Monatsarchiv für Februar 2008

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26.02.2008: Der erste Tag ohne Ulli

Von Lutra Ipatis durch die Ebene von Thessalien nach Pili, 125 km, 1134 Höhenmeter

Von Tom Krech

Der Tag beginnt traurig, unser Künstler, Lebenskünstler und gute Laune Tank verlässt uns, nein Ulli hat nicht aufgegeben, Ulli muss einen Abstecher nach Mexiko machen, Familienangelegenheiten, ein schöner runder Geburtstag, und in spätestens zwei Wochen ist er wieder zurück. Doch bis dahin wird er uns mächtig fehlen, aber es ist auch ganz gut für Ulli, der in einer nächtlichen Aktion im Foyer des Hotels seine sechs großen Taschen sortiert hat und sich nun etwas erleichtern kann. Sein Fahrrad führen wir natürlich bis dorthin auf dem Trailer mit.
Heute ist es ziemlich frisch, 4 Grad über Null zeigt das Thermometer, aber es scheint wieder einmal ein grandioser Tag zu werden, denn kein Wölkchen trübt den stahlblauen Himmel. Auf einem holprigen Schotterweg geht es am Anfang vorbei an Baumwollfeldern, Obstgärten und knorrigen Platanenhainen. Dann kommen wir wieder auf die Straße zurück und klettern den nächsten Berg hinauf. Es ist ein schöner Berg mit grandiosen Ausblicken, nicht zu steil, aber auch nicht ganz ohne Anstrengung zu fahren. Auf der anderen Seite beginnt die Ebene von Thessalien noch etwas hügelig und an einem kleinen Stausee machen wir dann unser übliches mittägliches Picknick. Die Hälfte des bis dato längsten Tages ist geschafft und ein Großteil der Höhenmeter liegt hinter uns und alle sind noch guter Laune.
Am Nachmittag kommen wir alle ganz gut zurecht mit dem Windschattenfahren, das Feld hat sich in zwei Gruppen aufgeteilt, die einen ein wenig schneller und die anderen ein paar hundert Meter hinterher. Dieter, unser ältester und erfahrenster Radler, spendet der zweiten Gruppe Windschatten und ein angenehmes Tempo und so ist recht schnell die 100 km Marke erreicht. Danach wird es für einig noch etwas anstrengend, denn nach dem langen Sitzen tut doch der Po am Abend etwas weh. Doch trotz der 125 km Etappe sind wir noch im Hellen am Hotel und allen ist die Angst vor der Megaetappe am übernächsten Tag genommen.
Das Hotel ist sehr angenehm, schöne Zimmer mit guter Sicht auf den Eingang in eine schmale Schlucht, über die eine alte gemauerte Einbogenbrücke führt, die gut und gerne hätte auch im alten China stehen können.
Leider gibt es im Hotel wieder kein Internet, aber große Waschbecken und eine große Heizung in den Zimmern, so dass ich mir einen Waschtag verordne, was mich bis zum Abendbrot in der nahe gelegenen Taverne beschäftigt. Obgleich des langen Tages ist die Stimmung beim Essen locker und gelöst, wahrscheinlich, weil wir am nächsten Morgen etwas länger schlafen können und uns nur eine kurze Etappe erwartet.

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25.02.2008: Verluste an den Themophylen

von Amfiklia über den Kallidromo Berg nach Loutra Ipatis, 90 km, 1400 Höhenmeter

Von Tom Krech

Bis zum Ruhetag am Ende der Woche liegen noch einige schwierige und eine „Hammeretappe“ vor uns und heute ist die Feuerprobe, wie gut unser Team inzwischen in Schwung gekommen ist. Laune und Wetter stimmen erst einmal am Morgen als wir relativ zeitig aufbrechen und uns eine kleine Bergsstraße hinauf und hinunter bewegen. Die Sicht ist in alle Richtungen grandios. Rechts neben uns leuchtet der schneebedeckte Parnassos und auf der anderen Seite erhebt sich hinter einer Ebene der Kallidromo Berg. In einem kleinen Dorf wird Frank entführt, eine Griechin packt ihn an der Hand, zerrt ihn eine kleine Gasse hinauf und die beiden verschwinden hinter einer Tür. Nach einigen Minuten taucht Frank mit einer Tüte in der Hand wieder auf, darin drei frische Brote, wie oder was er dafür bezahlte, wollte er uns nicht verraten.
Eine Stunde später sind wir dann auch schon auf dem Weg nach oben, besonders heftig sind kleine Ortsdurchfahrten, denn hier führt die Straße gerade steil nach oben, außerhalb des Ortes ist es nicht so schlimm, es geht in angenehmen Serpentinen bergan und Kiefern spenden Schatten vor der Februarsonne, der man in dieser Jahreszeit kaum so viel Kraft zugetraut hätte.
In einem kleinen Dorf dann auf dem Marktplatz entladen wir unsere Lebensmittel und tanken neue Energie in Form von Käse, Tomaten und Brot. Wein wird nicht mehr so viel getrunken wie in den ersten Tagen, auch ein Zeichen dafür, dass es für die meisten von uns anstrengender geworden ist als vor der Reise erwartet. Helma die wegen einer Schwellung der Achilles Sehne nun schon den zweiten Tag im Auto sitzen muss hat alles ganz toll hergerichtet und unser tägliches Picknick wird nach und nach zu einer lieb gewordenen Einrichtung, die wir nicht missen wollen.
Nach dem Picknick geht es noch einmal kurz und steil bergan, da ich wie üblich zu viel gegessen habe, falle ich fast vom Rad, aber hinter der Kuppe geht es steil abwärts in Richtung der Thermophylen und unter uns liegt das Meer, der Golf von Maliakos. An einer Abzweigung sind vier Leute zu schnell und haben den falschen Weg gewählt, wir haben keine Chance sie auf der 600 Meter Schussfahrt zu stoppen und fahren den richtigen Weg weiter, ebenfalls nach unten bis zur Autobahn und den Thermophylen. Nicht nur wir haben hier Verluste erlitten, sondern auch die Griechen, die in dieser Schlacht bei den Thermophylen in einen Hinterhalt der Perser geraten sind, die Griechen mussten fliehen, nur die 300 Spartaner mussten bleiben, denn ein Spartaner konnte nur auf den Schlachtfeld siegen oder sterben. Die Perser forderten sie Spartaner auf, die Waffen niederzulegen, doch Leonidas, der Führer der Spartaner rief den Persern zu: „Molon Labe“- „Kommt und holt sie euch“ und starb in der kurzen Schlacht mit seinen Mannen dort, wo heute ein Denkmal daran erinnert, den Heldentod. Unsere vier Fahrer starben keinen Heldentod, sondern trudelten eine halbe Stunde später ein, da sie einen Umweg fahren mussten.
Glücklich vereint fahren wir dann dem Ziel entgegen, wir trainieren in der Ebene in der Gruppe zu fahren, was auch bis kurz vor Loutra Ipatis ganz gut klappt, dann har Yorgos den allabendlichen Überraschungsanstieg eingeplant, den wir jedoch auch noch meistern.
Es ist angenehm an einem nicht zu kurzen Tag im Hellen anzukommen und das Lokal des Abends ist klein, gemütlich, eher eine Kneipe, das Essen ist deftig, aber gut. Mich als Liebhaber zwiebelartiger Gewächse faszinierte das Kartoffelpüree mit Knoblauch oder besser das Knoblauchpüree mit Kartoffeln zum Fisch, so dass ich wohl morgen hauptsächlich hinten fahren werde….

