 'Hauptreise'

“Zauberlandschaft im Nieselregen“

104 Kilometer, 836 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Das Geräusch von Regen ist das Erste, was ich nach dem Wecker höre und ein Blick nach draußen sagt mir, dass es auch nicht so schnell wieder aufhören wird. Also beginne ich den Tag erst einmal mit einer Tasse Kaffee und einer halben Stunde am Computer, um mit meiner Tagebuchschreiberei der Realität hinterher zu hetzen.
Während ich auf den ersten Etappen der Reise ja immer noch mein lokales Team für die Gruppe hatte, das die Hotel- und Essensorganisation mehr oder weniger gut in der Hand hatte, bin ich ja nun hier in China allein verantwortlich. Das hat den Vorteil, dass ich nun alles besser unter Kontrolle habe, allerdings bleibt mir kaum noch eine freie Minute, um Tagebuch zu schreiben und noch weniger Zeit für mich selbst und auch keine Zeit mehr für Yoga, obwohl mir mein Rücken sagt, dass ich es wieder regelmäßig tun sollte.
Gestern Abend ist es mir wenigstens wieder einmal gelungen, mich zu rasieren und ein paar Bilder zu bearbeiten, allerdings ist mir dabei aufgefallen, dass meine Festplatte nur noch 5 jämmerliche GB Platz hat, das reicht gerade mal noch für eine Woche oder für zehn Tage, wenn ich die Zeit finde, ein paar Bilder zu löschen. Besser wäre es, mir eine Sicherungsfestplatte zu besorgen und Daten auszulagern.
Doch zurück zu meiner Tasse Kaffee und zum Tag. Das Frühstück ist mehr als üppig, obwohl nur 10 Yuan, also ein Euro pro Person, kassiert werden. Dann, kurz nach 8 Uhr, geht es bei leichtem Nieselregen los. Allerdings ist es angenehm warm, etwas über 20 Grad, so dass ich mich gegen eine Regenjacke entscheide, zumal heute auch wieder zwei Pässe vor uns liegen.
Regen und Fahrtwind halten sich die Waage und ich werde gerade so nicht sehr nass, die Gore-Tex Fahrer sind wohl feuchter dran und schmoren im eigenen Saft.
Aus dem Städtchen heraus biegen wir in eine kleine Nebenstraße ein und strampeln den ersten Berg hinauf. Es ist dunstig und neblig und man kann die Schluchten im Löss nur erahnen, allerdings scheint alles wie verzaubert im hellen Grau des Nebels. Die Maisfelder tauchen in die Nebelbank ein und Baumkronen zeichnen sich als dunkle Kontur ab. Ich packe meinen MP 3 Player aus und höre Beethoven, genau die richtige Musik und die richtige Dramaturgie zum Wetter und zum Anstieg.
Oben geht es dann durch die Lössebene, eine kleine Rast an einer Tankstelle wird zur Fotoorgie für die Einheimischen, die zu Dutzenden mit Mopeds herbeikommen und die Fotofunktion ihrer Handys ausgiebig nutzen.
Heute gibt es weniger Höhlen im Löss, dafür haben viele Häuser einen sehr eigenen Bausstil, die den Höhlen nachempfunden ist. Aus Ziegeln wird ein Gewölbe gezimmert und dann wird rundherum Lehm angetragen und gestampft, meist gibt es vier oder fünf dieser Wohnungen nebeneinander, die aussehen wie Lösshöhlen, bei denen man später den Berg um die Höhle abgetragen hat.
Zum Mittag fallen wir in die einzigen beiden kleinen Lokale eines kleinen Ortes ein und auch hier versammelt sich innerhalb kürzester Zeit viel Volk und schaut neugierig zu, wie die Langnasen ihre Nudeln verschlingen.
Nach dem Essen hat es dann doch aufgehört zu regnen und wir kommen wohl doch nicht mehr zu unserem zweiten vollständigen Regentag auf der Tour. Wir mühen uns dann den zweiten Berg für heute hinauf und dann geht es auf 1200 Metern Höhe gerade über das Lössplateau. Heute dominieren neben dem Mais noch große Apfelplantagen, die Hälfte der Äpfel am Baum ist in kleine Stoffbeutel verpackt, um den Apfel nicht reifen, sondern länger wachsen zu lassen, bei einer mehrere hundert Meter langen Plantage, eine mühselige Arbeit, die Früchte schon am Baum einzeln auf diese Art zu verpacken.
Nach einer rasanten Abfahrt erreichen wir das kleine Städtchen Fuxian und stoppen an einem kleine Laden für ein „dreckiges“ Bier und werden auch hier wieder zur Sensation der Woche gekürt. Mütter und Großmütter schleppen ihre Enkel und Kinder heran, um uns Langnasen beim Biertrinken zu bestaunen.
Am späten Nachmittag bleibt noch etwas Zeit, die ich zum Suchen und Finden eines netten Restaurants verwende. Aus dem Hotel heraus und dann zwei Mal links um die Ecke gibt es einen ganz kleinen Sichuanladen und die Gerichte, die wir bekommen sind durchweg super lecker.
Abends habe ich dann noch eine knappe Stunde für meinen Computer und kann endlich fast alles Nachholen, was liegen geblieben ist und deshalb gibt es morgen sogar Yoga.
p1110310.JPG  p1110293.JPG  p1110271.JPG  p1110269.JPG 

