Monatsarchiv für Februar 2008

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Ancona

Eintrag von Tom Krech

Ankona ist ein kleines verschlafenes Städtchen an der Adria, die wunderbar blau in der Wintersonne strahlt. Es sind sechs Grad und in der Sonne ist es sehr angenehm und es sieht so gar nicht nach Schnee und starkem Wind aus, der uns in Athen erwarten soll. Wir entschließen uns, in der Zeit, die wir noch auf die Fähre warten müssen einen kleinen Stadtbummel zu machen. Menschen gibt es kaum auf den Straßen, aber es ist ja auch Sonntagmorgen zehn Uhr und die Italiener sind ja eher keine Frühaufsteher.
Auf dem Hügel über der Stadt thront eine byzantinische Kirche, zu der wir wollen. Rechts scheint uns ein verträumtes Gässchen wie eine Abkürzung, die dann wieder nach links abbiegt, schmaler wird und wieder nach rechts führt und noch schmaler wird. Volker will schon umkehren, doch unsere Neugier siegt, noch ein paar Mal geht es nach links und rechts, wird finsterer und wir erwarten gleich ein totes Ende, dann eine Treppe nach oben und ein Holztor, durch das wir auf den Markt und die Kirche blicken können, doch die Tür ist zu und wir gucken verdutzt durch ein Loch nach draußen. Auf der anderen Seite stand plötzlich Wolfgang, der einen anderen Weg gegangen war und guckt verdutzt durch die Löcher in der Tür nach innen. Ein gemeinsamer Ruck und das Tor ist offen, es hat nur geklemmt und wir stehen endlich vor der Kirche und wenig später in dem hohen Gewölbe, mit Marienstatue und klassischen Gemälden der Kreuzigung Christi.
Vom Hügel hat man einen tollen Blick über die Stadt und die Bucht. Kleine Häuserzeilen schmiegen sich aneinander und bilden kleine verwinkelte Gässchen, wo die Wäsche aus den Fenstern hängt. Wir schlendern zurück zum Bootsanleger und trinken noch einen Cappuccino, der von einer chinesischen Bedienung serviert wird und schon hängen alle Gedanken wieder an der Seidenstraße und den Landschaften und Abenteuern, die uns erwarten. Doch erst einmal biegt die Fähre in den Hafen ein, die uns nach Patras bringen soll.

 Café in Ancona   Vor dem roten Bus   Ortskern Ancona 

 Hängender Jesus   In Ancona   auf der Fähre

Der Bus verschwindet auf den Parkdecks und wir checken in unsere Kajüten ein, ich teile mir ein Zimmer mit Volker, es ist verdammt eng, fast wie in einem Eisenbahnabteil und zu viert tritt man sich dann gut auf die Füße. Ich glaube, dass ist der größte Kahn, auf dem ich je gewesen bin und die langen Flure sind beeindruckend. Das Restaurant ist leer, der Wein gut und das Essen ist ok, aber nicht überwältigend, aber nach Salat und Lamm zumindest sehr reichlich und mich stört dann nicht einmal Volkers Schnarchen, um einschlafen zu können.
Die Besatzung des Schiffes hat von unserem Plan gehört und so werden wir auf einen Willkommensdrink in die Bar eingeladen. Vorher besichtigen wir noch, vom Kapitän eingeladen, die Brücke und stehen staunend vor Radarschirmen hebeln und Knöpfchen und werden dezent abgemahnt, auch nichts anzufassen. Möchte gerne wissen, wofür der große rote Knopf in der Mitte ist, traue mich aber nicht zu fragen.