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24.02.2008: Keine Panik in den Bergen

Von Delphi über den Parnassos nach Amfiklia, 62 km, 1234 Höhenmeter

Von Tom Krech

Das Wetter bleibt weiterhin auf unserer Seite, die Sonne strahlt wolkenfrei und wir konnten fast Ausschlafen, denn am Morgen steht die Besichtigung des Orakels von Delphi auf dem Programm und das öffnet erst um halb 10. Nach unserem gestrigen „Symposium“ ist die Moral in der Gruppe sichtlich wieder ganz oben. Gemütlich radeln wir zum Orakel, nachdem wir noch einen Plattfuß an meinem Hinterrad repariert haben, nun schon der zweite auf der Tour und jedes Mal durch einen winzigen dünnen Draht verursacht.
Das Orakel liegt an einem Felsen vor der Stadt und ist eine riesige Anlage mit vielen Ruinen, Tempeln und einem alten Stadion und einem Theater. Diesmal gibt uns Kostas, der sonst das Auto fährt, alles Wichtige und Interessant zum Ort. Über ein Jahrtausend war hier prophetischer Hochbetrieb und es wurde schwunghafter Handel und Politik mit den Weissagungen betrieben. Bis zu drei Priesterinnen wurden bei den monatlichen Orakelsitzungen Weihrauch und anderen Dämpfen ausgesetzt, die dann reichlich bekifft Unverständliches von sich gaben. Anfangs verwendete man Jungfrauen, aber nach einer Vergewaltigung eines unzufriedenen Orakelempfängers wurden diese durch ältere Damen ersetzt, ob diese auch Jungfrauen sein mussten, darauf wusste Kostas keine Antwort.
Die bekifften Äußerungen wurden dann von den Priestern in einem mehrdeutigen Orakelspruch übersetzt und den Bittstellern überreicht. Diese hatten die Nachricht zu deuten oder wendeten sich an professionelle Deuter. Ein weiteres gutes System der Arbeitsbeschaffung war auch, dass die Antragsteller ein Tier zu opfern hatten, aus dessen Gedärmen abgelesen wurde, ob das Orakel überhaupt spruchwillig sei; war es dies nicht mussten die Gesandtschaften eine Monat warten und vielleicht einen weiteren und im Winter wurde nicht orakelt. Dabei verdienten die umliegenden Hotels und Tavernen reichlich und so manche Gesandtschaft, die von sehr weit her angerückt war, um das Resultat eines Krieges mit dem benachbarten Stadtstaat zu erfahren, löste das Problem in Wochen und Monaten der Wartezeit mit der gegnerischen Delegation, die natürlich ebenfalls in der Hoffnung auf einen positiven Orakelspruch angereist war, bei vielen Amphoren griechischen Weines.
In der Spätantike war das Orakel dann zwar politisch nicht mehr so wichtig, aber die Griechen kamen in Scharen hierher und ließen sich den fast tausend Jahre alten Ort mit ihren damals schon „antiken“ Baudenkmalen zeigen und ihr persönliches Schicksal orakeln, geführt von professionellen Reiseführern, also meinen antiken Kollegen.
Gegen 11 Uhr sitzen wir dann auf den Rädern und radeln straff bergan, der Verkehr ist heftig, denn es geht in Richtung des Wintersportzentrums im Parnassos. Große Autos mit gestylten Menschen rasen die Passstraße hinauf. In Arachova herrscht absolutes Verkehrschaos wegen der vielen Mercedes und BMW, doch wir können uns gut durchschlängeln und dann die Serpentinen hinauf klettern. Fast alle fahren mit und kommen gut vorwärts nach unserer gestrigen Motivationsveranstaltung in Delphi. Die Gegend ist traumhaft, um uns herum tief verschneite Gipfel und die Sonne wärmt mit 18 Grad.
Picknick machen wir auf einer schönen Waldlichtung und erfahren bei unserem Brot und Käse, dass der Gott Pan in den Wäldern und Bergen hinter uns wohnt. Fühlt er sich gestört spielt er seine Pan-Flöte und verwirrt die Leute und treibt sie dadurch in Panik. Uns scheint er wohl gesonnen, denn nach dem Picknick sind wir auch den Verkehr los, denn wir biegen nach links ab und fahren in rasender Fahrt den Parnassos wieder hinab und fliegen auf Amfiklia zu. Zum Schluss hat Yorgos natürlich wieder eine kleine Überraschung für uns, das Hotel „Panorama“ liegt natürlich in der höchsten Häuserzeile am Hang und die Straße führt mit 14% Steigung noch einmal 150 Höhenmeter hinauf. Doch alle sind guter Laune die doch recht großen Anstiege des Tages gut geschafft zu haben und auch ich bin froh, dass sich unsere Gruppe langsam an das Fahren gewöhnt.
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23.02.2008: Das Symposium zu Delphi