p1110264.JPG  p1110262.JPG  p1110253.JPG

„Berge im Lössplateau“

83 Kilometer, 1337 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Endlich habe ich meine Gruppe wieder einmal zu einem zeitigen Aufbruch motivieren können, 7 Uhr gibt es Frühstück und eine Stunde später hängen wir unsere Gepäckstücke ans Fahrrad. Wir werden heute noch zu lokalen Berühmtheiten, denn das Fernsehen ist da und filmt unsere Ausfahrt aus der Stadt.
Da es diesig ist, ist es auch nicht so heiß wie gestern und den ersten 400 Meter Anstieg schaffen wir in schnellen Schritten. In den kleinen Dörfern sammeln sich die Bauern am Straßenrand und winken uns begeistert zu, es ist mehr los als am Rande der Tour der France. Zwischen den Dörfern haben wir Motorradbegleitung und bekommen am Pass einen großen Korb Cherrytomaten geschenkt. Dann geht es ein wenig oben gerade und wieder steil abwärts tief hinunter und es kommt die Frage auf, warum dies eigentlich Lössplateau heißt. Die gelbe Erde, wie es die Chinesen nennen, ist hier mehrere hundert Meter dick und über Jahrtausende haben die Flüsse hier tiefe Einschnitte hineingefressen. Leider haben wir keine schönen Blicke über die terrassierten Hänge, da es immer noch sehr diesig ist, aber auch so ist die Landschaft faszinierend.
Fast alle Flächen sind mit Mais bestellt, wo noch etwas mehr Platz ist wachsen Bohnen und Tabak und ab und zu ist einer der Bauern auf dem Feld und jätet Unkraut. Gegen Mittag häufen sich die Höhlen im Löss, meistens sind sie leer, aber ab und zu sehen wir auch eine bewohnte Höhle. Hinter der Eingangstür liegt ein einzelner Raum oder auch manchmal noch ein weiterer, darin befinden sich dann eine Kochstelle und ein beheizter Kang, ein Bettofen aus Lehm, was im Winter bestimmt sehr angenehm ist. Eine Familie hat in der Regel zwei Höhlen, eine zum Wohnen und eine zweite dient als Lagerraum.
Bei der hohen Luftfeuchtigkeit geht es dann schweißtreibend die nächsten beiden Pässe hinauf und das Schwitzwasser rinnt mir vom Gesicht und tropft aufs Fahrrad, aber auch daran gewöhnt man sich. Bis auf 1200 Meter geht es wieder hinauf, dann geht es ein wenig oben eben entlang und die Straße windet sich wieder steil ins nächste Tal 400 Höhenmeter hinab.
Mittags wird es schwierig im einzigen Lokal eines kleinen Städtchens genug Platz für 30 Leute zu finden, aber die kalten Gerichte, die Jiaotze und die Nudeln sind lecker, brauchen aber ihre Zeit, bis die kleine Familie alles zubereitet hat. Inzwischen ist das halbe Dorf zusammen gelaufen und bestaunt uns und auch die Polizei stattet einen kurzen Besuch ab und sieht nach, dass auch alles seine Richtigkeit hat.
Dann geht es einen fünften und letzten Berg für heute hinauf und wieder hinunter, bis wir dann in Huangling ankommen. Im Hotel stellen wir fest, dass es noch ein anderes Hotel mit ähnlichem Namen gibt und in dieses müssen wir dann noch weiter und so platzt auch heute wieder einmal der Traum von einer zeitigen Ankunft. Aber die Zimmer sind ok und die Dusche ist warm und nachdem wir den Schweiß und Staub vom Körper gespült und uns ausgeruht haben, treffen wir uns noch einmal zum Abendbrot.
In dem Städtchen gibt es einen schönen Markt mit vielen Ständen, kalten Nudeln, gefüllten Broten, gegrilltem Fleisch und Gegartem im Steintopf und frisch gezapftes Bier, so dass sich für jeden Geschmack etwas findet.
Als wir gegen 22 Uhr ins Hotel zurückgehen ist das Leben auf der Straße gerade in vollem Gange, doch wir wollen morgen nicht zu spät los und ich will noch ein paar Zeilen schreiben von einem rundum gelungenen Tag mit eindrucksvoller Landschaft und vielen netten Begegnungen am Straßenrand.

p1110243.JPG  p1110233.JPG  p1110206.JPG  p1110193.JPG 

p1110189.JPG  p1110172.JPG  p1110168.JPG  p1110157.JPG

123 Kilometer, 845 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Aus dem Hotel herauskommend renne ich gegen eine warme und feuchte Wand und der Schweiß beginnt sofort zu rinnen. Wir sollten hier wohl doch zeitiger aufbrechen, um wenigstens morgens noch eine angenehm kühle Stunde zum Radeln zu haben.
Auf der kleinen Straße kommen wir nur langsam voran, da wirklich alle Probleme mit der Klimaumstellung haben und zwei unserer Leute sitzen mit Sommergrippe im Bus. Auch ich schleppe mich nur mit einiger Mühe vorwärts und in nahezu jedem Dorf müssen wir stoppen und die Kühltruhe plündern.
Vormittags geht es durch weite Maisfelder, ab und zu gibt es auch ein großes Feld mit Lotuspflanzen, deren Wurzeln wir alle als kaltes Gericht mögen.
An der Brücke über den Wei-Fluss verlieren wir unsere Begleitfahrzeuge, da die Brücke nur für den kleinen Verkehr zugelassen ist. Dafür wimmelt es hier nur so von Radfahrern und Minnitraktoren und chinesischen Dreiradkarren. Die Poller an der Brücke sind so gebaut, dass Letztere gerade mit einem Zentimeter Luft links und rechts passieren können.
Nachmittags halten wir uns dann mit einer Nudelsuppe und viel Eis über Wasser und heute werden wir einen sehr langsamen Durchschnitt fahren, obwohl das Streckenprofil eher flach ist. Dafür rinnt der Schweiß in Strömen und für mich ist es nur noch ohne T-Shirt auszuhalten, damit auch jeder Luftzug kühlende Wirkung hat.
Reichlich müde erreichen wir den letzten Anstieg vor dem Zielort Baishui, dafür liegt das Hotel gleich am Ortseingang und die gut klimatisierten Zimmer versprechen Kühlung. Mit meiner Gruppe bleibe ich dann im Hotelrestaurant, das mit einer reichen Auswahl an raffinierten vegetarischen Gerichten aufwarten kann und danach sind wirklich alle schwer müde von der Hitze dieses tropisch warm-feuchten Tages.

