Monatsarchiv für Mai 2008

Bericht von Tom Krech 

Gegen 7 Uhr verlassen wir unsere Hotel-Katastrophe und frühstücken, dann geht es in Richtung Grenze, die wir schon zeitig erreichen. Die Tadschiken lassen uns ohne Problem heraus und auch den usbekischen Stempel haben wir zügig im Pass. Nur beim usbekischen Zoll gibt es Probleme, hier muss die Zollerklärung peinlichst genau und in doppelter Ausführung ausgefüllt werden. Dann wird genauestens kontrolliert, jeder Cent und Dollar wird nachgezählt und viele Koffer müssen bis auf den Grund ausgepackt werden, reine Schikane der gelangweilten Beamten.
Ein anderer Deutsche Radfahrer, ein ehemaliger Teilnehmer der litauischen Gruppe sitzt hier an der Grenze fest und kommt nicht vorwärts oder rückwärts. Er hat nur eine Kopie des Gruppenvisums und ist zudem in Tadschikistan über die „grüne Grenze“ eingereist und hatte demnach keinen Eingangsstempel. Ich muss dann eine ganze Weile dolmetschen und schließlich bieten die Grenzer an, dass er nach Tadschikistan zurück könne, obwohl er dort schon ausgestempelt sei, um sich im usbekischen Konsulat in der nächsten größeren Stadt ein neues Visum für Usbekistan ausstellen zu lassen. Ihm missfällt aber die Idee wieder zurück zu fahren und so kann ich auch nicht viel weiter helfen.
Uns erwartet dann an der Grenze eine freudige Überraschung, Volker, einer der beiden „China by Bike Chefs“ erwartet uns schon ungeduldig. Er hat Mitbringsel für fast jeden von uns dabei, sowie die Zweitpässe mit dem 80 Tage Visum für China, die nach den Unruhen in China nur mit Mühe zu bekommen waren. Ich bin glücklich darüber, dass er die Tasche voller Teile hat, die uns für die Reparatur des Ersatzrades und die Beseitigung des Provisoriums am Rad von Andre behilflich sind.
Vier Stunden sind an der Grenze vergangen, bis wir den Bus wieder beladen und weiterfahren können. Alle haben Hunger, doch bis zum nächsten Restaurant sind es noch gute 20 Kilometer.
Da wir uns dem Fergana Tal nähern, welches der am dichtesten besiedelte Teil von Usbekistan ist, radeln wir von Dorf zu Dorf, vorbei an intensiver Landwirtschaft mit vielen Getreidefeldern und Plantagen. In den Dörfern reiht sich Gehöft an Gehöft und manchmal kann man einen Blick durch die schönen Holztore werfen und einen kleinen Eindruck von den kühlen uns schattigen Hinterhöfen erhaschen, die von Weinranken beschattet werden.
In einem Dorf namens Yaypon haben wir heute eine Übernachtung in einem solchen Gehöft, der riesige Hof mit vielen Zimmern bietet Platz für alle. Während die meisten in der Gruppe den Hof und die umliegenden Gebäude mit reichen Holzschnitzereien bewundern, mache ich mich mit Andre an die Arbeit und wir reparieren die Räder, was uns auch gelingt. Der defekte Vorbau kann gewechselt werden und wir haben Glück, denn der Steuersatz war nicht wie eigentlich vermutet ausgeschlagen, aber wir haben jetzt wieder die entsprechenden Teile, um ihn wieder richtig fest zu ziehen.

Nach dem Abendessen mit einem reichhaltigen Plow feiert die Familie noch mit uns die Rückkehr der frisch vermählten Tochter des Hauses. Sie hatte vor einer Woche geheiratet und nach usbekischer Tradition sind die Neuvermählten dann eine Woche im Haus des Bräutigams und kommen dann das erste Mal nach einer Woche wieder nach Hause.
In jedem Zimmer ist eine „gemischte“ Party, das halbe Dorf ist anwesend, um die Braut zu begrüßen und natürlich auch, um die Radler zu bestaunen.
Erst gegen Mitternacht kommen wir ins Bett und ich bevorzuge draußen auf der Veranda die Kurpatschas an der frischen Luft, wo ich nach der schauderhaften letzten Nacht wunderbar schlafe.

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von Khudzant nach Kanibedam

Bericht von Tom Krech

Eigentlich wollen wir etwas eher los, da die Kilometerangaben zwischen 70 und 120 schwanken, aber wie fast immer wird es eine halbe Stunde später und auf der Ausfallstraße ist dann gleich wieder Pause. Alle Autos stehen still, vorne ist eine Sperre und niemand darf durch, da wohl der Präsident auf dem Weg zum Flughafen ist.
Nach einer knappen Stunde jedoch wird die Sperre freigegeben und die Blechlawine setzt sich wieder in Bewegung und es geht heraus aus der Stadt. Wir haben mächtig Glück und starken Rückenwind und so kommen wir zügig voran. Dann taucht auch schon links der Straße ein großer See auf, der immer wieder seine Farbe zu wechseln scheint und danach ist es nur noch ein Katensprung bis Kanibadam, wo wir schon gegen 13 Uhr eintreffen.
Nach dem Mittagessen ziehen wir in unser „Hotel“, welches eine Katastrophe ist. Wasser gibt es in der ganzen Stadt nicht und natürlich auch nicht in der Absteige. Die erste Etage ist komplett gesperrt und nur einige Zimmer in der zweiten Etage dürfen benutzt werden. Schlösser und Türen sind grundsätzlich kaputt, die einzige Toilette, ein Plumpsklo befindet sich über dem Hof, blank liegende Elektrik und Gestank aus allen Ecken. Dabei muss es sich 1966, als das Gebäude neu war, um ein nettes Hotel gehandelt haben. Jedes Zimmer war in einer anderen Farbe und mit einem anderen Tapetenmuster bemalt, Relikte von Teppichen liegen noch herum und Stuck an Decken und Wänden sind stumme Zeugen wesentlich besserer Zeiten, Ulli rennt mit Begeisterung von Zimmer zu Zimmer und fotografiert den farbigen Verfall. Hinten im Hof gibt es sogar ein zugewachsenes Schwimmbecken.
Weiter fahren können wir aber auch nicht, da hinter der Stadt gleich die Grenze ist und auch der Lkw einen flachen Reifen hat, der dringend repariert werden muss. Also müssen wir im Hotel „Ruhe“ bleiben, warum dieses Hotel so heißt, lässt Spekulationen zu, vielleicht weil das Hotel so ruhig ist, da seit langem niemand mehr hergekommen ist oder aber weil die beiden älteren Damen, die zur Grundausstattung des Gebäudes gehören, ihre Ruhe haben wollen.