Von Livadia nach Delphi, 99 km, 2034 Höhenmeter

von Tom Krech

Heute war der bisher anstrengendste Tag der Tour, obwohl wir zeitig losgefahren sind, kamen wir erst im Dunkeln in Delphi an und auch die Stimmung in der Gruppe war mies, einige unzufrieden mit sich selbst, einige unzufrieden mit dem langen Tagesprogramm, so dass wir am Abend vor dem Essen eine kleine Konferenz einberufen haben, um diese Probleme zur Sprache zu bringen und zu klären.
Schon von Anfang an war klar gewesen dass es ein harter Tag werden würde und so sind wir dann nach zeitigem Frühstück losgefahren und es ging dann auch sehr gut einen langen Pass hinauf, ein klassischer Pass mit schönen Serpentinen, grandioser Aussicht auf die umliegenden schneebedeckten Gipfel und die Ebene mit ihren Pistazien und Pinienhainen, allerdings auch mit Anstiegsrampen bis zu 14% Steigung und die machten so einigen stark zu schaffen. Oben angekommen waren jedoch alle erst einmal glücklich, aber wir haben eben viel zu lange für die nicht einmal 10 Kilometer gebraucht.
Bis zum Mittag ging es dann weiter auf und ab und gegen 14 Uhr nach einem weiteren heftigen Anstieg erreichen wir das wunderschöne Osias Loukas Kloster. Neben der inzwischen zur guten Gewohnheit gewordenen üppigen Brotzeit gab es noch eine Einführung von Yorgos in byzantinische Kirchenbaukunst und Ikonenmalerei. Nach dem Mittag stiegen dann vier unserer Leute aufs Fahrzeug um, denn es ging weiter bergauf, diesmal zwar nicht steil, aber auch wieder lang und stetig, doch werden wir durch einen grandiosen Ausblick aufs Meer belohnt. 700 Meter unter uns liegen Buchten mit Schiffen und eine kleine Stadt, wie Spielzeug aus einem Baukasten in einer umwerfenden Landschaft. Und in diese stürzen wir uns dann auf der gut ausgebauten vierspurigen Straße und fahren bis hinunter ans Meer und wir wissen, dass wir fast die gleiche Distanz wieder hinauf müssen. Und es ist schon 17 Uhr als wir in die Heiligen Olivenhaine von Kirrha einbiegen, eine weite Talsohle mit hunderttausenden alten und knorrigen Ölbäumen, zwischen denen sich ein schlecht asphaltiertes und manchmal nur geschottertes Band windet. Über dem Meer steht die untergehende Sonne und wenig später können wir nur noch die gespenstischen Umrisse der Baumveteranen wahrnehmen. Wir fahren wieder einmal im Dunkeln und die Landschaft ist fast schon unheimlich, jedes Geräusch lauter als normal und auf dem Weg gibt es tiefe dunkle Löcher, die wir im Licht der Stirnlampen meist erst im letzten Augenblick wahrnehmen. Ab und zu tauchen paarweise grüne Leuchtpunkte am Rande des Weges auf und wenn man die Lampe auf sie richtet erkennt man den emotionslos wiederkäuenden Kopf einer Kuh. Dann steigt die Straße stark an und windet sich in engen Serpentinen und Schleifen den Berg hinauf. Schleife um Schleife, Serpentine um Serpentine schleichen wir den unheimlichen Pfad hinauf und sind irgendwann dann endlich oben angekommen an der Hauptstraße, wo hinter der nächsten Biegung der Straße die ersten Lichter der Stadt Delphi auf uns warten. Dort dann noch einen letzten Anstieg, vor uns ein Kirchplatz und ein schönes Gebäude, das Hotel? Nein, die Polizeistation; Yorgos ist immer wieder für eine Überraschung gut. Wir parken die Räder vor der Polizeistation, da es im Hotel keine Garage oder einen Keller gibt und Fahrraddiebstahl auch in Griechenland nicht unbekannt ist. Bis zum Hotel sind es dann noch 5 Minuten zu laufen, bis wir endlich unter die warme Dusche dürfen. Eckhardt sprach mich darauf an, dass in der Gruppe einige Teilnehmer unzufrieden seien mit den langen Tagesetappen und den vielen Höhenmetern und so bereite ich mich unter der warmen Dusche schon einmal auf eine Diskussion vor. Beim Abendessen soll dann jeder ein kurzes Statement zu den bisherigen Etappen abgeben, die nur ihn treffen. Die alten Griechen bezeichneten so etwas als Symposium, es gab eine begrenzte Redezeit zu einem Thema und es wurde dabei je nach dem Gegenstand der Diskussion mehr oder weniger getrunken. Bei unserem Symposium, dass allerdings im Sitzen und nicht im Liegen stattfand, zeigte sich, dass unsere trainierten Teilnehmer keine Probleme mit dem Ablauf haben und diejenigen, die aus unterschiedlichsten Gründen kaum Zeit zur physischen Vorbereitung hatten, unzufrieden waren. Doch ich denke, ich konnte unsere Leute noch einmal daran erinnern, dass unser gemeinsamer Plan heißt, nach Beijing zu kommen und, dass allen klar sein müsse, dass es ein mitunter schwerer und anstrengender Weg wird. Natürlich werden wir uns auch als Gruppe entwickeln und unsere überflüssigen Pausen und Wartereien reduzieren, allerdings wird auch das noch einige Zeit brauchen. Auch Volker erinnert noch einmal daran, dass wir ja keinen Wettkampf veranstalten und auch immer das Fahrzeug zur Verfügung steht und auch andere Globetrotter mitunter vom Plan abgewichen sind und einen zusätzlichen Ruhetag eingelegt haben. Das ist zwar bei uns nicht möglich, aber ein Tag im Bus zerstört ja nicht das gesamte Konzept, denn dafür haben wir diesen ja dabei. In Gedanken bedanke ich mich bei den Göttern des Olymps, die uns seit dem ersten Tage nur Sonnenschein bescherten, denn wenn es zu unseren beiden Marathonetappen zusätzlich auch noch geregnet hätte, wäre keine auch noch so gute Motivationsrede in der Lage gewesen, die Stimmung in der Gruppe wieder gerade zu rücken; und ich nehme mir vor morgen das Orakel von Delphi nach den Wetteraussichten zu befragen, da wieder einmal kein Internet zur Verfügung steht.

