Monatsarchiv für März 2008

von Gelibolu über die Halbinsel und mit der Fähre über die Dardanellenstraße nach Canakkale, 75 km, 640 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Die Nacht im Hotel war schrecklich, erst sitze ich noch lange am Computer und quäle mich mit der Verbindung, dann donnert auch noch nach Mitternacht die Disko weiter, als nächstes heult die Alarmanlage so lange bis wohl die Autobatterie leer ist und um 5.24 Uhr verkündet der Muezzin mit Lautsprechergetöse, dass die Sonne wieder aufgegangen ist. Ich stehe um 6 Uhr auf und versuche noch ein paar Daten loszuwerden und ein paar private Mails zu schreiben, aber die Verbindung kommt überhaupt nicht mehr zustande und ich verplempere nur meine Zeit.
In Stimmung bringt mich erst mein morgendliches Gliederstrecken mit ein paar Yogaübungen und die erste positive Überraschung ist das Frühstück: leckeres Brot, guter Käse, zwar kein Kaffee, dafür superstarker Tee, genau das, was ich brauche und, als fast alle schon weg sind, mit Käse gefüllte brötchenartige Teilchen, von denen ich mir noch eines für den Weg einpacke.
Zum Verpacken des Gepäcks brauchen wir heute etwas länger, da wir ja neue Begleiter, ein neues Fahrzeug und einen neuen Hänger haben, doch 8.20 Uhr kommen wir dann auch los. Unverändert ist das Wetter, stahlblauer Himmel und angenehme zehn bis zwölf Grad. Schnell sind wir aus der kleinen Stadt heraus und an der Küste entlang geht es nach Süden. Links liegt die Straße der Dardanellen, rechts Felder, Olivenhaine, sanfte Hügel mit Pinienwäldern; rechts, wo wir sind ist gerade noch Europa und auf der anderen Seite schon Asien und da kommen wir heute Abend noch hin. Auf der Grenzlinie in der Mitte transportieren Frachter und Containerschiffe Waren hin und her und lassen die strategische Bedeutung, die diese nur etwas mehr als einen Kilometer breite Meerenge schon seit der Mensch zur See fährt hatte und bis heute immer noch hat.
Aller zwei Kilometer gibt es einen Friedhof für gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges, türkische Soldaten, australische Soldaten, neuseeländische Soldaten und Soldaten aller Herren Länder. Nicht überall können wir anhalten, aber laut Cesmi, unserem türkischen Führer, gibt es hier Tage mit mehreren tausend ausländischen Besuchern, die hier von Friedhof zur nächsten Grabstelle pilgern. In einem Informationszentrum bekommen wir einen Überblick über die Vorkommnisse des Krieges hier, zu komplex um alles wiedergeben zu können; als Resultat bleibt, hier sind viele Soldaten aus Ländern gestorben, die eigentlich nichts mit der Region hier zu tun haben und das sollte uns auch heute noch zu denken geben.
Am Rande einer solchen Gedenkstelle, direkt am Meer haben wir ein schönes Picknick und Gelegenheit meinen neuen Kocher auszuprobieren: Heißes Wasser für heißen Tee.
Danach geht es noch eine Runde über die Halbinsel, von einem Schützengraben zum nächsten Soldatenfriedhof zur nächsten Gedenkstätte; auch der Süperheld der Türkei, Kemal Attatürk hat hier als junger Oberleutnant gekämpft und große Taten vollbracht. Mir ist es persönlich ein wenig zu viel Nationalismus, ein wenig zu viele Türkeifahnen und ein wenig zu viel Personenkult; aber der zum Teil heftige Anstieg mit 14% Steigung lohnt sich auch wegen der grandiosen Aussicht.
Am späten Nachmittag geht es dann wieder abwärts und wir schaffen unsere Fähre ohne Wartezeit. Bei einem Tee überqueren wir die magische, unsichtbare Linie, die Europa von Asien trennt, aber im Gespräch vertieft und von der Landschaft in und um die Wasserstraße beeindruckt ist sich kaum einer des Moments bewusst und als wir in Canakkale anlegen sind wir in Asien.
Unser Hotel liegt direkt am Hafen mit einer grandiosen Sicht, doch viel Zeit zum genießen bleibt nicht, denn wir treffen uns schon nach einer halben Stunde wieder und ziehen ins Hamam, ins türkische Badehaus. Für mich ist es das erste Mal und es ist glühend heiß und ich werde vom Bademeister eingeseift und von oben bis unten abgerubbelt und durchgeknetet. Danach fühle ich mich angenehm müde und genieße in ein Badetuch eingewickelt starken, türkischen Tee.
Auch das Abendessen ist grandios, wir gehen eher in ein Schnellrestaurant, aber die Auswahl ist einfach umwerfend. Ich wähle Okraschoten und Auberginen, Kuskus und einen lokalen Käsekuchen und bin so satt, dass ich kaum noch Tagebuch schreiben mag…..

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Unser erstes Land, Griechenland, liegt hinter uns, ziemlich genau 1500 Kilometer und mehr als 15.000 Höhenmeter haben wir hinter uns gebracht, Zeit für einen ersten Rückblick

Dieter Koehler, Berlin:

Nach der Schönwetterperiode in Griechenland und der schönen Landschaft, der guten Betreuung durch Yorgos müssen sich die nachfolgenden Länder schon etwas einfallen lassen. Die griechische Kultur, die in mehreren Jahrtausenden gewachsen ist, wurde uns durch die aufmerksame Reiseleitung gut vermittelt, das in der Schule erlernte Wissen über Mythologie und Götterwelt im Geist wieder wachgerüttelt. Die drei Wochen waren ein großes Erlebnis für mich.

Hubert Leber, Launsdorf, Austria:

Das Programm für Griechenland war sehr ehrgeizig: Fast alle bedeutenden Sehenswürdigkeiten Griechenlands waren auf dem Programm. Unsere griechischen Reiseleiter versuchten uns einen vollständigen Überblick über die griechische Geschichte zu vermitteln, zwischendurch radelten wir so ganz nebenbei 1500 km. Trotzdem war es ein tolles Programm, die engagierte Reiseleitung hat mir sehr gefallen, Yorgos an der Radfront, Kostas im Hintergrund mit dem Begleitfahrzeug.