p1110147.JPG  p1110146.JPG  p1110144.JPG  p1110138.JPG 

p1110136.JPG  p1110128.JPG

„Graue Soldaten und buntes Feuerwerk“

39 Kilometer, 453 Höhenmeter

Heute wird wohl einer der geschichtlich interessantesten Tage, steht doch die weltberühmte Terrakotta-Armee auf dem Programm. Doch diese steht nicht direkt in Xian, sondern 35 Kilometer entfernt in der Nähe der kleinen Stadt Lintong.
Die Stadtausfahrt mit zwei großen Gruppen ist schon ein Abenteuer alleine. Im großen Pulk wühlen wir uns durch den dichten Verkehr der 4 Millionen Einwohner zählenden Stadt. Schwer zu kämpfen haben wir immer wieder mit den Busfahrern, die oft auf brutalste Art und Weise unser Feld sprengen wollen. Wir sind solche Fahrstile aber inzwischen gut gewöhnt und halten unsere Gruppe zusammen und kommen so gut aus der Stadt heraus.
Für Einige sind es heute die ersten Kilometer auf dem Weg nach Beijing und so bleiben wir die ganze Strecke auch zusammen. Aus Xian heraus biegen wir dann auf Nebenstraßen und schmale Wege ab. In einer lang gestreckten Kolonne geht es dann durch die Dörfer und Maisfelder.
Heute zeigt sich, dass wir wieder einmal eine andere Klimazone erreicht haben. Nach den kühlen und feuchten Tagen brennt heute die Sonne wieder, aber die Luftfeuchtigkeit ist unheimlich hoch und alle Sachen kleben am Körper und schon die kleinste Steigung verursacht einen Schweißausbruch.
Deshalb brauche ich nach der mittäglichen Ankunft im Hotel in Lintong auch erst einmal dringend eine Dusche. Danach geht es flugs ins Restaurant für ein schnelles Mittagessen, das sich dann doch etwas länger hinzieht. Ein Teil der Leute möchte dann mit dem Rad zur Terrakotta-Armee und der andere Teil fährt mit dem Bus.
Auf historischem Grund fahren wir hier, denn hier um Xian ist die eigentliche Wiege des chinesischen Reiches. Schon tausend Jahre vor der Zeitwende gab es hier in schneller Folge mächtige Staaten und Königreiche, die etwa 380 Jahr vor Christus dann zu einem ersten chinesischen Reich durch den Gelben Kaiser Qin Shi Huang Di zusammen gefügt worden sind.
Dieser Kaiser beanspruchte für sich und seine Leistung Unsterblichkeit und ließ sich ein riesiges Grabmal, geschützt durch eine Tonarmee mit mehr als 9000 Soldaten, bauen. Der Grabhügel liegt noch heute unangetastet in der Landschaft. Wissenschaftler vermuten in dem Hügel eine kostbare Grabanlage mit Beigaben in unschätzbarem Wert. Doch der Sarg des Kaisers soll in einem Quecksilbersee schwimmen und Probebohrungen ergaben auch stark erhöhte Quecksilberwerte. Noch gibt es keine Technologie um die Anlage unbeschädigt zu öffnen und so hat die chinesische Regierung Grabungsstopp angeordnet und die Geheimnisse der Anlage werden wohl noch Jahre oder Jahrzehnte unangetastet bleiben.
Wir lösen unsere Tickets für den freigelegten Teil, die weltberühmte Armee der Tonkrieger, und marschieren erst einmal die Straße der Verkäufer entlang, die hier die Kopien der Soldaten in allen Größen und Ausführungen verhökern.
Der Kinosaal bietet eine Unendlichschleife eines Filmes über die Entstehung und Zerstörung der Grabanlage. Zuviel lastete auf dem Volk des ersten Gelben Kaisers, die ersten Teile der großen Mauer entstanden, neue Städte, Feldzüge, die Grabanlage und die Tonkriegerarmee. All dies ließ das Land ausbluten und führte zu Unruhen und so wurden die Tonkrieger schon durch einen Bauernaufstand zerstört, bevor die Anlage fertig gestellt war.
Doch auch die Überreste sind beeindruckend. In der riesigen Grabungshalle sind tausende von Soldaten aufgestellt und aufgereiht. Kein Gesicht der lebensgroßen Gestalten, die alle in mühseliger Handarbeit hergestellt wurden, gleicht dem anderen und es gibt Fußsoldaten, Kavallerie und Bogenschützen. Trotz des gewaltigen Andrangs ist die Anlage überwältigend, auch für mich, obwohl ich hier nun schon zum dritten Male bin.
In einer zweiten Halle befindet sich der Gefechtsstand mit Offizieren und Generälen, leider noch weniger gut erhalten, aber in dieser Halle gibt es auch Glasvitrinen mit Soldaten, die man fast hautnah betrachten kann. Fasziniert stehe ich vor den Tonsoldaten in Grau und bewundere die Einzelheiten und Details an den Uniformen. Alles ist bis ins Kleinste detailgetreu wiedergegeben und es sieht wirklich so aus, als ob der Soldat mitten im Leben von einer Hexe verzaubert und versteinert wurde.
Ursprünglich waren alle Soldaten bunt bemalt, aber nach den Ausgrabungen verblassten die Farben innerhalb weniger Stunden. Auch deshalb sind große Teile der Armee, die in den frühen 70er Jahren entdeckt wurde, bisher noch immer mit gelbem Lehm bedeckt und Wissenschaftler arbeiten an Konservierungsmethoden.
Gute drei Stunden brauchen wir, bis wir alles gesehen haben, ich erstehe noch eine Tüte mit Soldatenfiguren für einen Yuan, also 10 Cent das Stück, als Andenken und Mitbringsel, auch wenn ich weiß, dass sie gar nicht mehr in den Koffer passen.
Zurück im Hotel lassen einige das Abendessen ausfallen und bewundern dafür ein riesiges Feuerwerk aus Anlass der Eröffnung eines Kaufhauses. Gute dreißig Minuten schießen Raketen in den Himmel und explodieren in bunten Ringen, Kugeln und Fontainen. Was hier aus Anlass einer Kaufhauseröffnung geboten wird, stellt ein Jahreswechselfeuerwerk in Berlin am Brandenburger Tor in den Schatten und ich sehe staunend bis zum Verglühen der letzten bunten Funken zu, obwohl ich zeitig ins Bett wollte.