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von Tom Krech

Durch die Sümpfe der erschlagenen Ritter

Die Nacht war einfach zu kurz, um richtig erholsam zu sein, ich bin gerade einmal auf sechs Stunden Schlaf gekommen und erst der Kaffee beim Frühstück macht mich ein wenig wacher. Den anderen geht es ähnlich, aber wahrscheinlich hat der eine oder andere noch schwerere Beine als ich. Die Journalistin vom Lokalblatt ist etwas komisch drauf, kein Einziger von uns wird interviewt und nach den drei Fotos von der Gruppe mit dem Meer im Hintergrund verschwindet sie grußlos.
Während wir Chalkis verlassen, beginnt es ein wenig zu regnen, obwohl der Himmel kaum danach aussieht. Nur eine einzige Wolke steht dunkel über uns am Himmel und so ist der leichte Schauer schon wieder vorbei, nachdem wir alle die Regensachen ausgepackt haben.
Die ruhige Straße führt in die Berge, die sich aber in ein weites Tal öffnen, rundherum sanfte, leicht verschneite Berge und Hügel und unten in der Talsenke streckt sich der Paralimo See dahin, der See beim See, welcher der Ilikisee ist, der aber unsichtbar hinter dem nächsten Hügel versteckt liegt. Nach dem nächsten Anstieg geht es abwärts auf Theben zu und dort auf die Fernverkehrsstraße, auf der der Verkehr mehr als heftig ist. Doch gleich hinter Theben geht es wieder in die Berge, doch zuvor tanken wir Lebensmittel für ein großes Picknick in einem Supermarkt. Mit Schinken, Käse, Rotwein und Oliven beladen geht es dann den Berg in einem langen, grünen Tal hinauf. Ich bleibe hinten bei Uli und wir optimieren etwas seinen Fahrstil am Berg; gleichmäßiges Treten, Sattel etwas höher; tief durchatmen und weniger Körpereinsatz und schon kommt er den Berg einfacher hinauf.
Bei dem kleinen Dorf Askraja liegt eine erfrischend Quelle am Rande des Tales der Musen und dort machen wir dann auch unser ausgedehntes Picknick und genießen, neben dem Wein und dem Käse, die wohlig warme Sonne im Gesicht. Leider lässt sich keine der Musen sehen, von der ich mich hätte küssen lassen können und so geht es dann weiter das letzte Stück bis auf den Pass und die rauschende Abfahrt hinunter. Ich warte oben bis alle abgefahren sind und falte mich dann so aerodynamisch wie möglich zusammen und blase den glatten Asphalt hinunter und lege mich in die weiten Kurven und erreiche mit etwas mehr als 70 Stundenkilometern die vor uns liegende Ebene von Kopais. Wo heute ausgedehnte Baumwollfelder liegen, die wir an den vertrockneten Pflanzen mit Wattebausch erkennen, die bei der letzten Ernte vergessen worden sind, war früher ein Sumpf und auch hier hat zu historischen Zeiten eine bemerkenswerte Schlacht stattgefunden. Athener Ritter trafen hier auf erbitterte Gegenwehr der Katalanen. Die unbeweglichen und schwer gepanzerten Ritter wurden von den beweglichen Fußtruppen der Katalanen in den Sumpf gelockt, wo sie mit ihren Pferden stecken blieben. Die Ritter wurden erschlagen und deren Frauen von den Katalanen geheiratet.
Mit gutem Rückenwind und guter Laune fliegen wir über diese Ebene und erreichen gegen 18 Uhr die Stadt Livada. Zum Abendessen gibt es super leckeres Lamm und es wird natürlich wie immer sehr spät, vor allem, weil wir am nächsten Morgen zeitig los wollen.