Die Gruppe nimmt es erstaunlich gelassen und entwickelt Galgenhumor und so ziehen wir erst einmal in den Biergarten und versuchen uns die Unterkunft schön zu trinken. Bei mir endet das jedoch damit, dass ich müder werde und vor dem Abendessen noch eine Stunde schlafe. Dann ziehen wir wieder ins Restaurant gegenüber für eine Krautsuppe, Salate und Hammelfleischspieße und der Abend zieht sich in die Länge, da keiner ins Hotel zurück will.
Als ich dann in mein Zimmer zurückkomme, liegt dann auch schon ein betrunkener Tadschike in meinem Bett und versucht sich gerade in meinem Schlafsack einzumummeln. Mit vereinten Kräften befördern wir den Mann aus dem Bett und schicken ihn in Richtung frischer Luft, die ich in meinem Zimmer definitiv nicht habe.

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Bericht von Tom Krech 

Besonders gut habe ich nicht geschlafen, da es im Zimmer sehr warm war, dafür ist das Frühstück sehr reichlich und angenehm. Gegen 9 Uhr ziehen wir dann los in Richtung Zentrum, doch wir stoppen gleich um die Ecke. Dort wächst ein Baum, der mehr als 2000 Jahre alt sein soll, 9 Leute brauchen wir, um ihn zu umspannen. Gepflanzt worden sein, soll er von Alexander dem Großen, am Ufer des Syrdarya, dessen Flussbett damals noch hier entlang verlief.
Die kleine Gasse mit den niedrigen Höfen hinunter, gibt es noch eine Backstube mit frischem Fladenbrot, das hier besonders lecker ist, da das gebackene Brot mit verschiedenen Gewürzen wie Kreuzkümmel oder Koriander bestreut wird.
Der Basar ist grandios. In der überdachten Halle werden Lebensmittel verkauft. In der Mitte zieht sich wie eine Schlange eine lange Bank entlang, an der Brot verkauft wird und links und rechts davon gibt es verschiedenen Abteilungen mit Eiern, Honig, Kräutern und Gemüse und fast ein Viertel der Halle gehört den Gewürzhändlern. Oben in der Galerie sitzen die Kleinwarenhändler mit Billigwaren aus China und daneben gibt es die Drogeristen mit Seife, Parfüm und Waschmitteln.
Zwischen den Ständen sind Computer aufgebaut und hier kann man sich CDs und DVDs auf Bestellung zusammenstellen lassen, die Schwarzbrenner sind mächtig am werkeln, auf jedem der Bildschirme sind mehrere Brenn- und Kopiervorgänge offen.
Um die Basarhalle dann noch mehr Stände mit Schuhen oder Seilen und eine ganze Ecke gehört den Kebapständen, die gerade alle ihre Grills anwerfen und den halben Basar in dichte Rauchschwaden hüllen.
Neben dem Basar ist ein riesiger Platz und auf der anderen Seite stehen die alte und die neue Moschee. Zum Ramadan und selbst am Wochenende versammeln sich hier bis zu mehrere zehntausend Gläubige, um ihre Gebet zu verrichten. Wir erleben die Moschee jedoch in angenehmer Stille und es ist angenehm kühl innen, während draußen die Sonne unbarmherzig hart sticht. Und wie immer an solchen ruhigen Ruhetagen hat niemand Lust noch ins Museum zu gehen. Ich bummele noch ein wenig die Hauptstraße entlang und finde dort ein Internetcafe. Doch die Geschwindigkeit reicht gerade einmal, dass ich meine Mails lesen und ein paar davon beantworten kann, um Blog und Bilder zu aktualisieren, müsste ich wohl mit Isomatte und Schlafsack hier einziehen, wofür keine Zeit ist, denn es gibt für mich noch genug zu tun.

Nachdem die meisten 6000 Kilometer gefahren sind habe ich mich entschlossen, Ketten und Ritzelpaket hinten zu wechseln, etwas was ich lange nicht mehr getan habe, aber mit etwas Ruhe und der Unterstützung von Richard und Rene ist das erste Rad bald geschafft. Dann kommen auch noch Robert und Frank dazu und wir können immer schneller arbeiten, einer nimmt das Rad heraus und zieht mit der Kettenpeitsche und Zange den Block ab, ein anderer öffnet die alte Kette und löst aus der neuen zwei Glieder heraus, ein dritter putzt noch einmal die Teile, an die man sonst schwer herankommt und dann kommt der neue Block auf die Achse und die neue Kette wird eingefädelt und geschlossen. Bei den letzten Rädern brauchen wir gerade einmal vier Minuten 30 Sekunden für den gesamten Wechsel.
In der kleinen Sommerküche am Hof wird von den Frauen des Hauses am offenen Feuer schon der Plow für heute Abend bereitet. Dazu gibt es einen großen Salat und dann zeige ich der Familie noch ein paar Bilder von unserer Tour. Schlanker sind wir geworden, zeigen die Vergleichsbilder aus Griechenland ganz deutlich und viele schöne Sachen haben wir unterwegs gesehen und erlebt.

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von Istaravshan nach Khudzant, 98,5 Kilometer, 538 Höhenmeter 

