Monatsarchiv für Juni 2008

„Day of Thunder“

95 Kilometer, 660 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Inzwischen gibt es immer zu viel zu essen, für meinen Geschmack, heute zwei Eier und Milchreis und frisches Brot und hausgemachte Marmelade, so viele Kilometer können wir gar nicht fahren.
Das schöne Wetter bleibt uns treu, nachdem es in den letzten beiden Tagen etwas trübe war, zeigt sich die Sonne heute wieder einmal von ihrer besten Seite. Bis nach China fahren nun beide Gruppen gemeinsam, was heute erst einmal etwas ungewohnt ist, denn heute sind wir wirklich eine Mega-Gruppe, die aus dem kleinen Städtchen herausrollt.
Dann reiht sich noch einmal Dorf an Dorf und wir durchqueren die Ebene zwischen den beiden Ausläufern des Tien-Shans und biegen dann wieder rechts in ein großes weites Tal ein.
Dort geht es dann eine beschauliche kleine Straße entlang, die natürlich wieder kaum noch Asphalt hat. Dafür gibt es viel zu sehen. Interessant wird es, als ein Bauer mit Pferd und Wagen versucht, eine Furt zu durchqueren und das Pferd sich in der Mitte weigerte, weder vorwärts noch rückwärts zu laufen. Nach einigen Minuten half dem Bauer dann nur Hose aus und rein ins Wasser um das Pferd herauszuführen.
Auf den Bergen links von uns türmen sich dichte Wolken und an einigen Gipfeln geht schon ein Regenguss nieder, aber im Tal scheint immer noch wunderbar die Sonne.
Bis zur Mittagsrast zieht die dicke Regenwolke immer neben uns her und sogar noch eine Weile danach. Die Straße führt nun langsam etwas steiler nach oben und in den Bergen links neben uns fängt es an zu rumpeln. Hinter dem letzten Dorf kommen wir dann auch in einen kleinen Regenschauer, aber der ist nach 10 Minuten wieder vorbei.
Das Tal hier ist wunderschön, denn seit langem sehen wir wieder einmal richtigen Wald, einmal ist es nur ein wunderschöner Birkenhain und dann sind es ein paar Tannen und ich erkenne auch die Stelle, an der ich vor 15 Jahren schon einmal mein Zelt im Schnee aufgestellt hatte. Damals hatten wir hier Anfang April auf dieser einsamen Straße zwei Radler aus der Schweiz getroffen, heute sind es zwei deutsche Radler, die hundert Meter weg von der Straße bei einer Hirtenfamilie eingeladen waren. Ich geselle mich noch dazu und wir tauschen Erlebnisse und Erfahrungen aus und sehen der Familie beim Scheren der Schafe zu.
Ich hoffe, im nächsten Leben nicht hier als Schaf wiedergeboren zu werden, denn hier wird recht ruppig mit den Tieren umgegangen, mit einer sehr stumpfen Schere wird den Tieren die Wolle von der Haut geschabt, der Scherer hat eine Kippe im Mund und so manchen Wodka im Blut. Nur gut, dass die Tiere wenigstens eine Beruhigungsspritze bekommen, bis auf den einen Kollegen, der zehn Meter weiter auf der Wiese von der Frau des Hauses ausgenommen wird.
Inzwischen baut sich vor uns eine dunkle Wand auf und in der Ferne rumpelt das Gewitter unentwegt. Ich radele immer noch in der Sonne und vor mir wird es dunkler und dunkler. Als ich dann um die nächste Ecke biege und sich das Hochtal öffnet und wieder ebener wird, steht vor mir eine schwarze Wand aus der ab und zu ein Blitz herunterfährt. So sieht also die Straße direkt in die Hölle aus, aber mit zwei Glas Wodka in der Blutbahn stürze ich mich mutig in Richtung des Unwetters. An der nächsten Kreuzung hat Heino noch auf mich gewartet, da die Gruppe hier schon zum Zeltplatz abgebogen ist und wir genießen noch ein wenig das Spiel von Licht und Schatten am Rande des donnernden Abgrundes. Dann, als der Wind noch einmal merklich auffrischt, ist es höchste Zeit, dass wir uns in die Regenmontur werfen, Vollschutz ist angesagt und dann schwappt die erste Welle aus Regen und Hagel über uns hinweg. Bis zum Zeltplatz ist es nur noch ein Kilometer, die anderen haben schon ihre Zelte aufgebaut und sich verkrochen, ich parke nur meine Packtaschen im Küchenzelt und genieße das Naturschauspiel aus Regen, Hagel und Blitzen. Gefährlich ist es nicht, denn das Zentrum des Gewitters ist ein paar Kilometer weiter und genauso, wie die schwarze Wand auf uns zugerollt ist, strahlt am Horizont schon wieder ein Stück blauer Himmel. Bis zum Abendessen, das wir heute erstmals in den Küchenzelten einnehmen, regnet und tröpfelt es noch ein wenig, dann ist der Höllenspuk vorbei und wir erleben einen gigantischen Sonnenuntergang. Bis „spät“ in die Nacht sitzen wir dann noch und schwatzen, da wir nun zwei Gruppen zusammen sind, gibt es natürlich etwas mehr zu erzählen, und dann genieße ich noch ein wenig den klaren Sternenhimmel, bevor ich mich in meinen Schlafsack rolle und den Wärmekragen bis oben hin zu ziehe.