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von Tom Krech 

Sehr zeitig wollten wir los, etwas später ist es dann geworden. Gegen 8 Uhr rollen wir zum alten Olympiastadion, wo 1896 die ersten Spiele der Moderne stattfanden. Hier klicken noch einmal 20 Minuten die Fotoapparate und dann sind wir auf der Ausfallstraße. Der Verkehr ist dicht und wir kommen nur langsam vorwärts, obwohl wir Verstärkung durch die Polizei bekommen haben, die nun mit Blaulicht hinter uns herfährt. Steht eine Ampel dann einmal auf Rot, ertönt die Sirene und wir können weiter, ohne auf den Verkehr achten zu müssen. So bleibt es dann auch die ersten vierzig Kilometer bis Marathon. Hier stehen wir dann wieder auf historischem Grund, denn auch hier wurden die Perser von den Griechen vernichtend geschlagen, eine Schlacht die die Grenze zwischen Ost und West bis heute zementiert hat. Hinter Marathon biegen wir dann auf eine winzige Straße ab und stehen nach einem langen Anstieg mitten im Schnee. Welch ein Gegensatz zur strahlenden Sonne, die gerade erst begonnen hat, die Schafweiden frei zu lecken. Überall rinnt Wasser und es plätschert und an einem idyllischen Plätzchen unter alten Bäumen machen wir Rast für ein Picknick, wieder mit viel Käse, Wein und Oliven.
Danach beginnt unsere Schlammschlacht. Der Feldweg hat sich aufgelöst, Abschnitte mit Schneematsch und tiefem Schlamm wechseln sich ab. Fahrradfahren ist unmöglich und wir schieben die Räder unter Aufbringung aller Kräfte nach oben. Den Berg hinunter ist es eine einzige Schlitterpartie, die unten an einem breiten Wildbach endet, danach geht es wieder im Schlamm aufwärts, doch nach gut anderthalb Stunden haben wir es geschafft, wir stehen auf einer Kuppe, genießen den Ausblick, die Räder sind total verschlammt, die Schuhe nass, aber wir sind oben und der Weg wird wieder besser. Nachdem also die Perser um 490 vor Christus kläglich gescheitert sind, hat sich unser „Eulen-Team“ durchgeschlagen und einen ersten schweren Kampf gegen die Unbilden der Natur gewonnen. Leider haben wir nur dabei viel Zeit verloren, es ist schon später Nachmittag und wir haben noch 50 Kilometer vor uns, und die nicht in der Ebene. Am nächsten langen Berg beginnt für die nicht ganz so erfahrenen Radler dann der nächste Kampf, nämlich der um jeden Höhenmeter, aber auch den bestehen wir und kommen eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang am Pass an. Die Abfahrt ist steil und feucht und in einer Querrinne stürzt Uli, zum Glück passiert nichts und es geht weiter in sausender Fahrt wieder bis ganz nach unten ans Meer. Doch alle sind müde und wir haben noch einen zweiten Sturz. Yorgos stürzt, weil einer unserer Fahrer rechts überholt hat und holt sich ein paar schmerzhafte Schrammen. Nach einem schönen Uferabschnitt im Sonnenuntergang wird es dunkel und kalt, die meisten unserer Fahrer sind ausgepowert von den Anstrengungen des Tages und der Weg bis zum Ziel zieht sich in die Länge und ärgert uns mit kleinen heftigen Abstiegen und die erste noch vor zwei Tagen diskutierte Grenzerfahrung wird gemacht. Für Uli ist es das erste Mal überhaupt, mehr als hundert Kilometer gefahren zu sein und ich bin froh, dass alle um halb neun abends das Hotel erreichen, ohne noch aufs Auto umzusteigen. Nach einer heißen Dusche sind alle wieder in der Hotelhalle und das Abendessen in einem sehr guten Fischlokal ist vom Feinsten und schon beginnen alle von den heutigen Heldentaten zu erzählen…

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von Tom Krech

Die Sonne scheint und auch an den Straßenrändern schmelzen unter den wärmenden Strahlen die letzten Schneehaufen dahin. Gegen 9 Uhr rollt unsere Karawane los, erstmalig komplett, denn gestern Abend ist Marlies aus Berlin auch noch angekommen. Der Verkehr in Athen ist dicht, aber die Autofahrer sind rücksichtsvoll, auch wenn es nur daran liegen mag, dass wir in der großen Gruppe fahren und unser Gruppenfahrstil chaotisch ist. Immer mal wieder müssen wir noch einmal anhalten, weil hier noch schnell ein Sattel verstellt werden muss oder sich ein nicht festgemachter Spanngurt in den Speichen verfangen hat. Nach einer knappen Stunde erreichen wir den Hafen von Piräus und besteigen unsere Fähre. Vom Oberdeck haben wir eine glänzende Sicht auf die riesige Bucht des Saronischen Golfes. Vorbei fahren wir an der Insel Salamina und blinzeln in die Sonne. Die Silhouetten der vielen Fracht- und Handelschiffe verschwimmen und verwandeln sich in große persische Kriegsschiffe, die mit vollen Segeln auf Athen zuhalten. In den Hinterhalt gelockt tauchen von überall her kleine wendige Kriegsschiffe der Athener und Äginer auf und versenken den größten Teil der prächtigen persischen Flotte im Saronischen Golf. Das war vor knapp 2500 Jahren.
Heute jedoch ist alles friedlich und am Hafen von Ägina tummeln sich viele Touristen aus aller Herren Länder. Wir schwingen uns auf die Räder und halten noch einmal an einem großen Supermarkt am Rande des Städtchens; verschiedene Sorten Käse, Salami, Tomaten, Gurken und Paprika wandern in den Einkaufswagen. Nicht zu vergessen natürlich Oliven und ein 5 Liter Kanister mit Rotwein, denn heute ist ja herrlichstes Picknickwetter. So ausgerüstet stürzen wir uns ins innere der Insel. In der neu gebauten Kirche am Kloster des heiligen Nektarius machen wir noch einmal halt. Ein echter Schelm muss das gewesen sein, nach einem anstrengenden Leben als Priester hat er sich hierher zurückgezogen und die letzten Jahre seines Lebens in einem Nonnenkloster verbracht. Einen Blick auf die Berge, die Pistazienhaine, die blühenden Mandelbäume werfend, die salzige Meeresluft einatmend erscheint mir das eine angenehme Alternative zum Rentnerdasein in einem Berliner Altersheim; aber bis dahin vergehen ja noch ein paar Dekaden.
Interessant ist auch der Tempel der Aphala, wunderschön auf einem Hügel mit Blick auf die See gelegen. Yorgos erklärt uns, die Besonderheiten des Baustils, die verputzten Säulen, die Marmor imitieren sollen, die leicht geneigt sind, um einen aufstrebenden Eindruck zu vermitteln.
In einem Pistazienhain packen wir dann unsere Köstlichkeiten aus, gebrochenes Brot und leckerer Käse, Oliven und ein Schluck Rotwein, der trotz der barbarischen Plastikverpackung ein hervorragender Tafelwein ist und ich denke, dass der Plan auf der Tour einige Kilo abzunehmen noch etwas warten muss.
Nach dem Essen geht es in rasender Fahrt abwärts ans Meer hinunter. Die Aussicht ist von jedem Punkt grandios, vor uns das Meer und hinter uns Berge, die schon vor hunderten von Jahren terrassiert wurden und verstreute Gehöfte. Auf der wenig befahrenen Straße kommt uns ein Bauer hoch zu Ross entgegen und grüßt freundlich.
Dann geht es wieder richtig den Berg hinauf und so manch einer ahnt nun, auf was er sich mit dieser Tour eingelassen hat, aber wir kommen alle mit guter Laune oben an.
Zurück in Ägina ist noch Zeit für einen Espresso, bevor wir wieder aufs Schiff zurück nach Piräus gehen, von welchem wir den ersten grandiosen Sonnenuntergang genießen können.
Noch eine Sensation gibt es auf dem Schiff: „Wir sind in der Zeitung“! Yorgos hat uns die Zeitung besorgt, die einen ersten Artikel von uns veröffentlicht hat und wir sind alle so stolz.
Am Abend enden wir wieder in der gleichen Taverne wie am Vortage, trinken aber nicht ganz so viel, denn im Hotel erwartet die meisten von uns noch ein Gepäckchaos, das verpackt werden muss, denn morgen geht es in aller Frühe dann richtig und wirklich los, raus aus Athen in Richtung Peking.

