„Entlang der großen Mauer“
170 Kilometer, 1041 Höhenmeter, Passhöhe 2575 Meter
Bericht von Tom Krech
Heute erwartet uns wieder einmal ein Monstertag mit langer Strecke und vielen Höhenmetern und am Morgen sieht es windig aus und der Wind bläst leicht aus der falschen Richtung, nämlich aus Osten. Deshalb ist es aus der Stadt heraus dann doch recht anstrengend und wir fahren eng in der Gruppe zusammen.
Dafür ist es landschaftlich sehr schön, so viele grüne Äcker, Bäume und Felder hatten wir seit Aserbaidschan nicht mehr. Gerade werden die Wassermelonen reif und an der Straße befindet sich alle 100 Meter ein Verkaufsstand. Und immer noch begleiten uns hohe Berge, im Hintergrund noch ein Ausläufer des Qilin-Gebirges, und alle Gipfel sind noch mit Schnee und Eis bedeckt. Das Tollste jedoch ist die Große Mauer, von der ab und zu ein längeres oder kürzeres Stück und alle 500 Meter ein Wachturm fast direkt neben der Straße stehen. Es ist nicht die Mauer, wie wir sie alle von den Bildern aus Lehrbüchern oder aus Dokumentarfilmen kennen, sondern nur ein zwei oder drei, manchmal vier Meter hoher Lehmhaufen, der sich neben der Straße herzieht und sehr oft unterbrochen ist. Beeindruckend ist hier vor allem, dass das Bauwerk kein Ende nehmen will und wir uns vorstellen, dass dieser Wall mehr oder weniger direkt bis Beijing verläuft.
Nach 60 Kilometern im Gegenwind erreichen wir dann Shandan, ein kleines Städtchen mit viel Verkehr und schmutziger Industrie, und essen in einer Nudelstube eine große Schüssel Nudeln, es ist zwar noch nicht ganz Mittagszeit, aber uns stehen noch knapp 1000 Meter Anstieg bevor.
Der geht aber ganz langsam vor sich und nach dem Mittag hat sich der Wind auch ausgetobt und wir kommen jetzt etwas zügiger vorwärts. 20 Kilometer fahren wir dann noch einmal auf der Autobahn, da die kleine Straße hier zu viele große Löcher hat. Immer weiter führt auch die Große Mauer auf der anderen Seite der Autobahn nach oben, an manchen Stellen ist wirklich nicht mehr viel als ein niedriger Lehmwall übrig und manchmal verschwindet auch dieser für einen oder zwei Kilometer, bis dann ein neuer Lehmwallabschnitt beginnt.
In der Weite des Hochplateaus, wir haben uns schon wieder bis auf weit über 2000 Meter hochgeschraubt, gibt es erst nach 30 Kilometern wieder ein kleines Dorf, wo wir noch einmal eine Kühltruhe mit Eistee finden. Danach wird der Abstieg etwas steiler, aber die Straße macht einen Bogen nach Osten und nun bläst uns der Wind die letzten 200 Höhenmeter praktisch hinauf.
Oben an dem flachen Pass in 2557 Meter Höhe gab es in der Qing Dynasty ein Fort, aber hier lassen die quadratisch angeordneten Lehmrestmauern nur noch so ungefähr erkennen, wie die Anlage aussah.
Oben wartet noch einmal der Bus mit Wasser zum Nachtanken und dann geht es in einer rauschenden Abfahrt in eine grüne Ebene, in der weiter unten dann viele kleine Dörfer mit kleinen quadratischen Höfen liegen, die allesamt aus Lehm und Lehmziegeln gebaut worden sind.
In der Abendsonne ist es wunderschön durch die kleinen Straßendörfer zu fahren, auch wenn der Wind wieder einmal gedreht hat und es nun nicht mehr ganz so schnell dem Ziel entgegen geht. Doch gegen halb acht rollen wir dann in das Städtchen Yongchang ein und nach einer kurzen Dusche wird es etwas schwierig ein Restaurant zu finden. Da hier viele Leute der Hui Minorität wohnen, das sind ethnische Chinesen, die aber keine Buddhisten, sondern Moslems sind, und die Hui sind zwar bekannt für ihre Nudeln, aber uns steht abends der Sinn doch eher nach Reis und im Wok gebratenen Gerichten. Doch nach 20 Minuten finden wir noch ein kleines Restaurant und ein etwas größerer Laden ist gleich nebenan. Der große Laden ist fast leer und der kleine fast voll, aber ich will doch lieber in das kleine Restaurant und es lohnt sich dann auch, denn das Essen ist vorzüglich. Wir bekommen einige gute Hausmachergerichte und essen dazu Baotze, die gefüllten Dampfnudeln. Die Restaurantbesatzung organisiert dann noch einen Fotografen und wir müssen uns mit allen Köchen und Bedienungen vor einem großen Poster im Laden ablichten lassen, was wir ja auch gerne tun. Danach heißt es an einem langen Tag nur noch zurück ins Hotel und auf schnellstem Wege ins Bett.