Eckhard Fuss, Ober-Mörlen

Gelungen haben uns Yorgos und Kosta von Gnosis-Reisen als Reiseleitung Griechenland ihre Heimat in seiner landschaftlichen Schönheit nahe gebracht. Gewürzt durch viele geschichtsträchtige Details, für mich fast schon zuviele, wurde uns viel da-war-doch-noch-Etwas aus unserer Schulzeit wieder in Erinnerung gerufen. Mir bleibt jetzt nur noch zu sagen: Herzlichen Dank ihr Beiden von Gnosis: Ihr habt in mir das Bedürfnis NACH MEHR GRIECHENLAND geweckt.

Heino Becker

Griechenland war für mich überraschend schön, interessant und bergig, und ich bin sehr froh und dankbar, diese drei Wochen erlebt und relativ gut überstanden zu haben.

Robert Wenzel

Nach den vielen positiven Bemerkungen auch ein paar negative: Wie anfangs vermutet: Die Streckenführung war die Test- und Auslesestrecke für die China Tour. Aber wir haben alle die Auslese überstanden und können hoffen in China anzukommen. Nervend waren die hunderte von Hundskötern, die uns die Weiterfahrt versperren wollten und das Duschen am Abend war auch etwas nervig (weil die Duschkabinen so eng waren). In den Hotels, die für uns gebucht wurden, herrschte einfach eine andere „Duschkultur“, als wir es gewöhnt sind. Das erste Hotel in der Türkei war diesbezüglich eine Erholung.

Helma Honrath

Agapo i Ellada (Ich liebe Griechenland!) und jetzt noch mehr. Nach der Schneeschmelze in Athen nur noch gutes Wetter, Kultur pur und ein paar unzufriedene und ein paar oberehrgeizige Radler. Tolle Gegenden, super Meeresblicke, leckeres Essen, genial kompetente Kommentare zu griechischer Geschichte und Mythologie, Lust auf mehr…. Wenn ich wieder zu Hause bin, mache ich mal wieder einen Griechischkurs, versprochen!
Es kristallisieren sich so langsam die Charaktere heraus: der Besserwisser, der Wichtigtuer, der Buchhalter, der Bürgermeister, der Militante, die Berliner Schnauze, aber auch der Gentleman, der Humorige, und auch noch ein paar ganz Normale.

Rosmarie Müller

Griechenland =   H wie Hellas
    H wie Highlights
    H wie Hunde
    H wie Hochdruckzone
    H wie Höhenmeter
    H wie Halva (süße Süssigkeit!)
    H wie Hartes Leben

Thomas Krech, Berlin

Als Reiseleiter sollte ich ja nur angenehme Dinge schreiben und das fällt mir bei diesem ersten Rückblick nicht zu schwer, eine angenehme Partneragentur Gnosis mit Yorgos und Kostas, die ich jedem als idealen Griechenlandbegleiter nur empfehlen kann. Natürlich bin ich bisher auch mit meiner Reisegruppe zufrieden, die jede Menge in jeder Beziehung dazu gelernt hat. Und über das Wetter brauche ich ja nix mehr zu schreiben……… Für mich persönlich war Griechenland „Neuland unterm Fahrrad“ und ich war bestimmt nicht das letzte Mal hier, um mich im Schatten antiker Kostbarkeiten an den Juwelen der griechischen Landwirtschaft zu laben: Käse, Oliven und Wein - Yammas!

Andre und Heike Elsmann

Griechenland war für mich Kultur. Alles Wissenswerte hat Yorgos in idealster Weise vermitteln können. Das das Land bergig ist mussten wir schmerzhaft „erradeln“. Es gab aber immer ausreichend Erholungspausen. Wir fanden die Unterkünfte gut gewählt und das Essen wunderbar vielseitig und lecker. Die Picknickstellen waren oft landschaftlich gut gewählt und die Versorgung Klasse. Die griechischen Höhenmeter und Kilometer haben uns auch bewusst gemacht, dass das genaue Planen nicht immer das ist „was der Mensch braucht“. Das Wetter war ideal, aber dafür hat Kostas ja mit den Göttern telefoniert.

Marlis Runge, Berlin

Die griechische Etappe war eine Ouvertüre, wie sie besser nicht hätte komponiert werden können. Sie enthielt alles das, was ich mir von der gesamten Reise erwarte: Herrliches Wetter, sportliche Anstrengung, grandiose Landschaften, fremdländische Kulturen. Alles dies in geballter Ladung. Man hatte kaum Zeit, Luft zu schnappen – dies ist meine einzige Kritik. Ich habe die leichte Befürchtung, dass dieser Auftakt nur schwer zu überbieten ist.

Richard Haumann Tübingen

Griechenland =

G nosisreisen
R iesige Landschaften und Bilder
I mmer bergauf
E gotrip
C lima ist prima
H ellas und Höhenmeter
E in sehr anstrengender Auftakt einer langen Reise
N atur pur vor allem beim Picknick
L angeweile hat keinen Platz
A egina  die erste und letzte Kaffeepause
N ie genug Zeit zum Schlafen
D räume sollen gelebt werden
Helga Struwe, Trittau (Norddeutschland)

Griechenland hat sich uns von seiner schönsten Seite präsentiert:
Grandiose Landschaft, herrliches Wetter (nur einmal hat Zeus die Wolken bewegt und uns einen Regenvormittag beschert), freundliche und neugierig interessierte Menschen (mit Auskunft über den Weg nach Peking: da lang), leckeres Essen, viel Kultur, aber es hat mich auch gefordert mit schwierigen Strecken – besonders mich als Flachländler.

Was für ein Start für unseren Weg!!