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19.02.2008 Athen

von Volker Häring

Griechenland, ein Wintermärchen! Immer noch ist die Luft glasklar und will so gar nicht zu dem Smog-Klischee Athens passen. Eiskalt weht es zum Fenster herein, während sich die Klimaanlage nach einer undurchsichtigen Automatik im Viertelstundenrhythmus brühheißer Luft entledigt. In der Nähe das Geräusch von Schneeschippen. Tauwasser tropft von den Dächern. Für heute sind 12 Grad angesagt.

Das Frühstück entspricht dem mediterranen Klischee, nur das auch noch der Kaffee schlecht ist. Immerhin, der griechische Joghurt hält, was er verspricht und gibt zusammen mit Dosenpfirsichen und einer Art Osterbrot eine erträgliches Morgenstärkung ab. Das nächste Frühstück, das unseren mitteleuropäischen Gewohnheiten entgegenkommt, werden wir wohl erst wieder nach unserer Rückkehr haben, in China warten schon Reisbrei und Nudelsuppe auf uns.

Unsere Rezeptionsdame hatte aus dem Augenwinkel beobachtet, dass Robert sein Fahrrad über Nacht auf sein Zimmer genommen hatte. Da sie ausgezeichnet Deutsch spricht, wird ihr Ärger auch nicht durch eine Übersetzung gefiltert. Yorgos bietet ihr an, dass Zimmer zu untersuchen und uns mitzuteilen, ob ein Schaden entstanden ist. Das beruhigt sie, sie besteht aber darauf, dass die Gruppe eindringlich instruiert wird, kein Rad mehr auf’s Hotelzimmer zu nehmen. Was Tom gerne macht. Hätte das Hotel einen kleinen Hof oder etwas Vergleichbares, würde sich das Problem gar nicht erst stellen. Wir beschließen, die Räder für die Nacht bei Gnosis in der Garage unterzustellen und organisieren für den Abend einen Anhänger, um die Räder dahin zu bringen. .

Auf der Straße dann die nächste Aufregung: Der griechische Fahrer des Autos, dass wir am Vorabend zwei Meter nach vorne getragen hatten, damit unser Bus vor dem Hotel parken konnte, hat unsere Kraftanstrengung bemerkt und versucht nun, Kapital daraus zu schlagen. Yorgos gibt sich erst gar keine Mühe, zu übersetzen, die Gestik und Mimik verrät alles: Handbremse ausgeleiert, Lack zerkratzt, und überhaupt eine Unverschämtheit! Nach fünf Minute hat er sich beruhigt, steigt in sein Auto und fährt grummelnd davon.

Eigentlich wollen wir schon seit 9 Uhr unterwegs sein, doch das Schrauben und Feinjustieren an 18 Rädern zieht sich in die Länge. Schon jetzt sieht kein Rad wie das andere aus, fast jeder hat mindestens ein persönliches Gimmick, eine spezielle Klingel, verschiedene GPS-Geräte, Tachos und Dieter und Robert sogar einen Rückspiegel. Uli hat sich vorne und hinten jeweils eine Halterung für die Fotokamera anschweißen lassen. Statt einer Lenkertasche schwört er auf einen großen Metallkorb. Probleme gibt es mit der Ersatzteilausstattung. Continental war zwar so nett, 70 Ersatzschläuche zu sponsern, hat aber leider Exemplare mit Blitzventilen geschickt, die nicht durch die Felgenbohrung der Räder passen. Zudem fehlt bei einer der Sattelstützen eine Schraube. Ein kurzer Anruf bei Anke von Koga, die ich unglücklicherweise am ersten Tag ihres Urlaubs erwische, und schon ist eine Ersatzsattelstütze mit FedEx unterwegs und Continental verspricht, neue Schläuche nach Thessaloniki zu schicken. Bis dahin sollten wir es mit den vier Ersatzschläuche schaffen, die wir individuell mitgenommen haben.

Dann endlich auf den Fahrrädern, auch wenn unsere Tour durch das klassische Athen mehr ein Ausweichen zwischen Autos und meterhohen Schneehaufen ist – wenn wir mal fahren. Yorgos, im Nebenberuf Studienreiseleiter bei Studiosus, führt uns mit äußerster Akribie in die griechische Kultur ein – Diogenes Ausspruch „Geh mir aus der Sonne!“ saugt die Gruppe begierig auf und er wird zu einem Running Gag, jetzt, da die Sonne zwar tief steht, aber kräftig am Schnee nagt, dem die Athener mit Gartenspaten, Spachteln und oft auch mit den bloßen Händen Herr werden wollen. Bis 12:00 Uhr ist die Akropolis wegen Vereisung gesperrt und so radeln und laufen wir durch Athens Altstadt, treffen eine Gruppe Chinesinnen, die die Tatsache, dass Tom und ich Chinesisch sprechen, mit großen Augen aufnehmen und uns dann erst ungläubig und dann enthusiastisch anschauen, als sie von unserer Radtour erfahren. Tom, unser Experte für das weibliche Geschlecht im Reich der Mitte tauscht Telefonnummern aus und verspricht, sich in Peking zu melden.