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Bericht von Tom Krech
Leider hat das Frühstück nicht die vier Sterne, wie das Hotel, vor allem kann man den Kaffee nur vom Tee unterscheiden, weil ‘ka-fei’ auf der Kanne steht, aber es finden sich dann doch noch ein zwei leckere Sachen auf dem Buffettisch für mich.
Am Morgen ist schon viel Leben in den Straßen, hunderte von Chinesen wälzen sich durch die Hauptstraßen mit vielen modernen Geschäften und Läden, erst das Viertel um den Großen Buddha von Zhangye ist etwas ruhiger und beschaulicher. Hier ist die Altstadt wieder renoviert worden, auch wenn renovieren auf Chinesisch heißt, abreißen und wieder neu aufbauen, aber die Renovierung liegt auch schon wieder ein paar Jahre zurück und so sehen die im traditionellen Stil gehaltenen Häuser nicht zu neu aus. Im Zentrum des Stadtviertels steht auf einem großen Platz ein großer Stupa, etwas unüblich für den Buddhismus in China. Dieses Bauwerk deutet darauf hin, dass es nur ein kleiner Sprung bis nach Tibet oder besser gesagt bis in Gebiete ist, die von Tibetern, Hui und Han-Chinesen gemeinsam bewohnt werden.
Im letzten Jahr habe ich von hier den Weg in die Berge genommen und schon nach 100 Kilometern kommt ein hoher Pass und dahinter stehen tibetische Zelte und langzottelige Yaks weiden auf dem Hochplateau.
Um die Ecke gibt es kleine Läden mit Souvenirs und Andenken, antiker und meist pseudo-antiker Pröhl wird hier angeboten. In einem kleine Shop diskutiere ich mit einem Verkäufer über das Alter einer schönen Guanyin-Figur, er behauptet sie sei noch Qing-Zeit, ich behaupte, sie sei modern, denn ich habe den gleichen Guss, nur eben nicht auf „alt gemacht“ zu Hause in Berlin auf dem Schrank.
Leider sind der große Buddha und das Gebäude um ihn herum eingerüstet und werden renoviert. Seit letztem Jahr hat sich nicht viel verändert und so wird das Gerüst wohl noch eine Weile stehen bleiben.
Eingezwängt in eine große Halle liegt hier ein 35 Meter langer Schlafender Buddha, wobei der Ausdruck schlafend falsch ist, denn diese Buddhaposition zeigt den historischen Buddha beim Eintritt ins Nirwana. Im Halbdunkel unter dem Baugerüst lässt sich die einzigartige Farbenpracht und Monumentalität der Skulptur nur erahnen.
Einen besseren Eindruck von buddhistischer Malerei und Skulpturkunst bekommen wir in den kleinen Tempeln rund um den Haupttempel. In den hinteren Tempelchen ist ein Museum untergebracht, welches zeigt, wie solche riesigen Buddhafiguren gemacht worden sind, mit einem Holzgerüst, auf das dann mehrere Lehm-Stroh-Gemisch-Schichten aufgetragen werden. Zum Schluss werden die Details aufgespachtelt und dann wird alles kunstvoll bemalt. Bis heute gibt es in China viele Spezialisten, die diese Technik beherrschen und Buddhafiguren in allen Größen und Variationen für den Tempelgebrauch herstellen.
Nach dem Besuch beim Schlafenden Buddha ziehen wir in einen kleinen Teeladen an der Hauptstraße ein, den ich gestern Abend auf dem Heimweg gefunden habe. Innerhalb der nächsten drei Stunden verkosten wir viele verschiedene Sorten Tees. Die Auswahl ist nicht schlecht und wir beginnen mit einer preiswerten und einer teuren Sorte Long Jing, Drachenbrunnentee aus Hangzhou, dann gibt es zwei verschieden Jasmintees. Weiter geht es mit einem Bi Luo Chun, einem weißen Tee aus Fujian mit sehr mildem Aroma.
Der Hammer ist ein grüner Tee aus Sichuan, Qing Shan Lü Shui, Klarer Berg klares Wasser, nur absolut kleinste Blatttriebe, der sehr stark ist und viele Bitterstoffe enthält. Allen gefällt der Lan Gui Ren, ein mit Ginseng verfeinerter Wolong Tee und den Abschluss bildet ein hochwertiger Te Guan Jin, Gunpowder-Tee, ebenfalls halbfermentiert und sehr aromatisch, einer meiner Lieblingstees.