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16.02.2008 Freiburg-Athen

Abschied und Abfahrt in Freiburg

Bericht von Volker Häring

Nachts mit dem Bus durch die Schweiz. In Italien angekommen, geht es uns wie Obelix in „Asterix bei den Schweizern“. „Wie ist das Land der Schweizer?“ „Flach!“ Ab und zu ein schemenhafter Bergriese, der mit Schnee glänzt, das war’s, schon sind wir über die Alpen. Oder besser unten durch. Gerne wäre ich auch dieses Stück geradelt, und Tom, der ja eigentlich sowieso schon im Januar losradeln wollte und nur durch seine Familienpflichten davon abgehalten wurde, wohl auch. Nun rollen wir auf leeren Autobahnen in Richtung Ancona, versuchen ein wenig Schlaf abzuholen, sind aber wohl alle zu aufgeregt, um wirklich Ruhe zu finden, da hilft auch kein Holunderschnaps. Alle Minute wirft sich unruhig einer der Teilnehmer von einer Sesselseite auf die andere, nur zuweilen klingt der Anflug eines Schnarchens durch den Bus. Gestern der große Bahnhof in Freiburg, Tränen, gute Wünsche und ein paar Journalisten, ein Abschiedsessen beim Chinesen, der ein Vietnamese war. Beschnuppern, von den Vorbereitungen erzählen, über die Reise spekulieren. Schnee haben sie angesagt für Athen, die Funktionsunterwäsche und die Handschuhe sind eingepackt. Ab Mitte der Woche dann Sonne und bis zu 15 Grad, verkündet der Trend bei Wetter online. Gerade richtig, denn am Donnerstag brechen wir aus Athen auf und treten gleich kräftig in die Pedalen: 120 Kilometer und jede Menge davon bergauf.

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Noch sechs Tage bis zum Start…

12.Februar 2008- Noch 6 Tage bis zum Start in Athen 

Das Wetter in Berlin ist traumhaft und, laut internationalem Wetterbericht in Athen auch, nur die Türkei ist noch eisigkalt.

In meiner Berliner Wohnung stapeln sich Landkarten, Bücher, Notizen und lose Zettel neben Haufen von Funktionswäsche, Fahrradersatzteilen, Fotoausrüstungsteile, Schokolade und eine Flasche selbst angesetzten Holunderschnapses warten darauf verpackt zu werden, oder besser noch dreimal ein- und wieder ausgepackt zu werden. Auf dem Schreibtisch liegen eine fast fertige Steuererklärung, Verträge mit den Untermietern meiner Wohnung und Berge unerledigten Schriftverkehrs.

Es kribbelt den ganzen Tag im Bauch und mitten in der Nacht schrecke ich hoch und mache mir eine Notiz, ich darf nicht vergessen, den bestellten Schlüssel fürs Tretlager abzuholen. Wie soll ich den Elternabendtermin im Kindergarten schaffen, wenn der Kurierfahrer, der mein Fahrrad und das Gepäck nach Freiburg bringen soll, zur gleichen Zeit kommt.

Am Samstag dann kann ich endlich aufatmen, ich werde in den Zug nach Freiburg steigen und dort dann in den Bus nach Athen, meine Flasche Holunderschnaps herumreichen und leicht beschwipst den fehlenden Schlaf der letzten zwei Wochen nachholen und dann gibt es nur noch die Gruppe, die Reise und mich.

Auch die anderen sind aufgeregt, packen ein und wieder aus und organisieren und fragen noch einmal nach. Wie steht es mit den Visa für Turkmenistan? Soll ich noch eine Luftpumpe einpacken? Welche Medikamente werden noch benötigt? Wer hat welche Bücher im Gepäck?

Das große Verabschieden hat begonnen, die Familie, die Freunde, die Kollegen, alle die man mag und nicht mag sehen wir nun für sechs Monate nicht mehr, aber alle fiebern mit und das ist das Schönste dabei, beneiden uns um unsere Reise.

Schon in einer Woche liegen die ersten Kilometer auf den nagelneuen Koga-Miyata Rädern hinter uns, Berge, Straßen, Landschaft und Kulturen vor uns. Fast sechs Jahre sind von der Idee der Tour bis heute vergangen, noch letztes Jahr haben nur wenige daran geglaubt, dass wie unsere Gruppe zusammen bekommen und diese Reise durchführen werden, heute läuft im Büro das Telefon heiß, hier noch ein Interview und da noch ein paar Fotos, ohne Zweifel, man wird von uns hören und wenn alles nur halb so gut klappt wie erträumt, dann ist dies nicht die letzte Tour dieser Art. Auch ich als Reiseleiter habe ein gutes Gefühl, alle Teilnehmer, mit denen ich so oft in den letzten Tagen telefoniert habe, machen einen sympathischen Eindruck. Es wird wohl hier und da Probleme geben können, das bleibt bei einer so langen Zeit und den Anstrengungen der Tour nicht aus, aber der Gedanke, der uns hier zusammen geführt hat, nämlich von Athen bis Peking zu radeln, wird uns zusammenhalten.

 

Auf dem Gendarmenmarkt in Berlin

 

 

 

Erste Planungen in Berlin

 

 

 

Logo auf dem Tourenrad mit dem alle 16 Teilnehmer nach Peking fahren

 

 

 

Was nehme ich mit - ein halbes Jahr weg!

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