Monatsarchiv für April 2008

91 Kilometer, 586 Höhenmeter

Bericht: Tom Krech

Ich bin glücklich, mich bei dem gestrigen Weinabend stark zurückgehalten zu haben, denn heute sehen einige von uns aus, wie ich am Vortage. Das Frühstück setzt in der Qualität und Menge das Abendessen fort: Würstchen, Eier, Brot und Käse, Butter, Honig und Marmelade und die leckeren Salate von gestern. Ich gehe noch mal in die Küche und bedanke mich herzlichst für Alles und lobe noch einmal besonders die Salate. Das Paar spricht hervorragend Russisch, es ist ja noch die alte Generation; erstaunlich, dass von den jungen Leuten wirklich niemand mehr die Sprache spricht. Draußen dann noch ein paar Fotos vor dem Haus und dann geht es los einem neuen, interessanten Tag entgegen. Doch noch im Städtchen eine Zwangspause, an Ullis Rad ein Platten, diesmal ein Minuspunkt für die „Unplattbarkeit“ von „Schwalbe“. Im Städtchen werden wir bestaunt und beguckt und man kann sich ganz gut verständigen. Endlich gegen 10 Uhr kommen wir aus dem Kleinstädtchen heraus. Am Ortsausgang mehren sich die Ruinen wieder, früher muss hier viel mehr los gewesen sein, doch daran erinnern nur noch leer stehende Fabriken oder die Endhaltestelle für die in der ehemaligen Sowjetunion so beliebten Troleybusse. Hier ist mehr als ein Jahrzehnt kein Fahrzeug mehr gefahren. Ein Dorf weiter wieder ein ruiniertes Dorfzentrum, man kann noch gut sehen, wo das Haus der Kultur, das „Magasin“ (der Dorfladen) und die Post waren, gegenüber ein Denkmal für die während des Zweiten Weltkrieges Gefallenen der Region, viel ist nicht mehr zu erkennen, nur ein weiteres Bild eines jungen Mannes wurde hinzugefügt und eine georgische Fahne, 1993 stand darunter, ein wahrscheinlich in Afghanistan gefallener Soldat. Nur die Schule, auch ein heruntergekommener neoklassizistischer Bau, ist noch in Betrieb.
Das Wetter ist heute nicht ganz auf unserer Seite, es ist trübe und neblig und es sieht ab und zu aus, als ob es regnen möchte. Schade, denn bei Sonne hätte das Grün wieder viele Fotomotive hergegeben, so ist es nur ein Graugrün. Gegen Mittag strampeln wir einen Berg hinauf und auf der anderen Seite machen wir Picknick an einer Wassermühle. Kein historischer Bau, aber das Maismehl wird hier tatsächlich noch mit Wasserkraft gemahlen, am Häuschen plätschert ein munteres Bächlein vorbei, das Wasser aufs Mühlrad unter dem Häuschen bringt. Oben sitzt ein altes Mütterchen und überwacht den langsamen Vorgang. In der ganzen Zeit unseres Picknicks mahlte sie gerade einmal zwei oder drei Kilo Mehl.
Unser Picknick ist großartig, die Wurst und der Käse sind besser als in der Türkei, es gibt auch noch Bananen und Schokolade, neben den Gurken und Tomaten und der Kocher kocht fleißig heißen Tee, der bei der Kälte mehr als willkommen ist.
Nach einem weiteren kleinen Berg geht es dann in eine Ebene hinab und auf eine größere Straße mit relativ viel Verkehr, der aber nicht aggressiv ist. An einer Tankstelle werden wir gestoppt und zu einem Tee eingeladen. Die Tankstelle wird von einem Türken betrieben, der Russisch und Deutsch spricht, wir sind schon angekündigt worden, denn am Vortage sind „Marco und Polo“, die wir in Griechenland getroffen hatten hier vorbeigekommen. Vielleicht sehen wir die Beiden morgen oder übermorgen auf der Strecke nach Tiblissi.
Da wir am Morgen so getrödelt haben und noch eine weitere lange Teepause machen, sind wir erst gegen halb sechs in Kutaisi, wohl eine gerade so Millionenstadt, aber hier hat sich seit dem Zerfall der Sowjetunion nicht mehr zu viel bewegt, nur wenige der ehemaligen sozialistischen Wohnblöcke haben überhaupt noch Farbe, viele Industrieruinen, eine brach liegende Oberleitung für Busse und eine heruntergekommene Hauptstrasse, mit Resten von Grünflächen erinnern an bessere Zeiten, während wir uns um die Schlaglöcher herumschlängeln. Wir übernachten in einem privaten Guesthouse mit plüschigen Zimmern und teilen die Räume mit und ohne Dusche gerecht auf. Die Dusche ist schön heiß und erfrischend nach der Kühle dieses Tages, dagegen ist die Elektrik nicht sehr stabil, das Licht flackert ständig und schon mehrfach ist das Notaggregat angesprungen. Der Elektriker kann im Moment nicht kommen, weil seine Kuh krank ist, doch es soll noch eine Lösung gefunden werden, auch dafür, dass einige Zimmer noch nicht geheizt sind.
Um 20 Uhr treffen wir uns dann zum abendlichen Essensausflug. Per Bus geht es durch die Stadt in ein mittelgroßes Restaurant, es sind relativ viele Gäste hier, Familien und kleine Gruppen von Georgiern und ein Alleinunterhalter spielt Geige mit Backgroundplayback und viel Hall.
Das Essen ist ausgezeichnet, verschiedenen Schaschliks, Auberginen gefüllt mit Walnusscreme und Granatapfelkernen obenauf, Käse und Brot, einfach alles mehr als lecker, dazu natürlich wieder Wein, der Weißwein aus der Karaffe und ein hervorragender Rotwein aus der Flasche. Damit geht dann ein gelungener Tag zu Ende und zurück im Guesthouse gibt es dann sogar stabile Elektrik und warme Zimmer.
 