Danach dauert es eine Weile bis alle in der Gruppe ein paar Tees zum mitnehmen ausgewählt haben und es geht dann fast direkt zum Abendessen, das wir wieder einmal mit der Teilgruppe einnehmen, die gerade auch in Zhangye eingetroffen ist. Es ist gar nicht so einfach ein Lokal zu finden, in welches 32 Personen hineinpassen, aber wir verteilen uns auf drei Tische zu 12 Personen und dann kann auch ich gut bestellen und 13 verschieden Gerichte für jeden Tisch ordern. Ein entsprechend ausgiebiges Mahl wird es dann auch und ich schaffe kaum noch den Weg über die Straße bis zum Hotelzimmer.
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90 Kilometer, 202 Höhenmeter
Bericht von Tom Krech
Heute haben wir kein Frühstück im Hotel und wir gehen in einen kleinen Nudel-Laden die Straße hinunter. Heute also dann erstmals die richtige chinesische Variante und die kommt auch bei den meisten recht gut an.
Gegen halb zehn rollen wir dann aus dem Städtchen, heute haben wir bloß 90 Kilometer zu fahren und machen deswegen keine Hektik.
Wieder geht es heute flach durch Maisfelder, Getreidefelder und Pappelhaine. An den Rändern der Felder wird Hanf angebaut und manchmal fährt man direkt in eine dezente Marihuana Duftwolke hinein. 10 Kilometer vor Linze hängt sich ein junger Chinese mit klapprigem Rad an uns und fährt bis in die Stadt mit. Er kann ein wenig Englisch und hat Spaß daran, sich ein wenig auszuprobieren. Im Ort zeigt es uns dann ein schickes Restaurant. Da wir es bis Zhangye nicht mehr weit haben, wollen wir hier richtig gut essen und am Abend kann dann jeder für sich alleine etwas suchen und finden.
Das Restaurant ist richtig gut und selbst für mich gibt es ab und zu einmal wieder ein paar Gerichte, die ich noch nicht kenne.
Nach dem Essen ist es schwierig mit dickem vollem Bauch wieder in die Gänge zu kommen, aber eine gute Stunde später sind wir dann in Zhangye und sehen einem weiteren Ruhetag entgegen. Der beginnt eigentlich schon am Nachmittag, denn ich schlendere mit Eckhardt einmal die Hauptstraße entlang bis zum schönen Glockenturm im Zentrum der Stadt und dann gehen wir in ein Cafe mit Plüschsofas und trinken Kaffee und ich esse noch eine große Portion Eis mit Früchten.
Auf dem Rückweg kommen wir an einem kleinen Teeladen vorbei und ich mache einen Termin für den nächsten Tag. Das Angebot an grünen Tees und Wolong Tees in den Gläsern an der Wand sieht recht gut aus und so könnte ich morgen mit meinen Leuten hier eine Teeverkostung machen. Während ich dies mit der Chefin bespreche trinken wir schon einen starken Aufguss Drachenbrunnen und meine Müdigkeit ist wie weggeblasen. Leider bleibt sie das auch bis in den frühen Morgen, so dass ich die halbe Nacht noch am Computer sitze und schreibe.
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„Begegnungen am Ende der Wüste“
152 Kilometer, 406 Höhenmeter
Bericht von Tom Krech
Das Frühstücksbuffet im 5-Sterne Hotel ist mehr als gigantisch, verschiedenste Salate, Eier in allen Variationen, Frische Nudeln, Gebratenes und Gekochtes…alles nur Erdenkliche, was die chinesische Frühstücksküche so hergibt. Aus diesem Grunde beschließen wir heute gleich eine verspätete Abfahrt, um dies alles noch ein wenig länger genießen zu können.
Gegen 9.15 Uhr rollen wir dann aus der Stadt und uns erwartet heute nicht gleich wieder die Wüste, sondern es geht durch größere Dörfer und muntere Straßenstädtchen. Obwohl das Frühstück so gigantisch war, sehe ich ein wenig neidisch auf die Straßenstände und die dampfenden Türme mit Baotze und die Buden mit Nudeln, wir sind jetzt fast einen Monat in China und wir sollten endlich einmal auch auf der Straße frühstücken.
Nach 30 Kilometern machen wir noch eine Rast und schlachten meine Geburtstagstorte und alle sind erstaunt, dass die Torte trotz ihres chemisch-plastischen Aussehens doch recht gut schmeckt. Mit der Energie der Buttercreme können wir uns dann wieder in die Wüste stürzen, die gleich hinter der nächsten Kurve beginnt. Aber wir haben den Wind heute auf unserer Seite und so wird es eher ein Flug durch die Steppe.
