Monatsarchiv für Juli 2008

42 Kilometer, 106 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Da wir heute nur eine kurze Strecke vor uns haben ziehen wir erst eine halbe Stunde später als gewöhnlich los. Wegen des Staubes habe ich gleich ein altes T-Shirt ausgepackt, doch es ist viel besser als gestern. Die ersten Kilometer geht es noch auf der Bundesstraße entlang und dann biegen wir auf die Nebenstraße ein, um zum Shuanglin Si, einem alten buddhistischen Tempel, zu kommen. Der Tempel, jahrelang in Vergessenheit geraten, beherbergt wunderschöne Buddhafiguren aus der Song, Yuan und Ming Dynastie. Auch die Gebäude sind noch nicht „tot“ renoviert und der Eisstand bietet gute Sorten Gefrorenes gegen die Hitze des Tages.
Bis Pingyao ist es dann nur noch ein Katzensprung. Pingyao ist eine der wenigen Städte in China mit einer durchgängig erhaltenen Stadtmauer und wurde in den letzten 10 Jahren für den Tourismus entdeckt und von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Inzwischen sind deshalb viele Straßen stilvoll renoviert und es gibt zahllose Restaurants und Hotels in alten Familienresidenzen.
Noch heute bekommt man einen Eindruck davon, dass diese Stadt in den letzten Dynastien eines der wichtigsten Handels- und Finanzzentren Chinas war und sehr reiche Familien hier wohnten. Auch unser Hotel liegt in einer solchen alten Familienresidenz und die Zimmer sind in zwei Etagen um die drei Höfe angeordnet. Zwar sind die Zimmer winzig, aber in altem chinesischem Stil gehalten, also gibt es kein Bett, sondern einen riesigen Kang und ich bedauere wieder einmal hier allein mein Zimmer beziehen zu müssen.
Unseren Mittag machen wir noch im Hotel und dann lösen wir die Gruppe auf. In den touristischen Straßen sprechen die meisten Händler einigermaßen Englisch und es gibt zweisprachige Speisekarten und so kann die Gruppe heute gut ohne Reiseleiter auskommen.
Ich gönne mir einen Nachmittagsschlaf und pilgere dann ein wenig durch die Hauptstraße auf der Suche nach ein paar schönen Buddhas für mein Berliner Zuhause. Leider gibt es viel zu viele schöne Figuren und nach einer halben Stunde befinden sich schon drei Figuren in meinem Besitz und zieren nun die Fensterbank meines Hotelzimmers.
Am Abend werde ich von Rosemarie zu einer Flasche Wein eingeladen, aus der dann zwei werden und wir sitzen die ganze Zeit an einem schönen Tisch an der Haupteinkaufsstraße in der Fußgängerzone und beobachten das bunte Treiben der chinesischen Touristen bis spät in die Nacht.

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„Schwarzer Dreck und dreckiges Bier“

138 Kilometer, 961 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Vor dem Frühstück und nach dem Frühstück nervt die Hotelbesatzung wieder wegen der Pässe und einige unserer Fahrer sind genervt, da zwei der Karten, die wir am Beijinger Flughafen brauchen werden, verschwunden sind und auch nicht mehr auftauchen.
Das kostet uns natürlich auch wieder eine halbe Stunde, zumal auch der Frühstücksservice ziemlich langsam vonstatten ging.
Das Wetter ist trotzdem noch angenehm frisch und wir kommen trotz der leichten Steigung gut vorwärts, schnell sind die ersten 30 Kilometer gefahren und wir stoppen für unsere erste Bananenpause. Inzwischen sind unsere Fahrer richtig fit und besorgen Getränke und richtige kalorienhaltige Kekse, die ich zu Hause keines Blickes würdigen würde.
Nach ein paar Kilometern staubiger Baustelle geht es in einem schönen Tal bis zum Pass und dann hört leider die schöne Landschaft auf, denn wir kommen nun ins Hauptkohleabbaugebiet Chinas. Im Tal gibt es viel schmutzige Industrie und riesige Koksereien. Nach einer halben Stunde nimmt dann der Körper auch langsam die dunkle, schmutzig, graue Farbe der Umgebung an. Hunderte von LKWs wirbeln den Dreck an den Straßenrändern auf, und das ganze Tal ist eine ökologische Katastrophe. Grüne Farbe gibt es hier praktisch nicht mehr. Auch die Wohnsiedlungen für die Arbeiter, sozialistischer Plattenbau, sehen katastrophal aus und schon Neubauten werden gar nicht mehr gestrichen, da der schmutziggraue Kohlenstaub sofort alles überlagert.
Bis zum Abend wühlen wir uns durch den dichten Verkehr und es wird erst besser, als wir die Bundesstraße erreichen, hier können die LKWs dann wenigstens keinen Dreck mehr aufwirbeln.
Wenigstens enden wir heute in einem luxuriösen Hotel und heute bekommt unser „dreckiges Bier“ wirklich einen tieferen Sinn. Mit wirklich tiefschwarzen Gesichtern stehen wir vorm Hotel und spülen uns den Staub aus den trockenen Kehlen. Mit dem Staub auf der Haut wird es dann etwas schwieriger, da ein Flügel im Hotel kein warmes Wasser hat und nach der kalten Dusche sehen die Handtücher so aus wie die Umgebung des heutigen Tages.
Die Küche des Restaurants ist recht gut und es gibt einige raffinierte Gerichte mit Wildkräutern, die hoffentlich nicht aus der näheren Umgebung stammen. Auch die Fleischesser kommen mit einigen schönen Hammelstücken auf ihre Kosten.
Im Hotel gibt es schnelles Internet und so kann ich bis kurz nach Mitternacht meinen Blog aktualisieren, bevor ich ins Bett falle. Doch die Ruhe ist nur von kurzer Dauer, da es unzählige Mücken im Zimmer gibt. Unerklärlich ist mir, wie die Biester überhaupt ins Zimmer gekommen sind und sie scheinen auch noch resistent gegen mein Mückenmittel zu sein und so ist an einen erholsamen Schlaf nicht zu denken.