Bericht von Tom Krech

An Swetlanas leckeren Griesbrei, den es fast jeden Tag zum Frühstück gibt, haben wir uns inzwischen gewöhnt. Gegen 9 Uhr sitzen wir dann auf den Rädern und sammeln die vier Teilnehmer ein, die ich in dem anderen Hotel einquartiert hatte. Dann geht es auf guter Straße aus der Stadt heraus in Richtung Khudzant, wo uns dann ein Ruhetag erwartet.
Hinter uns liegen im Dunst die Schneeberge, von denen wir uns vorerst verabschieden und es geht durch eine fruchtbare Ebene. Obwohl es nicht zu heiß ist brennt die Sonne stark und nach dem schweren Pass vor zwei Tagen scheinen alle noch etwas müde.
In dem kleinen Städtchen, in dem wir Mittag machen wollen, ist dann das Fahrzeug verschwunden und es dauert eine gute Weile bis wir Vierdaus wieder gefunden haben. Das Teehaus ist noch staatlich geführt und erinnert an die ehemalige Sowjetunion, das Personal ist an freundlichem und schnellen Service nicht interessiert und man hat den Eindruck, dass Gäste eher unerwünscht sind. Auch das Essen hat dann eher Kantinenformat.
Nach der Stadt geht es dann über eine katastrophal holprige Piste, die sich dann komplett auflöst und in eine Baustelle übergeht. Der starke Verkehr und die Lkws wirbeln so viel Staub auf, dass man manchmal nicht die Hand vor Augen sieht und in der Hitze entsteht im Gesicht und am ganzen Körper eine schöne Kruste aus Schweiß, Salz und Staub. So kämpfen wir uns dann bis wenige Kilometer vor der Stadt, wo die Straße wieder erträglich wird.
Als wir in unserem Quartier ankommen, gibt es dort nur vier große Zimmer und die Stimmung sinkt auf den Nullpunkt. Bei den Nachbarn sind auch nicht, wie eigentlich abgesprochen, Zimmer aufzutreiben und die Lage in den Hotels ist kritisch. Morgen kommt der Präsident zu Besuch und alle erträglichen Hotels sind ausgebucht bis auf die letzte Besenkammer. Ich werfe mich in ein Taxi und klappere fünf Hotels ab. Nur das sozialistische Hotel Leninabad hat noch Zimmer in dem 18 stockigen Gebäude. Da der Fahrstuhl seit Jahren nicht funktioniert, werden nur drei Etagen bewirtschaftet und in denen möchte ich nicht einmal als Ratte leben. Die Zimmer sind wanzig und angeranzt, in manchen gibt es sogar Wasser, aber das Badezimmer sieht aus wie eine nordkoreanische Folterkammer in einer amerikanischen Billigproduktion. Auf dem Rückweg kaufe ich dann sicherheitshalber größere Mengen Bier für die Gruppe, es ist bereits 20 Uhr, keiner ist geduscht und wir werden in dem Guesthaus bleiben, auch wenn die Zimmer nicht reichen.

Die Familie ist allerdings super nett und wir versuchen alle, das Beste aus der Situation zu machen, es gibt noch ein spätes Abendbrot und alle gehen der Reihe nach unter die Dusche und dann rollen wir in den Zimmern die Schlafsäcke aus.
Da es keine andere Möglichkeit gibt, werden wir morgen auch hier bleiben und hier unseren Ruhetag verbringen, was nur gelingt, da die Familie so nett ist. Swetlana erzählt mir, dass die Hotelsituation wegen des Präsidentenbesuches, eigentlich schon seit Februar bekannt ist, eine Verlegung der Route wäre also ohne weiteres möglich gewesen. Und das sind diese Mängel auf der Strecke, die wir gestern schon diskutiert haben und die viele schöne Impressionen wieder zunichte machen.

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von Shakristan nach Istravshan, 48 Kilometer, 147 Höhenmeter, 15 bis 30 Grad 

Bericht von Tom Krech

Gemütliches, ausgiebiges Frühstück mit leckerem Griesbrei steht heute als erstes auf der Tagesordnung, obgleich uns wiederum nur ein kurzer Tagesabschnitt erwartet. Auf der superchinesischen Piste rollt es sich ganz ausgezeichnet talabwärts, bis dann der Asphalt wieder aufhört und sich die Straße in eine Staubpiste verwandelt. Wenn ein Lkw vorbeizieht stehen wir in einer dicken Staubfahne und ich kann meinen Vordermann, der nur 10 Meter entfernt von mir ist, nicht mehr sehen. An einer Abzweigung sind wir dann wenigstens den Verkehr los, denn die Straße ist für Fahrzeuge gesperrt, aber der Chinese, der den Eingang „bewacht“ lässt uns passieren und verspricht uns auch, dass nach 500 Metern der Belag wieder besser wird. So ist es dann auch und wir haben dann die halbfertige Schnellstraße ganz für uns alleine.
Leider klappt dann der Treffpunkt mit dem Begleitfahrzeug nicht so wie geplant, da nicht ersichtlich war, wo die Umleitung wieder auf die Hauptstraße trifft und so stehen wir dann mitten in der Stadt und beschließen, direkt zum Hotel zu fahren. Dort versuche ich dann Fierdaus anzurufen, komme aber nicht durch. Doch ein Taxifahrer vor dem Hotel erzählt mir, dass der Truck nur einen Kilometer entfernt an einer Kreuzung steht und so sind wir dann gegen 12 Uhr alle im Hotel.
Hoteltechnisch sind wir jetzt in Mittelasien angelangt, die Absteige ist mehr als lausig und um die bestellte Zimmeranzahl muss ich lange verhandeln. Auch hier war man geneigt, die Einzelzimmerleute in Vier-Bett-Zimmer zusammenzulegen. Für vier Leute organisieren wir dann Zimmer in einem anderen Hotel, nicht weniger schrecklich, aber wenigstens hat niemand ein Zimmer, das zur Hauptstraße hinausgeht. Eine Stunde später sind dann auch die Wasserhähne und Abflüsse so, dass man sich in den meisten Zimmern duschen kann.
Nach dem dann doch schon etwas späten Mittagessen ist leider der große Basar schon nicht mehr groß, die meisten Stände sind schon abgebaut und der Platz ist an einigen Stellen schon regelrecht verwaist. Außerdem ziehen sich dunkle Wolken zusammen und es fängt mächtig an zu rumpeln, ein Vorgeschmack auf unsere große Diskussionsrunde, die uns heute Abend noch erwartet. Also gehe ich zurück ins Hotel und schlafe noch ein Stündchen und schreibe dann noch ein paar Zeilen für mein Blog.

Am Abend hat Swetlana dann einen großen Plow und viel Salat gezaubert, bevor wir dann die aktuellen Probleme diskutieren.
Viel Ärger entstand dadurch, dass für den Pass ein zweites Fahrzeug versprochen worden war, welches dann aber nicht da war und welches uns gestern die leidige Abendbrotdiskussion erspart hätte, auch die Qualität der Zelte entspricht auch hier kaum dem, was man hätte erwarten können. Wir hoffen jetzt, dass wir dann für die schwere Etappe in Kirgisien ein zweites Fahrzeug bekommen, so dass wir flexibler fahren können und Wartereien vermeiden können. Auch sind einige genervt, dass die Strecken von den Lokalanbietern nicht noch einmal überprüft worden sind, das heißt es ist nicht bekannt, in welchem Zustand sich die Straße befindet, oder wo geeignete Plätze zum Zelten sind, oder dass lange Wartereien im Hotel entstehen, weil die Zimmer scheinbar anderweitig vergeben worden sind.
Ich denke die meisten Probleme werden sich für den nächsten Abschnitt lösen lassen, bete aber nur, dass die Ersatzteile für Andres Rad in drei Tagen hier sind, ansonsten ist der nächste Ärger vorprogrammiert, denn der Lenker wackelt schon beachtlich und wir können ihn erst auseinander nehmen, wenn die neuen Lager da sind.
So geht unsere Diskussion noch eine ganze Weile , bis es Zeit ist, ins Bett zu gehen.