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Bericht von Tom Krech

Für die Gruppe steht ein Ausflug ins Przevalsk-Museum an, für mich steht wieder nur Arbeit auf dem Programm. Nach dem Frühstück heißt es erst einmal noch ein paar Bilder sortieren für Veröffentlichungen, dann geht es wieder ab ins Internetcafe, wo ich dann bis halb 5 abends meine Arbeit erledigen kann.

Für eine kleine Stadtbesichtigung bleibt keine Zeit mehr, denn im Hotel müssen die Räder noch durchgecheckt werden. Und danach ist schon wieder Abendbrotzeit. Heute ist auch die zweite Gruppe in Karakul eingetroffen und wir essen zusammen bei uns im Hotel. Das Essen, Fisch aus dem Issyk-Kul, ist lecker, besonderen Anklang findet der Nachtisch aus frischem Obst. Alle haben gute Laune und freuen sich schon wieder aufs Radfahren am nächsten Tag, nur ich bin etwas missmutig, hatte ich mich doch auf das kleine Städtchen mit den vielen russischen Holzhäusern und der alten russisch-orthodoxen Kirche gefreut und auch ins Museum wäre ich sehr gerne mitgefahren und nun habe ich absolut überhaupt nichts von der Stadt gesehen. Und aus diesen Gründen habe ich kein einziges Bild für diesen Tag.

5 Kilometer

Bericht von Tom Krech

Wieder einmal ein Ruhetag in Karakul und natürlich wird auch dieser Ruhetag kein richtiger werden, ist doch in den letzten Tagen, oder besser zwei Wochen, viel Arbeit liegen geblieben, die Blogs müssen aktualisiert werden und es sieht hier nicht richtig nach High-Speed-Internet aus, eher nach Modem-Katastrophen.
Doch zuerst heißt es einmal richtig ausschlafen, also stehe ich erst gegen 8 Uhr auf und dann ist die Wäsche dran, die ich mehrfach vorwaschen muss, damit ich bei den ehemals weißen T-Shirts wenigstens wieder eine helle Farbe zaubern kann, selbst das nächtliche Einweichen hat nicht so viel gebracht.
Nach dem Frühstück setze ich mich an den Computer und schreibe die letzten beiden Tage nach, komprimiere ein paar Bilder und dann ist es Zeit für den einzigen Luxus eines Ruhetages: ein Stündchen Mittagsschlaf.
Der Computer im Hotel ist viel zu langsam, selbst wenn ich dort zwei Tage sitze, schaffe ich nicht die Hälfte der Daten zu verschieben, also breche ich mit Volker ins Zentrum des kleinen Städtchens auf und wir finden auch recht schnell ein Internetcafe,
wo wir dann die nächsten vier Stunden verbringen und ich ungefähr die Hälfte meiner Arbeit schaffe.
Abends setzen wir uns mit Akyl, dem Fahrer und der Köchin in ein gemütliches kleines Restaurant und besprechen die nächsten Tage der Tour, in denen auch die zweite Gruppe mit vier Leuten zu uns stoßen wird. Bis zur chinesischen Grenze werden wir dann auch parallel fahren. Mit einer richtig guten Flasche Wodka ist die Planung dann gegen 23 Uhr getan und Volker und ich radeln durch die unbeleuchteten Straßen in einer pechschwarzen Nacht zurück zum Hotel und ich freue mich, morgen noch einmal ausschlafen zu können.