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126 Kilometer, 1135 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Nach einem mäßigen Frühstück starten wir in einen warmen Tag. Die Straße führt uns noch ein paar Kilometer im tiefen Tal des Gelben Flusses entlang. Weit unten zieht sich der gelbbraune Strom dahin, der im Moment relativ wenig Wasser führt. Im Talgrunde stehen Arbeitercamps, die hier Sand gewinnen, der dann in schweren LKWs abtransportiert wird.
Dann führt uns die Straße nach Osten in ein kleineres Nebental. Wieder ist die Aussicht in den tief eingeschnittenen Canyon so grandios wie am Vortage.
An der Straße liegen wieder sehr viele bewohnte Lösshöhlen und wir nehmen gerne eine Einladung zu einer Tasse Tee an und dürfen uns auch in der Höhle umsehen. Die Höhle hier ist sehr groß und im Zentrum steht wieder der beheizbare Kang, das Bett und im hinteren Teil des Raumes befinden sich ein großer Herd und einige Schränke und ein langer Tisch zur Zubereitung des Essens. In der Höhle ist es angenehm kühl, während draußen schon über 30 Grad sind. Die kleine Familie erzählt auch, dass es im Winter angenehm warm sei.
Irgendwann haben wir heute den höchsten Punkt erreicht, aber danach will es in dem weiten Tal nicht richtig abwärts gehen. Die Straße führt am Rande des Tales entlang und nimmt jeden Hügel mit und es dauert ewig, bis wir die nächste Ortschaft, Yaoqi, erreichen. Wenigstens gibt es dann leckere Gerichte zum Mittag und seit langem endlich wieder einmal keine Nudeln, sondern viel Gemüse, Tofu und ein wenig Fleisch.
So gestärkt sollte es dann viel besser vorwärts gehen, aber mit vollem Bauch müssen wir erst einmal 300 Höhenmeter hinauf und die Straße ist nicht die beste. Mein Po macht seit zwei Tagen auch ein paar Probleme, seit ich mit der vom Regen nassen Radhose gefahren bin und ich brauche heute Abend wohl eine große Portion Penatencreme um morgen auf allen Backen wieder fit zu sein.
Endlich erscheinen dann am frühen Abend die ersten Vorboten der kleinen Stadt. Die Dörfer werden dichter und auch der Verkehr und wir holpern über die löcherige Umgehungsstraße. Das Hotel ist schnell gefunden, leider haben wir wieder einmal den dritten und den vierten Stock ohne Fahrstuhl und bis zum Abendessen bleibt nur wenig Zeit für eine warme Dusche, um den Staub des Tages vom Körper zu spülen.
Das Abendessen nehmen wir der Bequemlichkeit halber gleich im Restaurant nebenan ein, nicht grandios, aber doch auch nicht schlecht. Leider ist nach der ersten Runde der Vorrat an kaltem Bier erschöpft und draußen sind schon alle Läden dabei, die Rollläden runter zu klappen.
Der abendliche Spaziergang zeigt nur noch ein ruhiges Zentrum eines kleinen Örtchens ohne größeren Charme. Außer ein paar Lebensmittelläden ist alles schon geschlossen und ich kann meinen Teilnehmern den Wunsch nach einer Bar oder einem Internetcafe nicht erfüllen, von einer erholsamen Massage ganz zu schweigen.
Zurück im Hotel geht mir der Sicherheitsbeauftragte der Polizei auf den Geist. Ich soll überprüfen, ob alle auf ihren Zimmern sind, wegen der Sicherheit und ich habe Mühe, den Typen wieder los zu werden. Kaum ist dies geschafft, sucht er Doro, die Reiseleiterin der zweiten Gruppe, auf und das Spiel beginnt von neuem. Erst gegen 11 Uhr gibt er entnervt von unserer Weigerung, in nächtlicher Stunde noch einmal alle Zimmer abzuklappern, auf und verschwindet und für mich wird es wieder einmal eine zu kurze Nacht, da ich mich noch eine halbe Stunde an den Computer setze.