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75 Kilometer, 457 Höhenmeter

Bericht: Tom Krech

Mein Kopf schmerzt ganz furchtbar und nüchtern fühle ich mich auch nicht. Trotzdem sitzen wir dann alle pünktlich 9 Uhr auf dem Rad. Auf zu neuen Abenteuern in einem neuen Land. Noch einmal geht es durch die ganze Stadt, vorbei an renovierten und verfallenen Häusern. Gemeinsam tätigen wir den Einkauf fürs erste Picknick, Früchte, Salate, rote Beete, Brot, Wurst und Käse und dann geht es aus der Stadt heraus. Nach ein paar Kilometern biegen wir von der Hauptstraße ab und haben keinen Verkehr mehr. Auf einer fast schon grünen Wiese machen wir unser Picknick. Es ist frisch, aber fürs Picknick kommt die Sonne heraus und der Kocher produziert fleißig heißen Tee.
Anschaulich ist die Landschaft, wir kommen uns in den Dörfern vor , wie in einem Film aus den 70er Jahren, zumindest ist seitdem an vielen Häusern nichts mehr gemacht worden und auch die Fahrzeuge wirken altertümlich. Shigulis, Ladas, Wolgas und ein paar klapprige Saparosh bestimmen das Straßenbild. Jedes Dorf oder jede kleine Stadt hat ganze Teile, die vom Verfall bestimmt werden, alte Industriebetriebe, vergammelte Denkmale und ein überwuchertes Klubhaus.
In Ozurgeti steht ein Theater stalinistischer Bauweise, natürlich nicht mehr in Betrieb, davor ein riesiger Platz ohne Menschen und eine Stalin-Büste. Wir übernachten in einem Familien Domizil, einige Räume sind extra für uns beräumt worden. Es gibt nur zwei Duschen, aber wir kommen zurecht und aus der Küche duftet es unwiderstehlich. Und genauso wird auch das Mahl. Leckere Suppe und supergute Salate, vor allem der Fischsalat ist einfach umwerfend. Geladen wurde auch eine Gruppe von Männern, ein Gesangsensemble mit reichlich Auslandserfahrung beeindruckt uns mit wunderbaren Liedern. Jeder der Sänger singt in einer anderen Tonlage, was dem Ganzen einen besonderen Reiz verleiht. Auch wir werden nach einem Lied gefragt und wohlweißlich hat Eckhardt eine Liedersammlung verteilt, so dass wir nicht ganz ohne Textkenntnisse dastehen. Auch fließt wieder ein fruchtiger Wein, doch nach der Erfahrung des gestrigen Abends halte ich mich stark zurück und verschwinde nicht zu spät in meinem wackeligen und viel zu weichen Bett. 