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144 Kilometer, 737 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Schon gegen kurz nach 8 Uhr sind wir alle startklar, denn ein langer Tag liegt vor uns. Mit einem guten Plow hat die Familie gut dafür gesorgt, dass wir genügend Energie für die lange Strecke in den Beinen haben.
Die Gegend am See ist heute eher öde und trocken. Alte Ferienheime aus Sowjetzeiten, von denen die Hälfte zu Ruinen zerfallen ist, verstärken diesen Eindruck. Ein paar Kilometer wird dann kräftig gebaut, bestimmt 30 Betonjurten entstehen in einem riesigen Komplex, der sorgfältig durch eine Mauer von der Umgebung getrennt ist. Außen sind ein paar Maler tätig, die der Mauer mit traditionellen Bildern in naiver Malerei einen nettern Anstrich geben wollen. Ich kann mir genau vorstellen, wie dann große Herden von Bustouristen angefahren und durch einen „Minoritätenzoo“ geführt werden, mit täglich 17 Uhr bis 19 Uhr traditioneller Tanzvorführung, ein paar Kamelen zum Streicheln und drei Pferden, auf denen man im Kreis reiten kann. Hoffentlich muss ich niemals hier übernachten.
Nach 60 Kilometern machen wir unsere Mittagspause, fast direkt am See und die meisten von uns wollen die Gelegenheit zu einem Bade nutzen, kehren aber gleich wieder um, nachdem sie knietif im Wasser waren, denn das „warme Meer“ ist doch noch empfindlich kühl zu dieser Jahreszeit.
Am Nachmittag kommt zu dem schlechten Straßenbelag noch ein wenig Gegenwind dazu und ab 100 Kilometern werden dann die Beine etwas schwerer. Dafür geht es jetzt von Ort zu Ort, was die Fahrt abwechslungsreicher macht, vorbei an langen Reihen von Häusern mit schönen Toren. Die Häuser hier sind nicht aus Lehm, sondern aus Ziegeln, mit blauen Fensterläden und alles macht einen ziemlich russischen Eindruck. So auch das Städtchen Karakul, überall stehen nette russische Holzhäuser, war doch die Stadt seit mehr als 100 Jahren hauptsächlich von Russen bewohnt. Aufgrund von Stalins Umsiedlungsmaßnahmen kamen dann noch einmal ein paar tausend Familien von der Wolga dazu, aber nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hat jeder der auch nur einen halben Tropfen „deutschen Blutes“ in den Adern hatte, die Möglichkeit zur „Rückkehr“ nach Deutschland genutzt. Heute kehren die Deutschlandrückkehrer allmählich wieder hierher zurück, für einige war der kulturelle Sprung dann doch zu groß.
Leider ist das Guesthouse nicht so, wie es unsere Teilnehmer erwartet haben, es gibt nur drei Zimmer mit Dusche, alle anderen müssen sich eine Dusche und eine Toilette teilen, nicht die besten Vorraussetzungen für zwei Ruhetage, zumal wir für die zusätzliche Übernachtung, die wir heraus gefahren haben, noch 25 Euro pro Person zahlen.
Also schwinge ich mich aufs Rad und erkunde die Lage. Ein sehr schönes Hotel ist leider schon ausgebucht, aber die Dame an der Rezeption hilft uns weiter und schickt uns zum Hotel Issyk-Kul. Obwohl ein einstmals staatliches Hotel, ist alles in Ordnung und die Angestellten sind sehr freundlich, die sanitären Anlagen funktionieren und der Preis ist mit 25 Dollar pro Person sehr moderat.
Da die Gruppe nicht im Guesthouse bleiben will, beschließe ich den Umzug ins Hotel, alles ist wieder einmal ziemlich stressig, aber gegen 19 Uhr ist dann alles geschafft und organisiert. Bleibt nur noch ein müdes Abendessen und dann stehe auch ich vor zwei Ruhetagen, die ich mehr als dringend brauche.

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109 Kilometer, 823 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Obwohl der nicht zu große Orto-Tokoy Stausee das Talbecken ausfüllt ist die Landschaft umher karg und trocken und gerade dieser Widerspruch macht die Gegend unheimlich attraktiv. Am gegenüberliegenden Ufer zeichnen sich in den Bergen verschiedenste Felsformationen ab und unter dem stahlblauen Himmel leuchten Bergriesen, um deren Gipfel sich Schäfchenwolken sammeln, die mit jeder Stunde dichter werden.
Auch sieht man kaum noch Nomaden, nur eine Familie zieht an uns vorbei, die Frau hat zwei Kinder auf dem Pferd und nebenher trotten der Mann und der Hund.
Dafür steht am Straßenrand seit langem wieder einmal eine zottelige Kamelherde. Die Tiere sehen schrecklich aus, da sie gerade das Winterfell abwerfen, überall hängen verfilzte Fellfetzen herunter.
Über den nächsten kleinen Berg hinunter kann man dann einen ersten Blick auf das „Warme Meer“ werfen, den Issyk-Kul See. Der See ist riesig, mehr als 200 Kilometer lang und über 50 Kilometer breit, so dass man das andere Ufer nicht sehen kann. Lediglich die Bergkette, ein Ausläufer des Tienshan, der Kirgisien von Kasachstan trennt, ist auf der anderen Seite im Dunst zu erkennen.
Am Seeufer ist alles schön grün, es gibt kleine Pappelhaine und schöne Wiesen, schade, dass wir heute hier keinen Zeltplatz haben. Nur Andre und Heike nutzen die Gelegenheit zu einem Abstecher direkt an den See und einem erfrischenden Bad im kalten Wasser, während wir im Schatten einer Pappelgruppe Mittag machen.
Eigentlich ist es dann nicht mehr zu weit bis nach Bokonbaev, wo wir heute wieder einmal Familieunterkunft haben, aber die Straße führt noch einmal weg vom See und schraubt sich 400 Höhenmeter einen trockenen Berg hinauf und es dauert eine gute Weile, bis alle diese unerwartete Hürde genommen haben.
Heute war auch der Tag der Radfahrer, zuerst begegnen wir einem kanadischen Pärchen, die schon zwei Jahre unterwegs sind und noch einmal so lange weiter fahren wollen. Dann treffen wir einen Ungarn, der nur einen „kurzen“ Trip von China zurück nach Ungarn macht und abschließend folgt ein paar Kilometer weiter ein französisches Pärchen, das schon ein gutes halbes Jahr unterwegs ist.
In Bokonbaev bekommen wir drei sehr schöne Familien zugeteilt, leider gibt es aufgrund eines technischen Defekts keinen Strom und kein Wasser aus dem Wasserhahn, aber die Familien haben vorgesorgt und machen in der Küche über dem Feuer Wasser warm und so kommen wir doch noch zu unserer Dusche mit einem Eimer warmen und einem Eimer kalten Wassers pro Person.
Abends treffen wir uns dann noch einmal zu einem leckeren Abendessen und beschließen, am nächsten Tag nicht nur bis zum Zeltlager auf halber Strecke nach Karakul zu fahren, sondern die gesamten 130 Kilometer bis zum Ort durchzublasen und uns damit einen weiteren Ruhetag zu erarbeiten.