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 “Schluchten um den Gelben Fluss“

 

132 Kilometer, 639 Höhenmeter

 

Bericht von Tom Krech

 

Endlich haben wir heute unsere Yoga-Tradition fortgesetzt und so starten wir schon 20 Minuten vor dem Frühstück in den Tag und kommen dann viel besser gelaunt und gründlich gedehnt  in den Saal.
Nach dem Nieseltag gestern haben wir heute die Sonne wieder zurück, aber zum Glück nicht ganz so heiß und schweißtreibend, wie noch vor zwei Tagen. Die kleine Stadt ist größer als gedacht und wider erwartend akzeptiert der Bankautomat meine Karte und spuckt sogar Geld aus.
Aus der Stadt geht es ein wunderschönes Tal hinauf. An den Wänden im Löss gibt es noch mehr Höhlen, als an den Vortagen, von denen die meisten noch bewohnt sind. Vorne befindet sich sehr oft eine gemauerte Fassade mit Tür und Fenster und es gibt auch Varianten aus Holz. Ein Blick hinter die Tür und man ahnt nicht mehr, dass man in einer Lehmhöhle sitzt. Entweder ist alles verputzt und mit Zeitungspapier beklebt, als Tapetenersatz, oder aber in einigen Höhlenrestaurants findet man sogar eine richtig schöne Aufmachung mit weißem Putz und hellem Holz.
Am Anfang gibt es kaum Dörfer, aber viele Tabakfelder, etwas Mais und violett blühende Felder mit Salbei, ein schöner Kontrast. Später werden die Felder weniger und wir fahren bis zum Pass durch richtig schönen Wald.
Mittag machen wir in einem kleinen Restaurant an der Straße, wie immer mit einer Nudelsuppe, heute mit viel Gemüse und etwas Tofu und wenig Fleisch, endlich mal eine andere Version als sonst.
Volker muss neben Doro und Peter auch auf den Bus umsteigen, es scheint ein Virus umzugehen und Anke gleitet bei der Einfahrt ins Restaurant auf dem Rollsplitt aus und ramponiert sich ein wenig das Knie. So haben wir heute eine recht hohe Busquote, vor allem sind nun zwei von drei Reiseleitern ausgefallen, wenigstens geht es Doro am Abend besser.
Die „restlichen“ Fahrer kommen aber in den Genuss einer grandiosen Landschaft. Im Tal fließt eigentlich nur ein kleiner Bach, aber der hat sich in Jahrmillionen sehr tief in den Löss- und Buntsandstein hineingefressen und einen imposanten, gigantischen Canyon geschaffen.
Links neben der Straße ragt die Wand steil nach oben und rechts geht es auch noch einmal 50 Meter hinab und unten plätschert auf zerklüfteten Terrassen das Bächlein dem Gelben Fluss entgegen.
Hinter jeder Kurve wird es steiler und imposanter, bis sich das Tal öffnet und den Blick auf den Gelben Fluss freigibt. Auch dieser liegt in einem noch größeren Canyon, den wir am morgigen Tag entlang fahren werden. Heute bleiben wir in dem Ort gleich an der Brücke über den Fluss, Hukoupubu. Bekannt ist die Gegend für den zweitgrößten Wasserfall Chinas. Nach einem schnellen Check-in im Hotel, schicke ich Doro mit beiden Gruppen zum Wasserfall, der ein paar Kilometer entfernt ist und kümmere mich um ein Lokal mit einem guten Abendessen, in das wir dann um 8 Uhr einfallen. Der Wasserfall war wohl nicht so gigantisch wie die Victoriafälle, aber so ist der Konsens, es wäre auch schade gewesen, nicht hinzufahren.

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“Zauberlandschaft im Nieselregen“