p1110124.JPG  p1110113.JPG  p1110098.JPG  p1110082.JPG 

p1110028.JPG  p1100996.JPG

Bericht von Tom Krech

Morgens heißt es heute einmal ausschlafen und dann das reichhaltige Buffet genießen. Gegen 10 Uhr sind dann alle bereit zur Besichtigung der historischen Metropole, die diese Stadt schon immer gewesen ist.
Schon 200 Jahre vor Christus war hier eine riesige Metropole mit einer Millionen Einwohnern innerhalb der Stadtmauern und noch einmal so vielen Menschen, die vor den Toren der Stadt lebten. Wenn man dies mit Städten in Europa oder im alten Griechenland vergleicht, zeigt sich wie weit die Entwicklung hier schon fortgeschritten war, denn hinter dieser Zahl steckt ja eine schier unmögliche logistische Leistung, da diese Stadt ja auch versorgt und verwaltet werden musste und lässt uns nur ahnen, wie belebt und geschäftig es auf den Straßen zuging. Auf alle Fälle wird verständlich, warum hier in der ursprünglichsten chinesischen Region überhaupt so intensiv Landwirtschaft betrieben wurde und werden musste.
Wichtigste Voraussetzung für ein Staatswesen solchen Ausmaßes war eine strenge Religion, die die Beziehungen zwischen den Klassen und Schichten fest regelte und wenig Spielraum für Individualismus und Revolutionen zuließ und da kam natürlich nur der Konfuzianismus in Frage, bei dem die Herrschaft der Edlen und Gerechten nicht in Frage gestellt wird. Allerdings erhebt der Konfuzianismus auch hohe Ansprüche an den Herrscher, als intellektuell und moralisch überlegenen Regenten.
Wir bewegen uns jedoch erst einmal durch das alte Stadtviertel, touristisch komplett erschlossen und ein Kitschladen reiht sich an den nächsten Fressstand. Von der chinesischen Fahrradklingel über Maoposter, Olympia-T-Shirts, Rolex-Kopien bis hin zu gerösteten Nüssen und anderen Leckereien ist hier alles zu bekommen. Versteckt in diesem Viertel, das hauptsächlich von den Hui, den chinesischen Moslems, bewohnt wird, befindet sich die alte Moschee, die in einem chinesischen Tempelkomplex untergebracht ist. Von außen sieht es aus wie ein schöner chinesischer Park mit Tempelchen und einer kleinen Pagode und nur die hintere Halle ist zum Gebetssaal umfunktioniert und für „Ungläubige“ nicht zu betreten.
Weiter führt uns dann der Weg an modernen Kaufhäusern und Einkaufstraßen vorbei, auf denen das Leben tobt. Vom alten China ist hier zwischen den Hochhäusern wenig zu spüren, aber von einer boomenden Wirtschaftsmacht doch sehr viel.
Am Rande der Stadtmauer liegt dann der Stelenwald, eine der ältesten Bibliotheken der Welt. Oftmals getragen von Schildkröten gibt es hier Unmengen mit Steinstelen aus den verschiedensten Dynastien. In diese Stelen sind Texte eingraviert und damit für immer verewigt. Die ältesten Texte stammen aus der Han-Dynatie und es gibt Abhandlungen zur Moral oder aber auch Wörterbücher, die den Sinngehalt einzelner chinesischer Zeichen erläutern, eine Fundgrube für Wissenschaftler und ein kryptischer Augenschmaus für Touristen wie uns.
In einer der hinteren Hallen werden dann Abzüge von den schönsten Texten gefertigt. Auf eine Stele wird ein grobfaseriges nasses Papier aufgelegt und mit der Bürste werden die Vertiefungen hineingearbeitet. Nachdem das Papier fast getrocknet ist, wird dieses mit Tusche überrollt und man bekommt so eine farbumgekehrte Kopie vom Text, wenn das Papier von der Stele vorsichtig abgezogen und zum Trocknen ausgelegt wird.
Xian ist eine der wenigen chinesischen Städte, in denen die Stadtmauer während der Kulturrevolution nicht abgerissen wurde und die noch vollständig erhalten ist. Wir heben uns einen Besuch für später auf und wollen dann einmal mit Fahrrädern auf der 13 Kilometer langen Mauer entlangfahren, doch vorher steuern wir die Kleine Wildganspagode an. Leider fängt es heftig an zu regnen und so brechen wir unser Besichtigungsprogramm in einem Lokal in der Nähe der Pagode ab und lösen uns auf und auch die Stadtmauerrundfahrt löst sich im Regen auf.
Mir bleibt dann endlich ein bisschen Zeit zum verschnaufen, ich beantworte meine Mails und mache ein Spätnachmittagsschläfchen und bereite mich auf ein gutes Abendessen vor, zu dem wir um 19 Uhr aufbrechen.
Wir gehen in ein teures Kultlokal, das auf Jiaotze, den gedämpften oder gekochten gefüllten Teigtaschen, spezialisiert ist und lassen ein 23 Gänge Menü über uns ergehen. Jiaotze in allen Varianten, große und kleine, gedünstete, gekochte, gedämpfte und sogar gebratene, die mit Huhn sahen aus wie kleine Hühnchen und die mit Fisch wie kleine Fische und alle total lecker.
Reichlich abgefüllt brauche ich noch einen kleinen Spaziergang und bewege mich schwerfällig noch einmal die belebte Hauptstraße hoch und runter. Auf den Bürgersteigen sitzen die Straßenhändler und verkaufen Handys, T-Shirts und Kitsch. Überall tobt das Leben, keiner möchte nach Hause gehen, nur ich bin müde und freue mich auf mein Bett im Hotel.