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64 Kilometer, 2058 Höhenmeter, 12 bis 25 Grad, Shakristan-Pass: 3378 Meter über dem Meer

Bericht von Tom Krech

Schon um 5 Uhr ist heute in der Morgendämmerung Wecken angesagt, eine Stunde später gibt es ein kleines Frühstück und dann geht es los in Richtung des höchsten Passes auf unserer Tour. Erst einmal geht es ins Dorf zurück bis zur Kreuzung und dann hinab zur Brücke über den Fluss. In einem kleinen Laden besorge ich mir noch Energie: Eine Cola und ein paar Snickers, das sollte bis zum Pass wohl reichen. Die Straße beginnt als schreckliche Holperpiste, doch dann passiert ein Wunder: Asphalt in bester Qualität. Trotz der 6 % Steigung kommen wir schnell vorwärts und erreichen schon bald die erste Teestube.
Die meisten entschließen sich jedoch gleich weiter zu fahren, um die angenehme Kühle des Morgens auszunutzen und Höhe zu gewinnen. Um uns herum ein berauschendes Panorama mit Schnee bedeckten Gipfeln in alle Richtungen. Ganz weit oben erspähe ich einen Bergrücken mit einem kleinen Einschnitt, dies könnte der Pass sein, über den wir wollen. 5 Kilometer nach der Teestube hört dann der Asphalt leider wieder auf und es geht weiter auf einer recht ordentlichen Schotterpiste. In einigen Serpentinen gewinnen wir ordentlich an Höhe und von oben sehen die letzten Radler aus wie kleine Ameisen an einem hoffnungslosen Berg. Trotz meiner beiden schweren Packtaschen komme ich gut vorwärts.
Unsere Übernachtung lag bei 1400 Höhenmetern und gut 1000 Meter höher wartet das Auto das erste Mal auf uns und es gibt noch einmal etwas zu trinken und einen ersten Riegel. Die Gruppe ist gar nicht so weit auseinander, wie ich gedacht hätte, unsere drei schnellsten Radler sind schon vorneweg und ich warte noch auf die folgende Gruppe.
Lang und nicht zu steil zieht sich die Piste am Gebirgszug entlang, hinein in ein Seitental. Dort wird es etwas steiler und feuchter und stellenweise schlammig. Auf einem Zwischenplateau eine große Baustellen, ein paar Bauhütten, rote Lampingnons, wie vorm Chinarestaurant und ein paar chinesische Parolen an der Tunnelbaustelle. Die Chinesen wollen hier bis 2015 die Infrastruktur wieder gut aufrichten und sind kräftig am Werkeln. Natürlich ist das Hallo auf beiden Seiten groß, als wir dort ankommen und von unserer Fahrradtour erzählen. Viel Zeit zum Plauschen bleibt nicht, denn noch liegen 700 Höhemeter vor uns und die gehen erst Mal noch zwei Kilometer durch Schlamm und Modder. Und die ersten Eisfelder befinden sich links und rechts der Straße und jedes Mal verspüre ich einen kühlen Hauch, wenn ich daran vorbeifahre. So einige Fahrzeuge sind hier mit Pannen auf der Strecke geblieben und ein großer Lkw liegt hilflos auf der Seite und der Fahrer liegt auf einer Schlafmatte daneben und kann nichts weiter tun, als auf einen schweren Kran oder ähnliches zu warten.
Etwas weiter oben wird es dann wieder trockener und die Piste wieder angenehmer und so langsam zeichnet sich ab, wo wir darüber hinweg müssen. Meine Vorahnung bestätigt sich, aber wir sind dem Pass jetzt natürlich schon beträchtlich näher.
Nur zweihundert Höhenmeter vor dem Pass muss ich dann unbedingt eine Pause machen, ich habe gewaltigen Hunger und so mache ich mich über meine Kekse und meine Cola her. Danach geht es dann mit frischem Schwung bis nach oben. Auch wenn es oben nach nichts Besonderem aussieht und nur eine kaputte Planierraupe und ein stinkendes Toilettenhäuschen auf mich warten ist es schön, endlich oben angelangt zu sein. Das mickrige Schild zeigt 3378 Meter Höhe über dem Meeresspiegel.
Leider ist das Panorama nicht so toll, da sich die Berggipfel zugezogen haben und eventuell wird es sogar noch etwas Regen geben. Es ist nicht so kühl, wie ich erwartet habe, aber der Wind pfeift mächtig und ich packe mich schon einmal für die Abfahrt ordentlich ein in meine Regensachen und suche meine Mütze heraus.
Inzwischen trifft einer nach dem anderen oben ein, alle sind total fertig, aber auch glücklich auf dem höchsten Punkt und einem Höhepunkt unserer Reise angekommen zu sein. Irgendwann kommt auch das Fahrzeug, in dem ganz unglücklich Hubert und Rosemarie sitzen. Beide haben sich am Vortage einen schrecklichen Durchfall eingefangen und haben auf halber Strecke aufgeben müssen. Ohne Frühstück und Möglichkeit, Energie zu tanken und von Magenkrämpfen gequält, war der heutige Tag für die beiden nicht zu schaffen. Vor allem Hubert hatte sich gestern noch riesig auf die heutige Etappe gefreut.