Kurz vor dem nächsten Ort kommt uns ein Mann entgegen mit einem Wagen und einer weißen Kiste, sieht aus wie ein chinesischer Eisverkäufer, hat aber eine Outdoor-Markenhose an, trägt einen Bart und hat eine für chinesische Verhältnisse viel zu große Nase. Christoph kommt mit dem Karren aus Beijing und ist zu Fuß in Richtung Deutschland unterwegs.
Monate hat er von Beijing hierher gebraucht und zwei Jahre wird er noch bis in die Heimat unterwegs sein. Von uns hat er schon gehört, die Litauer haben ihm erzählt, dass noch jede Menge andere Radler unterwegs sind und auch die Franzosen hat er schon getroffen. Christoph hat in Beijing Fotografie studiert und will nun natürlich den Weg nach Hause für seinen Beruf nutzen. Wir machen ein paar Gruppenfotos und dann müssen wir in verschieden Richtungen weiter, uns erwarten noch gute 80 Kilometer heute und Christoph legt ca. 30 bis 35 Kilometer pro Tag zurück.
Kurz darauf erreichen wir Qingshui, die nächste Oase und einzige Möglichkeit heute Mittag zu essen. Ein kleines Restaurant ist schnell gefunden und es gibt für alle eine Schale mit Nudeln, nach der Fressorgie im Hotel und der Torte hat sowieso kaum jemand großen Hunger.
Nach dem Mittag wird das Wetter noch besser, es ist leicht bedeckt und die Sonne brennt nicht mehr so heiß und der Rückenwind ist uns geblieben und so geht es dann wieder ein letztes Mal in die Wüste hinein. Auch die Chinesen von vor drei Tagen sind wieder unterwegs und deren Begleitteam hat uns schon erwartet und so gibt es auch hier eine große Fotoorgie und ich muss ein langes Interview für deren Berichterstattung geben. Ein paar Kilometer radeln wir mit der chinesischen Gruppe zusammen, dann trifft diese sich bei ihrem nächsten Treffpunkt und wir ziehen vorbei.
Weiter im Flug geht es dann auch die letzten Kilometer und dann beginnen die Felder und Baumreihen und es heißt dann endlich Abschied von der Wüste, die uns nun lange genug begleitet hat und ich denke wir haben alle Variationen und Varianten kennen gelernt.
An der nächsten Kreuzung zweigen wir dann nach links in Richtung Gaotai ab und erreichen eine halbe Stunde später das Hotel in der belebten Kleinstadt. Heute haben wir ein normales chinesisches Kleinstadthotel und das heißt natürlich, dass man mehr Zeit mit der Regulierung der Dusche verbringt, als unter der Dusche. Nach 5 Minuten habe ich die Nase voll und dusche doch kalt.
Etwas weiter weg vom Hotel gibt es eine Straße mit Tischen im Freien und verschiedenen Essständen und ich versorge meine Gruppe mit verschiedenen Sachen vom Grill, gebratenem Gemüse, geräuchertem Schweinefleisch und jeder bekommt noch eine Schüssel mit Jiaotze-Suppe. Bei einem fruchtigen Guo-Pi (Fruchtbier) sitzen wir dann noch eine ganze Weile in dem Trubel, der erst nach 22 Uhr seinen Höhepunkt erreicht. Dann sind alle Plätze restlos besetzt und wir räumen unsere Tische für hungrige Chinesen.
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„Geburtstag im Paradies“
24 Kilometer, 60 Höhenmeter
Bericht von Tom Krech
Bei den wenigen Kilometern, die heute vor uns liegen, brauchen wir nicht sehr zeitig los. Gemütlich zuckeln wir durch die Industriestadt Jiayuguan, versuchen noch einen Geldautomaten zu finden und bringen dann unsere Kilometer entlang der grünen Oase bis zum nächsten großen Ort schon innerhalb einer Stunde hinter uns.
Da heute mein Geburtstag ist, habe ich natürlich in der ursprünglichen Planung schon ein wenig geschummelt und einen ruhigen Tag und ein tolles Hotel für den Abend organisiert; und der 4-Sterne Kasten in Jiuquan ist wirklich nicht schlecht und so gönne ich mir einen kleinen Nachmittagsschlaf.
