Monatsarchiv für Mai 2008

vom Lager hinter Qosrabat bis nach Samarkand, 71 Kilometer, 270 Höhenmeter, bis 35 Grad

Bericht von Tom Krech

Unser Frühstück ist so einfach wie die Tage davor, ich denke, wir müssen uns etwas einfallen lassen und sollten zumindest noch etwas Obst besorgen. Die Meinungen über das Frühstück sind immer ziemlich geteilt, die einen können eben Marmelade nicht ausstehen und für die anderen sind eben Fischkonserven nicht das non plus ultra eines gesunden Frühstücks. Hubert sieht es von der witzigen Seite und meint, dass sämtliche Speck und „Frühlingsröllchen“ dann definitiv bis Peking abgearbeitet sind.
In einen wunderschönen sonnigen Vormittag brechen wir dann in Richtung Samarkand auf und heute verstehen wir, den Satz in der Reisebeschreibung, der da lautete, es ginge durchs ländliche Usbekistan. Alles ist eine wunderschöne grüne Oase, grüne Getreidefelder, die noch einen Monat bis zur Reife brauchen, Bewässerungskanäle und kleine Dörfer. Überall auf den Feldern wird geharkt oder gehackt.
Dieter fährt sich heute gleich zwei Mal eine Scherbe in den Mantel, pfffff… und wieder Plattfüße, damit ist wohl Dieter unser Plattfußkönig. Unter großer Anteilnahme der usbekischen Landbevölkerung reparieren wir dann schnell und weiter geht es.
Immer dichter wird es besiedelt und es gibt überall großes „Hallo“ vom Straßenrand, es ist wirklich ein wunderschöner Tag und die Landschaft ist faszinierend und bezaubernd und ich fühle mich ein wenig wie Alice im Wunderland. Am Straßenrand dreht sich ein Wasserrad, das zur Bewässerung der umliegenden Felder dient.
Die Maulbeerallee, die wir durchfahren wird überall beschnitten, von den Bäumen bleiben nur kahle Strunke. Die frisch geschnittenen Äste werden auf Eselskarren verladen und werden im nächsten Dorf an die hungrigen Larven der Seidenraupen verfüttert.
Usbekistan ist ein Land der Teehäuser, es gibt große und kleine. In einem letzteren kehren wir ein und die Küche ist eine fotografische Fundgrube. Gekocht wird genau so wie vor hundert Jahren oder gar vor 500 Jahren. In einem Lehmherd ist ein großer Wok eingebaut und daneben gibt es einen ebenso mit Holz befeuerten Lehmofen, in dem die immer frischen Brote gebacken werden.
Auf der Autobahn geht es weiter in die Stadt, allerdings ist dies eine der schlechtesten Autobahnen, die ich je gesehen habe und es gibt auch kaum Verkehr. Kurz vor der Stadt kehren wir dann noch einmal ein, diesmal ist es ein großes, modernes Teehaus und es gibt Krautsuppe und Gegrilltes, danach steht der Stadt nichts mehr im Wege.
Auf der löcherigen Piste geht es durch die Vorstadt, von den historischen Gebäuden ist nicht viel zu sehen und auf den ersten Blick, gibt es keinen großen Unterschied zu anderen russischen Kleinstädten. Im Hotel, einem netten, alten, traditionellen Bau, mit Hinterhöfen und dicken Holzsäulen gibt es dann erst einmal Probleme. Der Besitzer möchte unsere Gruppe in 3 Bett Zimmer aufteilen, womit natürlich unsere Gäste nicht einverstanden sind. Also wird sämtliches Personal umquartiert, Räume werden gezaubert und nach einer Stunde haben wir ein einigermaßen zufrieden stellendes Ergebnis und ich bin mehr als reif für eine Dusche und einen Spätnachmittagsschlaf. Die Stadt, mit ihren Mausoleen und fliegenden Teppichen wird dann wohl bis morgen warten müssen.
Beim Abendessen gibt es ein Wiedersehen mit der Teilgruppe, die einen Tag vor uns eingetroffen ist und auch ihre Erlebnisse hatte. Allen waren natürlich beeindruckt von der wunderschönen Landschaft und den netten Menschen, auch wenn einer der Teilnehmer auf der Straße von Jugendlichen gestoppt wurde, die ihm dann sein Fernglas abnahmen und wenige Sekunden später im Feld verschwanden. Aber das ist inzwischen als Erlebnis eingeordnet und mir wird klar, dass es überall eben solche und solche Menschen gibt und, dass trotz aller Freundlichkeit immer ein wenig Wachsamkeit und Zurückhaltung von Nöten ist.
Bei einigen Bieren geht dann aber ein fröhlicher Abend zu Ende und wir alle sind gespannt auf eine Stadt, die wohl mit unseren Bildern aus den Geschichten von „Tausend und einer Nacht“ mithalten kann.

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79,5 Kilometer, 531 Höhenmeter, bis 32 Grad