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83 Kilometer, 488 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Schon früh am Morgen steht die Sonne über dem Lagerplatz und kitzelt mir durch den Zelteingang die Nase. Ich mache einen kleinen Spaziergang und sehe in der Ferne den Nebel aufsteigen und die Nomaden sind schon wieder zu Pferde unterwegs.
Unser Yoga auf dem Rasen ist ein wenig stachelig, aber keiner von meiner kleinen Fangruppe möchte darauf verzichten, man kommt einfach viel besser in den Tag und hat noch größeren Appetit aufs Frühstück. Wie fast jeden Tag gibt es einen leckeren Grießbrei und zusätzlich noch die Restsuppe vom gestrigen Tag.
Nachdem zusammen gepackt ist, muss ich mich noch um ein paar Fahrräder kümmern und Schaltungen nachstellen. Bei den grässlichen Buckelpisten der letzten Tage haben sich die Räder wieder einmal bewährt. Trotz der ständigen Holperei zeigten sich nirgendwo Verschleißerscheinungen. Wir haben immer noch auf der ganzen Tour nicht eine einzige Speiche wechseln müssen und haben bei 18 Leuten weniger als einen Plattfuß in zwei Tagen und die Mäntel fahren wir schon fast 8000 Kilometer, seit Griechenland, und weder die Continentals noch die Schwalbe Decken zeigen großen Verschleiß.
400 Höhenmeter sind es noch bis zum Pass, also geht es vom Lagerplatz aus gleich straff bergan los. In dem kleinen Tal gibt es wieder jede Menge Nomaden, die hier ihre Jurten aufgeschlagen haben und ich nutze die Gelegenheit mir wieder ein Flasche Kumys zu kaufen.
In der nächsten Jurte, eine Ecke weiter, werden Helma und ich dann schon wieder zu einer Schüssel vergorener Stutenmilch eingeladen, die ganze Familie sitzt vor dem Zelt und in der Mitte die Oma an der Nähmaschine mit Handkurbel. Wie immer ist das Interesse an unserer Tour ziemlich groß und es wird schwierig hier nach einer Viertelstunde wieder loszukommen.
Oben am Pass wieder ein angeranztes Denkmal und ein paar Hütten, einige Nomaden verkaufen Kumys und geräucherten Fisch. Aus einer rauschenden Abfahrt wird nichts, denn die Straße ist wieder schauderhaft, ein einziger Flickenteppich. Aber so kann man halt nur langsam fahren und hat wenigsten noch Augen und Gemüt für die Landschaft und die Menschen ringsherum. Ich kann mich gar nicht genug satt sehen an dem vielen Grün um mich herum.
Nach dem späten Mittagspicknick kommen wir dann wieder auf die Hauptstraße. Rechts geht es auf kürzestem Weg nach China. Unser letztes großes Ziel liegt nicht einmal mehr 200 Kilometer südlich. Allerdings liegen dazwischen noch drei große Pässe über 3000 Meter und vor 15 Jahren bin ich hier schon einmal im April entlang gefahren. Da war es eisig kalt und windig. Die Passhöhen waren noch tief verschneit, aber geräumt und ich erkenne sogar eine Wiese wieder auf der ich damals mein Zelt aufgebaut hatte, nur die Bäume um den Platz sind inzwischen viel größer geworden.
Doch wir wollen natürlich noch ein wenig in Kirgisien bleiben und deshalb nehmen wir die Straße nach links in Richtung des Issyk-Kul Sees. Erst einmal geht es jetzt durch lang gezogene Straßenortschaften mit recht viel Leben. Der Transitverkehr mit China bringt eben mehr Fahrzeuge und mehr Business mit sich und man hat sogar Geld, die Straße einigermaßen in Ordnung zu halten. Hinter dem Ort geht es in ein trockenes Tal, nur direkt neben dem Fluss ist es grün und dort finden wir dann auch unseren heutigen Zeltplatz. Dieser muss einstmals sehr schön gewesen sein, aber nach einem gigantischen Unwetter hat die Wiese wohl einige Zeit unter Wasser gestanden, alles ist ein wenig verschlammt und es müffelt. Abern nach ein wenig Suche findet dann doch jeder noch einen Platz fürs Zelt und wir beginnen unser übliches Abendprogramm. Auch das Waschen im Fluss ist ein kleines Abenteuer, denn es ist schwierig wieder einigermaßen sauber aus dem Schlamm am Ufer wieder herauszukommen.
Abends sitzen wir dann nicht zu lange beisammen, denn es wird schnell kühl und einer nach dem anderen verkrümelt sich ins Zelt und in den Schlafsack.