Danach lade ich die Gruppe zu einem zeitigen Abendessen in ein Feuertopflokal ein. Da einige noch nicht an superscharfes Essen gewohnt sind, bestelle ich eine Variante mit zwei Suppen, einer milden Suppe und einer zweiten mit wenig Chili, aber das ist eigentlich für ungeübte Chiliesser schon grenzwertig. Dazu gibt es dann verschiedene Gemüse, Lammfleisch, Tofuvarianten und Seafood, die dann auf Fondue ähnliche Art und Weise gegart werden. Fast zwei Stunden brauchen wir, bis keiner mehr Lust hat in den Töpfen nach verlorenen Edelsteinen zu suchen und ich öffne dann noch die Flasche chinesischen Schnapses, die ich von der Gruppe geschenkt bekommen habe. Das Zeug ist aber so schrecklich, dass wir gerade einmal die Hälfte schaffen, aber, liebe Blogleser, die Flasche war wirklich sehr schön.
Abends läuft dann das Telefon heiß mit Grüßen und Glückwünschen und ich komme wieder einmal nicht dazu die fehlenden Tage im Blog nachzutragen.
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“Am Beginn der Großen Mauer“
134 Kilometer, 641 Höhenmeter
Bericht von Tom Krech
Wieder einmal Hotelfrühstück, aber ich würde lieber auf der Straße essen und habe keine Lust mehr auf die kleinen sauren Salate am Morgen. Danach geht es dann noch zum Einkaufen in die kleine Stadt. Wir versorgen unseren Bus mit genügend Wasserflaschen für die nächsten Tage in der Wüste und dann geht es aus der Stadt heraus durch die lang gezogene Oase, wieder in Richtung Autobahn.
Heute kommen wir ohne Probleme auf die Autobahn, obwohl es auch heute eine Nebenstraße neben der vierspurigen Asphaltspur gibt. Aber der Asphalt ist dort schon wieder “aufgetaut“ und die Strecke führt auch nur durch die Wüste, meistens direkt neben der Autobahn.
Vor der Stadt gibt es riesige Windparks, zusammen wahrscheinlich mehr als zweihundert Windräder, die sich fleißig im Wind drehen und heute haben wir kein Glück und wir müssen gegen diesen Wind strampeln. Trotzdem kommen wir recht gut voran und wir bleiben recht ordentlich in der Gruppe zusammen, so dass es nur für die Vordersten richtig anstrengend ist.
Mittag gibt es in einer Rasstätte an der Autobahn, wie immer Nudeln und dann geht es weiter bei knapp 40 Grad in Richtung Jiayuguan. Am späten Nachmittag erreichen wir bei immer heftiger werdendem Wind die öde Ausfahrt. An der Tankstelle an der nächsten Kreuzung gibt es einen verlockenden Kühlschrank, der ist aber nicht am Netz und alle Getränke sind mehr als lauwarm.
Hinter einer Biegung taucht dann eine riesige Wehranlage auf, die erste Festung unter dem Himmel, wie es die Chinesen nennen, und die erste große Bastion gegen die nomadisierenden Turkvölker in den Steppen und Wüsten des Nordens. Die Anlage, die wir vor uns haben, stammt aus dem 17. Jahrhundert und ist vor 20 Jahren aufwändig renoviert worden, und strahlt deshalb vor der gewaltigen Kulisse des nächsten Gebirgszuges, des Qilin-Shan, relativ neu in der Abendsonne.
Unser Hotel liegt direkt hinter der Festung, aber es gibt kein Wasser und der Manager ist erstaunt, als ich daraufhin nicht bleiben will, aber ohne Duschen nach dem heutigen langen Tag in der Wüste, das ist einfach nicht möglich. Nach einigen Diskussionen bekomme ich das Geld für die Übernachtung ausgezahlt und habe wenigstens genug Cash, um eine andere Möglichkeit zu finden und zu bezahlen.
Während die Gruppe die erste große Bastion der chinesischen Mauer besichtigen soll, werden unsere beiden Fahrer in der Stadt ein ordentliches Hotel auftreiben. Wieder einmal haben die Chinesen die Eintrittszeiten geändert, über den Haupteingang kommen wir überhaupt nicht mehr in die Festung, aber an einem Nebeneingang können wir noch Karten erstehen. Dann liegt vor uns die nun schon fast menschenleere Festung.
Strategisch hatte die Große Chinesische Mauer nie die bedeutende Funktion, die sie wohl haben sollte, aber dieses Fort hier mitten in der Wüste ist schon beeindruckend und wird wohl auch auf plündernde Nomadenstämme einen abschreckenden Eindruck gemacht haben. Zudem sollten die mehr als 10.000 Soldaten, die hier in dem Fort untergebracht werden konnten, wohl in der Lage sein, die Grenze an dieser fernen Ecke des Landes zumindest in den Glanzzeiten der Dynastien zu sichern.