Bericht: Tom Krech

Eher als angenommen steigt die Sonne über den Bergrücken und beleuchtet und wärmt unser Zeltlager im grünen Talgrund. Eigentlich hatten wir 8 Uhr als Frühstückstermin angesetzt, aber schon viel früher laufen alle geschäftig im Lager herum, packen Sachen und Zelte zusammen oder ziehen mit dem Toilettenspaten hinter den nächsten Hügel. Da die Wurst vom Markt fast explodiert, fällt das Frühstück etwas mager aus, die „Süßen“ halten sich an die Marmelade, die „Unsüßen“ an die Fischkonserven, dazu gibt es Unmengen von Keksen. Und heute passiert dann ein Wunder, alle sitzen 10 Minuten vor 9, also vor der beschlossenen Abfahrtszeit, auf den Rädern. Gemütlich rollen wir den Berg wieder hinunter durchs Dorf. Dort werden wir noch einmal von der Schulklasse gestoppt, die an der Straße mit Fähnchen steht und auf uns wartet. Der Lehrer unterrichtet an der Schule Deutsch und Russisch und so werden wir mit einem „Guten Morgen“ begrüßt. Frank bekommt einen großen Strauß Feldblumen zum Geburtstag und die Kameras klicken in alle Richtungen. Nach ein paar Minuten rauschender Fahrt durch die grünen Wiesen und Felder sind wir auf der Hauptstraße und weiter geht es in Richtung Samarkand. Heute wird es ein wenig hügeliger und es geht manchmal mehr oder weniger bergauf und wieder bergab. Laut Straßenbeschilderung hat jeder Anstieg und jede Abfahrt 10%, denn es gibt wohl keine anderen Schilder.
Die Landschaft ist grandios, überall zwischen den Hügeln liegen kleine Gehöfte, nur aus Lehm gebaut, die fortschrittlicheren unter den Gebäuden haben dann schon ein  Wellblechdach. In einem kleinen Dorf kaufen wir dann den Vorrat von 5 Flaschen an Cola komplett auf und reduzieren den Lagerbestand an Waffeln um ein Vielfaches. Es ist ein mehr als gemütliches Radfahren heute. Die Strecke ist nicht zu anspruchsvoll, aber wunderschön und wir haben nur wenig Kilometer zurückzulegen. Überall blühen Blumen und manche Felder sind durchsetzt mit rotem Klatschmohn, der gerade in der schönsten Blüte steht.
Mittag gibt es in dem kleinen Städtchen Qosrabat in einem Teegarten mit einer leckeren Suppe und etwas Hackfleisch vom Grill. Ich versuche etwas die Hauptstraße entlang zu spazieren, aber man ist hier überall die Hauptattraktion und nach 300 Metern ist die „Einkaufsmeile“ sowieso zu Ende, die aus fünf Fotoshops, drei Teestuben, zwei Läden und einem fliegenden Schuster bestand. Bis zum Nachmittag sitzen wir noch in der Teestube, dann geht es noch ein paar Kilometer weiter. Der vorgesehene Platz gefällt uns nicht, da es einfach noch zu warm für ein Camping in der prallen Sonne ist und so fahren wir noch gute 10 Kilometer weiter und enden dann auf der Baustelle eines Teehauses. Das obere Geschoss ist ideal, um die Matten auszurollen, es gibt eine Toilette und hinter dem Haus bauen wir das Duschzelt auf.
Der Bauer von nebenan hat auch eins dieser eigentümlichen Weinfelder. Die Stöcke werden hier so geschnitten, dass die knorrigen Äste am Boden liegen und dort auch Früchte tragen. Der Grund dafür sind die mitunter doch sehr kalten Winternächte, in denen der Weinstrauch mit Sand bedeckt werden muss und das lässt sich bei den am Boden wachsenden Ranken, doch mit recht wenig Aufwand verwirklichen. Auf alle Fälle ist der Wein, von dem wir 10 Liter für 8 Euro kaufen, lecker, süß und schwer wie ein Cherry und das Erstaunlichste, er macht keine Kopfschmerzen, wie ich am nächsten Morgen feststellen darf.
Der Rest des Abends vergeht beim fröhlichen Geburtstagsplausch, am Ende eines ruhigen und gemütlichen Tages.

62 Kilometer, 562 Höhenmeter, bis 30 Grad

Bericht: Tom Krech

Die ganze Nacht funkelten die Sterne am Himmel, doch am Morgen ist alles zugezogen und grau. Gerade als wir mit dem Frühstück fertig sind, es gab eine große Portion Milchreis, fing es an zu tröpfeln.
Gegen 8 Uhr brechen wir auf zur Festung, die Alexander der Große hier errichten ließ. Viel ist nicht mehr übrig, aber unten auf dem Markt und Parkplatz ist richtig Leben. Jeden Sonntag kommen hunderte von Ausflüglern hierher und es gibt überall Buden und Verkaufsstände entlang des Weges, vor denen sich die Leute drängen. Ein Stand verkauft frisches Lammfleisch. Vorne hängen die enthäuteten Tiere und ein paar Meter weiter hinten warten blökend weitere 5 Schäfchen auf ihr Schicksal, noch am gleichen Tag im Plow zu landen.
Während wir uns durch die Menschenmassen drängeln, um an der Quelle vorbeizukommen, die der Gegend hier zu Fruchtbarkeit verholfen hat und dann die Reste der Festung zu besteigen, fängt es richtig an zu regnen. Oben ist es so kalt, dass wir auf dem Absatz kehrt machen und ins nächste Teehaus einziehen. Da wir heute nur wenige Kilometer zu fahren haben, können wir abwarten und Tee trinken und nach einer Stunde hört es dann auch wirklich wieder auf zu regnen und es sieht sogar so aus, als ob die Sonne wieder herauskommen möchte.
Aus der Stadt heraus kommen wir in eine riesige Ebene. Im Gegensatz zu gestern keine richtige Wüste, sondern Grasland, durch das sich unsere Straße wie ein gerader Strich bis zum Horizont zieht und genauso sieht unser Fahrtag aus. Geradeaus geht es bis zum Mittagspicknick in einem kleinen Dorf rechts von der Straße. Lediglich rechts von uns zieht sich die Bergkette hin, über die wir gestern gefahren sind und auch wieder hinüber müssen, wenn wir näher nach Samarkand kommen. An den Gipfeln lösen sich langsam die Wolkenhauben vom Regen heute Vormittag auf. Inzwischen scheint die Sonne wieder und es sind fast dreißig Grad, nachdem heute Morgen das Thermometer frostige 13 Grad gezeigt hat.
Unter einem großen schattigen Aprikosenbaum breiten wir unsere Decke aus und schnitzeln einen großen Salat. Dazu gibt es eine Suppe, die Farhoud schon in Narata hat kochen lassen und die nur aufgewärmt werden muss. Dazu gibt es dann allerhand kleine Süßigkeiten und Brot und fertig ist ein kleines Mahl.
Nach einem Mittagsschläfchen geht es dann weiter durchs Grasland, vorbei an großen Herden von Schafen und Ziegen. Das Leben der Leute hier ist sehr einfach, ein paar Ziegen oder Schafe und vielleicht eine Kuh reichen für die Fleisch und Milchversorgung aus. Im Garten der Häuser aus gestampftem Lehm wachsen Gemüse und Kräuter und mehr brauchen die Leute hier nicht, scheint es.
Als die Sonne anfängt alles in warme Farben zu tauchen, biegen wir nach rechts ab und fahren auf ein Dorf am Rande der Berge zu. Die Wiesen sind umso grüner, je höher wir kommen. Mohn und Kornblumen blühen am Straßenrand und es geht nach hinten zu mächtig aufwärts. Eine halbe Stunde strampeln wir noch bergauf bis hinter das Dorf und sind dann schon auf 1000 Meter Höhe, als wir eine schöne Wiese erreichen.
Es ist wohl der schönste Lagerplatz bisher, nach oben windet sich die kleine Straße noch ein wenig und nach unten haben wir einen herrlichen Ausblick über das Dorf und über die gesamte Ebene. Ein kleines Bächlein plätschert vor sich hin und nach einer halben Stunde hat sich die gesamte Dorfjugend versammelt, um unser Tun und Lassen zu beobachten. Rundherum weiden Tiere, zuerst werden die Schafe vorbei getrieben, dann kommen muhend Kühe vorbei und ab und zu brüllt ein Esel so laut und erfreut sich daran, dass das Echo den Ruf eine halbe Sekunde später wiederholt.
Der Fahrer gräbt eine Grube in der ein kleines Feuer gemacht wird und nachdem der Topf darüber gesetzt wurde, beginnt die Mannschaft mit der Zubereitung des Plows, vielleicht mit dem Fleisch der Tiere, die wir heute Morgen noch in Narata haben stehen oder hängen sehen. Robert und ich scheinen uns dann vollends als Salatköche qualifiziert zu haben und die anderen sitzen irgendwo in der Landschaft, genießen die Aussicht und schreiben Tagebuch. Gerade im letzten Licht des Tages sitzen wir dann alle um unser Tischtuch und genießen unseren Reis und die Stimmung des Abends nach einem sehr abwechslungsreichen Tag.