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90 Kilometer, 245 Höhenmeter

Bericht: Tom Krech

Die letzten 50 Kilometer Türkei geht es noch einmal die Autobahn entlang, ein letztes Mal umsorgt von der türkischen Polizei erreichen wir die Grenze. Schon Kilometer vorher kündigt sich diese durch lange Schlangen von wartenden Lkws an. Hinter einem Tunnel dann die Grenze, eine große Baustelle und das totale Chaos. Wir stellen die Räder an die Seite, es ist Mittag und Zeit für eine letzte Mahlzeit, noch einmal Käsepizza oder Köfte oder Bohnen. Dann werfen wir uns ins Gedränge, doch wir können die Pässe im Pack zum Stempeln geben und brauchen nicht in der Schlange zu warten. Dann heißt es ein letztes Mal Tschüß, Kasim winkt uns zu und wir überschreiten die magische Linie.
Auf der anderen Seite stürzt eine junge Frau auf uns zu: „Ich bin Ninu und eure Reiseleiterin für Batumi. Ich habe das georgische Fernsehen mitgebracht!“ Und das neue Land beginnt mit Interviews, südländischem Charme und langen Beinen, vor allem die Männerfraktion ist hin und weg. Unter den Augen der Kamera gibt es natürlich keine Probleme mit der Grenzabfertigung, das Gepäckumladen wird perfekt organisiert und wir lernen Mahmuka und Leo von Achi-Tours kennen, die uns bis nach Baku begleiten werden. Kurz darauf rollen wir auf einer kleinen Straße an der Küste entlang. Wir dürfen fahren, wie wir wollen, nur der nächste Treffpunkt ist ausgemacht, die Festung Gonio, wo Jason mit seinen Argonauten auf der Suche nach dem goldenen Vlies anlandete. Das erste was wir erfahren ist, dass wir zumindest kulturell wieder in Europa angelangt sind, ja sogar in der Wiege Europas, wie archäologische Ausgrabungen beweisen und das der höchste Berg Europas natürlich nicht der Mt. Blanc ist, wie in den Geographiebüchern steht, denn der Kaukasus ist wesentlich höher. An Griechenland fühlen wir uns erinnert, nicht nur weil die Sonne durchkommt und auf der kleinen Straße alles viel grüner erscheint, sondern weil wir Geschichte wieder sehr emotional dargeboten bekommen. Wie betrunken von den vielen Fakten stolpern wir durch die Ruinen von Gonio, vorbei an Orangenbäumen. Während der Sowjetunion war das ganze historische Gelände zur Obstplantage umfunktioniert worden.
Dann geht es weiter in Richtung Batumi. Viele kleine Hotels nebeneinander warten auf die nächste Badesaison. Links und rechts neue Gebäude und auch Ruinen aus den Sowjetzeiten. Ein alter Truppenübungsplatz demonstriert deutlich, wo der Eiserne Vorhang früher verlief und alte sowjetische Industriebetriebe sind still gelegt worden. In Batumis Vororten Neubauten im Berlin-Marzahn Stil, bunt angemalt, als ob man die alten Zeiten übertünchen wollte. Zwischen den Wohnsilos bis zu 100 Meter lange Wäscheleinen, die über Rollen bewegt werden können und wie bunte Fähnchen wehen Wäschestücke zwischen den Häusern im abendlichen Wind. Auf den Straßen viel Verkehr, der sich um die Schlaglöcher herumdrängelt und ein Panoptikum von Fahrzeugen, viele Ladas sowjetischer Produktion zwischen schicken Mercedes Benz und auch ein dicker Hummer bläst an uns vorbei. Genauso sieht es in der Stadt aus, ein gewaltiger Kampf zwischen postsozialistischem Verfall und aufstrebender Moderne tobt hier, noch überwiegt das alte und der Verfall, aber die Zeichen stehen deutlich in Richtung Moderne. Unser Hotel liegt oben am Berg, mit einer herrlichen Sicht, aber dafür bleibt wenig Zeit, denn im Restaurant sind wir vom Tourismus Competence Center eingeladen. Deren deutscher Berater Kurt Reitz empfängt uns auf das Herzlichste und der Tisch biegt sich vor Leckereien ungeahnten Ausmaßes, Karaffen mit Weißwein verlocken und ich ahne schon, dass Georgien nicht das geeignete Land ist, um ein oder zwei Kilo abzunehmen. In Georgien gibt es eine Tradition der Tischrede, es wird ein Tamada, Tischredner bestimmt, der nach mehr oder weniger festen Regeln Trinksprüche ausbringt zu denen das Glas gefüllt und geleert wird. So trinkt man dann auf Gott, die Familie, Georgien, die Frauen, den Gastgeber, die Gäste, unsere Reise, die Freundschaft und vieles Andere. Als wir dann kaum noch stehen können steigen wir in den Bus zu einer nächtlichen Stadtrundfahrt ins Zentrum Batumis, vorbei an erleuchteten Gebäuden, wieder ein Wechselspiel zwischen Tradition, Vergangenheit und Moderne. Danach geht es zurück ins Hotel und der Abend ist noch nicht zu Ende, aber ich kann auch leider nicht mehr berichten, wie er zu Ende ging. Ich weiß nur noch, dass auch noch getanzt wurde und ich keine der Damen in der Runde ausgelassen haben soll.