Wir genießen hauptsächlich die grandiose Aussicht auf die Berge hinter der Wüste und das Spiel der Abendsonne in den Gemäuern und ergehen uns ein wenig in Spekulationen, wie das Leben hier vor 350 Jahren ausgesehen haben könnte, als das Fort ebenso neu ausgesehen haben muss, wie nach der letzten Renovierung vor Jahren.
Als wir gegen halb 9 gemeinsam mit einer chinesischen Familie das Gemäuer wieder verlassen, wird hinter uns gleich alles verriegelt und verrammelt, wir waren wirklich die letzten Gäste des Tages.
Die letzten Kilometer des Tages sind dann schnell gefahren. Unsere beiden Fahrer haben ein gutes Hotel organisieren können. Direkt davor gibt es einen Biergarten mit Grillständen und ein paar Garküchen. Gegrillte Fische und gebratenes Gemüse, dazu kaltes Bier sind dann der Abschluss eines langen und interessanten Tages.
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139 Kilometer, 435 Höhenmeter
Bericht von Tom Krech
Nach einem zeitigen Frühstück starten wir in einen weiteren sonnigen Wüstentag. Allerdings bläst der Wind ein wenig von der falschen Seite und das merken wir sofort, als wir auf die Autobahn einbiegen. Auch will uns der Angestellte an der Mautstation nicht auf die Autobahn lassen, aber er will auch nicht mit seinem Vorgesetzten telefonieren. Also schlängeln wir uns an ihm vorbei und sagen „Tschüss“ und winken noch einmal und sind auf der Autobahn.
Neben der Autobahn gibt es zwar noch eine kleine Nebenstraße, die war im letzte Jahr noch komplett unbefahrbar und ist nun auch asphaltiert, aber die Straße geht ständig kleine Hügel auf und ab und die Asphaltdecke ist von niedriger Qualität und verflüssigt sich ab 10 Uhr in der Hitze des Vormittags.
Eine Gruppe von Rad fahrenden Chinesen ist ein paar Kilometer weiter gerade dabei, diese kleine Straße zu verlassen, ein Loch in den Stacheldraht der Autobahnabsperrung zu schneiden und auch über die Autobahn weiter zu fahren. Die 17 Chinesen begleiten uns eine Weile. Sie kommen aus einer kleinen Stadt bei Ürumqi und fahren natürlich auch bis Beijing und wir werden sie auf dem Wege dahin wohl noch diverse Male treffen.
Bis Mittag kämpfen wir zum Tei heftig gegen den Wind, doch nach einer langen Pause in der Raststätte hat dieser dann seine Richtung geändert und die zweite Hälfte des Weges müssen wir nicht mehr ganz so heftig strampeln, um voran zu kommen.
Auch ist dann endlich nach knapp 100 Kilometern die Wüste zu Ende und es geht vorbei an Sonnenblumenfeldern und links und rechts gibt es kleine Dörfer und Bäume und relativ viel Grün, was nach der öden Landschaft der letzten Tage den Augen gut tut.
Gegen 18 Uhr erreichen wir dann nach einem langen Tag das Hotel in Yumen, auf eine Stadtbesichtigung hat niemand mehr Lust, sondern nur auf eine ausgiebige Entstaubung unter der Dusche. Danach bleiben wir faul und essen ausgiebig im Hotelrestaurant. Das Essen ist gut und üppig, aber aus irgendwelchen Gründen gibt es im ganzen Hotel kein kaltes Bier.
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„Abschied von Ulli“
122 Kilometer, 75 Höhenmeter
Bericht von Tom Krech
Noch einmal haben wir das wunderbare Frühstück vom Hoteldach mit dem grandiosen Blick über die Sanddünen, heute nicht ganz so spektakulär wie gestern beleuchtet, da es etwas trübe ist. Mein Magen fühlt sich immer noch etwas flau an, deshalb esse ich nur ein Rührei und eine Scheibe Toast.
Wieder einmal muss ich mich von der Gruppe verabschieden, denn heute gilt es die letzten Dinge für Ulli zu organisieren. Gegen 8.30 fährt die Gruppe los, gerade noch rechtzeitig, bevor die ganze Stadt wegen des Probelaufs für das olympische Feuer gesperrt wird. Eine halbe Stunde später habe ich Probleme ein Taxi zum Krankenhaus zu bekommen, doch das Hotel organisiert schließlich ein Fahrzeug und nun geht es auf kleinen Holperwegen immer am Stadtrand entlang. So viel Verkehr wie heute haben die kleinen Straßen in den Vororten noch nie gesehen, denn mein Taxifahrer ist natürlich nicht der einzige, der diese Schleichwege kennt.