p1100959.JPG  p1100957.JPG  p1100952.JPG  p1100938.JPG 

p1100926.JPG  p1100920.JPG  p1100914.JPG

120 Kilometer, 273 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Heute also der große Spurt in die historische Metropole Xian. Die Wurzeln der Stadt gehen zurück bis auf mehrere Jahrhunderte vor unserer Zeit und über mehrere Dynastien war Xian Hauptstadt.
Und natürlich erwartet uns eine Millionenstadt mit mehr als 4 Millionen Einwohnern und entsprechendem Verkehr, also gilt es vorsichtig zu sein. Für uns wird es die bisher größte Stadt auf der Reise und das wird am Ende auch nur noch durch Beijing getoppt.
Wieder haben wir einen grauen und verhangenen Tag, aber mir ist es lieber, wenn wir an einem solchen nicht ganz so heißen Tag in die Nähe der Großstadt kommen.
Anfangs radeln wir durch vereinzelte kleine Dörfer. Rundherum gibt es intensivste Landwirtschaft. Jeder Quadratzentimeter ist bepflanzt um die hungrige Großstadt mit Getreide, Gemüse und Fleisch zu versorgen.
In der Mitte eines kleinen Dorfes gibt es einen großen Auflauf, traditionelle chinesische Musik mit Blasinstrumenten und Trommeln künden von einer Beerdigungsfeier. In einem Zelt knien weiß gekleidete familienangehörige der Verstorbenen und beten für das himmlische Wohl dieser. Sie muss aus einer wohlhabenden Familie stammen, denn das Fest ist riesig. Von Trauer ist wenig zu spüren, das halbe Dorf ist zusammengelaufen und überall bilden sich kleine Gesprächsgruppen rauchender Männer und plappernder Frauen. Wir werden von den Rädern gezogen und am Festzelt vorbei in den Hof geführt. Hier sitzen dutzende Männer und Frauen und bereiten den Leichenschmaus vor. An einem großen Tisch wird Gemüse geschnitten und daneben kocht ein riesiger Kessel mit einem scharfen Hühnergulasch. Hinten in einem kleinen abgetrennten Raum ist ein prachtvoller Sarg aufgebahrt und hier ist der einzige Ort ohne Gelächter und Spaß, an dem es etwas ruhiger zugeht.
Nachdem wir ein wenig von dem Gulasch probiert und dem bunten Treiben mit den Musikanten zugesehen haben, schwingen wir uns wieder auf die Räder und fahren weiter.
Im nächsten Dorf sehen wir große Gestelle an welchen Nudeln zum Trocknen aufgehängt werden. Nicht gerade die gesündeste Art und Weise, direkt neben der stark befahrenen Straße, aber trotzdem schön anzuschauen und gut für ein paar schöne Fotos.
Aus den Straßendörfern werden langsam kleine Städte, die sich wie Perlen aneinander reihen und irgendwann gibt es auch keine Felder mehr zwischen den Städtchen. Vor dem Endspurt auf die Metropole suchen wir uns noch eine Nudelstube und stärken uns, dann tauchen wir in den dichten Verkehr ein. Kurz vor der Stadt setzen sich dann unsere Fahrradputzer durch und an einer Autowaschstation werden die Räder abgespritzt und auf Hochglanz gebracht.
Im dichten Pulk geht es dann auf das Zentrum zu, der Verkehr ist nicht ganz so chaotisch wie in Lanzhou, denn die Straßen sind breit und gut ausgebaut und es gibt einen breiten Seitenstreifen für Fahrräder. Erst im Zentrum müssen wir darum kämpfen, dass unsere Gruppe nicht ständig von Busfahrern zerteilt wird. Selbige fahren gnadenlos. An den Haltestellen wird ohne zu blinken an den Straßenrand gefahren, egal, ob sich noch Radler dort befinden oder nicht und auch beim Losfahren schwenkt der Bus ohne Blinken und Spiegelschauen in die Straßenmitte. Wild schimpfend und fluchend gelingt es mir die schlimmsten Drängler fernzuhalten. Kurz vor der Stadtmauer, die mit 13 Kilometern das historische Zentrum umfasst, holen wir dann auch die Teilgruppe ein und legen die letzten Kilometer gemeinsam zurück. Gerade geht es auf den Glockenturm im Zentrum zu, um den wir noch eine Ehrenrunde drehen, dann stehen wir auch schon vor unserer 4 Sterne Luxusherberge mit Fahrradparkplatz in der Tiefgarage. Die Zimmer sind riesig, mit superschnellem Internetzugang, computergesteuerter Beleuchtung und Glasfront zum Toiletten-Duschtrakt.
Ich komme endlich wieder dazu ein paar Tage in den Blog einzustellen und Bilder zu bearbeiten und um 20 Uhr bin ich zu faul, um außerhalb zu essen, aber das Hotelrestaurant bietet ein hervorragendes Buffet für 5 Euro inklusive mehrerer Biere. Ich esse mich einmal von vorn nach hinten durch all die Leckereien und kehre dann noch einmal zum Grillstand für ein blutiges Steak zurück. Dann geht es wieder an den Computer zurück und als ich gegen ein Uhr morgens das Licht lösche habe ich wieder einmal ein gutes Stück Arbeit geschafft und kann guten Gewissens träumen.

