Monatsarchiv für August 2008

Bericht von Tom Krech

Langsam merke ich, dass die Tour ihrem Ende entgegen geht, denn jeder Ruhetag ist mehr als willkommen, egal wie anstrengend oder relaxt die letzten Tage auf dem Rad waren. Das späte Frühstück und drei Kaffee bringen mich einigermaßen auf Trab und ich freue mich auf das Kloster am Südberg.
Nichts gewohnt als Radfahren quälen wir uns langsam zu Fuß den Berg hinauf. Wie eine Festung thront dieses kleine Kloster hier über dem Tal und wartet auf unsere Besichtigung.
Der Wutaishan ist einer von fünf heiligen buddhistischen Bergen in China und von denen der nördlichste, fast nur einen Katzensprung von Beijing entfernt. Eigentlich reicht die Geschichte wieder zurück bis ins 6. Jahrhundert, aber viel von den ursprünglichen Bauten hat die antibuddhistischen Pogrome der Tang Dynastie, die geschmacklosen Renovierungen der Qing Dynastie und die Zerstörungen der Kulturrevolution nicht überstanden.
Auf halber Höhe über dem dunstigen Tal erwarten uns dicke Gemäuer und mehr oder weniger restaurierte Tempel. Schon der Eingangsbereich ist unüblich, es geht nicht durch die zentrale Achse in den Tempel, sondern durch einen langen finsteren Tunnel von links. Zusätzlich zu den vier Wächterfiguren schrecken zwei weitere dunkle Gestalten böse Geister und feindlich gesinnte Eindringlinge ab. Im ersten Hof findet sich dann eine Stupa, die eher nach Tibet gehört als in die Nähe von Beijing, aber der Wutaishan ist auch ein heiliger Berg für die Tibeter und so finden sich auch hier Zeugnisse für die tantrische Spezialrichtung des Buddhismus, was eine Erläuterung der einzelnen Tempel und Figuren nicht unbedingt erleichtert. Eine Stunde lang bahnen wir uns den Weg durch die engen Höfe und kleinen Tempel der Anlage und bestaunen die Buddhas und Boddhisattvas, dann haben wir unser Pflichtprogramm für heute beendet.
Wie hat sich doch dieses kleine Städtchen in den letzten 7 Jahren verändert, als ich 2001 das letzte Mal hier war, war Wutaishan ein kleines Dorf mit einer Straße voller winziger Restaurants und ein paar kleinen Guesthäusern und nur einem Hotel. Nur wenige Gäste kamen, hauptsächlich Pilgerer. Heute führt eine breite Straße an mehr als 10 großen Hotels vorbei und der Tourismus mit chinesischen Touristen boomt. Trotzdem finden sich immer noch die Pilgerer hier und auch einige Tibeter sind auf den Straßen zu sehen, die sich ihren Aufenthalt damit finanzieren, Modeschmuck und auf Leopard getrimmte Kaninchenfelle zu verhökern oder in den Restaurants tibetische Lieder zu singen.
Eigentlich wollte ich dann noch einige Tempel mehr erkunden, aber nachdem ich meine Wäsche erledigt und einen kleinen Mittagsschlaf gemacht habe, bleibe ich dann in einem chinesischen Krimi stecken und lese weiter bis es Zeit zum Abendessen ist und dann bleiben mir noch 20 Seiten um herauszufinden, wer denn nun der Mörder war.
Das Abendessen verläuft sich in kleinen Gruppen und ist deshalb sehr angenehm und ich bin mehr als angetan von der Atmosphäre im neuen Wutaisahn.

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“Durch Nebelschwaden in die heiligen Bergen“