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95 Kilometer, 985 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Nachdem es die ganze Nacht geregnet hat, haben wir am Morgen das schöne Wetter komplett zurück. Es ist klar und sonnig und die Sonne sticht nicht zu sehr.
Das Frühstück in der Familie ist lecker, drei große Spiegeleier, ein wenig Salat und hausgemachte Himbeermarmelade.
Gegen 9 Uhr rollen wir dann aus dem Dorf, weiter über die Buckelpiste am reißenden Fluss entlang des engen Tals hinunter. Die Straße ist genauso schlecht wie am Vortage, aber die Landschaft entschädigt komplett. Auf der anderen Uferseite liegen verschiedenste trockene Felsenformationen, die in der Sonne rot leuchten. Ein Tal so voller Gegensätze, denn so trocken und kahl die eine Seite ist, um so satter scheint das Grün auf der anderen Seite zu sein, wo fette Weiden das Bild bestimmen und dahinter thronen hohe Berge mit Gletschern und Schnee. Das erste Dorf im Tal durch das wir heute fahren hatte schon bessere Zeiten. Der ehemalige Kolchos ist verfallen, riesige Stallanlagen und Verwaltungsgebäude und ein abrissreifes Kulturhaus erinnern an sowjetische Zeiten. Heute steht nur ab und zu eine Kuh am Straßenrand und starrt wiederkäuend auf die Radler.
Irgendetwas scheint nicht in Ordnung, denn es ist schon fast Mittag und unser Fahrzeug hat uns noch nicht überholt und müsste eigentlich schon weit vor uns sein. Verfahren haben können wir uns nicht, denn es gibt nur eine Straße. Vielleicht ist irgendetwas mit dem Auto; herausfinden können wir es nicht, denn es gibt schon seit zwei Tagen kein Handynetz mehr, also bleibt uns nichts anderes übrig, als weiter zu fahren.
Unser Tal wird weiter und ein Ort reiht sich an den anderen. Gerade ist Schulschluss und viele Jungs und Mädchen sind wieder auf dem Weg nach Hause. Die Mädels sind all chic angezogen und haben weiße Schleifen im Haar und auch die Jungen versucht man einigermaßen herauszuputzen. Ein kleiner Laden ist dann unsere Rettung, da von unserem Truck immer noch keine Spur zu sehen ist. Zuerst wird die Eiskiste komplett geplündert und alle vorrätigen Sorten getestet, dann geht es an das Keksregal und die Getränke.
Irgendwann, als die ersten schon wieder unterwegs sind, taucht dann der grüne SIL-Lkw auf und hat den VW-Bus im Schlepp. Sieg der sowjetischen Technik über die deutsche, der Antrieb des Busses ist komplett hinüber. Deswegen dauert es bis zum Mittag noch eine Weile, aber hinter einem Dorf finden wir am Straßenrand unter schattigen Bäumen einen schönen Platz und ein Tomatensalat ist schnell mit allgemeiner Unterstützung geschnitzelt.
Von nun an geht es bergauf, gleich hinter dem Mittagsplatz schraubt sich die Straße einen trockenen Hügel hinauf und wir erreichen eine riesige Hochebene.
In der Ebene sind kleine Dörfer verstreut und auf der unendlichen grünen Fläche sind kleine schwarze oder weiße Punkte, Schafe, bis zum Horizont, wo sich in alle Richtungen Bergriesen erheben. Alle sind beeindruckt, dass wir heute eine grandiose Landschaft, wie nie zuvor auf dieser Tour sehen. Fahrzeuge gibt es wenig auf der Piste, aber ab und zu kommen ein paar Kirgisen auf dem Pferd oder Esel vorbei und grüßen freundlich und wir grüßen zurück.
Zwischen den Dörfern liegen viele Friedhöfe, so viele, dass man denkt hier wird mehr gestorben als gelebt. Aber es gibt keine Familiengräber und jedem Dahingegangenen wird ein großes Grabmal errichtet, je nach Reichtum oder Wohlstand kann das schon das Format eines kleinen Einfamilienhauses haben. Oben auf dem Grabmahl aus Lehmziegel dann eine Kuppel, die oftmals mit Silberblech belegt ist und in der Abendsonne gegen den blauen Himmel strahlt.
Die letzten Kilometer wollen nicht enden und es geht kräftig bergan, wir sind schon wieder satt über 2000 Meter hoch, als wir endlich an ein Flüsschen kommen und unser Lager liegt dann idyllisch auf einer saftigen Wiese links neben der Straße. Durch die Wiese mäandriert der kleine Bach und lädt zu einem erfrischenden abendlichen Bad ein. Danach werfe ich mir schnell alle Sachen über, die ich dabei habe, denn jetzt, wo die Sonne hinter dem Berg verschwunden ist, wird es empfindlich kalt. Alle freuen sich auf das Abendbrot, wie immer eine Suppe und denn Erbsenpüree und Hühnchen und Dieter fühlt sich fast wie zu Hause in Berlin.
Nach einem langen Tag freue ich mich auf meinen Schlafsack, den ich heute bis oben zu machen muss, doch nach ein paar Minuten ist es kuschelig warm und ich schlafe sofort ein.