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110 Kilometer, 648 Höhenmeter, bis 30 Grad

Bericht: Tom Krech

Bei dem straffen Wind, der am Morgen weht, rettet mein Kocher das Frühstück. Robert hatte ihn in Buchara auseinander genommen und gereinigt und so funktioniert er nun wieder. Ich war wegen des Kochers schon etwas sauer, denn ich hatte mich für ein teureres Modell entschieden und nun funktioniert er hier nicht so, wie ich das von meinem Veteran, den ich seit 15 Jahren benutze, gewöhnt bin. Wie auch immer, der Gaskocher unserer Mannschaft ist hier nicht zu gebrauchen und nach 4 Minuten haben wir den ersten Topf mit kochendem Wasser für Kaffee und ich schaffe es nach dem ersten Pott dann endlich auch, die Augen richtig aufzubekommen. Zum Frühstück gibt es noch leckere Salate und Kefirkäse mit Marmelade oben drauf. Etwas Schmelzkäse ist auch da und in den Kaffee gibt es gesüßte Kondensmilch, ein Lebensmittel mit Suchtfaktor.
Ohne Wind geht es dann noch ein paar Kilometer durch die Wüste und dann durch kleine Dörfer und entlang grüner Felder. Überall sind die Leute draußen und jäten Unkraut und von allen Seiten wird gewunken und es erschallen anfeuernde Rufe. Und die Begeisterung der Leute überträgt sich auf uns, wir hatten lange keine so gute Stimmung in der Gruppe und das, obwohl manches nicht so glatt ging und ich denke wir haben endlich die richtige Einstellung zur Reise erreicht, zu sehen, das alle das Beste aus dem machen, was möglich ist und nicht ständig über kleine Unebenheiten im Reiseablauf zu meckern.
Auch in der nächsten Stadt schlägt uns eine Welle der Begeisterung entgegen, wir tanken Lebensmittel für ein leckeres Mittagspicknick, frische Butter und Salat, sowie frische Brote und Wurst. Weil sich so viele Leute um uns versammeln, hat Farhoud, unser usbekischer Führer, Sicherheitsbedenken. Gestern haben wir uns ein wenig über das System hier unterhalten. Der Staat möchte am liebsten alles und jeden überwachen und das passiert zum größten Teil auch, nicht ganz so offen wie in Turkmenistan, sondern etwas verdeckter. Auch gestern Abend war noch ein Polizist aufgetaucht, hat sich von der Mannschaft durchfüttern lassen, den Wodka geleert und dann im Bus übernachtet, aber ich denke hier liegen „Auftrag“ und persönliches Interesse und persönlicher kleiner Vorteil eng beieinander und vielleicht hat er ja auch eine strenge Frau zu Hause.
In einer kleinen Teestube tanken wir dann noch einmal Energie für den kommenden Pass; Kekse, Nüsse und Rosinen, sowie Getränke des Coca-Cola-Konzerns und grüner Tee geben uns die notwendige Stärkung für die kommenden Kilometer. Dann geht es wieder hinaus in die Wüste und die Straße beginnt ganz langsam aber sicher zu steigen und wir gewinnen 300 Höhenmeter.
An einer Quelle mit vielen schattigen Bäumen entschließen wir uns dann doch zur Mittagspause noch vor dem Pass. Die Umgebung ist einfach zu einladend. Nicht nur wir machen hier Picknick, sondern viele Andere auch. Zum Beispiel die Frauenbrigade eines landwirtschaftlichen Betriebes. Weil vorgestern der Tag der Arbeit war, habe man den Rest der Woche frei und es sei hier Sitte, dann irgendetwas im Kollektiv zu unternehmen und ich fühle mich irgendwie heimisch und an die guten Seiten unseres DDR-„Sozimus“ erinnert. Die Männer habe man zu Hause gelassen, die werden wohl dort saufen, aber auch die Ladys haben drei Flaschen Wodka in greifbarer Nähe und wir dürfen mit ihnen anstoßen, was wir wegen des noch vor uns liegenden Passes mit äußerster Zurückhaltung tun.
Mit dem Fahrer unseres Busses schnitzele ich einen leckeren Gurken-Tomaten Salat und es gibt schon weniger Beschwerden über den Knoblauchgehalt des vitaminreichen Gemisches. Dazu schmecken das frische Brot und der Käse. Dann geht es weiter und die Angaben, was uns noch erwartet, schwanken zwischen 8 Kilometern Steigung und 18 Kilometern, doch wir haben Glück, der Pass hat keine 1100 Meter, denn schon bei Höhe 780 sind wir oben und haben eine Aussicht über eine weite Ebene mit Nichts durch die schnurgerade unsere Straße führt. Nach der Abfahrt bläst der Wind ein wenig von der Seite, aber im nächsten Ort biegt die Straße nach rechts ab und der Wind schiebt uns praktisch über die nächste Erhebung, hinter der dann auch schon unser heutiger Zielort Nurata liegt. Einmal geht es im Kreis durch das kleine Städtchen, bis wir unsere Pension bei einer usbekischen Familie erreichen. Hier werden wir freundlich aufgenommen und beziehen in den drei hübschen, mit Teppichen ausgekleideten Räumen, Quartier, nachdem wir noch ein „Schmutziges Bier“ getrunken haben. Dann geht es in die Dusche, die eigentlich eine halbe Sauna ist. In einem großen Ofen bollert heißes Wasser und daneben gibt es ein kleines Bassin mit kaltem Wasser. Nach einem schönen und verschwitzten Tag ist das genau das Richtige zum Entspannen und sauber werden. Das Abendbrot, leckere Salate und Pelmeni, ist zwar nicht sehr reichlich, aber es gibt noch ein paar Kekse zum Tee und alle waren zufrieden. Hubert und ich entscheiden uns dann für ein Bett im Freien auf der Terrasse, denn wir haben ein paar gute Schnarcher unter uns.