Wir haben Freunde gewonnen, von denen wir wieder Abschied nehmen mussten, um unsere Reise fortzusetzen, denn wir sind auf Tour………

Rene Keigel, Schweiz ( in Schweizerdeutsch)

Was mich in Griechenland noch mehr bewundert hat, ist das Wissen von Yorgos über Kultur, Geologie, Geschichte und Mythologie von früheren Zeiten. Schade, dass wir das Land schon durchquert haben, nun muss ich in mühsamer Arbeit in vielen Bücher nachlesen, was ich noch gerne gewusst hätte. In sportlicher Hinsicht ist Radfahren in Griechenland für Schweizer keine große Herausforderung, aber es lohnt sich auf jeden Fall, es unbedingt mit dem Fahrrad zu bereisen. Einmal ist die Landschaft wunderschön, das Essen hervorragend auch wenn ich Käse nicht gerne habe und weiterhin besitzen die Griechen viele Sehenswürdigkeiten, die zu besuchen lohnenswert sind.

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119 Kilometer, 989 Höhenmeter

 Bericht von Tom Krech

Was für ein Tag! Kein Wölkchen trübt den Himmel, so wie uns Griechenland begrüßt und begleitet hat, so verlassen wir es auch wieder. Schon um 6 Uhr haben wir das etwas karge Frühstück bestellt und auch Dieters 73. Geburtstag kommt wegen des zeitigen Geburtstages etwas zu kurz. Kurz nach sieben sitzen wir dann auf den Rädern und fahren in Richtung Grenze. Von den Sturmböen des gestrigen Abends ist nichts mehr zu spüren und es rollt mehr als wunderbar in Richtung der großen roten Fahne mit dem Halbmond und dem Stern am Horizont. Über dem Grenzfluss machen wir die letzten Fotos von Griechenland und auch einige Grenzer wollen mit uns fotografiert werden. Eine gute Stunde brauchen wir für den Grenzübertritt, dann haben wir alles hinter uns gebracht, das Gepäck ist umgeladen, alle haben ihr Stempelchen im Pass, nur Hubert, unser Österreicher braucht ein Visum, welches aber auch an Ort und Stelle ausgestellt wird. Unser neuer Führer heißt Cezmi und an der Grenze erwartet er uns mit einem Bus und Fahrradanhänger, alles sieht gut vorbereitet aus. Wenig später stößt dann noch die Polizei zu uns, wegen des straffen Verkehrs auf türkischen Straßen werden wir wohl in großen Teilen des Landes Polizeischutz haben und so setzt sich unsere Karawane dann in Bewegung. Vorne Cezmi mit seinem PKW, dann wir Radler, hinten der Bus und ganz hinten dran die Polizei mit Blaulicht. Auch haben wir eine neue Fahrstrategie für die Türkei, wir haben drei kleine Gruppen zu vier Personen, die zusammen bleiben sollen und zur Vordergruppe eine Lücke für überholende Autos lassen muss. So geht es dann auch recht flott vorwärts, sogar in den ersten Bergen halten alle mit und auch Helga, die sonst im langsamen Tritt die Berge hochradelt steigt eisern in die Pedale. Gut sieht es hier aus auf den Dardanellen. Sanfte Berge mit dichtem Kiefernwald und nach dem ersten Picknick, das sich noch nicht von einem griechischem unterscheidet. Die meisten Lebensmittel kommen ja noch aus „alten“ Beständen, doch eine gute Neuerung ist der türkische Schwarztee, der uns gereicht wird.
Schließlich geht es abwärts hinunter zum Meer. Auch hier ist die Landschaft sanft geschwungen, aber es gibt weite Wiesen und Felder, auf denen die Wintergerste warm und sattgrün in der Nachmittagssonne leuchtet, unten das Meer in einem intensiven Blau, wie ich es kaum zuvor gesehen habe. Links und rechts der Straße Dutzende von Bunkern, die an sinnlose Schlachten und ein sinnloses Abschlachten während des ersten Weltkrieges erinnern.
Allerdings hat der Wind wieder aufgefrischt und alle sind sichtlich angestrengt, dazu sind alle bemüht die Disziplin in der Fahrerfolge zu halten, aber ich sehe auch, dass dies ganz schön an den Nerven zerrt und bei einem ungeplanten Schlenker des Vordermannes ereifert sich so mancher Nachfahrende. So bin ich froh, als wir dann gegen halb fünf Gelibou, ein kleines Städtchen, erreichen und das Hotel allen Erwartungen gerecht wird. Trotzdem ist nach der Pause zum Abendbrot im Hotel die Stimmung immer noch ein wenig gedämpft und ich denke so bei mir: „Neues Land-neue Herausforderungen!“
Vor dem Hotel war noch ein schöner Basar, mit viel Obst und Gemüse und weiter hinten dann auch Schuhen und Klamotten. Gefreut hatte ich mich nach den ohne Zweifel sehr leckeren fleischlichen Verführungen Griechenlands auf ein reichhaltiges Gemüseangebot, aber das Essen im Hotel war eher mäßig, lediglich geeignet den Hunger nach einem langen Tag zu stillen.