Ulli geht es schon wieder ein Stück besser und er ist voller Pläne, was die nächsten Tage und Wochen, den Rückflug, eine eventuelle Rückkehr zur Gruppe und die nächsten Jahre angeht. Ich muss ihn erst einmal bremsen und daran erinnern, dass er vor allem den linken Arm ruhig halten muss und das für die nächsten zwei Wochen und dass es in den nächsten Monaten nicht so gut aussieht mit Fahrradfahren. Dann heißt es Tschüß und Auf Wiedersehen zu sagen, vielleicht schafft es Ulli ja wirklich bei unserer Ankunft in Beijing zu sein.
Auf selben Wege komme ich wieder zum Hotel zurück. Bis 14 Uhr nutze ich dann noch das Internet im Zimmer, um Ullis Unfall mit der Krankenversicherung zu besprechen und die Zusicherung zu bekommen, dass Ulli nun von denen weiter gut versorgt wird. Auch schaffe ich es noch zwei Tage in mein Blog einzustellen, für den ich in der Aufregung und Hektik der letzten Tage kaum schreiben konnte.
Dann habe ich den Taxifahrer wieder geordert und reise der Gruppe hinterher. Ich verpasse heute nicht zu viel, denn die Strecke geht wieder einmal auf gerader Linie durch die Ebene. Einzige Abwechslung ist ein einzelner Wachturm, ein gigantischer im Bau befindlicher Hotelkomplex und die Bahnschiene parallel zur Straße.
Kurz vor Anxi, dass im letzten Jahr auf GuaZhou umbenannt wurde, vom „Frieden im Westen“ auf „Melonenstrom“, hole ich die Gruppe dann ein und kann sie noch bis zum Hotel führen.
Das Hotel ist schicker als erwartet, es gibt sogar Internet im Zimmer, allerdings etwas feudal mit Modem. Nach einem „dreckigen Bier“ schlendere ich noch ein wenig durch die Straßen der kleinen Stadt und ende auf dem belebten Markt, der viel interessanter als der Basar von Hami ist. Überall gibt es kleine Essstände, in einer Ecke stehen Nähmaschinen und in einer anderen Ecke sitzen alte Männer beim Schach spielen.
Am Rande des Basars finde ich dann auch ein Restaurant, in das die ganze Gruppe hinein passt und endlich bekommen wir hier nun auch Eselsfleisch zu essen, was genauso lecker ist, wie ich es in Erinnerung habe.
Am Abend wird auf dem zentralen Platz der Stadt, in der Nähe des Hotels und neben der Parteizentrale, ein revolutionärer Film gezeigt und der Springbrunnen wird angeschaltet, was vor allem den Kids der Stadt gefällt, so dass der Platz trotz seiner abschreckenden pseudo-neugriechisch-sozialistischen Architektur angenehm belebt ist.
Nebenbei gelingt es mir sogar noch ein startendes UFO zu fotografieren.
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Bericht von Tom Krech
Wieder ein morgendlicher Besuch bei Ulli, dem es auch wieder besser geht, die eingefallene Lunge ist zu 99 % wieder in Ordnung und ansonsten hat er gute Laune und macht schon wieder Reisepläne, die ich ihm natürlich erst einmal ausreden muss.
Danach geht es im Bus zu den Moggao-Grotten in einem trockenen Tal ungefähr 25 Kilometer vor Dunhuang. Schon vor 1500 Jahren ließen buddhistische Mönche hier Höhlen in die Felsen graben, stellten Buddhafiguren hinein und ließen die bedeutendsten Künstler in den Räumen Wand-, Deckenmalereien und Fresken schaffen. Trotz der Zerstörungen über Jahrhunderte sind einige Höhlenmalereien aus der Tang Zeit, also von vor gut 1000 Jahren, unrenoviert und in gutem Zustand erhalten. Beeindruckend sind die Leuchtkraft der Farben und die Vielfalt der Motive.
Entlang der Seidenstraße konnte sich der Buddhismus hervorragend entwickeln, fand er doch bei den Karawanenhändlern in alten Zeiten Anklang und so erhielten die Mönche entlang der Seidenstraße immer große finanzielle Zuwendungen zum Schaffen von Kunstwerken, wie wir sie hier besichtigen wollen.