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82 Kilometer, 285 Höhenmeter, 30 Grad

Bericht: Tom Krech

Da es heute wohl keinen Brand in der Stadt gab, fällt das Frühstück auch hinreichend aus, dann heißt es den Bus beladen, was soviel Zeit kostet, dass wir wieder ein halbe Stunde später als geplant loskommen. Rasch sind wir aus der Stadt heraus und dann geht es unter Polizeibegleitung erst einmal auf der Autobahn entlang durch grüne Getreidefelder und Maulbeerhaine. Wir fahren heute mit zwei Leuten weniger als sonst. Eckardt fährt mit seiner Frau in der anderen Gruppe mit und Ulli macht noch einen Abstecher in den Süden und wird in Samarkand wieder zu uns stoßen. Und Elisabeth hat heute ihren ersten Tag auf dem Rad und kommt ganz gut mit unserem Tempo klar. Die Polizei hält uns die Polizei gut vom Hals, verpasst allerdings die Abfahrt auf die Nebenstraße. Wir fahren dann trotzdem weiter bis in den nächsten Ort. Dort machen wir Halt und schlendern über den Markt. Leckere Salate und frischer Kefirquark lassen uns das Mittagsprogramm über den Haufen werfen, wir sacken größere Mengen von Salaten und Käse ein und natürlich frisches Brot dazu. Dann geht es erst einmal noch 30 Kilometer weiter und dort haben wir die nächste Chance von der Hauptstraße herunterzukommen. Die Stadtdurchfahrt ist ein einziger Triumphzug, denn es ist gerade Schulschluss und Hunderte von Schülern sind auf dem Heimweg.
Kurz bevor dann die Wüste wieder beginnt, halten wir an einer kleinen Teestube und breiten unsere Lebensmittel aus. Alles ist total lecker und wir haben das halbe Dorf um uns herum stehen. Andre unterhält sich mit einem jungen Mann der genauso schlecht Deutsch spricht wie Andre Russisch, aber die beiden verstehen sich blendend. Irgendwann kommt auch der älteste Mann aus dem Dorf vorbei und es gibt eine große Fotoaktion mit den beiden Ältesten unserer Gruppe.
Die letzten Kilometer geht es dann durch die Wüste. Anfangs überholen wir Dutzende von Eselskarren, die in der Steppe geschnittenes Kamelgras geladen haben. Irgendwo in der Mitte von Nichts biegen wir dann rechts auf einem Schotterweg ein, richten unsere wackeligen Zelte auf und nehmen dann ein Bad. Nur einen Kilometer weg liegt ein wunderschöner See mit erfrischend kühlem Wasser, so dass wir unser Duschzelt gar nicht aufzubauen brauchen.
Als wir vom Baden zurückkommen ist unser Bus verschwunden samt Führer und Personal und ich kann nur mutmaßen, dass es Probleme mit dem Kocher gab. Hoffen wir, dass die Jungs irgendwann zurückkommen. Inzwischen bereiten Robert und ich einen großen Gurken-Tomaten-Salat vor und selbst danach von unserer Crew keine Spur. Aber alle sind relaxt und entspannt und ich komme dazu ein wenig zu schreiben und meine Bilder zu bearbeiten. Danach mache ich mit dem Laptop noch ein wenig Kulturprogramm und präsentiere die Bilder der letzten Tage bis dann wirklich der Bus wieder am Horizont auftaucht.
In der Tat hatte es Probleme beim Kochen wegen des starken Windes gegeben, deshalb haben die Jungs im nächsten Dorf gekocht und sind nun mitsamt einem dicken heißen Eintopf wieder zurück und wir können uns aufs Essen stürzen. Danach geht noch eine Flasche Wodka herum, bis sich einer nach dem anderen ins Zelt verabschiedet. Ich schlafe wieder einmal unter freiem Himmel, denn es gibt keine stechenden Insekten und habe über mir einen klaren Sternenhimmel und die Milchstraße, die sich superscharf am dunklen Himmelszelt abzeichnet.