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125 Kilkometer, 360 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Unser letzter ganzer Tag in der Türkei beginnt etwas trübe, aber der Rückenwind bleibt uns treu. Bald heißt es Abschied nehmen von den Schnellstraßen und der Polizeibegleitung, die Erwartungen an ein neues Land, Georgien, bestimmen die Gespräche. Am meisten freuen wir uns auf ein freieres Fahren auf kleinen Straßen, was hier einfach nicht möglich war. In Rize haben wir noch einmal die Gelegenheit zu einem türkischen Teehaus und süßen Leckereien aus der Konditorei gegenüber. Die Strecke ist nicht spektakulär, aber es ist schön an den großen Teeplantagen vorbeizuradeln. Jeder Hang und jeder freie Fleck ist mit Reihen von Teesträuchern bewachsen. Noch sind die frischen Triebe nicht zu sehen, aber in einem Monat werden auch die Teesträucher frisches Grün treiben und die Blätter von fleißigen Händen gepflückt und zu dem leckeren, mit viel Zucker getrunkenen Getränk verarbeitet.
Am Rande der kleinen Stadt Ardesen finden wir unser Hotel mit einer grandiosen Aussicht, auf der Vorderseite Meeresblick, hinten hinaus Ausläufer des kleinen Kaukasus. Leider finden wir kein Restaurant mit Alkoholausschank für den letzten Abend mit Cesmi und Kasim, die uns mehr als drei Wochen begleitet haben, aber die Käsepizza ist vorzüglich und am Abend sitzen wir dann noch im Hotel zusammen bei einem gemütlichen Abschiedsbier. Cesmi, der sich ab und zu ein Fahrrad geborgt hat, um ein paar Kilometer mit uns zu radeln, überlegt, ob er im Juli in seinem Urlaub nicht für ein Woche zu uns nach China kommen will. Wir laden ihn herzlich ein, einen Teil der Tour aus einer anderen Perspektive mitzuerleben, vielleicht klappt es ja, dass Cesmi dann einen Teil der Seidenstraße mit uns genießen kann.

Die Türkei liegt hinter uns und es ist Zeit für einen Rückblick. Leider hatten wir in der Türkei zu wenig Zeit für die vielen Kilometer, so dass es keine andere Möglichkeit gab, als auf großen Straßen faktisch „hindurchzublasen“ und dass deshalb die Eindrücke nicht so tief wie in anderen Ländern seien würden, war uns allen klar. Trotzdem und trotz aller Schwierigkeiten haben es Cesmi, unser türkischer Führer, und Kasim, unser Fahrer, geschafft uns kleine Einblicke ins Land und angenehme Begegnungen zu organisieren. Wir denken zurück an einen wunderbaren Tag in Amasya, an die Ruinen von Troja und an das leckere Essen bei Cesmis Familie, an die Begegnung mit den türkischen Radlern, an die Geschichten von Hodca Nasreddin und an die fast durchweg exzellenten Hotels, an tausend verschiedene Köfte-Varianten und vieles Andere. Ich glaube, so manch einer von uns ist auch auf den Türkei-Geschmack gekommen und wird mit Cesmi und Lupe Reisen irgendwann eine Wandertour im Lande machen, um die ersten Eindrücke von jetzt später zu vertiefen.