Vor einer griechischen Flagge machen wir Portraitfotos von allen Teilnehmern, um nach Ankunft in Peking vergleichen zu können. Bin gespannt, was 175 Tage um die halbe Welt in die Gesichter schreibt.

Weit nach 12 Uhr stehen wir dann auf der Akropolis, inmitten von frierenden Touristenmassen und genießen neben der klassischen Restarchitektur vor allem den Ausblick auf das komplett smogfreie Athen. Eine Tatsache, die fast noch ungewöhnlicher ist als das gestrige Schneechaos.

Zum Mittagessen gibt es Gyrosspieße aus der Hand, im Zickzackkurs fahren wird weiter durch Einbahnstraßen, über Bürgersteige und rote Ampeln, weil sonst kein Durchkommen auf den Straßen ist, zwischen den Autos und unzähligen Baustellen. Trotz Verkehrschaos harmonieren wir gut in der Gruppe und verlieren nur an jeder zweiten Ampel kurzzeitig die Nachhut. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit wird es empfindlich kalt und wir radeln zurück ins Hotel. Die Xantippe an der Rezeption scheint frei zu haben. Gott sei Dank!

Zum Abendessen kehren wir noch einmal, diesmal zu Fuß, zur Akropolis zurück, die nun gleißend hell in der klaren Nachtluft schimmert. Unser Restaurant liegt am Fuße der Athener Burg und verwöhnt uns mit griechischer Kost vom Feinsten. Diesmal, mit Ausnahme eines ausgezeichnet mit Tomatensauce gekochten Tintenfischgerichtes, rein vegetarisch, was bei der Gruppe ausgezeichnet ankommt.  Auch beim Wein scheinen unsere Radler keine Kostverächter zu sein! Während der Großteil der Gruppe glücklich nach Hause wankt, begibt sich ein kleiner Männerhaufen noch in einen Fahrradclub, der nur wenige Meter vom Restaurant entfernt liegt. In einem kleinen Souterrain stehen einige schicke Räder zwischen Ersatzteilen, allerlei Gerümpel und einigen griechischen Radenthusiasten, die sich an dem lokalen Bier festhalten. Eine litauische Gruppe sei gestern in Olympia in Richtung Peking abgefahren und würde die gleich Strecke wie wir fahren, erfahren wir. Wissen wir leider bereits, da einige Radler dieser Gruppe im Vorfeld schon Informationen von uns haben wollten und dabei so taten, als würden sie an unserer Tour teilnehmen wollen. Also eher unerfreulich. Und zwei Chinesen seien vor einigen Tagen auf gleicher Strecke losgeradelt. Das ist uns neu und es wäre schon, die beiden unterwegs zu treffen. Auf ein Bier lassen wir uns noch breitschlagen, dann wanken auch wir zum Hotel zurück. Morgen ist die erste längere Tour geplant, die auf die Insel Ägina führen wird.

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von Tom Krech

Das einzige, was wir vom Unwetter mitbekommen haben, das halb Griechenland mit Schneemassen lahm gelegt hat, war ein leichtes Rollen des Schiffes. Am Morgen jedoch ist der Himmel glasklar, das Wasser stahlblau und die Sicht wunderbar. An der Küste zeichnen sich die Dörfer am Ufer deutlich ab und die Berge, auch die nicht so hohen sind wie mit Puderzucker bestäubt, mit Schnee bedeckt.
Das Frühstück auf unserer Superfast-Fähre ist lausig, dafür wird die Stimmung besser je näher wir der griechischen Küste kommen. Gegen Mittag sehen wir dann endlich den Hafen von Akona und beobachten das Anlanden vom sonnigen Oberdeck. Wir begeben uns von Bord und haben den nächsten Foto- und Fernsehtermin mit dem griechischen Fernsehen. Langsam wird es Zeit, auf die Räder zu kommen, Vorschußlorbeeren haben wir inzwischen genug gesammelt. Auch Yorgos, unser griechischer Führer, hat uns am Hafen getroffen und erzählt uns von 30 cm Schnee in Athen und das der Rest unserer Teilnehmer massiv verspätet eintreffen wird, da der Verkehr komplett zusammengebrochen war und auch der Flughafen geschlossen ist.

Der Bus windet sich durch wunderschöne Landschaft, überall liegen kleine Ortschaften und verstreute Häuser, Olivenhaine und Obstplantagen. Mandarinen und Zitronen leuchten an den Bäumen. Auf Athen zu wird es immer frischer und es liegt Schnee, nicht nur ein dünner Hauch, sondern eine richtig dicke Schneedecke, so etwas soll Athen seit Jahren nicht mehr gesehen haben. Hubert, unser Österreicher war mit einer anderen Fähre gekommen und dann 65 Kilometer geradelt, denn ein öffentliches Verkehrsmittel gab es heute Morgen nicht mehr. Wir sammeln ihn dann an der letzten Mautstation vor Athen ein und Hubert ist auch ganz froh, in den warmen Bus steigen zu können.

Inzwischen sind Athens Straßen einigermaßen geräumt und wir erreichen gegen 17 Uhr das Hotel. Athen ist nicht unbedingt eine Schönheit, die Straßen sind eng und erscheinen durch den Schneematsch noch grauer, als sie wohl wirklich sind. Überall stapelt sich Müll und der Verkehr ist recht dicht, aber ich denke, die historischen Plätze, die wir morgen besichtigen wollen, machen dies alles wieder wett. Bei der Einfahrt hatten wir einen entfernten Blick auf die Akropolis werfen können, die aber noch zu weit weg war, um einen Eindruck zu gewinnen.