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Bericht: Tom Krech

Da ich schon sehr zeitig wach bin, entschließe ich mich zu einem kurzen morgendlichen Spaziergang vor dem Frühstück, doch ich komme nicht weit. Auf dem Platz um den Teich parken ein gutes Dutzend Feuerwehrfahrzeuge und aus dem Häuserkomplex gegenüber steigt dichter Rauch auf und ab und zu schlagen Flammen in den Himmel. Die Feuerwehr ist mit Leitern aufs Dach geklettert und hat den Brand schon unter Kontrolle. Über die Ursache ist nichts bekannt und auch fotografieren ist nicht erwünscht.
Da durch den Brand im Viertel Strom und Gas ausgefallen sind, fällt das Frühstück relativ mager aus, mit dem Wasser aus dem Heißwassersystem kann gerade so Nescafe aufgebrüht werden, für Tee reicht es nicht.
Die Gruppe will gegen 10 Uhr noch los und die Zitadelle im alten Zentrum besichtigen und noch einige andere alte Gebäude und Basare, aber ich habe wieder einmal einen Tag im Internetcafe vor. Die beiden Cafes in der Altstadt sind nicht tauglich, irgendwelche Daten zu übertragen, aber in der Neustadt soll es ein besseres Lokal geben. Mit dem Taxi finden Hubert und ich den Ort auch sehr schnell und es war eine gute Idee gleich um neun Uhr dort zu den ersten Gästen zu zählen, denn die 8 Computer sind relativ schnell belegt. Anfangs gibt es noch einige Schwierigkeiten, da die Firewall keinerlei verschlüsselte Daten durchlässt, aber der System Administrator kann uns helfen und justiert das System neu. Nun lässt sich ganz gut arbeiten, zwar nicht schnell, aber nach immerhin sieben Stunden harter Arbeit sind die Blogs gefüttert und auf dem aktuellen Stand und es bleibt sogar noch ein wenig Zeit für private Mails.
Um 16 Uhr bin ich wieder zurück im Hotel und nun geht es gleich weiter mit der Arbeit, Räder werden geputzt, Bremsbeläge gewechselt und einige Schaltungen sind zu justieren. Elisabeth, die vorgestern erst angekommen ist, hat einige Probleme mit dem Rad, denn die Schaltung hat beim Transport im Flugzeug extrem gelitten, ich muss den Zug und die gebrochene Umhüllung wechseln. Wir beschließen drei Räder noch einmal zum Fahrradmechaniker in die Stadt zu fahren, der bekommt Elisabeths Rad auch auf Anhieb hin, geht aber bei Heinos Rad eher mir Brachialgewalt vor, die auch zu keinem Ergebnis führt und mir wird beim Zusehen ganz übel, wie der Mann versucht durch leichtes Biegen des Werfers zu einem Resultat zu kommen. Ich breche dann den Versuch ab und wir fahren zurück ins Hotel. Ich löse alle Verbindungen und justiere alles noch einmal ganz von vorn und es funktioniert. Heino ist glücklich und ich auch und mein Bauch erinnert mich daran, dass ich außer dem mageren Frühstück noch nichts zu mir genommen habe. Der Abend vergeht sehr entspannt und relaxt an einem der Tische am Teich mit ein paar Bieren, Gegrilltem und guten Salaten und witzigen Gesprächen. Schön ist, dass nicht nur Touristen an den Tischen sitzen, sondern auch viele Einheimische und von den älteren Leuten, mit denen wir ins Gespräch kommen, sind wieder viele mit der Roten Armee in der DDR eingesetzt gewesen, bei den Panzertruppen irgendwo in Brandenburg oder bei den Fliegern in Altenburg, also gleich in der Nähe meiner Geburtsstadt Gera in Thüringen.

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Bericht: Tom Krech

Der Morgen beginnt ruhig mit einem netten Frühstück im kühlen Kellerrestaurant. Dann um 9 Uhr machen wir uns mit Farhoud auf den Weg durch die Stadt. Direkt vor dem Hotel gibt es einen kleinen Teich oder besser Wasserspeicher. Noch bis vor 70 Jahren hätten sich hier die Wasserträger mit ihren Tonkrügen getroffen um Wasser zu holen und an die Haushalte der Stadt zu verteilen. Über 80 solcher Becken habe es früher in der Stadt gegeben, gespeist von unterirdischen Kanälen, erklärt uns unser Führer. Rund um den Wasserspeicher liegen drei Karawansereien und zahlreiche Medressen, also Gebäude zum Studieren und Lernen, eine Art von öffentlicher Bibliothek, denn der Koran besagt auch, das das Ziel eines jeden Moslems auch ständiger Wissenserwerb ist. Wissenserwerb ist heute auch unser Ziel und der beginnt auf den nahen Basaren. Leider sind die alle sehr touristisch und lassen nur ein wenig erahnen, wie früher hier auf der Seidenstraße Handel getrieben wurde.
Dort, wo heute eine kleine Bank Dollar und Euronoten gegen dicke Bündel von Som wechselt, standen auch schon früher die Geldwechsler, die den Händlern und Karawanenführern Geld und Gold tauschten. Gleich um die Ecke beginnt Aladins Wunderwelt. Überall liegen und hängen Teppiche und die usbekischen Teppiche, besonders die Seidenteppiche, sollen die besten der Welt sein. Ein Arbeiter arbeitet an solch einem Seidenteppich 6 Monate bis zu einem Jahr. Prächtige, kräftige Farben und Muster haben die Teppiche, aber für einen Fahrradtransport sind sie leider zu sperrig.