p1100893.JPG  p1100886.JPG  p1100867.JPG  p1100838.JPG 

p1100830.JPG  p1100816.JPG  p1100809.JPG  p1100801.JPG

112 Kilometer, 874 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Vorbei ist das trübe Wetter und die Sonne strahlt wieder und es ist gleich am Morgen sehr warm und stickig. So in dieser Art wird das Wetter wohl bis Beijing bleiben und ich finde es nicht sehr angenehm.
Frühstück gibt es im Hotel und dann geht es weiter auf der belebten Straße. Auch heute bleiben wir erst einmal zusammen und fahren im Pulk, denn zu den viele Autos kommen wieder einmal jede Menge Tunnels, die lang und unbeleuchtet sind und durch die wir uns nur im Schutz der Gruppe und einigermaßen beleuchtet trauen.
Die Straßenränder werden genutzt um eine Sorte roter Beeren zu trocknen, die an unscheinbaren Sträuchern wächst. Die Geruchs und Geschmacksprobe zeigt, dass es sich nicht um eine süße Gaumenfreude handelt, sondern um Sichuanpfeffer, der den Gerichten eine fasst betäubend scharfe Note gibt.
Vor Baoji ist dann endlich Schluss mit dem vielen Verkehr und wir biegen in eine Nebenstraße, die erst einmal 300 Meter nach oben geht, in Kombination mit der feuchten Hitze ein kleiner Kraftakt und das T-Shirt klebt nur so am Körper und nimmt in Kombination mit dem Straßenstaub eine unansehnliche Färbung an.
Hinter dem Berg treffen wir die andere Gruppe in einer Nudelstube und da sie uns den Laden empfehlen bleiben wir hier bei einigen riesigen Portionen und ein paar kalten Gerichten dazu. Wieder einmal lassen wir dann eine Fotoorgie mit dem Personal über uns ergehen, bevor es dann in die Stadt Baoji hineingeht.
Eine große Straße hinunter rollen wir dann auf eine Große Mao Tse Tung Statue zu und natürlich machen wir auch hier einen langen Fotostopp. Nachdem es in den 80er und 90er Jahren noch Diskussionen um die politische Rolle des Großen Vorsitzenden gab und eine 60/40 Regelung getroffen wurde, das heißt 60 Prozent seiner politischen Aktionen seien positiv und 40 Prozent negativ zu bewerten, braucht es heute keiner Sprachregelung mehr. Das heißt, das heute kaum noch einer über Mao und Genossen debattiert, denn es geht ja wirtschaftlich aufwärts und für Politik interessiert man sich im Moment kaum hier im Lande, außer für die Ereignisse rund um die olympischen Spiele und eins dieser Ereignisse sind wir.
Die Stadt durchqueren wir auf einer großartigen sechsspurigen Piste, eine angenehme Abwechslung zu der schmalen verkehrsreichen Straße heute Morgen und gestern. Dann nehmen wir wieder die Nebenstraße und es geht durch eine weite Ebene mit Dörfern und Maisfeldern in den späten Nachmittag.
Kurz vor Meixian allerdings holpern wir dann noch einmal durch eine lange und staubige Baustelle, die sich fast 10 Kilometer hinzieht, aber dann liegt endlich das kleine Städtchen vor uns. Das Hotel liegt direkt neben dem Nachtmarkt und es gibt Leckereien vom Grill und besonders sind die Tintenfischspießchen hervorzuheben und auch der gegrillte Fisch ist sehr lecker.
In der Nähe des Hotels gibt es dann noch einen Massagesalon und die halbe Gruppe zieht dort zu einer Fußmassage ein und auch ich gönne meinem Rücken wieder einmal ein paar feste Griffe und lasse mich von einer jungen Dame verbiegen. Gut massiert besorge ich mir dann noch ein Bier und schreibe ein paar Zeilen am Computer, bevor ich kurz nach Mitternacht in mein Bettchen falle.