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74 Kilometer, 362 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Die Morgensonne steht über unserem schönen Zeltlager, trotzdem ist es früh noch ziemlich frisch und es findet sich nur ein kleines Häufchen zum Yoga. Nach dem Frühstück packen alle recht zügig zusammen und verabschieden sich auf die Asphaltpiste, die uns nur noch ein paar Kilometer begleiten wird. Dann kommt der Abzweig nach Bishkek, der kirgisischen Hauptstadt, und wir biegen nach rechts ab und bleiben in dem weiten Tal.
Schon an der Kreuzung hört der Asphalt auf und es geht auf einer staubigen, ausgefahrenen Piste weiter. Zum Glück gibt es kaum Verkehr und manchmal führt eine Parallelspur zur Piste durch das Grasland. Auch der Fakt, dass wir heute hauptsächlich abwärts fahren macht den Weg erträglich.
Nur ein kleines Dorf gibt es, vielleicht wohnen 500 Leute hier. Alle Häuser sehen gleich aus, eine Art Reihenbausiedlung. Viele Leute sieht man nicht auf der Straße, nur ein paar Großmütter mit ihren Enkeln, der größte Teil der Leute hier wird mit den Pferden und den Schafen draußen in den Bergen sein. Zu Sowjetzeiten sind in Kirgisien und Kasachstan bis zu 10 Millionen Schafe gehalten worden. Aber auch heute scheint die Viehzucht sich noch zu lohnen, denn vor mancher Jurte haben wir ein Auto stehen sehen und niemand macht einen ärmlichen Eindruck. Auch hier im Dorf sind die Häuser in Ordnung und in den kleinen Gärten wachsen ein wenig Gemüse und Kräuter.
Hinter der Siedlung kommen wir an einen Fluss, dem wir in ein enges Tal folgen. Nun geht es richtig schön abwärts. Neben der Straße tost der Fluss und wir rauschen auf der staubigen Piste abwärts. Ab und zu haben wir über ein paar hundert Meter „Wellblechpiste“, eine Erscheinung, bei der auf der Straße durch Resonanzwirkung mit den Stoßdämpfern der Autos scheußliche Querrinnen in regelmäßigem Abstand entstehen. Wenn man die Rillen zu langsam fährt wird man schrecklich durchgeschüttelt, wenn man darüber hinweg „bläst“ hat man nahezu keine Kontrolle mehr über das Rad. Und irgendwann bei dem Versuch die Spur zu wechseln reist es mir das Vorderrad weg, aber ich komme mit dem Schreck und einigen kleinen Abschürfungen davon.
Auf einer schönen Lichtung am Fluss machen wir unser Picknick, während sich rundherum dunkle Wolken zusammen ziehen. Irgendwann fallen dann auch drei oder vier Tropfen und wir schlüpfen alle in unsere Regenklamotten, aber wie durch ein Wunder fahren wir haarscharf an der Regenfront vorbei und erreichen schon gegen 15 Uhr einen weitern kleinen Ort, Kyzyl Oi, wo wir heute bleiben werden.
Die Aufteilung der Gruppe auf 5 Familien dauert eine Weile, aber es sind schöne Zimmer, die wir beziehen können und nette Familien, bei denen uns sofort Tee und Gebäck angeboten wird.Dann bleibt nicht mehr viel zu tun, als einmal durchs Dorf zu spazieren und mit den Kindern auf der Straße kleine Spiele zu spielen.
Volker und ich besorgen uns ein „schmutziges“ Bier und sitzen dann eine gute Stunde vor dem kleinen Häuschen im Hof, unterhalten uns und verwöhnen den Hund der Familie mit Streicheleinheiten, mit dem Resultat, dass wir ihn danach nicht mehr loswerden.
In einem Haus treffen wir uns dann zum Abendessen, ein leckere Krautsuppe und ein großer Topf Plow runden den Abend ab.