Auch gibt es hier verschiedenste Seidenstoffe. Die Gegend um Buchara ist besonders bekannt für ihre Atlasstoffe, das ist besonders leichte und farbefrohe Seide, aus denen die Frauen ihre luftigen und wunderschönen Sommerkleider nähen lassen.
Beeindruckend sind auch die Gewürzstände mit großen Säcken voll mit verschiedenen Kümmelsorten, Koriander, Chili, Zimt, Kardamom, Piment und vielen anderen Gewürzen. Abgefüllt werden die Gewürze in kleine Kürbisfläschchen. Wir kosten einen Tee, der eigentlich kein Tee, sondern ein Aufguss aus sieben Kräutern ist und sehr anregend exotisch schmeckt. Davon kaufen wir dann gleich eine ganze Tüte für die kommenden Zeltlagerabende.
Das Kalon Minarett im Zentrum der Stadt war früher wahrscheinlich das höchste Gebäude in Zentralasien, es ist 47 Meter hoch und hat ein Fundament von 10 Metern Tiefe. Arslan Khan hatte einen Architekten-Wettbewerb ausschreiben lassen und war beeindruckt von dem Entwurf eines jungen Architekten. Der begann mit dem Bau und verschwand nachdem gerade das Fundament fertig gestellt worden war. Daraufhin wurde der Bau eingestellt. Zwei Jahre später tauchte der Architekt wieder auf und entschuldigte sich beim Khan und erklärte, dass, wenn er die Stadt nicht verlassen hätte, der Khan einen zügigen Baufortschritt befohlen hätte, das Fundament benötige aber zwei Jahre um sich zu setzen. Der Khan akzeptierte die Entschuldigung und ließ den Architekten den Bau zu aller Zufriedenheit beenden. Genützt hat es dem Architekten nicht viel, denn um keinen weiteren Bau von dieser Größe und Schönheit errichten zu können, wurde er nach Abschluss der Arbeiten feierlich enthauptet.
Die Moschee neben dem Minarett bietet 10.000 Gläubigen Platz, heute in der Mittagssonne schlendern aber nur ein paar Touristengruppen durch die Wandelgänge zwischen den blau gefließten Gebäuden. Von hier hat man auch einen wunderschönen Blick auf die Mir-i-Arab Medressa gegenüber. Dieses Gebäude mit den zwei Azurblauen riesigen Kuppeln ist neben dem Minarett das Wahrzeichen Bucharas und schon von weitem zu erkennen. Leider dürfen Touristen diesen Ort des Studiums der heiligen Schriften nicht betreten, sondern können den wunderschönen mit bunten Keramikfließen verkleideten Bau, der in der prallen Mittagssonne funkelt, nur von Außen bewundern.
Golden funkelt es auch auf dem Goldmarkt, wo vielleicht hundert Händlerinnen Schmuck und Steine verkaufen. Besonders gefragt scheinen Ringe und Ketten mit Rubinen zu sein, denn diese gibt es hier in den verschiedensten Größen. Am Ausgang des Goldmarktes duftet es verlockend nach Brot und gefüllten Blätterteigtaschen und wir stürmen ein nahe gelegenes Teehaus und Restaurant. Im Schatten großer Bäume gibt es leckeren Plow, herrlich erfrischend Okroschka, kalte Suppe auf Sauermilch oder Kefir-Basis mit eingelegtem Gemüse, Fleisch vom Grill oder Pelmeni.
Doch das Essen und die Hitze machen müde und so schlendern wir nur noch mit einem halben Ohr zuhörend durch den Samani-Park mit dem ältesten Gebäude der Stadt, das Ismail Samani Mausoleum, das aus einer besonderen Art von Lehmziegeln gebaut wurde, die in ihrer Herstellung zwei Jahre benötigten. Noch bis heute ist das Gebäude mit wunderschönen Verzierungen unrenoviert zu besichtigen, da die Qualität der Ziegel so gut ist. Da es sich um ein „Geheimrezept“ handelte, ist eine Nachahmung nicht möglich. Den Mongolensturm hat das Gebäude lediglich überstanden, da es die Bewohner komplett mit Sand bedeckt haben, mit dem es zur Hälfte noch bis in die 50er Jahre bedeckt gewesen sein soll.
Hier endet dann unser heutiger Rundgang, morgen haben wir ja noch einen weiteren Tag zur Verfügung und ich nutze die Gelegenheit zu einem kurzen Schläfchen und ein paar Zeilen auf dem Computer. Das Internetcafe um die Ecke ist nicht zu gebrauchen, ich benötige eine ganze Stunde, nur um meine Mails zu lesen, an ein Schreiben oder gar versenden von Daten ist nicht zu denken. Zum Abendbrot treffen sich die „Crews“ der nun zwei Fahrradgruppen und wir besprechen noch die Details für die nächsten Tage. Morgen werde ich versuchen einen Platz im schnellsten Internetcafe der Stadt zu bekommen und den ganzen Tag arbeiten müssen, schade ich wäre gern noch ein wenig in der alten Stadt herum gelaufen oder hätte ein paar Postkarten geschrieben, aber Arbeit geht halt vor.