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Freitag, 28.03.08: Ruhetag in Trabzon

Bericht von Tom Krech

Ein wirklicher Ruhemorgen, Frühstück kurz vor zehn Uhr, meine Erkältung fühlt sich wesentlich besser an und erst um halb elf steigen wir in den Bus und besichtigen zuerst die Aya Sofya, die Kirche der Heiligen Sofia, ein wunderschönes byzantinisches Gemäuer aus dem 13. Jahrhundert mit einigen wunderschönen alten Fresken. Auf der Terasse vor einer Wiese mit tausenden Gänseblümchen gibt es ein gemütliches Teerestaurant.

Als wir dann wieder loskommen ist es dann mächtig spät und wir verfahren uns auf dem Weg zum Sumela Kloster, so dass ich beschließe, doch in der Stadt zu bleiben, um etwas zu arbeiten und mit einem Mittagsschlaf meine Erkältung weiter zu kurieren. Vorher bleibt noch Zeit für einen schönen Stadtspaziergang mit vielen kleinen Impressionen, die ich versuche mit der Kamera festzuhalten. Abends dann noch ein kleiner Imbiss und ich werde zeitig im Bett verschwinden, um morgen früh fit zu sein.

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137 Kilometer, 594 Höhenmeter137 Kilometer, 594 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Es ist wieder einmal merklich kühler geworden und der Wind pfeift aus der verkehrten Richtung. Andre hat einen Plattfuß, ein winziger Draht, noch bevor wir starten und meine Erkältung ist nicht besser geworden, ich habe ziemliche Kopfschmerzen.

Im engen Feld geht es die Autobahn entlang, der Wind drückt die Geschwindigkeit, aber alle fahren sehr diszipliniert. Nach 30 Kilometern machen wir Teepause und ich bin mächtig durchgefroren, obgleich ich warm angezogen bin, wenn das so weiter geht, bin ich morgen richtig krank…oder bin ich das jetzt schon, denn mein Kopf glüht im Gegensatz zum Rest des Körpers und ich denke, dass ich eine kluge Entscheidung treffe, als ich mein Rad zum Hänger bringe. Ich werfe mir zwei Tabletten ein und lege mich auf die hintere Bank und schlafe sofort ein und wache nur zum Mittag und zum Nachmittagstee wieder auf. Die Anderen sehen ziemlich müde und fertig aus, denn der Kampf gegen den Wind macht aus der langen Strecke eine Marathonetappe. Ich setze mich neben Kasim und mache wenigstens ein paar Fotos, bei der Anstrengung hat keiner sonst Lust zu fotografieren und hinter dem Feld zurück zu bleiben und sich dann im heftigen Gegenwind wieder ans Feld kämpfen zu müssen, obwohl die anderen extra kürzer treten.

So wird es dann kurz nach sechs, als wir alle müde in Trabzon ankommen, zum Schluss geht es noch einmal einen heftigen Stich nach oben, aber dann sind wir endlich am Hotel. Obwohl die Stadt lebt und es an Restaurants mangelt enden wir in einem Restaurant mit Mc Donalds Charme, der Fisch ist wohl ok., aber die Köfte sind nicht mehr als trockene Minnibuletten, mit eine Scheibe Toastbrot, ich muss mir noch etwas Zaziki dazu bestellen, aber ehe der kommt, sind die Buletten kalt. Inzwischen mussten wir mehrfach unsere Salatteller und halbvollen Trinkgläser festhalten, wer einen Augenblick nicht aufpasste, wurde sofort abserviert, schwups ist Eckhardt Pfirsichnektar weg und Eckardt sitzt mit offenem Mund da. Kasim und der Kellner zerren an verschiedenen Seiten des Vorspeisentellers, Kasim gibt nach; es ist wirklich so extrem, dass wir uns nicht gewundert hätten, wenn plötzlich der Kellner die Mütze abgeworfen und den Bart abgerissen hätte und riefe, er sei die türkische Version von Kurt Felix und der versteckten Kamera.

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