117 Kilometer, 1382 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Ich fühle mich so frisch wie dieser Morgen nach dem Regen, werde also heute wieder auf mein Fahrrad steigen, auch wenn uns eine lange und nicht einfache Etappe erwartet. Morgens ist das heiße Wasser aus beiden Wasserhähnen noch nicht ganz so heiß, sondern hast genau Duschtemperatur und auch das Frühstück im Hotel ist nicht schlecht. Zu unserer Überraschung hatte es gestern Abend unter anderem Kartoffelpuffer gegeben und davon habe ich dann gleich zum Frühstück noch einmal welche ordern lassen.
Draußen ist es nicht so heiß und stickig, wie in den Tagen zuvor, die Wolken hängen tief und es nieselt ab und zu. Das ideale Wetter um einen langen Pass nach oben zu fahren, zumal dieser heute nicht asphaltiert ist. Wir haben uns für diese Variante entschieden, da uns die Abkürzung über den Berg gute 30 Kilometer spart.
Die Piste ist gut zu fahren und wenig buckelig und es gibt nahezu keine Autos, auch wenn der Grund dafür ist, dass die Straße oben mit einem Erdhügel für Fahrzeuge versperrt ist, so dass unsere beiden Busfahrer umkehren und außen herum fahren müssen. Wir schrauben uns den kleinen Weg nach oben und die Nebelschwaden werden dichter, stellenweise kann man nicht weiter als 10 Meter sehen. Aus den Nebelschwaden heraus tauchen kleine festungsartige Dörfer auf. Große, aus Flusssteinen gebaute Mauern säumen die Straße und obenauf thronen wuchtige alte Häuser. Eine dünne Gasse mit einer Treppe führt ins Dorf und wir machen eine kleine Erkundung und werden schon nach 5 Minuten von den Kindern und Alten des Dorfes begleitet. Im Gegensatz zu anderen Gegenden sieht es recht ordentlich auf den Höfen aus. Gackernde Hühner laufen herum und rund um die Tenne, einem kleinen gestampften Platz, liegen wuchtige Mühlsteine und überall hat man Sonnenblumen gepflanzt.
Oben am Pass machen wir eine Pause im Nebel mit Bananen, Keksen und Obst und dann geht es wieder ins Tal hinunter. Die Berge sind eine Wetterscheide und so reißt sofort der Nebel auf und wir haben einen schönen Blick über das bewaldete Tal. Unter uns und an den Bergen gegenüber hängen noch Nebelbänke und verzaubern die Landschaft.
Unten im Tal haben wir dann den Asphalt zurück und biegen auf die Hauptstraße in Richtung Wutaishan. Volker hat heute ganz vorne fahrend schon das Mittagessen organisiert und an einer kleinen Kreuzung wartet dann schon eine große Nudelsuppe auf uns, zum Nachtisch gönnen wir uns einen Kaffee, den wir seit einigen Tagen immer im Gepäck haben und eigentlich ist die Stimmung eher nach einem Mittagsschläfchen, als nach weiteren Kilometern. Trotzdem schwingen wir uns wieder aufs Rad und es geht weiter leicht bergauf und es trennen uns noch jede Menge Kilometer vom Ziel.
Wieder einmal leistet der MP3 Player gute Dienste, gerade wenn es einmal nicht so schnell vorwärts geht, dann treibt mich die Musik gut voran und nach einer Weile sind wir alle sieben Leute, die wir heute die Schlussgruppe bilden, musikalisch verdrahtet und jeder fährt in seinem Takt. Selbst in den kleinen Pausen, die wir uns gönnen, stehen wir noch tanzend auf der Straße.
Wutaishan liegt auf gut 1600 Höhenmetern und so wird es angenehm kühl, als wir am frühen Abend die letzten Kilometer bis ins Dorf hinter uns bringen. Obwohl ich hier schon mehrfach war, erkenn ich die Gegend kaum wieder. Früher war Wutaishan ein mickriges Dorf mit ein paar Guesthäusern, heute säumen mittelgroße Hotels die breite Straße. War es vor 6 Jahren noch ein Problem ein ordentliches Restaurant zu finden, gibt es jetzt eine ganze Zeile von gut aussehenden Lokalen.
Leider alles wieder einmal mehr Schein als sein, denn obwohl die ersten Radler schon zwei Stunden hier sind, gibt es immer noch ein paar Leute ohne Zimmer und auch Wasser gibt es keins. Zum Glück lösen sich diese Probleme gerade bei der Ankunft der kleinen Schlussgruppe und so stört es nicht, dass wir nur eine halbe Stunde bis zum Abendessen haben.
Ein kleines Lokal an der Straße hat ein recht ordentliches Angebot, auch gibt es einige Gerichte mit lokalen Wildkräutern und Pilzen. Da wir morgen einen Ruhetag haben, sitzen wir noch recht lange im Lokal und schwatzen über die letzten Tage, die noch vor uns liegen.