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„Ruhetag am Pass“

95 Kilometer, 1709 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Blendendes Wetter am Morgen und ein gutes Frühstück. Auch die nassen Sachen von gestern konnten wir in der Küche über Nacht trocknen, also haben wir wieder einmal optimale Bedingungen für die Passanfahrt heute.
Meine Verspannung hat sich immer noch nicht gelöst, aber an solch einem Tag habe ich natürlich auch keine Lust aufs Auto zu steigen und die Landschaft um mich herum nur vom Fenster aus vorbei fliegen zu sehen.
Gegen 9 Uhr kommen wir dann vom Hotel aus los. Noch immer ist die Straße in super Qualität, was wir von Kirgistan überhaupt nicht erwartet hatten und das wird wohl bis morgen auch noch so bleiben, aber dann verlassen wir endgültig die Hauptroute nach Bishkek, der kirgisischen Hauptstadt, und biegen in Richtung Issyk-Kul ab.
Langsam und stetig mit 7 oder 8 Prozent Steigung schlängelt sich die Straße nach oben. Die Schilderaufsteller schienen Humor zu besitzen, denn die Steigung ist mit 7,62% oder 6,79% ausgewiesen, ein starker Kontrast zu den sonst überall ortsüblichen 12% Schildern.
Als dann unser Begleitfahrzeug vorbei kommt und auch noch ganz langsam, habe ich meine Idee für den halben Ruhetag, ich werde mich einfach einmal ein paar Kilometer ziehen lassen. Doch die Idee hatten auch schon andere, aber gerade ein letztes viertes Plätzchen ist hinten noch frei. So geht es dann ganz entspannt und gemütlich erst einmal 200 Höhenmeter im Schlepp nach oben. Dann weitet sich das Tal und links und rechts der Straße gibt es viele Jurtencamps. Also lasse ich los und halte erst einmal an und kaufe mir eine Flasche Kumys, vergorene Stutenmilch.
Dieses Getränk ist bei allen Nomadenvölkern in Zentralasien verbreitet und enthält viele Minerale und Vitamine, die die Leute hier aus Obst und Gemüse nicht bekommen können, da hier auf den Bergalmen außer Gras nichts wächst. Auf alle Fälle mag ich das Getränk, das etwas rauchig und etwas nach Schafsmilch schmeckt und gesäuert und vergoren ist, wodurch es etwa ein Prozent Alkohol enthalten dürfte. Meinen Teilnehmern rate ich nicht unbedingt dazu, wegen der Durchfallgefahr, aber mein Magen-Darm-Trakt scheint inzwischen wohl abgehärtet genug.
Überall links und rechts der Straße gibt es jetzt Jurten. Die Frauen sind damit beschäftigt die Stuten und die Kühe zu melken oder die frisch gemolkene Milch zu Butter zu verarbeiten. Dabei benutzen sie nicht mehr das traditionelle hohe Buttergefäß aus Holz, sondern eine handbetriebene Schleuder. Ich darf meinen Finger ins Fass tunken und kosten und frische Butter ist einfach lecker.
Nachdem ich dann ein paar Kilometer weiter gefahren bin, kann ich der Versuchung nicht widerstehen und hänge mich an den nächsten Lkw und fahre wieder eine Weile mit, bis ich auf einen Teil der Gruppe treffe, der auf einer schönen Almwiese lagert. Schön ist es unter dem stahlblauen Himmel mit den Schäfchenwolken eine Weile im Gras zu liegen und einfach den Duft der vielen Blumen umher einzusaugen, bevor es dann an die nächsten Höhemeter geht.
Irgendwann schraubt sich die Straße dann ein paar Serpentinen hinauf und für den Schlussanstieg nehme ich noch einmal einen Truck in Anspruch, schließlich wollte ich ja einen Ruhetag haben. Aber ich war heute nicht der einzige, der diese „unerlaubte“ Hilfe in Anspruch genommen hat und am Ende zeigt sich, dass nur vier Leute nicht gemogelt haben. Was soll’s, vom leckeren Salat und dem Grießbrei bekommen doch alle, dann ist Fototermin im Schnee und dann geht es wieder hinunter in eine weite grüne Ebene.
Auch hier gibt es wieder viel Jurtencamps und wir können beobachten, wie viel Mühe es macht, diese Zelte aufzubauen, nichts im Vergleich zu dem, was wir jeden Abend tun.
An einem kleinen Bach und auf einer wunderschönen Wiese ist dann auch unser abendlicher Zeltplatz, wieder einmal einer der schönsten, den wir je gehabt haben, eingebettet in eine wilde und doch sanfte Landschaft. Wieder einmal sieht es nach Regen und Gewitter aus, Wetterleuchten von drei Seiten und einige von uns bekommen ein wenig Angst in Erinnerung an unsere Hochwasser-Gewitter-Nacht. Doch nichts passiert, wir haben ein harmonisches Abendessen im Freien und es zeigt sich, dass ein wunderschöner Fahrtag und ein gutes Abendessen doch beträchtlich zu einer guten Stimmung in der Gruppe beitragen können.