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von Komotini über Alexandropolis nach Feres, 98 km, 1044 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Obgleich Regenwetter vorausgesagt war, ist der Himmel strahlend blau und die Sonne zeigt sich, allerdings nicht zu warm. Heute ist unser letzter ganzer Radfahrtag in Griechenland, unser Zielort Feres liegt nur 15 Kilometer von der Grenze entfernt. Doch bevor jeder von uns im Sattel seinen Gedanken nachhängen und den ersten Teil der Tour noch einmal Revue passieren lassen kann, müssen wir erst einmal heraus aus der Stadt und das ist die Hauptstraße in Richtung Türkei und entsprechend ist der Verkehr, die Autobahn seit Jahrzehnten in Planung und seit Jahren in Bau, die neue Agnätia, ist hier noch nicht fertig gestellt. Auch die antike Agnätia führte damals hier entlang und verband alle Ecken und Enden des Reiches miteinander, allerdings nur aus zwei schmalen gepflasterten Streifen bestehend, die genau den Abstand der genormten Wagenspuren hatten. Natürlich gab es Vorfahrtsprobleme und genau bei einer solchen Streitigkeit erschlug Ödipus seinen Vater und in Athen erschoss vor einigen Wochen einer einen anderen Autofahrer, der ihm die Vorfahrt genommen hatte. Das Beispiel zeigt sehr anschaulich, wie sehr die Griechen mit ihren Traditionen und antiken Wurzeln verbunden sind.
Endlich weg von der Hauptstraße kommen wir an einem Straßenmarkt vorbei und beschließen hier noch einen Kaffee zu trinken. Der Markt ist schon nicht mehr sehr griechisch, sondern wird von moslemisch-griechischen Minderheiten dominiert und die Händler preisen lauthals ihre Waren an; trotzdem können wir dann noch einmal Eindruck schinden, als ich mit der Trillerpfeife zum Aufbruch blase und alle brav auf die Räder steigen, sind die heimischen Marktgäste sichtlich beeindruckt von der der Disziplin in der deutschen (und österreichisch-schweizerischen) Radlergruppe.
Auch wenn der Anstieg sich gemächlich hinzog, war es ein sehr gemütliches Tal mit einem Ausblick auf sanfte Landschaften, die mich ans Thüringer Becken, meine ursprüngliche Heimat, erinnerten. Ein richtiges Oben gibt es nicht, da es immer wieder ein wenig hoch und runter geht und irgendwo an einer eingefassten Quelle wartet dann auch Kostas mit dem letzten griechischen Picknick auf uns. Alle sind wir schon etwas in Abschiedsstimmung, aber ich denke, dass wir mit der Türkei noch lange nicht im kulinarischen Niemandsland ankommen werden.
Alexandropolis scheint ein hübsches Städtchen zu sein, aber leider bleibt uns hier keine Zeit, außer einer kurzen Rast in der Nähe des Hafens am Leuchtturm, dann geht es weiter in Richtung türkische Grenze. Eigentlich hatten wir ja geplant hier zu übernachten, aber dann hätten wir morgen 160 Kilometer plus Grenzübertritt vor uns gehabt.
Der Wind hat inzwischen komplett aufgefrischt und bläst und kräftig entgegen, noch kräftiger als am Vortage und das ist wohl der Tribut, den wir ans Wetter zahlen müssen, entweder Winde aus dem Süden und in unserem Rücken, aber mit viel Nässe angereichert oder aber kalt und trocken aus den zentralasiatischen Steppen kommend. Für die nächsten zehn Kilometer brauchen wir eine gute Stunde, deshalb beschließt ein Teil der Gruppe dann doch aufs Auto umzusteigen, nur ein Rest von sieben Tapferen kämpft weiter. Da ich den ganzen Tag hinten gefahren war, spende ich erst einmal für die nächsten 15 Kilometer Windschatten und kämpfe vorn gegen die verschiedenen Nuancen des Gegenwindes; steife stetige Brisen von vorn, oder böse Böen von halblinks, oder gemeine Windstöße aus überraschenden Richtungen wechseln einander ab.
Trotzdem kommen wir eine knappe Stunde später in Feres an, fast gleichzeitig mit unseren Busreisenden, wir müde und ausgepowert, die Anderen etwas erholter.
Das Hotel ist ganz gut, alle haben riesige Zimmer und ich nutze das Vorhandensein von drei Heizkörpern dazu, die wichtigsten Wäschestücke noch einmal durchzuwaschen.
Wie üblich geht es dann um halb acht weiter ins Lokal, klein und nett, aber das Essen noch einmal sehr lecker. Wir trinken noch einmal griechischen Rotwein und ein paar Reden werden zum glücklichen Abschluss unseres Auftaktabenteuers Griechenland gehalten. Zu spät gehen wir nicht zurück zum Hotel, wir müssen morgen zeitig los, auch wenn der Marktplatz im Karnevalsfieber brodelt und zu megalauter Musik Gestalten aus der griechischen Mythologie mit arabischen Scheichen, pelzbekleideten Teutonen und anderen aufgeputzten Gestalten tanzen.