Die Abfahrt ist nicht ganz so holprig wie die Auffahrt, aber wohl im Winter nicht ganz ohne, wie zahlreiche Autowracks rechts tief unten im Tal beweisen, Überlebenschance der abgestürzten Fahrer dürfte wohl bei Null gelegen haben.
Auch für mich ist es anstrengend über die Holperpiste zu stoppeln. Nur mit Mühe lassen sich die Finger an der Bremse halten und ich werde ordentlich durchgeschüttelt und bin froh, dass es 700 Höhenmeter weiter unten ein Teehaus gibt, mit Suppe und Schaschlik und einem Bier zur Belohnung für die Mühen des Passes.
Hier fängt es jetzt ein paar Mal an zu tröpfeln und wird empfindlich kühl, dass ich sogar meinen Faserpelz herausholen muss. Bis die letzten den Pass erreichen, wird wohl noch eine Weile vergehen, doch die Gegend um das Teehaus ist sehr schön und einige gehen spazieren, oder wie Marlies botanisieren, die einige „neue“ Pflanzen entdeckt, das „Marliesröschen“, das „Marlieskraut“, „Marliesdorn“ und vieles andere. Andere sind unzufrieden, weil sie so lange warten sollen, aber ich denke, alle haben diesen Tag lang erwartet und sich darauf gefreut und natürlich ein Recht darauf, den Pass auch zu fahren, nach eigenem Ermessen und Können.
Auch Ulli schafft den Pass schließlich aus eigener Kraft und kommt gegen 15 Uhr am Teehaus an, total fertig, aber überglücklich hat er es geschafft, derjenige, der vorher noch nie eine Radtour gemacht hatte.
15 Kilometer geht es noch ins Tal, das wunderbar grün ist und ein Wunder geschieht, die letzten Kilometer ist die chinesische Straße schon fertig und wir fahren, nein wir schweben über die glatte Piste, es geht gut bergab und man braucht nichts zu tun außer das Rad laufen zu lassen und die Wiesen und Weiden rundherum zu genießen. Nur ein paar grimmig kläffende Köter verlangen hin und wieder besondere Aufmerksamkeit.
Leider ist die Wiese, die Fierdaus sonst immer zum Zelten nimmt, umgegraben und überflutet und es dauert eine Viertelstunde, bis wir einen neuen Platz gefunden haben und schon gibt es wieder neuen Stress, als Swetlana zu Kochen anfangen will. Es ist jetzt gerade einmal 18 Uhr und das Essen wäre so gegen 20 Uhr fertig, für einige von uns zu spät. Deshalb beschließt ein großer Teil der Gruppe, lieber im nahen Teehaus zu essen, wo es die übliche Suppe mit Kartoffeln und fettem Fleisch gibt und fettes Grillfleisch dazu, welche Alternative und ich höre schon im Geiste in der nächsten Woche die Diskussion, warum wir immer nur das gleiche essen müssen.
Nur Heino und ich bleiben im Lager, einmal, um auf die Räder aufzupassen, zum anderen um mit Swetlana Gurken und Tomaten zu schnitzeln und ich darf dann einen leckeren Salat zaubern. Dazu gibt es dann einfach Pellkartoffeln und das unter einem bezaubernden Sternenhimmel und einem das Tischtuch beleuchtenden Halbmond und Swetlana, Heino, Fierdaus und ich erzählen uns Geschichten aus unserem Leben und von Reisen, die wir schon gemacht haben und die wir noch machen wollen.

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44 Kilometer, 870 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Buchweizengerste wäre zu Hause in Berlin nicht unbedingt meine erste Wahl als Frühstück, aber hier in der Pampa schmeckt es doch recht gut, zumal, wenn es dazu noch Brot und Butter und ein wenig Käse und Salami gibt.
Dann geht es weite im Wunderland. Entlang des Flusses geht es immer wieder straff bergauf und dann wieder bergab, so dass wir nur langsam an Höhenmetern gewinnen. Doch auch heute haben wir nicht viel zu fahren und so können wir dies gelassen nehmen und den Tag und die Landschaft genießen. In den kleinen Dörfern werden wir wieder von allen Seiten begrüßt und angesprochen. Zwischen den Dörfern fahren wir im engen Flusstal entlang und es ist sehr trocken und es gibt nichts außer Steinen. Aber diese sind imposant und ragen hunderte von Metern hinauf und sind sorgsam in Sedimenten geschichtet. In jeder Flussbiegung kommt dann ein Flüsschen aus den Bergen und dort gibt es dann viel Grün von Nussbäumen und Maulbeerbäumen, kleinen mit Steinwällen umfriedete Felder und Gehöfte aus Lehm. Unterwegs ist die Straße versperrt von einer gigantischen Schaf- und Ziegenherd, ich denke zwei tausend Tiere werden die Straße herunter getrieben.
Die Straße ist in absolut schauderhaftem Zustand und nur an wenigen Stellen befindet sich zwischen den riesigen Löchern ein Stückchen Asphalt. Aber der tadschikische Staat verspricht Abhilfe, es läuft ein chinesisches Straßenbauprogramm, welches bis 2015 abgeschlossen sein soll. Derweil müssen wir uns erst einmal noch hier entlang mühen und genießen den Ausblick auf die Hängebrücken über den reißenden Fluss.
Mittag machen wir in einem Teehaus an einem Sturzbach aus den Bergen. Obwohl es nur wenig Verkehr gibt, sammeln sich hier doch ein paar Fahrzeuge. Wieder einmal gibt es eine reiche Suppe und Brot und dazu noch einmal Buchweizen. Im Laden nebenan gibt es eine tadschikische Cola, die man im Bach kühlen kann und nach 20 Minuten im Wasser ist das Getränk sogar genießbar.

Bis nach Aini sind es dann noch einmal 15 wunderschöne Kilometer, hier gabelt sich die Straße und rechts geht es dann nach Dushanbe und nach links nach Tashkent. Auf beiden Straßen liegt dann jeweils ein 3000er Pass dazwischen. Den Ansob-Pass nach Duschanbe bin ich vor 15 Jahren schon gefahren und morgen erwartet uns der Shakristan Pass mit 3378 Metern über dem Meeresspiegel.
Da sich in den Bergen dunkle Wolken zusammen ziehen haben einige schon wieder Angst vor dem morgigen Tag und hinterfragen unsere Transportstrategie. Doch wir fahren dann erst einmal in den Ort und finden dort einen schönen Garten, in dem wir unser Lager aufstellen können. Irgendwo in den Bergen hat es geregnet und ein wenig gewittert und nach einer halben Stunde kommt die Sonne wieder hervor. Hinter dem Zeltlager fließt ein kleines Bächlein, an dem man sich hervorragend waschen kann, die Frauen bevorzugen allerdings das Duschzelt. Ich geselle mich mit einer Flasche Bier zu Swetlana in die Küche und wir schnipseln das Gemüse für den Borschtsch. Nach dem die Arbeit getan ist sehen wir nun noch ein paar Bier teilend einem zeitigen Abendbrot und einer zeitigen Nachtruhe entgegen, denn es ist bestimmt keine schlechte Idee morgen schon gegen 6 Uhr loszufahren.