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“Maulbeeren und Wiedersehen“

80 Kilometer, 177 Höhenmeter, 38 Grad

Bericht: Tom Krech

Der Morgen beginnt etwas chaotisch, denn obgleich die von der Polizei gestellte Wache im Camp direkt neben den Rädern schlief, ist in der Nacht im Lager geklaut worden. Ein Großteil der Küchenausrüstung ist weg, inklusive Kocher und Frühstückslebensmitteln, dazu ein nicht aufgebautes Duschzelt und der Toilettenspaten. Trotzdem zaubern Farhoud, unser usbekischer Führer und seine Mannschaft ein improvisiertes Frühstück. Von irgendwo werden zwei Kannen heißes Wasser und Tee organisiert, für jeden eine halbe Flasche Kefir und Butterbrote mit Käse oder Wurst. Eigentlich war ich so froh, ohne Polizei weiter fahren zu können, aber pünktlich zum Aufbruch stehen schon zwei Fahrzeuge abfahrbereit auf der Straße, ich bespreche mit Farhoud, dass wir spätestens in Buchara unsere Abfahrtszeit nicht verraten werden.
Im Zentrum des kleinen Städtchens ist viel los, Frauen in bunten Kleidern gehen auf Arbeit, auch viele Schüler und Studenten sind unterwegs und wir fühlen uns bei den viele Zurufen wie auf der Tour de France. Bei einem kleinen Stopp vor dem Markt um noch Gertränke zu tanken, sind wir sofort umringt und werden mit Fragen zu unserer Tour bestürmt.
Die Polizei verhält sich moderat, ein Auto ist weit vorn und das andere weit hinter her, aber nur, weil es Probleme mit dem Kühler gibt und der Fahrer aller 5 Kilometer Wasser nachfüllen muss.
Nur einmal geht es noch ein paar Kilometer durch die Wüste, doch am Horizont taucht schon wieder ein grüner Streifen mit Bäumen und dem nächsten Dorf auf. Heute Morgen ist es nicht ganz so heiß wie am Vortag und auf dem Fahrrad sehr angenehm, höchstens dreißig Grad; ich glaube wir sind schon gut an die Hitze angepasst. Im nächsten Dorf gibt es einen kleinen Kiosk mit leckerem Kwas, dem Brotgetränk aus Zentralasien. Vor dem Haus stehen große Maulbeerbäume und die ersten Früchte sind reif und wir dürfen uns bedienen. Weiße Maulbeeren sind eine von drei Sorten, es gibt noch schwarze und rote. Die hiesigen sind am verbraucherfreundlichsten, denn sie machen keine Flecken. Wie soll man den Geschmack beschreiben, die Beere sieht aus wie eine Himbeere, wächst üppig an Bäumen und schmeckt eben nach Maulbeeren.
Die Straßen haben bis jetzt bessere Qualität als in Turkmenistan, aber es gibt immer noch genug Schlaglöcher und Buckel, aber nicht mehr so groß, als dass man darin verschwinden könnte. Links und rechts gibt es kleine Dörfer mit fremden oder interessanten Namen, zum Beispiel „Madamboy“, allerdings sieht es nicht so interessant aus, als dass man abbiegen müsste.
Mittag machen wir in einer Teestube, es gibt viel eingelegtes Gemüse, Gurken und Tomaten, die Marinade ist topp und die Pickles können sich schon fast mit Spreewälder Varianten messen. Dazu gibt es eine dünne Suppe und Brot und etwas Fleisch, genau das richtige für einen heißen Tag.
Langsam wird der Verkehr etwas dichter, aber es ist harmloser als in allen anderen Großstädten, die wir bisher bereist haben und wir freuen uns, als am Horizont die ersten blauen Kuppeln der Moscheen auftauchen: Buchara liegt ganz nahe und wir sind schon knapp 6000 Kilometer bis hierher gefahren. Ich denke ein guter Teil unserer Truppe hat am Anfang noch daran gezweifelt bis hierher zu kommen und jetzt fahren wir in der gleichen Besetzung in die Stadt ein, mit der wir in Athen vor zweieinhalb Monaten gestartet sind.
Die Stadt ist nicht groß und es geht vorbei an alten und neuen orientalischen Bauten, dann quer durch den Basar für Touristen mit Teppichen, Kitsch und Nepp, bis zum Hotel, das in einer ruhigen Nebenstraße liegt. Erst bin ich etwas geschockt, da ich nur ein winziges Fensterchen nach draußen habe, aber es ist angenehm kühl, so dass ich nicht einmal die Klimaanlage anwerfen muss.
Es ist früher Nachmittag und Eckhardt wird von seiner Frau erwartet und Elisabeth, die von nun an mit uns reisen wird erwartet den „Rest“ „ihrer“ Gruppe, ich treffe auf Thilo von Biss-Reisen, der die Strecke durch Usbekistan organisiert hat und mit einer zweiten Gruppe parallel unterwegs sein wird. Aufgrund der Hitze ist jedoch erst einmal Siesta angesagt, bevor es um sieben Uhr mit dem gemeinsamen Abendprogramm der beiden Gruppen weiter gehen soll.
Im großen Pulk laufen wir dann durch den Touristen-Markt, vorbei an den alten, aber neu renovierten Karawansereien und in genau einer solchen haben wir einige große Tische bestellt. Bei verschiedensten Salaten und einer schönen Portion Mantui, den gefüllten Teigtaschen und diversen Bieren entspinnen sich schnell Gespräche zwischen den Teilnehmern beider Gruppen. Natürlich müssen wir von unseren Erlebnissen erzählen, den vielen Höhenmetern in Griechenland, dem Polizeischutz in der Türkei, den Essorgien in Georgien, der Überfahrt übers kaspische Meer und den Temperaturschwankungen von mehr als 40 Grad, vom Eisregen bis zu Temperaturen von 47 Grad im Schatten, die wir in den Wüsten Turkmenistans erlebt haben. Natürlich sprechen wir auch von dem, was vor uns liegt und was unsere Erwartungen und Hoffnungen für den weiteren Weg sind. So vergehen schnell drei Stunden, bevor es wieder zurück ins Hotel geht. Der Ausflug in einen Nachtklub oder eine Tanzbar ist nicht unbedingt der Höhepunkt, vor ein Uhr hat sich nicht viel bewegt, außer ein paar super blondierter nicht mehr ganz so junger Mädchen, aber einige von uns hielten bis drei Uhr durch und dann tobte der Tanzbär richtig auf der Tanzfläche, hauptsächlich zu russischer Popmusik.

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84 Kilometer, 299 Höhenmeter, 40 Grad