104 Kilometer, 836 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Das Geräusch von Regen ist das Erste, was ich nach dem Wecker höre und ein Blick nach draußen sagt mir, dass es auch nicht so schnell wieder aufhören wird. Also beginne ich den Tag erst einmal mit einer Tasse Kaffee und einer halben Stunde am Computer, um mit meiner Tagebuchschreiberei der Realität hinterher zu hetzen.
Während ich auf den ersten Etappen der Reise ja immer noch mein lokales Team für die Gruppe hatte, das die Hotel- und Essensorganisation mehr oder weniger gut in der Hand hatte, bin ich ja nun hier in China allein verantwortlich. Das hat den Vorteil, dass ich nun alles besser unter Kontrolle habe, allerdings bleibt mir kaum noch eine freie Minute, um Tagebuch zu schreiben und noch weniger Zeit für mich selbst und auch keine Zeit mehr für Yoga, obwohl mir mein Rücken sagt, dass ich es wieder regelmäßig tun sollte.
Gestern Abend ist es mir wenigstens wieder einmal gelungen, mich zu rasieren und ein paar Bilder zu bearbeiten, allerdings ist mir dabei aufgefallen, dass meine Festplatte nur noch 5 jämmerliche GB Platz hat, das reicht gerade mal noch für eine Woche oder für zehn Tage, wenn ich die Zeit finde, ein paar Bilder zu löschen. Besser wäre es, mir eine Sicherungsfestplatte zu besorgen und Daten auszulagern.
Doch zurück zu meiner Tasse Kaffee und zum Tag. Das Frühstück ist mehr als üppig, obwohl nur 10 Yuan, also ein Euro pro Person, kassiert werden. Dann, kurz nach 8 Uhr, geht es bei leichtem Nieselregen los. Allerdings ist es angenehm warm, etwas über 20 Grad, so dass ich mich gegen eine Regenjacke entscheide, zumal heute auch wieder zwei Pässe vor uns liegen.
Regen und Fahrtwind halten sich die Waage und ich werde gerade so nicht sehr nass, die Gore-Tex Fahrer sind wohl feuchter dran und schmoren im eigenen Saft.
Aus dem Städtchen heraus biegen wir in eine kleine Nebenstraße ein und strampeln den ersten Berg hinauf. Es ist dunstig und neblig und man kann die Schluchten im Löss nur erahnen, allerdings scheint alles wie verzaubert im hellen Grau des Nebels. Die Maisfelder tauchen in die Nebelbank ein und Baumkronen zeichnen sich als dunkle Kontur ab. Ich packe meinen MP 3 Player aus und höre Beethoven, genau die richtige Musik und die richtige Dramaturgie zum Wetter und zum Anstieg.
Oben geht es dann durch die Lössebene, eine kleine Rast an einer Tankstelle wird zur Fotoorgie für die Einheimischen, die zu Dutzenden mit Mopeds herbeikommen und die Fotofunktion ihrer Handys ausgiebig nutzen.
Heute gibt es weniger Höhlen im Löss, dafür haben viele Häuser einen sehr eigenen Bausstil, die den Höhlen nachempfunden ist. Aus Ziegeln wird ein Gewölbe gezimmert und dann wird rundherum Lehm angetragen und gestampft, meist gibt es vier oder fünf dieser Wohnungen nebeneinander, die aussehen wie Lösshöhlen, bei denen man später den Berg um die Höhle abgetragen hat.
Zum Mittag fallen wir in die einzigen beiden kleinen Lokale eines kleinen Ortes ein und auch hier versammelt sich innerhalb kürzester Zeit viel Volk und schaut neugierig zu, wie die Langnasen ihre Nudeln verschlingen.
Nach dem Essen hat es dann doch aufgehört zu regnen und wir kommen wohl doch nicht mehr zu unserem zweiten vollständigen Regentag auf der Tour. Wir mühen uns dann den zweiten Berg für heute hinauf und dann geht es auf 1200 Metern Höhe gerade über das Lössplateau. Heute dominieren neben dem Mais noch große Apfelplantagen, die Hälfte der Äpfel am Baum ist in kleine Stoffbeutel verpackt, um den Apfel nicht reifen, sondern länger wachsen zu lassen, bei einer mehrere hundert Meter langen Plantage, eine mühselige Arbeit, die Früchte schon am Baum einzeln auf diese Art zu verpacken.
Nach einer rasanten Abfahrt erreichen wir das kleine Städtchen Fuxian und stoppen an einem kleine Laden für ein „dreckiges“ Bier und werden auch hier wieder zur Sensation der Woche gekürt. Mütter und Großmütter schleppen ihre Enkel und Kinder heran, um uns Langnasen beim Biertrinken zu bestaunen.
Am späten Nachmittag bleibt noch etwas Zeit, die ich zum Suchen und Finden eines netten Restaurants verwende. Aus dem Hotel heraus und dann zwei Mal links um die Ecke gibt es einen ganz kleinen Sichuanladen und die Gerichte, die wir bekommen sind durchweg super lecker.
Abends habe ich dann noch eine knappe Stunde für meinen Computer und kann endlich fast alles Nachholen, was liegen geblieben ist und deshalb gibt es morgen sogar Yoga.
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„Berge im Lössplateau“

83 Kilometer, 1337 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Endlich habe ich meine Gruppe wieder einmal zu einem zeitigen Aufbruch motivieren können, 7 Uhr gibt es Frühstück und eine Stunde später hängen wir unsere Gepäckstücke ans Fahrrad. Wir werden heute noch zu lokalen Berühmtheiten, denn das Fernsehen ist da und filmt unsere Ausfahrt aus der Stadt.
Da es diesig ist, ist es auch nicht so heiß wie gestern und den ersten 400 Meter Anstieg schaffen wir in schnellen Schritten. In den kleinen Dörfern sammeln sich die Bauern am Straßenrand und winken uns begeistert zu, es ist mehr los als am Rande der Tour der France. Zwischen den Dörfern haben wir Motorradbegleitung und bekommen am Pass einen großen Korb Cherrytomaten geschenkt. Dann geht es ein wenig oben gerade und wieder steil abwärts tief hinunter und es kommt die Frage auf, warum dies eigentlich Lössplateau heißt. Die gelbe Erde, wie es die Chinesen nennen, ist hier mehrere hundert Meter dick und über Jahrtausende haben die Flüsse hier tiefe Einschnitte hineingefressen. Leider haben wir keine schönen Blicke über die terrassierten Hänge, da es immer noch sehr diesig ist, aber auch so ist die Landschaft faszinierend.
Fast alle Flächen sind mit Mais bestellt, wo noch etwas mehr Platz ist wachsen Bohnen und Tabak und ab und zu ist einer der Bauern auf dem Feld und jätet Unkraut. Gegen Mittag häufen sich die Höhlen im Löss, meistens sind sie leer, aber ab und zu sehen wir auch eine bewohnte Höhle. Hinter der Eingangstür liegt ein einzelner Raum oder auch manchmal noch ein weiterer, darin befinden sich dann eine Kochstelle und ein beheizter Kang, ein Bettofen aus Lehm, was im Winter bestimmt sehr angenehm ist. Eine Familie hat in der Regel zwei Höhlen, eine zum Wohnen und eine zweite dient als Lagerraum.
Bei der hohen Luftfeuchtigkeit geht es dann schweißtreibend die nächsten beiden Pässe hinauf und das Schwitzwasser rinnt mir vom Gesicht und tropft aufs Fahrrad, aber auch daran gewöhnt man sich. Bis auf 1200 Meter geht es wieder hinauf, dann geht es ein wenig oben eben entlang und die Straße windet sich wieder steil ins nächste Tal 400 Höhenmeter hinab.
Mittags wird es schwierig im einzigen Lokal eines kleinen Städtchens genug Platz für 30 Leute zu finden, aber die kalten Gerichte, die Jiaotze und die Nudeln sind lecker, brauchen aber ihre Zeit, bis die kleine Familie alles zubereitet hat. Inzwischen ist das halbe Dorf zusammen gelaufen und bestaunt uns und auch die Polizei stattet einen kurzen Besuch ab und sieht nach, dass auch alles seine Richtigkeit hat.
Dann geht es einen fünften und letzten Berg für heute hinauf und wieder hinunter, bis wir dann in Huangling ankommen. Im Hotel stellen wir fest, dass es noch ein anderes Hotel mit ähnlichem Namen gibt und in dieses müssen wir dann noch weiter und so platzt auch heute wieder einmal der Traum von einer zeitigen Ankunft. Aber die Zimmer sind ok und die Dusche ist warm und nachdem wir den Schweiß und Staub vom Körper gespült und uns ausgeruht haben, treffen wir uns noch einmal zum Abendbrot.
In dem Städtchen gibt es einen schönen Markt mit vielen Ständen, kalten Nudeln, gefüllten Broten, gegrilltem Fleisch und Gegartem im Steintopf und frisch gezapftes Bier, so dass sich für jeden Geschmack etwas findet.
Als wir gegen 22 Uhr ins Hotel zurückgehen ist das Leben auf der Straße gerade in vollem Gange, doch wir wollen morgen nicht zu spät los und ich will noch ein paar Zeilen schreiben von einem rundum gelungenen Tag mit eindrucksvoller Landschaft und vielen netten Begegnungen am Straßenrand.