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Freitag, der 9.Mai 2008: von Samarkand über die tadschikische Grenze nach Pendshikent 

 80 Kilometer, 531 Höhenmeter, bis 32 Grad

Bericht von Tom Krech

Am Morgen regnet es in Strömen und beim Frühstück dann ein wenig weniger. Das Resultat ist, dass gleich einige unserer heldischen Radfahrer auf den Bus umsteigen wollen. Ich verschiebe erst einmal die Abfahrt noch um eine knappe Stunde, denn am Himmel zeigen sich Lichtblicke und ich denke, dass es über kurz oder lang wieder aufhört zu regnen. Genauso ist es dann auch, als wir um 10 Uhr loskommen regnet es nicht mehr und außer unseren zwei Magen-Darm-Geschädigten sitzen alle auf dem Rad. Noch einmal geht es vorbei an den Medressen und Mausoleen von Samarkand, für ein Gruppenfoto bleibt keine Zeit, da wir wieder einmal von der Polizei begleitet werden. Außerhalb der Stadt sorgt diese dann auch für mehr Stau als Ordnung, da sie den Verkehr für uns fast komplett lahm legt und eine lange Schlange von bis zu 80 Fahrzeugen hinter uns herzuckeln muss. Ab und zu lasse ich dann die Gruppe ganz weit rechts fahren, damit sich der Stau auflösen kann, aber mit entspanntem Radfahren hat das Nichts zu tun. Nach 25 Kilometern machen wir in einem kleinen Dorf am Markt eine kleine Pause. Aus einem Lehmofen kommen frische gefüllte Teigtaschen mit Zwiebel-Lammfleisch-Mischung, eine Ergänzung zu dem wie üblich mageren Frühstück. Wenig später erreichen wir dann die Grenze, die völlig unspektakulär anmutet. Es gibt keinerlei Fahrzeugschlangen und es sieht auch nicht wirklich so aus, als ob irgendjemand außer uns die Grenze überschreiten möchte. Auf der usbekischen Seite gibt es wenigstens noch eine Abfertigungshalle und ein Röntgengerät, das allerdings für uns nicht in Betrieb genommen wird, was den Vorteil hat, dass wir unser gesamtes Gepäck nicht viel herumschleppen müssen, sondern nur ca. 200 Meter bis zum zweiten Schlagbaum. Dort auf der tadschikischen Seite gibt es nur noch zwei Grenzbeamte und drei Blechhütten und sonst Nichts mehr. Dafür dauert das Ausfüllen der Zollformulare eine Weile und Handys, Fotoapparate, GPS und so weiter müssen angegeben werden und ich wette, dass dies alles bei der Ausreise niemanden mehr interessiert. Wie auch immer, es läuft alles stressfrei und nach etwas mehr als zwei Stunden sind wir nun in einem neuen Land: Tadschikistan. Nach einem grandiosen Usbekistan mit wunderschönen Landschaften und beeindruckenden historischen Baudenkmälern und lebendigen, quirligen Märkten wird es Tadschikistan wohl nicht einfach haben, aber in der Ferne locken schon die Berge mit schneebedeckten Gipfeln im Dunst kaum auszumachen, aber in ein oder zwei Tagen werden wir dann in die Bergwelt eintauchen. Der erste Eindruck nach den ersten Kilometern ist, dass das Land ärmer ist als Usbekistan. Die Straße ist zwar nicht so schlecht, aber es fahren kaum Autos. Die Dörfer links und rechts der Straße bestehen fast ausschließlich aus Lehm, allerdings alle in gutem Zustand. Die Leute aber sind genauso freundlich und die Kinder, von denen es mehr gibt, rufen uns auf Englisch „Hallo“ oder „Good morning“ oder „What’s your name?“ zu. Erste Gesprächsversuche scheitern daran, dass die Kinder und Jugendlichen kein Russisch mehr sprechen und natürlich außer den fünf englischen Vokabeln auch nichts verstehen. In Pendshikent ziehen wir zuerst in ein kleines Restaurant und essen eine tadschikische Suppe mit gepökeltem Lamm und Kartoffeln und genießen die ersten Eindrücke des Landes. Die Frauen tragen auch bunte leichte Kleider, wie in Usbekistan, allerdings nicht ganz so körperbetont und eng. Auch zeigt sich eher eine Vorliebe für grelle Farben, aber es fehlt an glitzernden Details. Fierdaus, unser tadschikischer Führer, ein Mathematiker aus Duschanbe hat uns im Ort eine Nacht in einem privaten Haus organisiert und wir werden von einer netten Familie aufgenommen und in die zahlreichen Zimmer, rund um einen großen Hof verteilt. In der Sauna lässt sich hervorragend der Staub vom Tage vom Körper spülen. Und mit einem Bier danach von der Zunge. Das Abendessen, wieder ein dicke Suppe mit Nudeln und Kartoffeln und ein großer bunter Krautsalat, wird von Fierdaus Frau Swetlana zubereitet, die auch recht ordentlich Deutsch spricht. Und wie sich herausstellt, hat sie Deutsch in Berlin an der Hartnackschule gelernt, wo auch ich unterrichte, wenn ich nicht gerade mit „China-by-Bike“ auf Tour bin. Gegen 10 Uhr verschwinden dann alle in ihren Zimmern, wo es sich auf den Kurpatschas, den dicken traditionellen Baumwolldecken hervorragend schlafen lässt.

Samstag, 10. Mai 2008, von Pendshikent nach Vota

63 Kilometer, 685 Höhenmeter, bis 35 Grad

Bericht von Tom Krech

Ich bin das Dorfleben nicht mehr ganz gewöhnt, denn obwohl es eine tolle Umgebung ist, kann ich nicht so gut schlafen, wegen des „Ökolärms“. Mitten in der Nacht fallen zwei Katzen kreischend über sich her, ab dem zeitigsten Morgengrauen schreien die Hähne und alles mögliche „Geflügel“ zwitschert und trällert lautstark vor sich hin.