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“Krank im Bus III“   

50 Kilometer

Leider wache ich noch zerschlagener auf, als ich ins Bett gegangen bin, aber der Vormittag, den die anderen hier am Zangshan mit einem Halbtagesausflug verbringen, tut mir mit noch ein paar Stunden Schlaf ganz gut.
Im Bus habe ich dann schon wieder Lust zum Lesen und gegen Abend fühle ich mich recht ordentlich. In Yuxian Wenquan bekommen wir nette Zimmer, allerdings kommt aus beiden Wasserhähnen heißes Quellwasser, dies sei hier schon immer so gewesen und es ist schon eine klempnertechnische Meisterleistung, ein Hotel nur mit heißem Wasser auszustatten, auch die Toilette wird mit heißem Wasser gespült.
Zu einer Dusche kommt man hier also nur, wenn man die größtmögliche Entfernung von Duschkopf zum Körper herstellt, auch wenn danach natürlich das gesamte Badezimmer geflutet ist.
Das Abendessen ist üppig und bäuerlich und ich esse auch einmal wieder ein wenig und bin optimistisch, dass ich morgen wieder aufs Rad steige. Abends realisiere ich, dass heute der erste Tag ist, an dem ich kein einziges Foto produziert habe.

„Krank im Bus II“

120 Kilometer

Bericht von Tom Krech

Auch heute steige ich wieder auf den Bus und bin ganz froh dem Dreck draußen auf der Straße zu entgehen und wenigstens ab und zu noch ein wenig schlafen zu können.
Natürlich bin ich nicht in der Lage und in der Laune heute viel zu schreiben, zwei Leute unserer Truppe sind falsch abgebogen, aber wir konnten sie schnell wieder finden und im abendlichen Hotel in Zangshan ist nichts vorbereitet, die Zimmer sind noch besetzt und müssen noch gereinigt werden, was sich nicht unbedingt positiv auf die Gruppenstimmung auswirkt.
Ich verzichte noch einmal aufs Abendbrot und lege mich zeitig ins Bett, mit der Hoffnung, dass es mir morgen besser geht.

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„Krank im Bus I“

95 Kilometer

Bericht von Tom Krech

Am Morgen fühle ich mich zwar etwas besser und mache sogar Yoga, aber danach bin ich erschöpft, wie nach einer 150 Kilometer Etappe, deshalb beschließe ich auf den Bus zu steigen und tue das dann auch.
Viel gibt es dann auch von mir an diesem Tag nicht zu berichten, denn ich verbringe den Tag damit im Bus zu schlafen und zu fiebern, organisiere das Mittagessen und das Abendessen in Hengshan.
Hier mache ich noch einen kurzen Ausflug ins Zentrum auf der Suche nach einem funktionierenden Bankautomaten und finde auch einen und mir gelingen noch einige schöne Bilder vom bunten Treiben auf dem zentralen Platz der Stadt, wo sich die Hälfte der Bevölkerung zu treffen scheint.

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Bericht von Tom Krech

Ein Ruhetag und ich habe mich schrecklich erkältet, da ich bei laufender Klimaanlage eingeschlafen und mitten in der Nacht frierend aufgewacht bin. Alles tut mir weh und ich schleppe mich mit Kopfschmerzen ins nächste Kaffee mit Internetanschluss und erledige die wichtigsten Arbeiten und kann mich mit starkem Kaffee gerade so wach halten.
Nach einem Schläfchen fühle ich mich nur wenig besser und beschließe, wenigstens einen kleinen Spaziergang durchs Städtchen zu machen. Die Hauptstraßen der Stadt sind alle vorbildlich renoviert und in den zahlreichen Familienresidenzen gibt es Cafes, Läden und Hotels und der Autoverkehr ist vor die Stadtmauern verbannt worden. Biegt man in die Seitenstraßen ein, hat man nicht mehr den Eindruck in einer der wichtigsten chinesischen Touristenzentren zu sein. Hier herrschen in den Höfen noch der Verfall und das Chaos. In den kommunistischen Zeiten wurden in den ehemals geräumigen Höfen kleine Ziegelhütten gebaut, um mehr Leuten Platz zu bieten und in jedem freien Winkel lagern die Bewohner Steine, Holz und Kohle für den nächsten Winter oder aber alte Möbel, die sich inzwischen zu Müll verwandelt haben. Nur die Tore und die Geisterwände, manche reich geschmückt oder mit Ornamenten verziert, zeugen von dem ehemaligen Reichtum und Prunk. In den engen Höfen sitzen die alten Leute und spielen Karten und auf den Straßen tragen Großväter und Großmütter ihre Enkel spazieren oder es bilden sich kleine Gruppe von schwatzenden Rentnern.
Da ich mich zunehmend schlechter fühle, verzichte ich auf einen Spaziergang auf der Stadtmauer und kehre ins Hotel zurück und verziehe mich mit zwei Aspirin in mein Bett und lasse sogar das Abendessen aus und hoffe, dass meine Erkältung bis morgen wieder abgeklungen ist.

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