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123 Kilometer, 845 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Aus dem Hotel herauskommend renne ich gegen eine warme und feuchte Wand und der Schweiß beginnt sofort zu rinnen. Wir sollten hier wohl doch zeitiger aufbrechen, um wenigstens morgens noch eine angenehm kühle Stunde zum Radeln zu haben.
Auf der kleinen Straße kommen wir nur langsam voran, da wirklich alle Probleme mit der Klimaumstellung haben und zwei unserer Leute sitzen mit Sommergrippe im Bus. Auch ich schleppe mich nur mit einiger Mühe vorwärts und in nahezu jedem Dorf müssen wir stoppen und die Kühltruhe plündern.
Vormittags geht es durch weite Maisfelder, ab und zu gibt es auch ein großes Feld mit Lotuspflanzen, deren Wurzeln wir alle als kaltes Gericht mögen.
An der Brücke über den Wei-Fluss verlieren wir unsere Begleitfahrzeuge, da die Brücke nur für den kleinen Verkehr zugelassen ist. Dafür wimmelt es hier nur so von Radfahrern und Minnitraktoren und chinesischen Dreiradkarren. Die Poller an der Brücke sind so gebaut, dass Letztere gerade mit einem Zentimeter Luft links und rechts passieren können.
Nachmittags halten wir uns dann mit einer Nudelsuppe und viel Eis über Wasser und heute werden wir einen sehr langsamen Durchschnitt fahren, obwohl das Streckenprofil eher flach ist. Dafür rinnt der Schweiß in Strömen und für mich ist es nur noch ohne T-Shirt auszuhalten, damit auch jeder Luftzug kühlende Wirkung hat.
Reichlich müde erreichen wir den letzten Anstieg vor dem Zielort Baishui, dafür liegt das Hotel gleich am Ortseingang und die gut klimatisierten Zimmer versprechen Kühlung. Mit meiner Gruppe bleibe ich dann im Hotelrestaurant, das mit einer reichen Auswahl an raffinierten vegetarischen Gerichten aufwarten kann und danach sind wirklich alle schwer müde von der Hitze dieses tropisch warm-feuchten Tages.

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„Graue Soldaten und buntes Feuerwerk“