Bericht: Tom Krech

Auch heute wieder zeitiger Aufbruch, denn vor uns liegt die nächste Grenze und ein neues Land: Usbekistan. Doch bis dahin sind noch 60 Kilometer zu fahren und die sollten wir bis Mittag geschafft haben, da dann die Grenze eine lange Pause macht. Und hoffentlich ist es auch unser letzter Polizeieinsatz. Nach 20 Kilometern führt die Polizei uns durch die Stadt Tschardschou oder besser gesagt, einmal elegant am Zentrum vorbei, durch Nebenstraßen und Wohnviertel im sowjetischen Stil der 70er Jahre. Und natürlich bleibt wieder einmal keine Zeit zum Anhalten und Fotografieren.
Hinter der Stadt führt dann eine Pontonbrücke über den Amurdarja Fluss, die Verkehrssituation ist chaotisch, jeder Lkw verursacht Schwierigkeiten und muss über die Pontons, die sich unter der Masse der schwer beladenen 5-Achser, nach unten bewegen, gelotst werden, wobei dann entstandene Stufen zum nächsten Ponton überwunden werden müssen.
Auf der anderen Seite geht es dann im Zickzack-Kurs durch die Landschaft. Das GPS zeigt, dass die Grenze nur 10 Kilometer entfernt ist, aber große Haken schlagend führt der Weg dann 28 Kilometer bis dort hin. Gegen 11.30 Uhr, ein wenig später als geplant, da wieder einmal noch ein Plattfuß zu flicken ist, erreichen wir die Grenze. Dann schlängeln wir uns durch die lange Kolonne der LKWs bis nach vorn und dann geht es zuerst durch die turkmenische Grenze. Die Formalitäten gehen relativ zügig vor sich, aber wir müssen unser Gepäck stückchenweise immer weiter transportieren, erst durch die Passkontrolle, dann durch den Zoll, dann 100 Meter weiter bis zum Schlagbaum, an dem das Niemandsland beginnt. Dort können wir für 30 Dollar zwei Wagen leihen, mit denen wir das Gepäck und unsere Kisten mit den Ersatzteilen über diese zwei Kilometer transportieren. Inzwischen ist der Grenzbetrieb zum Erliegen gekommen, denn die Mittagspause hat begonnen, aber auf der usbekischen Seite findet sich dann doch schnell ein Beamter, der die Formalitäten mit uns erledigt. In der größten Mittagshitze heißt es dann wieder Gepäck vom Wagen, durch das erste Gebäude, 200 Meter über den Platz, alles durch den Zoll und noch einmal 250 Meter bis zum Begleitfahrzeug, eine mächtige Plackerei.
Was habt ihr denn in den Metallkisten, fragte mich einer der Zollbeamten und ich antworte lachend “atomare Sprengköpfe“, während wir die Kiste auf das Fließband des Röntgengerätes stellen. Der Zöllner lacht, stutzt aber, als dann viele dunkle Metallteile und spiralförmige Kabel auf dem Bildschirm auftauchen. Doch ein Blick in Kiste zeigt dann, dass es sich nur um ein Fahrradschloss und diverse Ersatzteile handelte.
Auf der anderen Seite begrüßt uns Fahrhoud, der unser Führer für die von biss-Reisen organisierte Etappe in Usbekistan sein wird. Schnell laden wir unser Gepäck auf den Bus und fahren 5 Kilometer weiter bis zu einer schattigen Stelle am Kanal, wo wir ein kleines Picknick machen und Gelegenheit haben ins Wasser zu springen. Ob man in der lehmigen Brühe sauberer wird ist natürlich fraglich, aber auf alle Fälle kühlt ein Sprung ins tiefe Wasser doch recht gut ab und gibt Gelegenheit, sich den Staub und Schweiß vom Körper zu spülen.
Gegen 16 Uhr haben wir dann Gelegenheit die ersten Eindrücke von Usbekistan zu sammeln. Wenig Fahrzeuge gibt es auf der breiten Straße, die Leute stehen am Straßenrand und winken uns lachend zu und wir scheinen die Wüste zumindest vorerst hinter uns gelassen zu haben, denn überall sind grüne Felder und kleine Dörfer. Als wir durch das kleine Städtchen Alat oder Olot rollen ist dort richtig Leben auf den Straßen und das ist sehr angenehm nach den langen Etappen in Turkmenistan, wo wir kaum Leute gesehen haben.
Etwas außerhalb des Städtchens sind die Zelte schon in einem großen Garten aufgebaut und der Plow ist schon fertig gekocht. Die Zelte stehen ordentlich in zwei Reihen, wie im Pionierferienlager und es gibt sogar ein Duschzelt. Dort hängt ein Wassersack und so kann man sich auch in einem moslemischen Land in der Natur eine Ganzkörperwaschung verpassen. Für den Abend besorgt uns Fahrhoud noch eine Runde Bier und gegen 21 Uhr verschwinden alle im Bett. Für mich dauert die Ruhe erst einmal nur eine halbe Stunde, da dann wieder einmal die Polizei im Lager erscheint und einen Blick in alle Pässe werfen will und viele Fragen nach der Struktur der Gruppe, der Reiseroute usw. hat. Zum Glück kann ich mit meinem lausigen Russisch verhindern, dass alle Leute noch einmal geweckt werden müssen, da sich herausstellt, dass der Polizeioffizier mit der Roten Armee in Ostdeutschland in Weimar bei den Panzertruppen eingesetzt war, also fast vor meiner Haustür. Danach reichen dann zwei Pässe zum Angucken und einige Notizen. Ein Polizist wird zum Bewachen der Räder abgestellt und muss neben den Rädern schlafen und dann hoffe auch ich auf eine ruhige Nacht.

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„Am Hitzepol Zentralasiens“

102 Kilometer, 320 Höhenmeter, 47 Grad

Bericht: Tom Krech

Heute wieder ein zeitiges Frühstück in den Sanddünen, wir wollen so zeitig wie möglich los, um so weit wie möglich zu fahren bis es heiß wird und dann lange eine große Pause machen.
Und so geht es am Anfang zügig durch die Sanddünenlandschaft. Hier in der Wüste, wo es keine Leute gibt, die an einem freien Oberkörper Anstoß nehmen könnten haben einige ihr fast Ganzkörperbräunungsprogramm begonnen und riskieren täglich eine halbe oder gar eine ganze Stunde den Kampf gegen die T-Shirt Streifen am Oberarm.
Schon gegen 10 Uhr erreichen wir Repetek. Wenn man einen Blick auf eine Karte Asiens oder Zentralasiens wirft, dann ist auf jeder der Ort Repetek verzeichnet, egal wie lausig der Maßstab ist. In der Realität besteht Repetek lediglich aus einer Teestube sowie zwei Wellblechhütten dahinter und einem Toilettenhäuschen 50 Meter weit in der Wüste. Dazu kommt dann einen Kilometer weiter weg ein Museum zum Biosphärenreservat, das sich hier in der Wüste findet. Neben dem Museum leben ein paar müde Gazellen hinter Gittern und ein trauriger kleiner Wüstenfuchs, dessen Eltern vom Truck überfahren worden sind, sowie eine Schar gackernder Hühner und ein paar Stallhasen. Alle anderen Tiere waren ausgestopft oder in Alkohol eingelegt und erinnern an das Biologielaboratorium in meiner Grundschule, mit dem angestaubten Charme der siebziger Jahre. Interessant ist, dass wir hier am heißesten Ort in Zentralasien sind, Temperaturen von über 55 Grad im Schatten sind hier leicht möglich und in der Sonne werden fast 80 Grad erreicht. Die wenigen Tiere, die hier in der Wüste überleben sind extrem angepasst, sie graben sich in den Sand ein oder brauchen kaum Wasser. Am gefährlichsten sind nicht die Skorpione, sondern eine kleine schwarze Spinnenart, zehn Mal giftiger als eine Schwarze Witwe, eine Minute nach dem Biss ist der Mensch tot.
Und wirklich, es ist unglaublich heiß hier draußen, auf dem Rad geht es gerade noch so, da der Fahrtwind ein wenig kühlt, doch sobald man absteigt bricht sofort der Schweiß aus. Also bleiben wir in der Teestube in Repetek und trinken die wenigen lauwarmen Getränke aus der Kühltruhe leer und essen eine dünne Suppe mit Brot, zu mehr hat sowieso kaum jemand Appetit. Dann belegen wir die Liegegestelle und halten Siesta bis die Sonne nicht mehr ganz so hoch am Firmament steht.
Dann haben wir wieder eine schöne Fahrt in der späten Nachmittagssonne, reparieren noch einmal einen Plattfuß und schlagen unser Camp ein paar Kilometer vor Tschardschou auf, worüber es dann wieder lange Diskussionen gibt, da in der allerersten Variante hier ein Hotel vorgesehen war. Ich entschließe mich heute auf dem großen Teppich zu übernachten, was allerdings eine Fehlentscheidung war, da es nur so von stechwütigen Mücken wimmelt und so mache ich kaum ein Auge zu und versuche die Sterne am Himmel zu zählen.

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