p1100795.JPG  p1100786.JPG  p1100773.JPG  p1100763.JPG 

p1100745.JPG  p1100743.JPG  p1100737.JPG

131 Kilometer, 780 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Nach dem Frühstück asten wir unsere Koffer von den Bungalows zurück zum Bus und gegen 9.30 Uhr fahren wir los. Es hat die ganze Nacht geregnet und ist immer noch verhangen und grau, doch es regnet nicht, nur ab und zu gibt es einen Nieselschauer.
Die ersten 30 Kilometer geht es auf der gut ausgebauten Straße zurück nach Tianshui, vorbei an idyllischen kleinen Dörfern und Marktleben am Straßenrand. Unten treffen wir dann wieder auf die Hauptstraße mit belebtem Verkehr. Hunderte von Trucks sind unterwegs und pressen uns am ersten Pass an den Straßenrand, so dass wir unsere Taktik ändern müssen und geschlossen in der Gruppe weiter fahren. Den Rest des Tages bleiben wir dann in fast geschlossener Formation, denn nur in dieser gelingt es uns, den Lkw Paroli zu bieten und uns nicht abdrängen zu lassen. Immer wieder gibt es Rangeleien mit Truckfahrern, die trotz Gegenverkehr überholen wollen oder wir sehen uns einer Phalanx von LKW´s gegenüber, die überholend auf uns zu rollen, es scheint für Radfahrer auf dieser Straße niemand Verständnis zu haben. Ständig geht es in leichten und mittleren Hügeln auf und ab und wir sammeln ordentlich Höhenmeter bei leichtem Nieselregen.
Am Nachmittag wird dann das Wetter noch etwas schlechter und wir haben ab und zu einen leichten Regenschauer über uns ergehen zu lassen.-
Der Wei Fluss ist stellenweise nur ein dünnes braunes Rinnsaal, allerdings eingebettet in ein idyllisches Tal mit terrassierten Feldern, kleinen Dörfern und schmalen Feldern. Durch die Landschaft geht die Eisenbahn, die über Viadukte im Tal hin und her geführt wird. Von den Hügeln hat man einen weiten Blick und es sieht aus wie eine Spielzeugeisenbahn in wunderschöner Modelleisenbahnlandschaft.
Das Hotel am Abend ist dürftig, dafür wartet das Restaurant mit ordentlichen Leckereien auf. Nach dem Abendessen setzen wir uns noch ein wenig zusammen.

p1100734.JPG  p1100726.JPG  p1100724.JPG  p1100715.JPG

p1100710.JPG  p1100708.JPG  p1100701.JPG  p1100695.JPG

athen-peking

Sonntag, 13. Juli 2008: Maijishan

Ruhetag: „Buddhas und Grotten“

Bericht von Tom Krech

Nach den zwei langen und anstrengenden Fahrradtagen tut es gut, lange zu schlafen und nicht auf den Wecker hören zu müssen, aber meine innere Uhr lässt mich nicht verschlafen und so bin ich 20 Minuten vor dem Frühstück wach.
Im großen Speisesaal gibt es ein opulentes chinesisches Frühstück, zum Glück mit Kaffee. Im dritten Anlauf kann ich mir eine größere Suppenschüssel organisieren und mische mir einen riesigen Milchkaffee. Danach kann dann der Tag richtig starten.
Um 10 Uhr ziehen wir los zu unserer Besichtigung. Bei leicht grauem Himmel führt der Weg einmal um den Berg herum und dann taucht wieder die Kulisse des Maijishan, des „Heuhaufenberges“ auf. Zwischen den sanften Hügeln des Mittelgebirges ragt er mit seiner auffälligen Form hervor. Ehemals auch ein wichtiger Punkt an der Seidenstraße, entstanden die Skulpturen und Höhlen am und im Berg vor 1500 Jahren in relativ kurzer Zeit und spiegeln nicht wie die Grotten in Dunhuang einen größeren geschichtlichen Zeitraum wider.
Mir unseren vier Tickets zu wenig, mogeln sich die gut dreißig Leute am Kontrolleur am Eingang vorbei und dann geht es steile Treppenstufen am Felshang hinauf zu den ersten Höhlen.
Über 150 kleinere und größere Höhlen gibt es hier, die mitunter sehr schöne und gut erhaltene Skulpturen enthalten. Volker gibt uns einen Überblick über die geschichtliche Bedeutung der Grotten und die Gestiken und Haltungen der unterschiedlichen Figuren. Besonders beeindruckend sind die großen Buddhafiguren in der Steilwand, die auf ein Holz-Metallgestell aufgetragen wurden. Überall im Fels sind noch die kleinen Höhlungen zu sehen, in den früher Rundhölzer und Balken steckten und auf denen Wandelgänge und kleine Tempel standen. Leider hat vieles von den äußeren Bauten die Invasion der Moslems, den Wandel der Zeiten und die Kulturrevolution nicht überstanden.
Nach drei Stunden reicht es dann an buddhistischem Input und wir teilen uns auf verschiedene Restaurants auf.
Der Nachmittag, an dem es zu regen anfängt und bis zum Abend auch nicht mehr aufhört, gehört jedem selbst und verläuft relativ ruhig, meist auf der Terrasse des Bungalows.
Abends beschließen wir, noch einmal in den kleinen Ort zum Essen zu fahren und mit einiger Mühe finden wir ein Restaurant mit einem entsprechend großen Raum und haben ein eher ländliches Mahl, besonders lecker sind die kurz gebratenen Blätter der Taglilien.
Die Nacht im Hotel mit rauschendem Bach und rauschendem Regen ist dann wieder sehr angenehm, auch wenn die Wäsche im Zimmer keine Chance mehr hat trocken zu werden, wenigstens dekoriere ich meine Unterhosen auf die Wandlampen, damit ich morgen etwas zum Anziehen habe.