Nach einem wunderbaren Frühstück, dass Swetlana, die Frau unseres Tadshikischen Führers Vierdaus, kocht, Grießbrei mit Rosinen und hausgemachter Marmelade, sowie Butter, Käse und Salami und allesamt in mehr als ausreichender Menge. Auf dem Programm für den Vormittag steht noch ein Ausflug in die Altstadt. Das war jedoch ein Missverständnis, denn auf dem Hügel hinter Pendshikent liegen einige alte Lehmruinen, deren von uns bestaunten Reste aus dem 7. Jahrhundert stammten und natürlich gab es vorher auch schon Siedlungen und auch Alexander der Große war schon hier gewesen. Das kleine Museum zeigt ein paar Gegenstände, die hier ausgegraben wurden, am interessantesten sind die Kopien einiger Fresken, die von den Lehmwällen abgenommen wurden. Bärtige Krieger mit adlerförmigen Hakennasen im Kampf gegen Fabelwesen und chinesisch anmutende Kaufleute bei einem großen Trinkgelage. Von dem Hügel hat man auch einen schönen Blick rundherum. Hinter uns liegen schon die ersten Ausläufer des Pamirs, nach Osten verlaufend immer höher werdend und mit zunehmend größeren Eiskappen. Vor uns im Tal die Stadt Pendshikent, in der wir übernachtet haben. Eine große grüne Fläche mit vielen lehmgemauerten Wohnhöfen und nur an der Peripherie ein paar Wohnblöcke aus der sowjetischen Ära.

Die Sonne brennt heute sehr intensiv, wir sind ja schon wieder auf 1000 Höhenmeter und obgleich meiner intensiven Vorbräunung habe ich mir gestern die Lippen verbrannt und so greife ich heute erstmals auf der gesamten Tour zur Sonnencreme.

Dann geht es noch einmal durch die Stadt und wir besichtigen die kleine Moschee und den Markt, der im Vergleich zu Samarkand natürlich mickrig ist. Auch ist das Angebot an Errungenschaften der modernen Zivilisation recht gering, es gibt nur ein paar Stände mit chinesischem Porzellan und farbenfrohem Plastik. Ansonsten dominieren Sachen von lokalen Handwerkern, wie Seile und Stricke und landwirtschaftliches Werkzeug, aber den größten Teil machen natürlich die Lebensmittel und Gemüse aus.

Aus der Stadt heraus fahren wir dann im Paradies entlang. Die Bergkulisse rückt näher und näher und rundherum grünt und blüht es. Viele Radfahrer und Ausländer kommen hier nicht entlang, denn die vielen Kinder laufen schnell an den Straßenrand um zu winken oder Hände anzuklatschen. Leider lassen sich nicht mehr alle Leute gerne fotografieren. Keine Probleme haben die Frauen, wenn sie allein sind, sobald aber irgendein Mann zusieht, wollen sie nicht mehr fotografiert werden. Die Straße ist katastrophal und als wir dann später noch abbiegen, kann man eigentlich nicht mehr von Straße sprechen, denn es ist wirklich nur noch eine einzige Fläche von Löchern mit historischen Relikten von Asphalt dazwischen, der sich nach dem nächsten Winter ebenfalls aufgelöst haben wird.

Unten im Talgrund fließt der Zeravshan Fluss, der sich hier durch die weite Ebene windet. Mittag machen wir in einem kleinen Straßendorf, wie üblich Suppe und Mantui und im Laden gegenüber lässt sich Eis auftreiben. Gegen vier rollen wir dann weiter, doch Richard hat einen Plattfuss und zieht damit im Wettbewerb um die flachsten Reifen mit Dieter gleich. Während des Flickens sammelt sich das halbe Dorf und bietet dann Gelegenheit zu einem wunderbaren Gruppenfoto. Weiter geht es dann im warmen Licht des Nachmittages, in dem auch die Berge immer klarer und näher kommen. Morgen liegt noch eine kurze Etappe vor uns und dann geht es ja schon über den Shakristan-Pass. Ohne Eile geht es durch die nächsten Dörfer. Die nächste Ecke ist immer noch schöner als die voran gegangene. Mehrmals geht die Straße in einen tiefen Taleinschnitt und überquert dann über eine Hängebrücke die Straße, dahinter geht es dann wieder steil aus dem Tal heraus in die Ebene. Hinter einem kleinen Dorf liegt ein Gehöft mit einem schönen Garten, in dem wir unser Zeltlager errichten. Alle sind beschäftigt, einige richten die Zelte auf, einige helfen beim Kartoffeln schälen. Zwar haben wir unser Duschzelt, aber nach 10 Eimern Wasser ist das Sammelbecken, das ich an der Straße befindet leer und auch die einheimischen Wasserholer ziehen ohne Wasser wieder ab. Hubert und ich entschließen uns zu einem längeren Spaziergang zum Fluss hinunter. Leider müssen wir ziemlich weit laufen, bis wir einen den Steilhang hinunter führenden Weg finden. Doch es ist wunderbar sich in dem eiskalten Bergwasser den Staub und Schweiß des Tages vom Körper zu spülen.

Danach ist auch das Essen schon fertig und es gibt seit langem wieder einmal für alle mehr als reichlich. Danach geht es dann in die Zelte oder wie ich, einfach nur im Schlafsack auf die Isomatte unter freiem Sternenhimmel, allerdings gibt es wieder einige Zwitschertiere, die dafür sorgen, dass der Schlaf nicht zu ruhig wird.