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Bericht von Tom Krech

Der Tag beginnt gut mit Kaffee und frischem Brot und der hausgemachten Craneberry Marmelade, die Beeren dazu hat die Familie selbst in den Ausläufern der Rhodopen gesammelt. Nebenbei schicke ich noch ein paar Dateien für meinen Blog nach Berlin, was bei dem langsamen Modemanschluss eine Weile dauert. Der Himmel draußen sieht noch etwas unentschlossen aus, weiß noch nicht, ob er uns mit Wasser zuschütten soll oder nicht. Gegen 8.30 Uhr kommen wir dann los, nachdem Helma noch einmal nachdrücklich darum gebeten hat, die schwächeren Fahrer nicht einfach hinten hängen zu lassen, vor allem wenn es ums Spenden von Windschatten geht. Alle geloben Besserung, doch erst einmal geht es den Berg hinauf, was uns in der morgendlichen Frische nicht ungelegen kommt. Inzwischen werden die Wolken immer finsterer und erst fängt es an zu tröpfeln und dann zu gießen. Obwohl die Regenwarnung schon den zweiten Tag über uns hing haben ein paar Leute ihre Regensachen noch auf dem Fahrzeug, aber das ist natürlich längst weg.
Ich genieße das Geräusch der Regentropfen auf meiner Mütze und habe mich schön warm eingepackt, die kleinen noch kommenden Steigungen zuckele ich gemütlichst nach oben, um nicht zu schwitzen und meine Regenausrüstung besteht ihre erste Probe. Nachdem wir dann eine Stunde später in Xanthi einrollen ist auch der Regen vorbei und es klart etwas auf. Wieder erfolgt eine große Orgie des Umziehens, wozu wir mehr als eine halbe Stunde brauchen. Wenigstens hatte es etwas witziges, denn in dem Augenblick, als Yorgos sich seiner Regenhose entledigt, hält direkt vor ihm ein Reisebus mit einer Mädchengruppe, die aus dem Bus herausstolpernd als erstes den halbnackten griechischen Helden bewundern dürfen.
Mit ein paar Stücken Schokolade gestärkt geht es dann aus der Stadt hinaus und die Landschaft wird sehr flach und eben. Alle fahren dicht beieinander, nicht zu langsam, nicht zu schnell, und wir kommen trotz des leichten Kantenwindes gut voran. Noch bevor wir über die nächste Düne sehen können riechen wir schon das Meer, dieser angenehme Geruch nach Salz und Muscheln und dann radeln wir ein paar Kilometer direkt an der Küste entlang. Schade, dass wir kurz nach dem Regenguss beschlossen hatten, heute kein Picknick zu machen, sondern in eine Taverne einzukehren, denn hier am Strand zeigt sich sogar ein wenig die Sonne und es wäre ein wunderbarer Rastplatz gewesen. Aus Yorgos etwa 20 Kilometern bis zum Mittagessen werden dann wieder einmal 35 Kilometer und die Bezeichnung „griechischer Kilometer“ oder „griechische Höhenmeter“ unser running Gag für ungenaue Angaben, die wir inzwischen auch nicht mehr so ernst nehmen.
Doch gegen 14 Uhr ziehen wir dann in einer netten Taverne ein, auf meine Bitte vom Vortage hin, hatte Yorgos eine Dorade oder auch Goldbrasse für jeden geordert, die hervorragend gegrillt ist und wunderbar schmeckt. Gut gefüllt steigen wir eine gute Stunde später wieder aufs Rad, um die letzten 35 Kilometer (griechische Kilometer?) hinter uns zu bringen, aber der Wind hat noch einmal aufgefrischt und so wird es jetzt für einige richtig anstrengend gegen den Wind zu steigen. Wenigstens gibt es auf der kleinen Straße kaum Verkehr, doch trotzdem kommen wir erst kurz vor 18 Uhr in Komotini an und einige sind recht geschafft, vor allem von dem windigen letzten Drittel des Tages. Mit dem Wetter hatten wir Glück, denn der morgendliche Regenschauer, der zwar heftig war, dauerte nicht länger als eine Stunde und so wollen wir diesen Tag nicht als Regentag werten.
Im Hotel soll es sogar Internet geben, aber nur einen Augenblick nachdem die letzten unserer Gruppe ihr Zimmer betreten haben fällt im gesamten Hotel der Strom aus und soll erst nach einer Stunde (giechische Stunde) wiederkommen, doch glücklicherweise funktioniert wenigstens die warme Dusche.
19.30 Uhr hat sich noch nichts getan, wenigstens funktioniert die Bar im Hotel mit Kerzenbetrieb, der Barkeeper versteht einigermaßen Englisch, nur meine Frage nach einem Freibier auf Kosten des Hauses, sozusagen als Kompensation, das wollte er wohl auch nicht verstehen. Nicht nur im Hotel liegt das Stromnetz flach, auch in der Straße und der ganzen Stadt. Schuld daran ist ein Streik der Elektrizitätswerke. Etwas nach halb neun ist es dann geschafft, kurz flackern die Lichter, dann ist es wieder hell und ein „Aaaaahhhhh“ geht durch den Raum und um neun Uhr sitzen wir dann bei einem leichten Abendessen bestehend aus einem Salat und einem Nudelauflauf, genau die richtige Menge für die späte Stunde.

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Bericht von Tom Krech

Nach Yoga und Frühstück gibt es noch eine kleine Verzögerung, da ich wiederholt versuche die Ursache für das ständig knarrende Geräusch aus Helmas Vorbau zu finden. Die Schraube für den Vorbau sitzt etwas schief im Gewinde und es braucht eine gute halbe Stunde, bis wir die Spannschraube wieder so gerichtet haben, dass die Schraube auch wieder fasst. Das Geräusch ist danach zwar immer noch nicht weg, aber doch deutlich geringer. Spätestens in der nächsten größeren Stadt sollte da ein Mechaniker einmal einen Blick darauf werfen.
Bisher ist das Wetter noch indifferent, es ist trüb, der gefürchtete Regen ist bisher ausgeblieben und darüber sind alle recht froh.
Die Ausgrabungen von Phillipi sind die umfangreichsten, die wir bisher hier zu sehen bekommen haben, gut erhalten und restauriert ist das Theater. Eckhardt kann von ganz oben noch jedes Wort von dem verstehen, was Yorgos unten auf der Bühne erklärt. Auch die Reste der beiden Kirchen sind beeindruckend, wir bestaunen die Qualität und Monumentalität der Arbeiten und fragen uns, wie viel von unserer Kultur in eintausendfünfhundert Jahren noch erhalten sein wird. Auf besonderes Interesse stößt der einzige erhaltene Sanitärtrakt mit Wasserspülung, interessanterweise wurde dafür kein Frischwasser verwendet, sondern Abwasser aus den Haushalten, also schon der Vorläufer einer ökologisch orientierten Bauweise.
Inzwischen hat der Wind sogar die Wolken vertrieben und die Sonne scheint fast so, wie in den letzten Tagen. Wir biegen dann von der Hauptstraße ab und fahren kleine Nebenstraßen, endlich ist der dicke Verkehr weg und es geht zügig vorwärts bis zum Mittagsbuffet auf einem Spielplatz in einem kleinen Dorf, was dann zu kleinen Spielen auf der Wippe und der Schaukel einlädt.
Der Nachmittag hält wieder schöne Landschaft für uns bereit. Links liegen Berge, Ausläufer der Rhodopen, die sich zum Teil schon in Bulgarien befinden, die Grenze ist nur zwanzig oder dreißig Kilometer entfernt.
Nach einigen mittleren Hügeln und Steigungen geht es dann abwärts und nach einer Kurve liegt dann Komnina, ein winziges Städtchen in der Abendsonne. Es ist so klein, dass es nicht ein einziges Hotel gibt und so teilen wir uns in zwei supernette Familienunterkünfte auf, wo wir alle noch einen frisch gebrühten Kaffee in der Abendsonne genießen. Das erstaunlichste ist, dass es einen Computer mit Internetanschluss gibt und sich bis zum Abendbrot alle an diesem einzigen Computer drängen, um den daheim zurück Gebliebenen einen Gruß zu senden.
Das Lokal im Ort ist grandios, vielleicht sogar das beste Essen, dass wir in Griechenland bekommen haben, neben einem super fruchtigen Rotwein, gab es ein hervorragendes Gericht aus Kichererbsen, der regionale Balsamicoessig zum Salat war eine Wucht, ebenso, wie das Rindfleisch mit Zimt und Koriander.