39 Kilometer, 453 Höhenmeter

Heute wird wohl einer der geschichtlich interessantesten Tage, steht doch die weltberühmte Terrakotta-Armee auf dem Programm. Doch diese steht nicht direkt in Xian, sondern 35 Kilometer entfernt in der Nähe der kleinen Stadt Lintong.
Die Stadtausfahrt mit zwei großen Gruppen ist schon ein Abenteuer alleine. Im großen Pulk wühlen wir uns durch den dichten Verkehr der 4 Millionen Einwohner zählenden Stadt. Schwer zu kämpfen haben wir immer wieder mit den Busfahrern, die oft auf brutalste Art und Weise unser Feld sprengen wollen. Wir sind solche Fahrstile aber inzwischen gut gewöhnt und halten unsere Gruppe zusammen und kommen so gut aus der Stadt heraus.
Für Einige sind es heute die ersten Kilometer auf dem Weg nach Beijing und so bleiben wir die ganze Strecke auch zusammen. Aus Xian heraus biegen wir dann auf Nebenstraßen und schmale Wege ab. In einer lang gestreckten Kolonne geht es dann durch die Dörfer und Maisfelder.
Heute zeigt sich, dass wir wieder einmal eine andere Klimazone erreicht haben. Nach den kühlen und feuchten Tagen brennt heute die Sonne wieder, aber die Luftfeuchtigkeit ist unheimlich hoch und alle Sachen kleben am Körper und schon die kleinste Steigung verursacht einen Schweißausbruch.
Deshalb brauche ich nach der mittäglichen Ankunft im Hotel in Lintong auch erst einmal dringend eine Dusche. Danach geht es flugs ins Restaurant für ein schnelles Mittagessen, das sich dann doch etwas länger hinzieht. Ein Teil der Leute möchte dann mit dem Rad zur Terrakotta-Armee und der andere Teil fährt mit dem Bus.
Auf historischem Grund fahren wir hier, denn hier um Xian ist die eigentliche Wiege des chinesischen Reiches. Schon tausend Jahre vor der Zeitwende gab es hier in schneller Folge mächtige Staaten und Königreiche, die etwa 380 Jahr vor Christus dann zu einem ersten chinesischen Reich durch den Gelben Kaiser Qin Shi Huang Di zusammen gefügt worden sind.
Dieser Kaiser beanspruchte für sich und seine Leistung Unsterblichkeit und ließ sich ein riesiges Grabmal, geschützt durch eine Tonarmee mit mehr als 9000 Soldaten, bauen. Der Grabhügel liegt noch heute unangetastet in der Landschaft. Wissenschaftler vermuten in dem Hügel eine kostbare Grabanlage mit Beigaben in unschätzbarem Wert. Doch der Sarg des Kaisers soll in einem Quecksilbersee schwimmen und Probebohrungen ergaben auch stark erhöhte Quecksilberwerte. Noch gibt es keine Technologie um die Anlage unbeschädigt zu öffnen und so hat die chinesische Regierung Grabungsstopp angeordnet und die Geheimnisse der Anlage werden wohl noch Jahre oder Jahrzehnte unangetastet bleiben.
Wir lösen unsere Tickets für den freigelegten Teil, die weltberühmte Armee der Tonkrieger, und marschieren erst einmal die Straße der Verkäufer entlang, die hier die Kopien der Soldaten in allen Größen und Ausführungen verhökern.
Der Kinosaal bietet eine Unendlichschleife eines Filmes über die Entstehung und Zerstörung der Grabanlage. Zuviel lastete auf dem Volk des ersten Gelben Kaisers, die ersten Teile der großen Mauer entstanden, neue Städte, Feldzüge, die Grabanlage und die Tonkriegerarmee. All dies ließ das Land ausbluten und führte zu Unruhen und so wurden die Tonkrieger schon durch einen Bauernaufstand zerstört, bevor die Anlage fertig gestellt war.
Doch auch die Überreste sind beeindruckend. In der riesigen Grabungshalle sind tausende von Soldaten aufgestellt und aufgereiht. Kein Gesicht der lebensgroßen Gestalten, die alle in mühseliger Handarbeit hergestellt wurden, gleicht dem anderen und es gibt Fußsoldaten, Kavallerie und Bogenschützen. Trotz des gewaltigen Andrangs ist die Anlage überwältigend, auch für mich, obwohl ich hier nun schon zum dritten Male bin.
In einer zweiten Halle befindet sich der Gefechtsstand mit Offizieren und Generälen, leider noch weniger gut erhalten, aber in dieser Halle gibt es auch Glasvitrinen mit Soldaten, die man fast hautnah betrachten kann. Fasziniert stehe ich vor den Tonsoldaten in Grau und bewundere die Einzelheiten und Details an den Uniformen. Alles ist bis ins Kleinste detailgetreu wiedergegeben und es sieht wirklich so aus, als ob der Soldat mitten im Leben von einer Hexe verzaubert und versteinert wurde.
Ursprünglich waren alle Soldaten bunt bemalt, aber nach den Ausgrabungen verblassten die Farben innerhalb weniger Stunden. Auch deshalb sind große Teile der Armee, die in den frühen 70er Jahren entdeckt wurde, bisher noch immer mit gelbem Lehm bedeckt und Wissenschaftler arbeiten an Konservierungsmethoden.
Gute drei Stunden brauchen wir, bis wir alles gesehen haben, ich erstehe noch eine Tüte mit Soldatenfiguren für einen Yuan, also 10 Cent das Stück, als Andenken und Mitbringsel, auch wenn ich weiß, dass sie gar nicht mehr in den Koffer passen.
Zurück im Hotel lassen einige das Abendessen ausfallen und bewundern dafür ein riesiges Feuerwerk aus Anlass der Eröffnung eines Kaufhauses. Gute dreißig Minuten schießen Raketen in den Himmel und explodieren in bunten Ringen, Kugeln und Fontainen. Was hier aus Anlass einer Kaufhauseröffnung geboten wird, stellt ein Jahreswechselfeuerwerk in Berlin am Brandenburger Tor in den Schatten und ich sehe staunend bis zum Verglühen der letzten bunten Funken zu, obwohl ich zeitig ins Bett wollte.