noch ein Ruhetag in Samarkand

Bericht von Tom Krech

Der heutige Tag steht ganz im Zeichen der Teppiche und zwar der Teppiche in ihrer vollkommensten Form, handgeknüpfte Seidenteppiche. Nein, fliegen können sie nicht diese Wunderwerke aus Millionen von Knoten, aber wenn man diese Schöpfung aus Farben betrachtet hat man einen Eindruck von Leichtigkeit und Vollkommenheit, die perfekte Yoga Matte, denke ich bei mir, nur als solche mit 5000 Dollar pro Stück einem Reiseleitergehalt nicht angepasst.
Doch bevor wir uns den Teppichen widmen besichtigen wir noch ein weiteres gigantisches Mausoleum, das Guri-Amir. Von weitem scheint es auch eine blau glasierte Kuppel zu haben, doch wenn man näher kommt, sieht man, dass die Kuppel aus Rippen besteht, die mit vielfarbigen Mosaiken belegt wurden. Im Inneren tummelt sich viel Volk in der kühlen, reich geschmückten Halle. Hier befindet sich auch das Grab von Timur und die Geschichte wird erzählt, dass, wenn das Grab geöffnet werde, ein Krieg ausbreche. Mitte Juni 1941 öffneten sowjetische Anthropologen die Gruft und am nächsten Tag, dem 22.Juni begann der Überfall Hitlers auf die Sowjetunion. Wie viel Glauben man solchen Geschichten schenken darf ist fraglich, wir genießen erst einmal das lebendige Leben in der Kathedrale und die Kühle unter der hohen Kuppel.
Am Nachmittag geht es dann in die Teppichknüpferei am Rande der Stadt. Vor dem zweistöckigen Gebäude sammeln sich Berge von verschiedenen Kräutern und Walnussschalen, die zum Färben benutzt werden. Die Manufaktur arbeitet nur mit natürlichen Materialien. Seide ist ein erstaunliches Material, 1200 Meter Faden werden aus einem Kokon gewonnen und zu Fäden versponnen, die in ihrer Strapazierfähigkeit im Vergleich zur Masse die Reisfestigkeit eines Stahldrahtes übersteigen. Ansonsten herrscht hier noch Kommunismus. Die Teppichknüpferinnen bekommen eine kostenlose staatliche Ausbildung, bezahlt wird gut und nach Leistung und es wird kein Akkorddruck ausgeübt. Wer einen guten Teppich knüpfen will, braucht Geduld und Freude im Herzen, erklärt uns Abdullahad Badghisi, der Manager der Manufaktur. (www.silkcarpets.net) Und genau deshalb sei sein Betrieb international anerkannt und könne eine sehr gute Qualität liefern. Es gibt keine Kinderarbeit, die Arbeitsbedingungen seihen angenehm, es gibt einen Monat bezahlten Urlaub pro Jahr und drei Jahre Geburtsurlaub mit Garantie auf Wiedereinstellung. Wie verzaubert beobachten wir die Mädchen beim Knoten der kostbaren Stücke und der Showroom ist ein Paradies für Teppichkenner. 5000 Dollar kostet ein mittelgroßer Teppich in guter Qualität, trotzdem seien sie immer ausverkauft und arbeiten meistens auf Bestellung. Es gibt die verschiedensten Muster und Farben und eines trägt den Spitznamen Joschka Fischer, da auch der Politiker hier einen Teppich erworben hat, auch zwei Teilnehmer unserer Gruppe erliegen der Faszination und bestellen einen Teppich in den schönsten Farben.
Am Abend treffen wir uns in einem der ältesten Häuser der Stadt zum Abendessen, eine Art kleines Familienrestaurant und alle sind ein wenig traurig, die faszinierende Metropole an der Seidenstraße morgen verlassen zu müssen.

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Ruhetag in Samarkand

Bericht von Tom Krech

Wenn ich früher an Samarkand gedacht habe, war das immer ein Traum aus „Tausend und einer Nacht“. Und tatsächlich ist diese Stadt DER interkulturelle Schnittpunkt mehr als tausend Jahre alter Handelsrouten, die wir die Seidenstraße nennen. Hier teilen sich die Routen nach China, Indien und Persien. Es ist eine Stadt, wie aus dem Bilderbuch und „alles was ich über die Stadt gehört habe ist wahr, außer, das sie noch schöner ist“, soll Alexander der Große gesagt haben, als er 329 vor Christus hier einmarschierte.
Mit großen Erwartungen brechen wir zu unserem Stadtrundgang auf und wir werden nicht enttäuscht, kaum biegen wir um die erste Ecke haben wir ein wundervolles Panorama über die Stadt mit ihren blauen Kuppeln der Moscheen und Mausoleen und den hoch aufragenden alten Minaretten und Medressen.
Zuerst besichtigen wir die Shah-I-Zinda, die Straße der Mausoleen, mit den Gräbern der Familienmitglieder Timurs und vielen Mausoleen unbekannter Personen. Die Gebäude sind mehr als prächtig, aber noch beeindruckender ist es in dickem Pulk mit den Einheimischen durch die Gebäude zu marschieren. Vor allem die Frauen in ihren mehr als farbenfrohen Gewändern haben es mir angetan und jedermann und jede Frau lässt sich begeistert fotografieren. Eine Orgie an Farben und Gesichtern, die ich hier fotografisch festhalten darf. Eigentlich wollte ich mich auf sechs Bilder für den Blog pro Tag beschränken, da das Internet mehr als lausig ist, aber ich habe schon Probleme nur den heutigen Tag auf 15 Bilder zu reduzieren.
Genauso imposant ist der hiesige Basar, der kein touristischer ist. Es gibt alles, was man zum leben braucht: Gemüse, Obst, Gewürze, frisches Brot, chinesisches Plastikgeschirr, Messer, Wokpfannen, Kleider und glücklicherweise keine Teppiche. An jedem Stand sammeln sich Händler und Kunden und debattieren lautstark über Qualität und Preise.
Gleich hinter dem Basar befindet sich die Bibi-Khanym-Moschee, mit seinem allein 35 Meter hohen Eingangstor. Sie ist das Wahrzeichen der Stadt. Veranlasst wurde der Bau von der Frau Timurs als Überraschungsgeschenk für ihren Gemahl. Doch der Architekt verliebte sich in Timurs Frau und er verweigerte die Vollendung des Baus, es sei denn er bekäme einen leidenschaftlichen Kuss von ihr. Nach einem Gelage gewährte Timurs Frau ihm diesen oder mehrere. Timur jedoch war nicht freudig überrascht von dem Geschenk und den Knutschflecken am Körper seiner Frau und ließ beide hinrichten.
Gegenüber dem Registan-Platz befindet sich ein idyllisches Teehaus, in dem wir die Mittagshitze überstehen und ausgiebig essen. Von hier hat man einen ausgezeichneten Blick auf die drei großen Medressen, Studierhäuser, die die größten Herrscher der Stadt haben errichten lassen. Davor laufen die Leute zusammen, denn ein Film wird gedreht. Ein Bollywood Team ist hier mit indischem Movie-Star und russischem Ballett und wir dürfen zusehen, wie fünf Sekunden eines Blockbusters, den wir wohl in deutschen Kinos niemals sehen, abgedreht werden.
Am Nachmittag gehe ich dann noch ein wenig in den Gassen spazieren und quäle mich mit dem Internet ohne viel zu erreichen, so dass ich nicht einmal zum Abendessen komme.

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