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68 Kilometer, 1106 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Am Morgen versammelt sich die Yoga-Gruppe auf der Sandbank und es ist fast wie auf einem spirituellen Trip in Thailand oder Indien, bei den „Sonnengrüßen“ rieselt der Sand auf den Kopf. Leider zieht sich der Himmel zu und wir schaffen unser Frühstück und das Zusammenpacken gerade noch im Trocknen. Kurz nach dem Start fängt es an zu regnen. Doch ich bleibe schön warm, denn es geht mehrfach richtig stark bergan, mittellange Anstiege.
Am Morgen bin ich wieder total verspannt aufgewacht, vielleicht liegt es wirklich daran, dass ich eine Woche lang nicht mehr in einem Bett geschlafen habe, werde wohl heute Abend mal den Doktor konsultieren, damit ich irgendwann wieder frei atmen kann.
Die Stadt am See ist eigentlich auch nur ein größeres Dorf, aber ich finde einen Laden mit russischem Konfekt und lege mir einen größeren Vorrat zu, denn morgen geht es ja wieder an einen 3000er Pass und dafür will ich gerüstet sein. An einer Bushaltestelle wartet unser Fahrzeug und unsere Leute haben dort ein wenig Schutz vor dem Regen gefunden. Leider ist die halbe Haltestelle von ein paar kirgisischen Alkoholikern okkupiert und es fällt schwer die Leute, denen beim Stichwort Deutschland nur „Heil Hitler“ einfällt, loszuwerden. Als ich wieder aufs Rad steigen will ist dann auch meine Sonnenbrille weg, die ich mir von Helma geborgt hatte, das wäre dann Nummer 4 auf dieser Reise. Die erste habe ich in Turkmenistan verloren, die zweite in Usbekistan geschrottet, die dritte von Eckardt geborgt und an Volker weiter verliehen, der sich darauf gesetzt hat und nun die nächste. Na gut, China ist nicht mehr weit und dort werde ich mir wieder einen größeren Posten an Billigbrillen zulegen.
Hinter Toktokul geht es dann in ein schönes Seitental immer an einem kleinen Fluss entlang gut bergauf. Es regnet immer noch, aber die Landschaft ist wunderschön. Das Wasser im Fluss schießt weiß schäumend den Berg hinunter, rechts und links gibt es wunderschöne Wiesen und ich denke, es ist schade, dass wir heute keine Zeltübernachtung haben. Rechts und links geben Nebentäler den Blick auf Schneeberge frei und alles ist bewaldet und erinnert ein wenig an wunderschöne Täler in den Alpen. Die Straße lässt sich trotz der kräftigen Anstiege gut fahren und zur Belohnung hat es auch noch aufgehört zu regnen.
Der Tag wird weniger anstrengend als geplant, denn unser Hotel befindet sich nicht wie angenommen auf 2400 Meter Höhe, sondern schon auf 1900 Metern. Wir sind in zwei Häusern untergebracht. Die „Singles“ sind in einer schönen Anlage direkt am Fluss, es gibt eine warme Dusche, die ist aber auch notwendig nach der nassen Fahrt und auch, weil die Zimmer nicht geheizt werden können und es doch recht frisch ist.
Sauber geduscht wandern wir dann bergauf zum anderen Hotel, um die Doppelzimmer Besatzung zu treffen. Die sind aber gar nicht zufrieden, denn es gibt hier nur eine Dusche für alle mit 40 Litern und gerade jetzt trifft das Gepäck ein, die ersten mussten nass und frierend fast zwei Stunden warten.
Unerwartet trifft die vier Personen starke Parallelgruppe ein, Helmuts Fahrrad ist hinüber, das Tretlager ist nicht mehr zu retten und es handelt sich nicht um eines von unseren Kogas, so dass ich auch das Lager nicht wechseln kann. Eigentlich gibt es gar nichts zu überlegen, Helmut bekommt das Reserverad, so lange bis wahrscheinlich in Urumqi ein neues Tretlager eingebaut werden kann. Durch den langen Transport sind am Reserverad ein paar Züge gebrochen und die Schaltung ist verstellt, aber mit Helmuts Hilfe bekomme ich alles recht schnell wieder gerichtet.
Am Abend gehe ich noch einmal zu Richard, der glücklicherweise nichts an den Bronchien feststellen kann und Stress als Auslöser für meine Atemprobleme und Verspannung festmacht.

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