Beeindruckt stehen wir schon vor der Fassade der Höhlen, entlang einer Balustrade von mehr als einem Kilometer Länge sind über die Jahrhunderte über 600 Höhlen geschaffen worden. Die kleinsten sind keine 3 Quadratmeter groß, in der größten sitzt eine Buddhafigur mit einer Höhe von 38 Metern
Auch für uns Laien sind schnell Unterschiede in den Stilen der einzelnen chinesischen Epochen zu erkennen, die runden dicklichen Gesichter in der Tang-Dynastie und die indischen Einflüsse während der Liao-Zeit. Leider müssen wir die Fotoapparate abgeben, als wir zu der Führung aufbrechen. Auch hier ist der Eintrittspreis wieder beachtlich, knappe 18 €, aber die Grotten sind es wert. Von den über 600 Höhlen kann aber nur ein Bruchteil besichtigt werden und nach ungefähr 12 Höhlen lässt dann auch die Aufmerksamkeit nach.
Bis Mittag besichtigen wir die Höhlen, dann geht es in die Stadt zurück. Eigentlich will ich den ganzen Nachmittag am Computer arbeiten, aber ich habe mir wohl beim Frühstück den Magen verdorben und das Thermometer zeigt auch knappe 39 Grad Fieber, so dass ich mich sofort erst einmal ins Bett lege. Danach fühle ich mich ein wenig besser und kann wenigstens noch die letzten Angelegenheiten für Ulli telefonisch klären, meiner Gruppe etwas zu Essen geben und wieder ins Bett fallen.
Bericht von Tom Krech
Wir nehmen Ulli ein Lunchpaket zum Frühstück mit ins Krankenhaus. Es geht ihm schon wieder signifikant besser, er macht Scherze und schwatzt mit den Krankenschwestern. Noch gibt es keine Neuigkeiten von der Krankenversicherung, aber in Deutschland ist ja auch noch tiefste Nacht.
Ulli wird wohl auf jeden Fall erst einmal nach Hause fahren müssen, deshalb hat Eckhardt inzwischen schon Ullis Sachen gepackt und einen Teil versandfertig gemacht. Auch hier läuft der Service auf der Post tadellos und innerhalb einer dreiviertel Stunde haben wir vier Pakete versendet. In der Einkaufsstraße findet sich ein ruhiges Plätzchen für ein kühles Bier, Eckhardt und Monica gehen dann noch shoppen und wir finden ein Lokal mit leckeren Jiaotze, den gefüllten Teigtaschen.
Bevor am späten Nachmittag die Gruppe dann wieder zu uns stößt, bleibt neben der Arbeit am Computer noch ein winziges halbes Stündchen für einen späten Mittagsschlaf.
Gegen 16 Uhr haben sich dann unsere Radler durch die Wüste hierher gekämpft. Hubert hat die Gruppe per Karte und GPS geführt und Elisabeth hat mit ihrem Volkshochschulchinesisch alle Konversationen gemeistert und unser Busteam hat die Gruppe großartig unterstützt. Nach einer kurzen Duschpause für alle stehen dann noch die Singenden Sanddünen auf dem Programm.
Die Dünen sind schon vom Hoteldach zu sehen und erstrecken sich über mehrere Kilometer in der Landschaft. Das besondere ist die Höhe der Dünen, die höchsten überragen die Ebene von Dunhuang bestimmt über dreihundert Meter.
Im letzten Jahr herrschte hier ein gewaltiger Touristenzirkus mit mehreren hundert, vor allem chinesischen, Ausflüglern, die sich hier auf den Sandhaufen tummelten. Dieses Jahr sieht es eher einsam aus, nur ab und zu sieht man eine Hand voll Leute die Dünen hinauf klettern oder auf dem Kamel reiten. Auch die vierrädrigen Wüstenmotorräder warten einsam auf Kunden und das Superleichtflugzeug dreht auch nur ab und zu eine einsame Runde.
Trotzdem beträgt der Eintrittspreis 100 Yuan, also 10 €, für ein paar Sandhaufen ganz schön heftig. Wir entrichten diesen und stiefeln dann mühselig die Dünen hinauf. Am Abend ist es sehr angenehm, die Abendsonne taucht alles in ein angenehmes Licht und der Sand ist nicht mehr so heiß, so dass man wunderbar barfuss laufen kann.
Oben auf der Düne hat man dann den Blick auf den Mondsichelsee. Doch in diesem Jahr ist die Sichel nicht perfekt, wegen der schweren Niederschläge in den letzten Wochen und so ist der Grundwasserspiegel gestiegen und die „Mondsichel“ ausgelaufen.
Als die Sonne dann langsam am Horizont verschwindet wird es fast romantisch und eigentlich bin ich ganz froh, dass nach dem Stress der letzten Tage hier etwas mehr Ruhe herrscht und ich nicht den Blick von der Düne mit hunderttausend anderen Menschen teilen muss.
Abendbrot gibt es dann im Hotelrestaurant, aber es findet sich nur noch ein kleines Häufchen ein und so bestelle ich mir etwas, was ich sonst nie in China bestelle, nämlich ein kleines Steak.
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