Viel Zeit bleibt im Hotel nicht mehr bis zum Abendessen, gerade einmal genug, um alle Taschen auszuräumen und im Zimmer ein Chaos zu hinterlassen. Damit unser Bus vor dem Hotel parken konnte, hatten wir einen griechischen PKW einfach ein paar Meter nach vorne getragen. Die Taverne, in die uns Yorgos von Gnosis Reisen, unserer griechischen Partneragentur, führt, ist klein und urgemütlich. Ein leichter Weißwein wird sofort aufgetischt und es kommen Salate mit Schafskäse, eine Art Spinat, Auberginen und Grillfleisch, dazu frisches Brot und Olivenöl. Alles erstaunlich lecker und hat nichts mit dem zu tun, was „der Grieche“ in Berlin auf den Tisch bringt. Das Essen zieht sich in die Länge, Krug um Krug des Weines wird geleert und die Stimmung steigt noch einmal, als dann die beiden Berliner Andre und Heike mit 24 Stunden Verspätung eintreffen. Die beiden hatten am Vortage schon einmal im Flieger gesessen, der dann keine Starterlaubnis bekommen hat und auch am nächsten Tag gab es noch einmal eine heftige Verspätung und ich bin froh, dass ich die Anreise mit dem Bus gemacht habe und einfach noch etwas Zeit blieb, mich nach dem Stress der letzten Wochen in Berlin zu erholen und mental auf das Kommende vorzubereiten. Zuweilen ist der Landweg eben doch schneller als ein Flug. Bis Mitternacht fließt noch viel Wein unsere Kehlen hinunter und dann wanken wir ins nahe Hotel zurück, wo ich dann mein Ausrüstungschaos einfach nur beiseite schiebe und in traumlosen Tiefschlaf falle.

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18.02.2008 Ancona-Patras

Eintrag von Volker Häring

Schnee! Das Fernsehen zeigt rutschende Autos, weiße Straßen, Schneeberge am Straßenrand. Der Ort: Athen. Aus dem Panoramafenster der Schiffsdisko, am Morgen Treffpunkt der aussteigewilligen Passagiere, gibt den Blick frei auf blaues Meer, strahlenden Sonnenschein und zerklüftete Inseln. Nur die leicht gezuckerten Bergspitzen erinnern an den Wintereinbruch in Griechenland, pünktlich zu unserer Ankunft. Noch ist uns angenehm warm und auch der Schnee kann uns nicht schrecken. „Zu einer außergewöhnlichen Reise gehört auch außergewöhnliches Wetter!“ wirft Richard ein, der neben mir sitzt und über die schweren Trucks auf der Ladefläche sinnierend auf das blaue Meer blickt.
Die Anreise hätte passender nicht sein können. Warum sollten wir es ausgerechnet auf dem Weg nach Athen eilig haben, um uns danach 170 Tage Zeit für den Weg nach Peking zu nehmen?! 48 Stunden sind die meisten von uns jetzt unterwegs, knapp 40 Stunden sind vergangen, seit wir uns in Freiburg getroffen haben. Eine Anreise mit Muße, Zeit, uns an den Gedanken zu gewöhnen, nun ein halbes Jahr unterwegs zu sein. Ancona war wenig spektakulär, eine typische mediterrane Hafenstadt mit verwinkelten Gassen, in Braun- und Orangetönen gestrichene Häusern und ein paar mäßig interessanten Kirchen. Das Schiff ist funktional, mit einfachen Mitteln auf stilvoll getrimmt und kultiviert das Selbstbewusstsein, dass schnellste Schiff auf der Route Ancona-Patras zu sein. Das Restaurant-Personal rümpft ein wenig die Nase, als wir getrennt zahlen wollen, nicht umsonst heißt getrennte Rechnung auf Griechisch „Rechnung auf Deutsch“. Auch bei uns kommt der Vorschlag auf, auch schon in Griechenland eine Gruppenkasse einzurichten und alle gemeinsamen Ausgaben daraus zu bestreiten. Ab der Türkei war dies sowieso geplant. Gestern Abend haben Tom und ich uns noch ein letztes Hefeweizen in der Disko gegönnt und vergeblich versucht, unsere Blogeinträge über das eigentlich vorhandene W-Lan-Netz zu schicken. Neben uns feiert eine Gruppe französischer Schülerinnen, dass die Lehrerin schon ins Bett gegangen ist. Aus den Lautsprechern dröhnt Funk aus den späten 1970ern. Griechische Männer Mitte 50 starren auf die Schülerinnen, die Schülerinnen auf eine kleine Gruppe gleichaltriger Jungen und ich auf den Bildschirm meines Notebooks, in der Hoffnung, doch noch Zugang zum Internet zu bekommen. Als sich um halb eins immer noch nichts rührt, geben wir auf und ziehen uns in unser Zimmer zurück. Die Kabine ist, um es positiv auszudrücken, zweckmäßig und eigentlich auf vier Personen ausgelegt. Platz für Gepäck für 175 Tage ist da eigentlich nicht, und wir sind froh, sie uns nur zu zweit zu teilen. Die Betten wirken nach 30 Stunden ohne Schlaf äußerst bequem, nur die Klimaanlage bläst einen kalten Orkan durch die Kabine. Das Thermostat bietet die Einstellungsmöglichkeiten eiskalt und fast eiskalt, ungeachtet der einladend rot schimmernden Skala am rechten Ende. So weht die ganze Nacht ein kalter Wind durch die Kabine, dem die dünnen Decken nur bedingt gewachsen sind und lüftet uns unangenehm durch. Toms Schuhe können die konstante Lüftung jedoch gut gebrauchen und landen zwecks Verbesserung des Raumklimas auf dem Gang.

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