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Bericht von Tom Krech

Morgens heißt es heute einmal ausschlafen und dann das reichhaltige Buffet genießen. Gegen 10 Uhr sind dann alle bereit zur Besichtigung der historischen Metropole, die diese Stadt schon immer gewesen ist.
Schon 200 Jahre vor Christus war hier eine riesige Metropole mit einer Millionen Einwohnern innerhalb der Stadtmauern und noch einmal so vielen Menschen, die vor den Toren der Stadt lebten. Wenn man dies mit Städten in Europa oder im alten Griechenland vergleicht, zeigt sich wie weit die Entwicklung hier schon fortgeschritten war, denn hinter dieser Zahl steckt ja eine schier unmögliche logistische Leistung, da diese Stadt ja auch versorgt und verwaltet werden musste und lässt uns nur ahnen, wie belebt und geschäftig es auf den Straßen zuging. Auf alle Fälle wird verständlich, warum hier in der ursprünglichsten chinesischen Region überhaupt so intensiv Landwirtschaft betrieben wurde und werden musste.
Wichtigste Voraussetzung für ein Staatswesen solchen Ausmaßes war eine strenge Religion, die die Beziehungen zwischen den Klassen und Schichten fest regelte und wenig Spielraum für Individualismus und Revolutionen zuließ und da kam natürlich nur der Konfuzianismus in Frage, bei dem die Herrschaft der Edlen und Gerechten nicht in Frage gestellt wird. Allerdings erhebt der Konfuzianismus auch hohe Ansprüche an den Herrscher, als intellektuell und moralisch überlegenen Regenten.
Wir bewegen uns jedoch erst einmal durch das alte Stadtviertel, touristisch komplett erschlossen und ein Kitschladen reiht sich an den nächsten Fressstand. Von der chinesischen Fahrradklingel über Maoposter, Olympia-T-Shirts, Rolex-Kopien bis hin zu gerösteten Nüssen und anderen Leckereien ist hier alles zu bekommen. Versteckt in diesem Viertel, das hauptsächlich von den Hui, den chinesischen Moslems, bewohnt wird, befindet sich die alte Moschee, die in einem chinesischen Tempelkomplex untergebracht ist. Von außen sieht es aus wie ein schöner chinesischer Park mit Tempelchen und einer kleinen Pagode und nur die hintere Halle ist zum Gebetssaal umfunktioniert und für „Ungläubige“ nicht zu betreten.
Weiter führt uns dann der Weg an modernen Kaufhäusern und Einkaufstraßen vorbei, auf denen das Leben tobt. Vom alten China ist hier zwischen den Hochhäusern wenig zu spüren, aber von einer boomenden Wirtschaftsmacht doch sehr viel.
Am Rande der Stadtmauer liegt dann der Stelenwald, eine der ältesten Bibliotheken der Welt. Oftmals getragen von Schildkröten gibt es hier Unmengen mit Steinstelen aus den verschiedensten Dynastien. In diese Stelen sind Texte eingraviert und damit für immer verewigt. Die ältesten Texte stammen aus der Han-Dynatie und es gibt Abhandlungen zur Moral oder aber auch Wörterbücher, die den Sinngehalt einzelner chinesischer Zeichen erläutern, eine Fundgrube für Wissenschaftler und ein kryptischer Augenschmaus für Touristen wie uns.
In einer der hinteren Hallen werden dann Abzüge von den schönsten Texten gefertigt. Auf eine Stele wird ein grobfaseriges nasses Papier aufgelegt und mit der Bürste werden die Vertiefungen hineingearbeitet. Nachdem das Papier fast getrocknet ist, wird dieses mit Tusche überrollt und man bekommt so eine farbumgekehrte Kopie vom Text, wenn das Papier von der Stele vorsichtig abgezogen und zum Trocknen ausgelegt wird.
Xian ist eine der wenigen chinesischen Städte, in denen die Stadtmauer während der Kulturrevolution nicht abgerissen wurde und die noch vollständig erhalten ist. Wir heben uns einen Besuch für später auf und wollen dann einmal mit Fahrrädern auf der 13 Kilometer langen Mauer entlangfahren, doch vorher steuern wir die Kleine Wildganspagode an. Leider fängt es heftig an zu regnen und so brechen wir unser Besichtigungsprogramm in einem Lokal in der Nähe der Pagode ab und lösen uns auf und auch die Stadtmauerrundfahrt löst sich im Regen auf.
Mir bleibt dann endlich ein bisschen Zeit zum verschnaufen, ich beantworte meine Mails und mache ein Spätnachmittagsschläfchen und bereite mich auf ein gutes Abendessen vor, zu dem wir um 19 Uhr aufbrechen.
Wir gehen in ein teures Kultlokal, das auf Jiaotze, den gedämpften oder gekochten gefüllten Teigtaschen, spezialisiert ist und lassen ein 23 Gänge Menü über uns ergehen. Jiaotze in allen Varianten, große und kleine, gedünstete, gekochte, gedämpfte und sogar gebratene, die mit Huhn sahen aus wie kleine Hühnchen und die mit Fisch wie kleine Fische und alle total lecker.
Reichlich abgefüllt brauche ich noch einen kleinen Spaziergang und bewege mich schwerfällig noch einmal die belebte Hauptstraße hoch und runter. Auf den Bürgersteigen sitzen die Straßenhändler und verkaufen Handys, T-Shirts und Kitsch. Überall tobt das Leben, keiner möchte nach Hause gehen, nur ich bin müde und freue mich auf mein Bett im Hotel.