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von Asprovalta nach Kavala, 80 Kilometer, 690 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Heute brechen wir etwas etwas zeitiger auf, nicht weil wir einen harten Tag vor uns haben, sondern weil unser Ziel Kavala heißt. Kavalas Altstadt liegt unter einer alten byzantinischen Festung an einen Berg geschmiegt. Ein Aquädukt aus osmanischer Zeit, versorgte die Stadt mit Wasser. Engste Gässchen winden sich zwischen alten Häusern hindurch. An einigen Stellen passen nur noch japanische Kleinwagen durch diese Schlupflöcher. Ein großes Mosaik an der Kirche der Stadt erinnert daran, dass hier der Punkt war, von dem aus das Christentum den europäischen Raum eroberte, denn vor knapp 200 Jahren betrat Apostel Paulus hier den griechischen Boden und begann mit der Missionierung.
Am Morgen ging es von Asprovalta noch eine gute Weile am Meer entlang, bevor wir dann etwas in die Berge abgebogen sind. Mitten in der Landschaft dann ein gewaltiger Felssockel mit einem großen Löwen oben auf, wahrscheinlich ein Grabmahl aus römischen Zeiten, vor dem wir noch ein paar nette Bilder machen.
Die Steigungen in den Bergen sind allerdings nichts gegen das, was wir in den letzten zwei Wochen hinter uns gebracht haben, eigentlich eher Hügel, allerdings bläst ein heftiger Gegenwind, als wir wieder ebenes Gebiet durchfahren und das ist dann für einige von uns eine völlig neue Erfahrung. So geht es dann beim Mittagsbuffet relativ schweigsam zu und auch ich merke, dass mich der Tag anstrengt. Auch müssen wir noch einmal an unserer Gruppenstrategie arbeiten, wenn es etwas anstrengender wird, die Schnellsten fahren sich Windschatten gebend vorneweg und alle sowieso schon langsameren Fahrer kämpfen hinten jeder allein gegen den Wind; kaum sind diese dann wieder bei der Gruppe angekommen, setzt sich die Spitze schon wieder in Bewegung und zieht von dannen; aber ich denke, auch dass bekommen wir recht bald in den Griff. Die letzten Kilometer bis nach Kavala sind noch einmal recht stressig, nicht wegen der letzten heftigen Steigung, sondern wegen des dichten Verkehrs, wohl auch schon ein Vorgeschmack auf die Türkei, in der wir mit Sicherheit eine neue Fahrstrategie brauchen.
Auch ist der Wind ein Vorbote für eine grundlegende Wetteränderung, der Wetterbericht im Internet verhieß für die nächsten Tage nicht viel Gutes, laut Yorgos soll sich das Wetter noch einen weiteren Tag halten und ein Kellner aus einem Kaffee in der Altstadt prophezeit den Regen schon für den nächsten Tag.
Unter Diskussionen zum Wetter verläuft dann auch das Abendessen in einem Lokal am Hafen, das Essen stößt nicht auf zu großes Gefallen, es gibt hauptsächlich Fisch, allerdings nur kleine Sprotten in verschieden Varianten, während im Glaskasten vor der Küche wunderbare Goldbrassen auf Eis liegen. Morgen werde ich unterwegs mit Yorgos reden, dass wir noch einmal ein paar von diesen Tierchen auf den Teller bekommen. Dafür war der angebotene Weiswein sehr angenehm und ein Gericht, das mich an Chinas „Tigerhautchilis“  erinnert, nämlich eine in Olivenöl straff angebratene scharfe Chilischote.
Unser Hotel ist ein eher antiquierter Bau aus den 60er Jahren, mit entsprechender Raumausstattung und die Frage nach dem Internet braucht gar nicht erst gestellt werden.

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von Thessaloniki nach Asprovalta, 92 km, 718 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Heute klappt es ein weiteres Mal mit dem Yoga, immerhin fünf meiner Leute finden sich noch für ein paar Sonnengrüße ein und dann geht es zum perfekten Frühstück in die Halle. Ich verbinde noch einmal mein Laptop mit der Welt und sende noch ein paar Daten ans Büro.
Nebenbei gelingt es mir auch, die Webseite der „Gegentour“, organisiert von einem Litauer, ausfindig zu machen, die so ziemlich unsere Idee kopiert haben. Das ist ja eigentlich kein so großes Problem, das Ereignis Olympia in Peking verträgt ohne Probleme mehrere Touren, aber dass die Organisatoren in ihrer Verkaufswerbung negativ zu unserer Tour Stellung nehmen, ohne verschiedene Konzepte und Inhalte zu diskutieren, das ist einfach nicht sonderlich fair. Die Tour ist natürlich vom Organisationsgrad wesentlich anders gestaltet und hat ebenfalls ein anderes Zielpublikum. Das zu beachtende Regelwerk für den Trip ist recht umfangreich, für meinen Geschmack etwas sehr reglementierend, lediglich die Regel Nummer Vier aus dem umfangreichen Paragraphenwerk dieser Tourorganisation finde ich spitze, dass das Wort des Reiseleiters als Gesetz für die Gruppe zu beachten sei.
Leider gab es von der ‚litauischen’ Tour noch keine Berichte, zumindest konnte ich keine googeln, obwohl dieses Team schon ein paar Tage länger unterwegs ist als wir.
Nach dem Frühstück ziehen wir los und es geht zum dritten Mal an der Hafenanlage vorbei. Heute liegt der Hafen voller Fischkutter und Yorgos erfragt  den Grund dafür: Streik wegen hoher Spritpreise und niedriger Fischverkaufspreise. Bei den Fotos im Hafen verliere ich einen meiner guten Handschuhe, was ich zehn Minuten später zwar merke, aber auch meine Suche bringt nix, der Handschuh ist weg und ich ärgere mich darüber, aber es hilft nichts, wir müssen erst einmal weiter. Aus der Stadt heraus ist der Verkehr stressig und es geht zum Teil straff bergauf. Ich habe das Gefühl, dass die Autofahrer hier in dieser Region rücksichtsloser fahren, als das am Anfang in Athen und Umgebung der Fall war.
Bei dem morgendlichen Stress hatte ich vergessen meine Wasserflasche aufzufüllen doch „Kleinchina“, ein chinesisches Restaurant am Wege ist meine Rettung und die Shanghaier Besitzer sind erstaunt mich dort in Beijinger Dialekt nach einer Füllung der Flasche fragen zu hören.
Oben angekommen haben wir eine wunderschöne Sicht auf eine große Ebene mit einem See und in der Ferne leuchten wie immer schneebedeckte Gipfel. Die Abfahrt ist gigantisch, es geht steil und dreispurig gut asphaltiert nach unten, so schnell, dass ich mich nicht traue auf den Tacho zu sehen, der mir dann unten eine Höchstgeschwindigkeit von 74 Stundenkilometern anzeigt, was ich seit Jahren nicht mehr gefahren bin.
Unten geht es vorbei an grünen Wiesen und schön blühenden Obstbäumen auf gerader Straße und mit leichtem Rückenwind, trotzdem machen wir erst gegen halb zwei Mittagspause in einem kleinen Platanenhain, dort sind wir nicht die einzigen Radler, zwei Italiener haben den Platz kurz vor uns entdeckt und sind dabei eine Speiche zu wechseln. Sie sind vor 17 Tagen in Venedig gestartet, Gianni und Renato, die sich jedoch Marco und Polo nennen; und wollen natürlich  auch nach Beijing. Die Route ist unserer nicht zu ähnlich, sie fahren über den Iran und in China dann auch über Kashgar. Mit einigem Glück treffen wir die beiden noch einige Male auf dem Weg zu unserem gemeinsamen Ziel.
Nach dem Picknick gibt es noch einmal ein wenig Stress, die Gruppe steht in den Startlöchern, nur Yorgos fehlt noch und macht auch noch keine Anstalten zum Aufbruch, also fahren die Ersten los und die Anderen folgen. Ich schaue mich noch einmal um, sehe nur noch Kostas und das Auto und fahre auch hinterher. Am Hotel angekommen ist Yorgos sauer, einmal, weil er eine etwas andere Route geplant hatte und weil wir Marlies vergessen hatten, welche ihr Fahrrad ungünstig geparkt hatte und dann am Bächlein spazieren war. Aber beim Kaffeetrinken im Sonnenschein ist der kleine Kommunikationsstress rasch wieder vergessen. Einige nutzen die Gelegenheit des nahen Meeres zu einem Bad im 15 Grad kalten Wasser, bevor es zum Abendessen ins Lokal direkt neben dem Hotel geht.