p1100686.JPG  p1100682.JPG  p1100676.JPG  p1100669.JPG

p1100664.JPG  p1100648.JPG  p1100619.JPG  p1100604.JPG

137 Kilometer, 1197 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Die letzten Tage kamen wir durch Regionen, in denen nicht all zu oft Ausländer vorbeikommen, denn fast überall werden wir gebeten, mit den Leuten vom Restaurant oder vom Hotel Fotos zu machen. Gestern Abend hatten wir uns in der Halle zu einem großen Foto formieren müssen und heute Morgen beim bepacken der Fahrräder klicken schon wieder die Fotohandys.
Leider ist das Wetter nicht besser geworden, der Himmel weiß nicht recht, ob er  es regnen lassen möchte oder auch nicht. Erst einmal geht es durch das kleine lebendige Städtchen. Morgens sind immer die meisten Leute unterwegs, mit Bussen, Autos, Fahrrädern, Lasträdern und tuckernden Dreiradtransportern und dann ist China wirklich so, wie man sich es vorstellt, mit Menschen überall.
Hinter dem Ort wird es dann wieder etwas beschaulicher, es geht wieder durch schöne kleine Dörfer mit Lehmhäusern und leicht geschwungenen Ziegeldächern. Vor Jahren wohnte ein Teil der Leute auch noch in Höhlen in den Lößformationen, aber heute sind die meisten von den großen Wohnhöhlen verfallen oder werden nur noch zum Lagern von Mais oder Stroh verwendet.
Jedes Dorf hatte früher auch seinen eigenen Tempel und sein eigenes buddhistisches oder taoistisches Kloster oder Klösterchen. In der Kulturrevolution ist das meiste davon abgeschafft worden. Aber hier im Lößgebiet hat einiges mehr überlebt als anderswo. In der großen Lößwand, die uns schon seit gestern begleitet, sehen wir, nur durch einen kühnen Pfad in der Steilwand zu erreichen, kleine Klausuren und Klösterchen, die wie Vogelnester in der Wand hängen.
In Gangu gibt es dann das „Große Elefantenkloster“. Warum es Elefantenkloster heißt, kann ich nicht herausfinden, aber die Anlage ist recht groß und wir stoppen die Räder und steigen die Treppen hinauf zu den Tempeln. Das Kloster ist noch, oder besser gesagt wieder in Betrieb und es gibt zahlreiche neu gebaute Tempel.
Gleich im ersten Tempel gibt es drei wunderschöne Jadebuddhas, die vom Stil eigentlich gar nicht hierher passen und ein Arbeiter bestätigt mir auch, dass dies Geschenke aus Burma seien.
Dahinter schließt sich eine „10.000 Buddha Höhle“ an, die gerade neu renoviert wird, was in China heißt, dass alle Lehmfiguren neu gemacht werden. Hunderte von Boddhisatvas und regionalen Heiligen sind hier dargestellt, unmöglich einen Überblick über die Namen und die Funktionen der einzelnen Figuren zu bekommen, aber man bekommt einen Eindruck, wie flexibel der Buddhismus bei der spirituellen Eroberung vorgegangen ist, so dass lokale mythische Gestalten und Götter einfach zu buddhistischen Heiligen und Boddhisattvas erhoben werden.
Wir laufen durch einen langen Gang mit Figuren, die zum Teil lustig, Furcht erregend, grausam, weise, albern oder dumm anmuten. Lokale Handwerker sind mit dem Bemalen der Figuren beschäftigt und jeder der Gestalten bekommt ein knallbuntes Outfit.
Hinter den oberen Tempeln führt der Weg in die Felswand an kleinen Höhlen vorbei, die aber leider alle verschlossen sind, bis hin zu einem großen Buddha, der 23,3 Meter in die Höhe hinaufragt. Nur auf dem Fuß der großen Figur hätte unsere halbe Reisegruppe Platz gefunden und beeindruckt starren wir in die Höhe.
Viel Zeit bleibt uns nicht für die Besichtigung, denn noch ein langer Fahrradtag liegt vor uns und auch kein einfacher, denn die Straße schraubt sich noch einmal über 15 Kilometer in die Höhe und auch danach bleibt es hügelig. Erst in Tianshui bekommen wir Rückenwind und fliegen über die neu gebaute vierspurige Straße unserem heutigen Ziel, dem buddhistischen Heiligtum Maijishan, entgegen, aber es wird dann noch einmal anstrengend und geht wieder bergauf in die Berge hinein.
Zum Schluss, schon im Park angekommen, geht es dann noch einmal 300 Höhenmeter in den kleinsten Gängen bis zum Hotel. Mit ein paar Leuten verfahren wir uns dabei noch, bekommen dafür aber einen ersten Blick auf den Maijishan. Der „Heuhaufenberg“ steht in der Mitte eines weiten Tales und ist an seiner kahlen Seite über und über mit kleinen und größeren Höhlen versehen worden, die von gefährlich anmutenden Wandelgängen verbunden werden
Als wir dann endlich in den Bungalows des Hotels unser Quartier beziehen, fängt es schon an dunkel zu werden und so beschließen wir, doch im Hotelrestaurant zu essen, was dann auch ganz lecker war.
Die Nacht ist kühl und erfischend und ich kann super gut schlafen beim Rauschen des kleinen Baches vor der Tür.

p1100559.JPG  p1100544.JPG  p1100526.JPG  p1100509.JPG 

p1100499.JPG  p1100489.JPG  p1100483.JPG  p1100465.JPG 

p1100457.JPG  p1100522.JPG

« Vorherige Einträge - Nächste Einträge »