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120 Kilometer, 273 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Heute also der große Spurt in die historische Metropole Xian. Die Wurzeln der Stadt gehen zurück bis auf mehrere Jahrhunderte vor unserer Zeit und über mehrere Dynastien war Xian Hauptstadt.
Und natürlich erwartet uns eine Millionenstadt mit mehr als 4 Millionen Einwohnern und entsprechendem Verkehr, also gilt es vorsichtig zu sein. Für uns wird es die bisher größte Stadt auf der Reise und das wird am Ende auch nur noch durch Beijing getoppt.
Wieder haben wir einen grauen und verhangenen Tag, aber mir ist es lieber, wenn wir an einem solchen nicht ganz so heißen Tag in die Nähe der Großstadt kommen.
Anfangs radeln wir durch vereinzelte kleine Dörfer. Rundherum gibt es intensivste Landwirtschaft. Jeder Quadratzentimeter ist bepflanzt um die hungrige Großstadt mit Getreide, Gemüse und Fleisch zu versorgen.
In der Mitte eines kleinen Dorfes gibt es einen großen Auflauf, traditionelle chinesische Musik mit Blasinstrumenten und Trommeln künden von einer Beerdigungsfeier. In einem Zelt knien weiß gekleidete familienangehörige der Verstorbenen und beten für das himmlische Wohl dieser. Sie muss aus einer wohlhabenden Familie stammen, denn das Fest ist riesig. Von Trauer ist wenig zu spüren, das halbe Dorf ist zusammengelaufen und überall bilden sich kleine Gesprächsgruppen rauchender Männer und plappernder Frauen. Wir werden von den Rädern gezogen und am Festzelt vorbei in den Hof geführt. Hier sitzen dutzende Männer und Frauen und bereiten den Leichenschmaus vor. An einem großen Tisch wird Gemüse geschnitten und daneben kocht ein riesiger Kessel mit einem scharfen Hühnergulasch. Hinten in einem kleinen abgetrennten Raum ist ein prachtvoller Sarg aufgebahrt und hier ist der einzige Ort ohne Gelächter und Spaß, an dem es etwas ruhiger zugeht.
Nachdem wir ein wenig von dem Gulasch probiert und dem bunten Treiben mit den Musikanten zugesehen haben, schwingen wir uns wieder auf die Räder und fahren weiter.
Im nächsten Dorf sehen wir große Gestelle an welchen Nudeln zum Trocknen aufgehängt werden. Nicht gerade die gesündeste Art und Weise, direkt neben der stark befahrenen Straße, aber trotzdem schön anzuschauen und gut für ein paar schöne Fotos.
Aus den Straßendörfern werden langsam kleine Städte, die sich wie Perlen aneinander reihen und irgendwann gibt es auch keine Felder mehr zwischen den Städtchen. Vor dem Endspurt auf die Metropole suchen wir uns noch eine Nudelstube und stärken uns, dann tauchen wir in den dichten Verkehr ein. Kurz vor der Stadt setzen sich dann unsere Fahrradputzer durch und an einer Autowaschstation werden die Räder abgespritzt und auf Hochglanz gebracht.
Im dichten Pulk geht es dann auf das Zentrum zu, der Verkehr ist nicht ganz so chaotisch wie in Lanzhou, denn die Straßen sind breit und gut ausgebaut und es gibt einen breiten Seitenstreifen für Fahrräder. Erst im Zentrum müssen wir darum kämpfen, dass unsere Gruppe nicht ständig von Busfahrern zerteilt wird. Selbige fahren gnadenlos. An den Haltestellen wird ohne zu blinken an den Straßenrand gefahren, egal, ob sich noch Radler dort befinden oder nicht und auch beim Losfahren schwenkt der Bus ohne Blinken und Spiegelschauen in die Straßenmitte. Wild schimpfend und fluchend gelingt es mir die schlimmsten Drängler fernzuhalten. Kurz vor der Stadtmauer, die mit 13 Kilometern das historische Zentrum umfasst, holen wir dann auch die Teilgruppe ein und legen die letzten Kilometer gemeinsam zurück. Gerade geht es auf den Glockenturm im Zentrum zu, um den wir noch eine Ehrenrunde drehen, dann stehen wir auch schon vor unserer 4 Sterne Luxusherberge mit Fahrradparkplatz in der Tiefgarage. Die Zimmer sind riesig, mit superschnellem Internetzugang, computergesteuerter Beleuchtung und Glasfront zum Toiletten-Duschtrakt.
Ich komme endlich wieder dazu ein paar Tage in den Blog einzustellen und Bilder zu bearbeiten und um 20 Uhr bin ich zu faul, um außerhalb zu essen, aber das Hotelrestaurant bietet ein hervorragendes Buffet für 5 Euro inklusive mehrerer Biere. Ich esse mich einmal von vorn nach hinten durch all die Leckereien und kehre dann noch einmal zum Grillstand für ein blutiges Steak zurück. Dann geht es wieder an den Computer zurück und als ich gegen ein Uhr morgens das Licht lösche habe ich wieder einmal ein gutes Stück Arbeit geschafft und kann guten Gewissens träumen.

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