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02.03.08: Thessaloniki

Ruhetag, 11,3 gemütliche Kilometer und einmal den Berg hoch und wieder runter

Bericht von Tom Krech

Auch heute brauche ich keinen Wecker um aufzustehen, gegen halb acht bin ich wach und genieße die Dusche und gehe zum Frühstück, dass üppig und lecker aussieht. Aber ich habe keinen großen Hunger, es gab gestern Abend einfach zu viele Leckereien.
Gegen 9 Uhr ziehen wir dann los zu unserer Stadtrundfahrt, zuerst auf dem gleichen Weg des abendlichen Spaziergangs. Die Götter des Olymps zeigen uns in aller Klarheit noch einmal ihren Wohnsitz am anderen Ende des Golfes von Thessaloniki, ein wunderschöner majestätischer Anblick von der Uferpromenade. Weiter geht es wieder zum Weißen Turm, der aber nicht weiß ist, nur einmal in früheren Zeiten so angestrichen war. Yorgos schüttet uns wieder zu mit historischen Informationen zu jedem Detail und Winkel der Stadt, doch wir albern an unserem Ruhetag etwas mehr herum als an „normalen“ Tagen und so entstehen eine ganze Reihe witziger Fotos am Reiterdenkmal „Alexanders des Großen“, der hier in Thessaloniki geboren wurde und bis heute verehrt wird. Nicht sonderlich verehrt wird ein zweiter wichtiger Mann der hier ebenfalls geboren wurde, nämlich Kemal Attatürk, lediglich türkische Reisegruppen pilgern zu seinem Geburtshaus. Weiter geht der Rundgang vorbei und in die wichtigsten byzantinischen Kirchen der Stadt, zum  Triumpfbogen und schließlich auf die Akropolis mit einem weiten Panoramablick über die gesamte Bucht. Leider steht die glühende Sonne im Zenit und die Schatten sind so hart, dass sich kaum ein gutes Foto machen lässt. Inzwischen dauert Yorgos “zwei Stunden Rundgang” schon wieder satte 5 Stunden und etwas hungrig kehren wir zum Hotel zurück, aber ich kenne kein Erbarmen: Erst müssen die Räder gewartet werden, bevor ich die Gruppe in einen ruhigen Nachmittag entlasse. Gut anderthalb Stunden schrauben und putzen wir dann noch an den Rädern, hier und da muss noch etwas verändert werden, die Unwucht in Marlies’ Vorderrad lässt uns keine Ruhe, die Felge ist ok. und auch der dritte Mantel, den wir probieren zeigt nur unbefriedigende Besserung.
Ein Ruhetag ist natürlich auch ein guter Zeitpunkt, um eine erste Bilanz zu ziehen. Gnosis war und ist ein hervorragender Reisepartner für Griechenland. Yorgos, unser mitradelnder Reisebegleiter und Kostas, unser engagierter und geschichtlich genauso gut bewanderter Fahrer, haben alles perfekt organisiert, die Hotels sind gut, sehr oft familiengeführt, also keine Hotelburgen, sondern landestypisch. Die Streckenführung war ganz einfach grandios, wenn auch etwas anstrengend für die Gruppe. Tausend Kilometer liegen hinter uns und fast 10.000 Höhenmeter, die in den Knochen stecken, aber in der Kombination mit dem Kaiserwetter war es ein hervorragender Auftakt für die Tour. Nach der Debatte von Delphi ist die Motivation der Gruppe einfach gut, alle spielen mit und vertragen sich miteinander und ich glaube, alle sind zufrieden mit der Tour, mit sich selbst und keiner hat die Entscheidung, an diesem Abenteuer teilzunehmen, bisher bereut. In den nächsten Tagen werde ich auch wieder diesen oder jenen zu Wort kommen lassen, damit unsere Blog-Leser nicht nur meine Meinung zu lesen bekommen.
Während sich die Gruppe nach der Wartungszeremonie zerstreut, beginnt für mich der eigentliche Arbeitstag, Texte schreiben und versenden, Mails beantworten, Bilder fürs Blog heraussuchen und bearbeiten, das Internet ist grausam langsam und die Dateien zu groß und lassen sich nicht hinreichend komprimieren…..ich weiß noch gar nicht, ob ich die Zeit zum Abendbrot finde.

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von Verginia über Pella nach Thessaloniki, 55 km, 140 Höhenmeter

Bericht von Tom Krech

Heute können wir länger schlafen, da die Ausgrabungen erst um 8.30 Uhr öffnen und so verwirklichen wir heute vor dem Frühstück noch eine Viertelstunde Yogaübungen. Ausgehend von Roberts Rückenschmerzen hatte ich angeregt, jeden Morgen vor dem Frühstück ein paar Sonnengrüße zu machen und heute kommen dann auch wirklich noch vier Leute mit auf die Terrasse, auch mir tut es gut meinen Körper wieder einmal richtig zu strecken und die Sehnen ein wenig zu dehnen und danach schmeckt das Frühstück, auch wenn es eigentlich nicht besonders gut ist, doppelt so gut.
Besonders gut und interessant ist dann die Ausgrabung im Grabhügel von Verginia, in der Nähe lag hier früher de Mazedonische Hauptstadt und in den 70er Jahren öffneten hier die Wissenschaftler eine Grabkammer, die noch nicht geplündert war und von der sie vermuteten, dass sie das Grab Philips II, des Vaters von Alexander dem Großen, beinhaltet. Beeindruckend die aus Blattgold getriebenen  Kränze, aufs feinste dekorierte Sargtische und Prunkrüstungen, ebenso wie die erhaltenen Fresken, die einen blassen Eindruck von der hoch entwickelten griechischen Malkunst geben.
Beeindruckt steigen wir aufs Rad und fahren in den Morgennebel hinein, ich bin etwas zu dünn angezogen und fahre etwas fröstelnd vor mich hin, als es in einem kleinen Städtchen plötzlich vor mir rappelt, Eckhardt steigt über den Lenker ab, Hubert, der unmittelbar vor mir fährt ebenfalls und ich komme nur zwei Zentimeter vor Huberts Rad zum Stehen. Schuld war ein Gullideckel, der übersehen worden war und bei einem Ausweichmanöver begann dann unser kleiner Massensturz. Zum Glück ist nichts passiert, Eckardt hat eine kleine Schürfwunde am Oberschenkel und Huberts Kamera, die mitten auf der Straße liegt, ist noch komplett intakt, und ich bin nur mit einem Adrenalinstoß davon gekommen.
Weiter geht es durch komplett flaches Land der Ebene von Mazedonien. Früher war hier einmal ein großer Sumpf und sogar ein See, denn die Mazedonier haben hier auch mit Booten gegen die Griechen aus dem Süden gekämpft. Seit noch nicht einmal hundert Jahren erst sind See und Sümpfe trocken gelegt und es wird großflächig Landwirtschaft betrieben. An einem Parkplatz in einem kleinen Dorf halten wir für ein kurzes Jubiläum, der tausendste Kilometer liegt nun hinter uns. Weiter geht es über kleine, aber gut befahrbare Feldwege bis nach Pella, wo eine ehemalige große Stadt Mazedoniens lag, die unter Alexander dem Großen hier als eine der ersten Städte der Welt vom Reißbrett aus angelegt wurde. Gleich große rechteckige Parzellen, mit Wasser und Abwassersystem versehen, wurden hier an die Reichen der Reichen vergeben, die sich in prachtvollen Häusern einrichteten. Geblieben sind Säulen und Grundrisse von Häusern, wundervolle Bodenmosaiks und ein gut bestücktes Museum. Heute ist es wieder Kostas, der uns mit viel Humor durch beides führt und wir stehen alle staunend vor den Ruinen einer Kultur, die uns und unser Denken maßgeblich geprägt hat, was kaum einem von uns vorher so klar zu Bewusstsein gekommen ist. Doch drückt sich dies nicht nur in den beieindruckenden Baudenkmalen, Fresken, Bildern, Friesen und Säulen aus, sondern auch in der Sprache, jeden Tag bin ich erstaunt wie viele Wörter schon mehr als 2000 Jahre alt sind und ihren Ursprung am Ufer des Mittelmeeres haben. Natürlich auch nicht zuletzt unser Denken geht bis hierher zurück, hat doch hier schon Aristoteles gewirkt, der sich von den Gedanken Platons trennte und damit waren die zwei großen Grundrichtungen der Philosophie geschaffen, bestimmt nun das Sein das Bewußtsein oder das Bewußtsein das Sein? Denkt mal drüber nach!
Alles Bewusstsein hilft nichts, wegen des heftigen Verkehrs fahren wir alle mit dem Bus nach Thessaloniki, was natürlich etwas Zeit braucht, da Kostas zweimal fahren muss. Den Abend verbringen wir in einem Schnapslokal und alle probieren einen „Trester“ Schnaps, der einem italienischen Grappa fast gleichen soll, sagen unsere Alkohol-Profis. Ich nippe nur einmal kurz und finde, es ähnelt rumänischem Slivowitz. Dazu gibt es reichlich Seafood, Muscheln und Tintenfische in allen Versionen. Da es eine Kultkneipe ist, sitzen wir alle dicht gedrängt und man kann sich kaum noch bewegen, schon gar nicht nach dem mehr als reichlichen Essen. Also beschließen wir noch einen nächtlichen Spaziergang durch die wochenendlich belebte Innenstadt mit hunderten Kneipen und Bars und angeleuchteten Sehenswürdigkeiten. Von der Seeseite an der Uferpromenade weht ein angenehmes Lüftchen und wir wandeln schwatzend zum Weißen Turm und vorbei am Kneipenleben zurück zum Hotel. Da sich die Klimaanlage nicht regulieren lässt kühle ich mein Zimmer nach sowjetischer Methode Heizung und Fenster bis zum Anschlag offen.

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